The secret around Shakespeare’s ‘Dark Lady’

 

a. Motti
b. Inhaltsverzeichnis
c. Thesen
d. Rezensionen und Stellungnahmen
e. Repliken
f. Leserbriefe
g. Interviews

a. Motti

Es verrät einen außerordentlichen Mangel an kritischem Scharfsinn, daß unter den Auslegern Shakespeares, die wir kennen, noch keiner darauf gefallen ist, seine Sonette für seine Lebensbeschreibung zu benutzen. Sie schildern ganz augenscheinlich wirkliche Lagen und Stimmungen des Dichters, sie machen uns mit den Leidenschaften der Menschen bekannt, ja sie enthalten auch sehr merkwürdige Geständnisse über seine jugendlichen Verirrungen.

August Wilhelm Schlegel, Über dramatische Kunst und Literatur (1808)


... die großen Ideen stecken eben in den übersehenen kleinen Tatsachen der Kultur. Man muß sie nur geduldig herausholen ...

Aby M. Warburg an Wilhelm von Bode (1907)

b. Inhalt

 

Danksagungen........

I. Zur Einführung........
1. Stand der Forschung......
2. Das neue Beweismaterial......
3. Der Maler des Bildes.......
4. Die Thesen........

II. Das anonyme Sonett (Subscriptio) und die authentischen Sonette und
Dramen Shakespeares........
1. Vorbemerkungen...........
2. Englischer Text und deutsche Übertragung.............
3. Die Besonderheiten der Shakespeareschen Sonette....
4. Linguistischer Vergleich.....
Lexik.......
Semantik.......
Syntax .......
5. Literaturwissenschaftlicher Vergleich......
Figurenkonstellation........
Die Entwicklung der Beziehungen in der 'Dark Lady'-Sequenz .......
Thematische Bezüge......
6. Resümee..........

III. Die Pictura : Identifizierung der dargestellten Unbekannten........
1. Vorbemerkungen..........
2. Das bildlich Dargestellte und seine Symbolik......
3. Das Erscheinungsbild der 'Persian Lady' und der 'Dark Lady' vor dem Hintergrund des elisabethanischen Schönheitsideals.........
4. Die gesellschaftliche Stellung der 'Persian Lady' und der 'Dark Lady'
5. Die Identifizierung der 'Persian Lady' und der 'Dark Lady'......
Vorbemerkungen......
Bisherige Identifizierungsversuche der 'Persian Lady'......
Der historisch-biographische Hintergrund ......
Das Gemälde 'The Persian Lady' und ein authentisches Porträt der Gräfin von Southampton............
Bildhinweise auf dem Porträt der Gräfin von Southampton......
Das Emblem des Daumenrings der 'Persian Lady'.......
6. Resümee.......

IV. Die Inschrift des Gemäldes (Inscriptio)........
1. Vorbemerkungen........
2. Lateinischer Text und deutsche Übertragung.......
3. Die bildlichen und sprachlichen Entsprechungen........
4. Shakespeare als Verfasser der Inscriptio ......
5. Funktion und Deutung der Inschrift......
6. Resümee.......

V. Der Vater des Kindes.......
1. Vorbemerkungen.......
2. Die Hauptaussage des neuen Sonetts......
3. Versteckter Bildhinweis......
4. Zweifel an der Vaterschaft des Grafen von Southampton......
Vorbemerkung.......
Die Anspielungen des Höflings Ambrose Willoughby......
Die Glaubwürdigkeit der Gräfin von Southampton.......
Die Betonung der hellen grauen Augen des Kindes.......
Southamptons Verhalten gegenüber Penelope......
Die Rolle der Lady Rich........
5. Das Porträt der 'Lady Penelope Spencer, geb. Wriothesley' von Anthonis
van Dyck .....
6. Resümee......

VI. Erkenntnisse und Schlußfolgerungen......
1. Vorbemerkungen......
2. Datierung......
3. Titel und Auftraggeber.....
4. Herkunft......
5. Anordnung und Präsentation eines Shakespeare-Sonetts.........
6. Deutung bisher unbekannter historisch-biographischer Zusammenhänge...
7. Neuinterpretation einzelner Textstellen des Shakespeareschen Werks.....

Anmerkungen........

Bibliographie........

Verzeichnis der Abbildungen........

c. Thesen

ie Ergebnisse der in dem Buch Das Geheimnis um Shakespeares 'Dark Lady': Dokumentation einer Enthüllung 1vorgelegten Untersuchungen zu dem Gemälde 'The Persian Lady' (1) lassen sich in sechs Thesen zusammenfassen:


Erstens: Der Verfasser des anonymen Sonetts, (2) das als Subscriptio des Gemäldes 'The Persian Lady' fungiert, ist William Shakespeare. (3)

Zweitens: Das Sonett gehört in die Reihe der 'Dark Lady'-Sonette; die in ihm beschriebene Geliebte ist identisch mit der 'Dark Lady'; es stellt das eigentliche Abschluß-Sonett dieser Sequenz dar. (4)

Drittens: Der Verfasser der lateinischen Inschrift des Gemäldes (Inscriptio) ist William Shakespeare. (5)

Viertens: Die auf dem Gemälde (Pictura) in schwangerem Zustand dargestellte Dame ist die 'Dark Lady'. (6)

Fünftens: Die Porträtierte, hinter der sich eine reale historische Figur verbirgt, ist identisch mit Elizabeth Vernon, (7) der Hofdame Königin Elisabeths I., die rund zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope (8) - den Grafen von Southampton heiratete.

Sechstens: Der Vater des Kindes Penelope ist William Shakespeare. (9)


Diese Thesen werden in den einzelnen Kapiteln des Buches durch linguistische, literaturwissenschaftliche, geschichts- und kulturwissenschaftliche, botanische, medizinische und kriminaltechnische Untersuchungen und Fachgutachten belegt.

Anmerkungen:

1 Es handelt sich um ein großformatiges Bild eines der bedeutendsten elisabethanischen Maler, das eine festlich geschmückte, namentlich nicht bekannte Schwangere zeigt und in der letzten Dekade des 16. Jahrhunderts entstand, also in dem Jahrzehnt, in dem Shakespeares Sonette geschrieben wurden. Es enthält links oben eine lateinische Inschrift und rechts unten ein englischsprachiges Sonett. Text und Bild sind wechselseitig aufeinander bezogen. Die Inschrift faßt die Bildaussage sentenzartig zusammen. Die Bildkonzeption (Inscriptio, Pictura und Subscriptio) hat emblematischen Charakter.

2 Die Kernaussage dieses Sonetts besteht darin, daß das dichterische Ich über den Verlust der Frucht seines Liebesbaums (d.h. seines eigenen leiblichen, noch ungeborenen Kindes) klagt, die nun anderen zufällt. Dem entspricht die bildliche Darstellung der schwangeren Unbekannten und des weinenden Hirsches ("weeping Stagg"), dessen Kopf mit Perlen bekränzt ist, die sich aus der Hand der Schwangeren ergießen.

3 Dies wird in Teil I des Buches durch einen minuziösen linguistischen Vergleich mit Shakespeares Sonetten und Dramen (lexikalisch, semantisch und syntaktisch) sowie durch einen literaturwissenschaftlichen Vergleich (Figurenkonstellation, Entwicklung der Beziehungen und thematische Bezüge) nachgewiesen.

4 Einen überzeugenden Abschluß der Dark Lady-Sequenz gab es bisher nicht. Der überlieferte Abschluß der Sequenz in Form zweier Cupido-Sonette stammt nach allgemeiner Ansicht nicht von Shakespeare selber. Er wurde offensichtlich - weil man dies verständlicherweise für erforderlich hielt - von anderer Hand hinzugefügt.

5 Bei dem vorliegenden Kunstwerk haben Maler und Dichter aufs engste zusammengearbeitet. Aufgrund des in Renaissance und Barock üblichen arbeitsteiligen Vorgehens war der Dichter für die Texte verantwortlich. Weder der Maler noch seine Gehilfen dürften in der Lage gewesen sein, die abstrahierte Aussage der emblematischen Darstellung in ein in lateinischer Sprache abgefaßtes Motto zu kleiden. Daher kann als Urheber der Inschrift nur der Autor des Sonetts, also Shakespeare, in Frage kommen.

6 Dies ergibt sich aus dem Nachweis, daß Shakespeare der Autor des neuen anonymen Sonetts ist, daß dieses neue Sonett in die Reihe der Dark Lady-Sonette gehört und sie beschließt. Folglich muß die Geliebte des neuen Sonetts mit der Dark Lady identisch sein.

7 Die Identität konnte unter anderem durch einen Gesichtsvergleich mit einem authentischen Porträt der Gräfin von Southampton nachgewiesen werden, den der Sachverständige des Bundeskriminalamts durchgeführt hat.

8 Die Beurteilung des Stadiums der Schwangerschaft der abgebildeten Schwangeren erfolgte durch den Chefarzt einer gynäkologischen Klinik. Diese deckt sich zeitlich mit dem Stadium der Schwangerschaft, in dem sich die Gräfin von Southampton tatsächlich befand, als sie den Grafen von Southampton heiratete.

9 Dies ist der Hauptaussage von Text und Bild, nämlich der Klage des dichterischen Ichs über den Verlust der Frucht seiner Liebe, zu entnehmen. Dies wird jedoch auch durch die Ergebnisse der Gesichtsvergleiche untermauert, die der Sachverständige des Bundeskriminalamts auf der Grundlage der beiden authentischen Shakespeare-Porträts (Chandos und Flower), zweier authentischer Bildnisse des Grafen von Southampton und eines authentischen Porträts des Kindes Penelope vorgenommen hat, das im Erwachsenenalter und als verheiratete Lady Penelope Spencer, geb. Wriothesley, von Anthonis van Dyck gemalt wurde. Die Eheschließung mit Lord William Spencer erfolgte Ende 1615. Der heutige neunte Graf Spencer und seine Schwestern, darunter die 1997 tödlich verunglückte Diana, Prinzessin von Wales, sind in direkter Linie Nachfahren von Lord Henry Spencer (geb. 1620), dem einzigen Sohn von Lady Penelope (geb. 1598) und Lord William Spencer. Daß eine intime Beziehung zwischen Shakespeare und der Gräfin von Southampton bestanden hat, wird auch durch einen gezielten und absichtlich an die Nachwelt weitergegebenen Bildhinweis des Malers belegt, der auf ihrem authentischen Porträt - am rechten Ärmel versteckt - Shakespeares Gesicht abgebildet hat. Die Identifizierung der Gesichtszüge des Dramatikers wurde von dem Sachverständigen des Bundeskriminalamts voll bestätigt.

d. Rezensionen und Stellungnahmen

Elisa Reznicek, „Shakespeare in Love: Rätsel der ‚Dark Lady‘-Sonette gelüftet“, Suite101.de. Das Netzwerk der Autoren (24. Mai 2010)
http://www.suite101.de/content/shakespeare-in-love-raetsel-der-dark-lady-sonette-gelueftet-a76632

Hildegard Hammerschmidt-Hummels Buch „Das Geheimnis um Shakespeares Dark Lady“: Wer war die Geliebte des britischen Dramatikers, Vorfahr von Prince William?
Was wäre das Leben ohne Liebe und Leidenschaft? Auch William Shakespeares Sonette lassen keine Zweifel an der Antwort aufkommen...
William Shakespeares „Dark Lady“-Sonette
Die mysteriöse, anziehende, reizvolle Gestalt, die als „Dark Lady“ bekannt wurde und im Zentrum unzähliger Shakespeare-Sonette steht, gibt seit Jahrhunderten Rätsel auf. Der Leser erfährt: Sie stürzte den englischen Dichterfürsten erst in einen erotischen Taumel, dann in Abhängigkeit und später ob ihrer „Zweit-Liaison“ mit einem seiner engen Vertrauten in tiefe Verzweiflung.
Wer war die mysteriöse Geliebte, die William Shakespeare beschrieb?
Doch wer war diese Frau, der William Shakespeare … ein Denkmal setzte und der er ganz offensichtlich mit Haut und Haaren verfallen war – selbst als er als Teil des fatalen Dreiecksverhältnisses rasant auf den emotionalen und physischen Abgrund zusteuerte?
Mit geradezu kriminalistischem Gespür ist es der Shakespeare-Expertin und Anglistik-Professorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel gelungen, das Mysterium (immerhin eines der größten der Literaturgeschichte) um die niemals namentlich genannte Geliebte aufzudecken. Sie ist die Verfasserin des Buches „Das Geheimnis um Shakespeares ‚Dark Lady‘“.
Hildegard Hammerschmidt-Hummel lüftet das Geheimnis um Shakespeares „Dark Lady“
Bei ihrem Vortrag im Rahmen der Karlsruher Schlosskonzerte (Gartensaal Schloss Karlsruhe, 21.05.2010) gibt Hildegard Hammerschmidt-Hummel einen spannenden Einblick in ihre interdisziplinäre Forschung, deren Dreh- und Angelpunkt nicht allein das Werk des britischen Dramatikers und Dichters bildet. Auch mehrere Gemälde halfen dabei, Licht ins liebestolle Dunkel zu bringen.
Maßgeblich ausgehend vom Bild „The Persian Lady“, auf dem der Renaissance-Maler Marcus Gheerarts der Jüngere eine später als hochschwangere Elizabeth Vernon identifizierte Dame hohen Ranges sowie ein bis dato unbekanntes Shakespeare-Sonett abbildete, weist Hammerschmidt-Hummel nach, dass die Geliebte niemand Geringeres als die spätere Gräfin von Southampton war. William Shakespeare begegnete ihr am Hof von Königin Elisabeth I. und verliebte sich Hals über Kopf in sie. Die Queen war übrigens „not amused“.
Pikantes Detail am Rande: Shakespeare war zu dieser Zeit verheiratet, hatte Frau und drei Kinder, was ihn nicht von der leidenschaftlichen Affäre abhielt.
Versteckte Botschaften im Bild „The Persian Lady“
Indem Hildegard Hammerschmidt-Hummel „fachfremde“ Hilfe zu Rate zieht – im Team befinden sich Kulturwissenschaftler, Linguisten, Botaniker, Mediziner und sogar Gesichtsexperten des Bundeskriminalamts – um die unzähligen Fäden zu entwirren, macht sie einen hochexplosiven Fund: Die auf dem Bild „The Persian Lady“ dargestellte Frucht des Leibes stammt von niemand Geringerem als Shakespeare, obwohl dessen „Dark Lady“ seinen adligen Nebenbuhler heiratete!
Aufschluss darüber gibt nicht zuletzt das Bild selbst: Gemälde dieser Epoche enthalten immer zahlreiche Andeutungen – auch dieses hier. So passen unter anderem die Blätter des dargestellten Baumes nicht zur Pflanze, der britische Dichter und Dramatiker sprach von seiner Geliebten wiederum als „Liebesbaum“.
Das neu entdeckte Shakespeare-Sonett, das ebenfalls zu sehen ist, birgt in Verbindung mit diesem Wissen sogar noch deutlichere Worte: „ … but all in vaine, for now to[o] late I see the shales be mine, the kernels others are. My Musique may be plaintes, my physique teares if this be all the fruite my love gtree beares.“ (dt [von HHH]: “Doch alles war vergeblich, den jetzt, zu spät, ich seh’: Die Früchte ernten andre, die Schalen nur sind mein. Musik sei meine Klage, ihr Tränen Medizin, Wenn dies die ganze Frucht ist, die mein Liebesbaum trägt.“)
Prince William, ein Nachkomme von William Shakespeare?
Interessanter „Nebeneffekt“ der Entdeckung: Zur Ahnenreihe von William Shakespeare gehören entsprechend der Argumentationskette von Hildegard Hammerschmidt-Hummel Generationen später auch Lady Di und ihre Söhne, Prince William und Prince Harry!
Kein trockener Diskurs: „Shakespeare in Love“, basierend auf Fakten
Was ein trockener literaturwissenschaftlicher und kunsthistorischer Diskurs hätte werden können, entwickelt in Hildegard Hammerschmidt-Hummels Vortrag und Buch „Das Geheimnis um Shakespeares ‚Dark Lady‘“ schnell die Qualitäten eines ungemein spannenden Hollywood-Blockbusters. Anders als der Film „Shakespeare in Love“ bringt dieser allerdings Fakten sowie authentische Begebenheiten ans Licht.
Das Theaterstück „Shakespeares Geliebte. Die wahre Geschichte“
Es liegt nahe, das Potential der brisanten Dreiecksgeschichte zwischen dem Dichter William Shakespeare, Elizabeth Vernon und Henry Wriothesley, dritter Graf von Southampton, auch für andere Künste aufzubereiten und so verfasste Hildegard Hammerschmidt-Hummel ein kurzweiliges Theaterstück.
„Shakespeares Geliebte. Die wahre Geschichte“ feierte unter der Regie von Thorsten Morawietz am 23. April 2010 an der Dramatischen Bühne Frankfurt Premiere. Es handelte sich bei der weltweiten Uraufführung um eine Koproduktion mit dem Shakespeare-Theater, die … nun in abgeänderter Form auch bei den Karlsruher Schlosskonzerten zu sehen war.
Quellen und weiterführende Informationen
  • Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Das Geheimnis um Shakespeares „Dark Lady“. [Wissenschaftliche Buchgesellschaft und] Primus Verlag, Darmstadt (1999), 192 Seiten. ISBN: 3896781413
  • Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Die verborgene Existenz des William Shakespeare. Herder, Freiburg (2001), 287 Seiten. ISBN: 3451274175
  • Hildegard Hammerschmidt-Hummel: William Shakespeare. Seine Zeit – Sein Leben – Sein Werk. Philipp von Zabern Verlag, Mainz (2003), 408 Seiten. ISBN: 380532958X
  • Interview mit Hildegard Hammerschmidt-Hummel, „‘Ich glaubte es selbst kaum‘ – Interview mit der Entdeckerin der ‚Dark Lady‘“ und Shakespeare-Special „Lady Di und der Dichter“ im Focus 36/99

Auszug aus: Austrian National Library - ARIADNE 2000 / Österreichiche Nationalbibliothek, last update: 29. Juli 2003 - NewsLetter 44: Sprache & Literatur

“Wissenschaftlich fundiert und auch anerkannt lüftet die Anglistin und Kulturwissenschaftlerin das Geheimnis der vielbesungenen ‘Dark Lady’ und der Autorenschaft des Sonetts ‘Subscriptio’. Aufgrund linguistischer, literaturwissenschaftlicher und kunstgeschichtlicher Vergleiche stellt sie folgende Thesen auf: Der Autor von ‘Subscriptio’ ist William Shakespeare; das Sonett gehört in die Reihe der ‘Dark-Lady-Sonette’ als eigentliches Abschluß-Sonett. Beschrieben wird in diesem Sonett ‘The Persian Lady’, nach dem berühmten Gemälde des englischen Porträtmalers Marcus Gheeraerts (1553-1635); die Inschrift auf dem Gemälde wurde von William Shakespeare geschrieben - dargestellt wird seine schwangere Geliebte Elizabeth Vernon, Hofdame Elizabeth I, die Ende August 1598 - zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope - Shakespeares Patron, Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton, heiratete.”

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Auszug aus der Internet-Rezension von W. Dörge-Heller, “Shakespeare und die Dark Lady”, aktualisiert am 5. April 2003 (www.lebensraeume-var.de/darklady):

“Der Beitrag befaßt sich mit den Thesen von Hildegard Hammerschmidt-Hummel zur Identität der ‘Dark Lady’ aus Shakespeares Sonett-Zyklus. Das Werk ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’, Dokumentation einer Enthülllung’ ist 1999 bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschienen.

Die Identität der ‘Dark Lady’

Nach den Thesen von Frau Hammerschmidt-Hummel

Zunächst stellt H. eingehend und nachvollziehbar dar, daß Gemälde der Renaissancezeit anders zu interpretieren sind als heutige Werke der Bildenden Kunst. Sie enthalten Chiffren, Anspielungen, emblematische Rätsel und ihre Lösungen; sie wollen ‘gelesen’ werden. Dazu paßt, daß das fragliche Gemälde sowohl eine Art Überschrift in drei Teilen, wie auch ein vollständiges Sonett am Bildrand enthält. Das bedeutet, daß bereits von der Intention des Malers her ein Übergang vom Betrachten zum Lesen nahe gelegt wird. Es ist bekannt, daß viele Kunstwerke der Renaissance einen derart verschlüsselten Zugang zum Inhalt haben, man denke nur an die Werke von Giorgione. Wir verdanken den scharfsinnigen Analysen von Hartlaub, Saxl und Panofsky einen Einblick in den hohen geistigen Hintergrund jener Epoche. Nun zur Gemälde-Interpretation von H.:

1. Die dargestellte ‘Persische Dame’ ist Elisabeth Vernon, eine hochgestellte Dame am Hofe Elisabeths, welche vom Rang her wohl in unmittelbarer Nähe zur Regentin selbst stand. Sie ist schwanger, trotz dieser wohl freudigen Erwartung aber von Symbolen der Melancholie und Trauer umgeben.

2. Elisabeth Vernon ist jene bisher unbekannte Dark Lady, welche in den Sonetten Shkaespeares auf verschiedenste Weie (flehend, zärtlich, aber auch zornig und verurteilend) ansgesprochen wird.

3. Die Folgerung ist, dass es sich bei dem ‘Dritten im Bunde’, dem Freund, welchen der Dichter in seinen Sonetten nennt, um den Geliebten und späteren Ehemann der ‘Dark Lady’ handeln muss: [...] Henry Wriothesley, [...] Graf von Southampton, der einst Freund und Mäzen Shakespeare gewesen war.

4. Dieses Verhältnis bzw. die Folgen der Verbindung, ein Kind, wurde in den zwei vorliegenden Bildnissen ‘geoutet’, wobei in dem einen Fall der Maler aus Sympathie mit dem Dichter dessen Vorgaben gefolgt zu sein scheint.

5. Die Folgen dieser schwierigen Konstellation für alle Beteiligten. Sprechen wir zunächst von den beiden Kontrahenten; ihrer beider Verlust wiegt tiefer, ihre Freundschaft war offenbar für alle Zeit zerbrochen. Shakespeare selbst hat die Trennung von der ‘Dark Lady’ nie ganz verwunden. Er hatte sich evtl. von einer andauernden Verbindung weiteren Nachwuchs erhofft - sein Sohn Hamnet war noch zu seinen Lebzeiten verstorben, seine Frau konnte keiner Kinder mehr bekommen. Dafür, dass der Dichter die Situation nie ganz innerlich bewältigt hat, spricht auch, dass er [zu] einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens den Gedichtband veröffentlicht. Diese Ausbreitung der persönlichen, ja intimen Verhältnisse in den Sonetten muß für die beiden anderen Beteiligten ein schwerer Schlag gewesen ein. Shakespeare selbst hat damit möglicherweise seinem Rivalen einen gezielten und nachhaltigen Schlag versetzt.

Es nimmt kaum Wunder, daß der Earl of [...] Southampton bei allen späteren politischen Erfolgen immer sehr unzufrieden erschien. Dies könnte aber auch in seinem Wesen gelegen haben. [...]

Würdigung und Kritik

Zu den Thesen und zur Beweisführung

Die Heransgehensweise von H. an die Fragestellung ist ebenso scharfsinnig wie unorthodox. Frappierend die Detailanalysen der Bilder, besonders dort, wo die Gräfin von Southampton in ihrem Schlafgemach den Betrachtern des Gemäldes unfreiwillig ihre außereheliche Beziehung verrät. Bis in die Details hinein dürfte auch H.’s Deutung der Inscriptio und des Sonettes, der beste Teil des Buches, zutreffen. Feinfühlig untersucht Frau H. darauf die verschiedensten Auswirkungen der nun durch die neue Sachlage erhellten Situation auf das künstlerische Schaffen und die späteren Lebensumstände des Dichters. Es verrät weiterhin eine beachtliche ‘poetische Intelligenz’, wie sie das neue Sonett in die Entwicklung bzw. Beendigung der Dreier-Beziehung einfügt und damit den gesamten Handlungsablauf der Sonette neu interpretiert.

Insofern scheint mir die Argumentation von Frau H. in allen wichtigen Punkten schlüssig. Angesichts der Bedeutung dieses Beitrages für die Literatur- und Kunstgeschichte kann man von einem großen Wurf sprechen, für den Frau H. großer Dank gebührt. [...]

Die Autorin schenkt ihren Lesern nichts. Es gehört schon eine ziemlich robuste Begeisterung für Shakespeare und etwas Leidensbereitschaft dazu, sich durch alle Anmerkungen und Indizes hindurchzuschlagen. Die Bibliographie übergeht man am besten ganz - voll Grausen sieht der Laie, was er alles nicht weiß, was er noch nie gehört, geschweige denn gelesen hat.”

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Auszug aus der Seite: “Bücher des Jahres - Lesetipps und Lesefavoriten aus den Ressorts des ‘Kölner Stadt-Anzeigers’” - und kein Hinweis ist länger als ein Satz”, Kölner Stadt-Anzeiger (10. Dezember 2002):

“Hildegard Hammerschmidt-Hummel: ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’ [...]. Das Rätsel um die Herzdame [...], die William Shakespeare in seinen Sonetten besingt, löst Hildegard Hammerschmidt-Hummel mit einem originellen kriminalistischen Ansatz und einer spannenden Indizien-Suche in Sonetten und Gemälden, und ganz nebenbei stellt sie fest, dass auch die ‘Königin der Herzen’, Prinzessin Diana, in enger Beziehung zu dem Dichterfürsten stand.
Peter Seidel, Politik

”Books of the year – reading hints and reading favourites from the departments of the Kölner Stadtanzeiger (10 December 2002):

”Hildegard Hammerschmidt-Hummel: The secret around Shakespeare’s ‘Dark Lady’ .... The mystery about the lady of his heart …, whom William Shakespeare praises in his sonnets is solved by Hildegard Hammerschmidt-Hummel through an original criminological approach and an exciting search for circumstantial evidence in sonnets and paintings – and, quite incidentally, she states that the ‘queen of hearts’, Princess Diana, was also closely connected to the prince of the poets. Peter Seidel, Politics

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Auszug aus der Rezension der amerikanischen Journalistin und Anglistin Muriel Mirak-Weißbach, in: Neue Solidarität 29. Jg. Nr. 10 (6. März 2002) [Übersetzung: Geri Oliver].

“Shakespeares Sonette gehören zweifellos zu den größten Werken der Dichtung. Sie vermitteln durch ihre Schönheit dem Leser Einsichten, Freude und Erbauung, sie waren aber auch jahrhundertelang hilfloses Opfer verschiedener akademischer Übungen, angefangen mit der symbolischen Interpretation bis hin zur Psychoanalyse, zur Textkritik etc.
Eine der immer wiederkehrenden Fragen, die Literaturkritiker quälte, war die der Identität in den Sonetten auftretender Personen. Wenn sich hinter dem ‘Ich’ der Sonette Shakespeare verbirgt, und der junge Mann, der Freund, Shakespeares Freund und Gönner, der Earl of Southampton ist, dem das Werk (indirekt) gewidmet ist, wer ist dann die mysteriöse Dark Lady? [...]
Eine faszinierende Antwort auf diese Frage wurde nun von Prof. Hildegard Hammerschmidt-Hummel von der Universität Mainz in ihrem Buch Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer Enthüllung gegeben. Obwohl die Identifikation der Dark Lady selbst wichtig ist, da sie Aspekte von Shakespeares Leben beleuchtet, die bisher noch nicht erforscht worden waren, ist doch das Interessanteste an diesem Buch die von der Autorin angewandte Vorgehensweise, die sich erfreulicherweise von der gängigen akademischen Methodik abhebt, bei der das Werk wie ein totes Insekt psychoanalytisch, textlich, symbolisch oder sonstwie seziert wird.
Der von der Autorin eingeschlagene Weg basiert auf Hypothesen, die mit Hilfe von Dokumentationsmaterial sowohl aus literarischen als auch aus bildlichen biographischen Quellen von vielen Seiten geprüft werden. Zu dem dabei zum ersten Mal vorgestellten Material gehört ein Gemälde von Marcus Gheeraerts (1553-1635), einem führenden Porträtisten im Umkreis des Hofes von Königin Elisabeth. Das Gemälde zeigt eine erlesen gekleidete schwangere Frau, in ihrer ganzen Größe, deren Hand auf dem Kopf eines weinenden Hirschen ruht; das ganze unter einem Baum mit Blättern und Früchten. [...] Die Autorin stellt folgende Hypothesen auf:

Das Sonett im Bild stammt von Shakespeares und stellt das letzte in der Dark-Lady-Serie dar.

Die dargestellte Frau ist die Dark Lady, und ihre wahre Ideantität ist die der Elizabeth Vernon, die den Earl of Southampton im August 1598 zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope heiratete.

Shakespeare ist der [...] Vater des Kindes

Um Shakespeare als Verfasser des Sonetts zu identifizieren, greift die Autorin zur naheliegenden Vergleichsanalyse, die ergibt, daß für Shakespare typische Merkmale an Stil, Diktion, Metapher und Syntax darin vorhanden sind. Zusätzlich zu diesen formalen Aspekten - die einen überzeugenden Beleg liefern - konzentriert sich die Autorin auf jene Sonette der Serie 133-152, welche die Dark Lady zum Inhalt haben. [...]
Die Sonette beschreiben, daß der Freund des Dichters [...] (Southampton) die Dark Lady liebt, die auch der Dichter liebt. Die dadurch hervorgerufene Krise führt zu großem Leid des Dichters, der erkennt, daß seine Geliebte im Begriff ist, den anderen zu wählen. Im letzten Sonett (für die Autorin 152) wird die Frau moralisch scharf verurteilt, weil sie den Dichter belogen habe.
Hammerschmidt-Hummel zeigt nun auf, daß das Sonett auf dem Porträtgemälde den Zyklus thematisch vervollständigt, und behauptet, daß es eigentlich das letzte Sonett der Serie ist.
Wenn das Sonett in dem Gemälde von Shakespeare stammt und das letzte der Dark-Lady-Gedichte ist, wer ist dann die porträtierte Dame? Die Autorin interpretiert das Porträt gemäß der zu dieser Zeit üblichen Ikonographie und betrachtet die Bildfiguren und das Sonett (und die lateinische Inschrift) als einander ergänzend. Um nur wenige der vielen untersuchten Details zu nennen: Der weinende Hirsch drückt den Abschiedsschmerz aus, wobei seine Tränen sich in den tränenähnlichen Perlen der Dame widerspiegeln. Der Baum, der wie eine Verlängerung des Geweihs des Hirschen erscheint, drückt das Prinzip der Fruchtbarkeit aus, ebenso die schwangere Frau. Es ist ein ‘Liebesbaum’, wie das Sonett sagt, dessen Früchte jedoch nicht dem Dichter, sondern einem anderen zufallen werden. [...]
Laut dem von Hammerschmidt-Hummel eingeholten medizinischen Gutachten steht die Dame 8-12 Wochen vor der Geburt. Sie trägt [...] an einer Kette zwei [...] Ringe - Eheringe. Einer, der große, für den Ehemann bestimmte Ring, hat die gleiche Farbe wie die Augen des Hirschen, was implizieren mag, daß der Hirsch allegorisch den Vater des ungeborenen Kindes darstellt.
[...]
Des Rätsels Lösung

Um die Frau in dem Gemälde zu identifizieren, müssen folgende Kriterien stimmen, erklärt die Autorin: Das Porträt muß zu der Zeit gemalt worden sein, als die Sonette geschrieben wurden (1593-99); Shakespeare muß zu dieser Zeit eine solche Liebesbeziehung gehabt haben, die dadurch endete, daß er zugunsten des anderen zurückgewiesen wurde; die Frau muß die äußeren Merkmale der Dark Lady gehabt haben, darunter luxuriöse Kleider und Juwelen; und nicht zuletzt muß sie schwanger gewesen sein.
Die Autorin hat nach Überprüfung von biographischen Unterlagen eine Frau gefunden, auf die all dies zutrifft. Der Earl of Southampton hatte ab 1595 eine Beziehung mit Elizabeth Vernon, einer Dame am Hof der Königin, ohne sie zu heiraten. 1598 wurde Southampton zu einem Auslandsaufenthalt beordert, und als seine Geliebte im Sommer offensichtlich schwanger war, rief das einen Skandal hervor. Nachdem er sich mit Essex (Vernons Cousin) beraten hatte, heiratete Southampton sie überstürzt, um anschließend abzureisen. Elizabeth Vernon kam ins Gefängnis - ihre Tochter Penelope wurde im November 1598 geboren -, bis sie durch die Intervention von Essex wieder freigelassen wurde. Wenn das Porträt wirklich Vernon darstellt, so hätte es - als Hochzeitsporträt gedacht - in der Zeit zwischen Southamptons Entscheidung, sie zu heiraten (dem 25. August), und ihrer Inhaftierung (dem 7. September) gemalt werden müssen. Das würde mit dem oben Beschriebenen übereinstimmen.
Um die ‘persische Dame’ endgültig als Elizabeth Vernon zu identifizieren, vergleicht die Autorin sie mit einem authentischen Porträt der letzteren [...]. Der äußerst detaillierte Vergleich der Züge ergibt nicht nur eine definitive Ähnlichkeit, sondern fördert auch einen versteckten Hinweis in dem Gemälde selbst zutage, der den Fall klärt: Auf Vernons rechtem Ärmel befindet sich ein winziges Porträt Shakespeares. Eine Unmenge von weiteren Details bestätigen die Identifizierung.
Zu guter Letzt beschreibt die Autorin, was über das Verhältnis von Vernon, jetzt Gräfin von Southampton, zu ihrer Tochter und das Verhältnis Southamptons zu dem Kind bekannt ist. [...] Dies ist nach Einschätzung der Autorin ein weiterer Beweis dafür, daß Shakespeare der eigentliche Vater war. Ein Vergleich von Shakespeares Porträt mit Penelopes Porträt als junge Frau bestärkt weiter diese Aussage.
Ohne das von der Autorin gesammelte Beweismaterial in allen Einzelheiten darzulegen, kann gesagt werden, daß sehr überzeugende Argumente vorliegen, um alle anfangs dargelegten Hypothesen zu bestätigen.
[...]
Die Geschichte der ‘Dark Lady’ bekräftigt u.a., wie nahe Shakespeare dem Hof stand, und sie erklärt den Wandel der Beziehung zwischen Southampton und dem Dichter von einer intimen Freundschaft in eine kühle, ja sogar feindliche Beziehung - ganz besonders nachdem Shakespeare die Sonette im Jahr 1609 veröffentlichte. Übrigens ist auch die Identität Penelopes insofern wichtig, als sie später Lord William Spencer, den Vorfahren der verstorbenen Prinzessin Diana von Wales, heiratete. Schließlich erhalten die Sonette durch die Identifikation Elizabeth Vernons eine weitere Dimension - ihre Wurzel in tatsächlichen historischen Ereignissen -, ohne dabei jedoch von ihrem höheren, dichterischen Wahrheitsgehalt abzulenken.”

[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Neue Solidarität. Internet-Adresse: www.solidaritaet.com]

***

Auszug aus dem Artikel des Shakespeare-Forschers Prof. Dr. Wolfgang Riehle, Graz: “Zur aktuellen Frage nach der Identität der ‘Persian Lady’”, in: Anglistik (März 2002), S. 139-151.

“Hildegard Hammerschmidt-Hummels Buch Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’. Dokumentation einer Enthüllung hat der Diskussion um die biographischen Hintergründe von Shakespeares Sonetten neue Impulse gegeben. Ihr Engagement und der große wissenschaftliche Aufwand, verbunden mit der Herbeiziehung von Gutachtern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und sogar des BKA verdienen Anerkennung, machen aber auch gleichzeitig eine Überprüfung ihres Anspruchs auf eine endgültige Klärung der Identität der Dark Lady erforderlich. Hammerschmidt-Hummel geht aus vom Versuch einer Deutung des Porträts einer unbekannten Frau von Marcus Gheeraert[s] d.J. Mit Hilfe eines medizinischen Gutachtens hat Hammerschmidt-Hummel eindeutig nachgewiesen, daß die Porträtierte eine Schwangere ist, die ca. 8-12 Wochen vor der Entbindung steht. Sie argumentiert weiter überzeugend, daß sie aus vornehmen Kreisen stammt und sogar zum Hof der Königin Elisabeth gehört haben muß. Auch daß hier ein Dreiecksverhältnis angedeutet ist, hat Hammerschmidt-Hummel wahrscheinlich gemacht. Doch die Deutung des Porträts der Unbekannten ist schwierig, weil es sich offenbar an Eingeweihte, an einen kleinen Kreis von unmittelbar Betroffenen wendet und eine reale Situation widerspiegelt, sich dabei aber einer allegorisch-emblematischen Methode bedient. Hammerschmidt-Hummel glaubt, die Porträtierte als Elizabeth Vernon identifizieren zu können. Im folgenden wird zu zeigen versucht, daß die Spur in eine etwas andere Richtung weist” (S. 139).

Siehe dazu die Replik der Autorin in:

Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady'

e. Repliken


Clemens Rech, “Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’ im Spiegel von Medien und Fachwelt”, Anglistik (September 2000), S. 161-170:

“Der vorliegende Bericht möchte die Reaktionen auf Hildegard Hammerschmidt-Hummels Buch Das Geheimnis um Shakespeares 'Dark Lady': Dokumentation einer Enthüllung (1999) in den Medien zusammenfassen. Schon die schiere Masse der Veröffentlichungen macht eine gezielte Auswahl unumgänglich. Daher werden nur die größeren, namentlich gekennzeichneten Beiträge berücksichtigt. Dokumentiert wird ferner die bereits begonnene Diskussion in der Fachwelt.
Am Nachmittag des 9.9.1999 stellte die Autorin im vollbesetzten Magistratssaal der Stadt Darmstadt ihr neues Buch vor. In seiner Eröffnungsrede erinnerte Oberbürgermeister Peter Benz an die von der Mainzer Shakespeare-Forscherin 1995 erbrachten Echtheitsnachweise für die Shakespeares Totenmaske, die nun zu den wertvollstsen Kulturgütern der Stadt gehört, und stellte fest, Darmstadt habe Einzug gehalten in den kleinen, illustren Kreis der Shakespeare-Städte.
Durch Indiskretion waren Hammerschmidt-Hummels Ergebnisse bereits Wochen zuvor an die englische Presse gelangt. So erhielten Millionen von Briten schon am 22.8.1999 durch die spektakuläre Schlagzeile "William finds a dark lady in his life" auf der Titelseite der Sunday Times Kenntnis von den Entdeckungen der Mainzer Shakespeare-Expertin, wobei allerdings ein Nebenergebnis fokussiert wurde: "Literary detectives have found evidence that Shakespeare was Prince William's ancestor". Dann Schlag auf Schlag die Details:

An inquiry into the identity of the 'Dark Lady', with whom Shakespeare is said to have had an affair, has led researchers to the link. They will name the Dark Lady as Elizabeth Wriothesley, who had Shakespeare's illegitimate daughter, Penelope, in 1598. The girl married the second Baron Spencer, from whom Princess Diana was directly descended. The claims, by the Shakespearean scholar Hildegard Hammerschmidt-Hummel, of Mainz University in Germany, rest on her belief that two portraits of an unnamed woman [...] depict the Dark Lady. One, known as The Persian Lady [...], bears a sonnet, claimed to be by Shakespeare. Another [...] is said to carry a miniature image of the playwright's face. Hammerschmidt-Hummel [...] will publish her claims next month in The Secrets of Shakespeare's Dark Lady.

Der ausführliche Artikel "Is William descended from Will?" von Caroline Gascoigne und Nicholas Hellen basiert auf minutiösen Detailkenntnissen und ist angereichert mit Zitaten aus dem (damals noch unveröffentlichten) Buch sowie zugkräftigen Bildern von Prince William, Elizabeth Vernon und Filmauschnitten aus 'Shakespeare in Love'. Das bisher vergebliche und frustrierende Rätselraten um die Identität der 'Dark Lady' ("some scholars have abandoned the search") dürfte, so Gascoigne und Hellen, nun gelöst sein: "In reality, the answer may be staring us in the face. According to Hildegard Hammerschmidt-Hummel [...] a portrait of the Dark Lady is on show in Hampton Court". Die Spontanreaktionen (nicht oder nur bruchstückhaft informierter) britischer Fachwissenschaftler lauteten: 'lunacy' (Anne Barton, Cambridge) und "There will be great interest if, on examination, her evidence is strong" (Sir Frank Kermode, Cambridge).
Daß bei sorgfältiger Recherche jedoch kein Zweifel an den Thesen des Buches aufkommen will, zeigt der fundierte und mit viel Sprachwitz verfaßte Beitrag "Lady Di und der Dichter" von Claudia Gottschling in Focus ('Forschung und Technik', 6.9.1999), bei dem es sich um eine exklusive (authorisierte) Vorveröffentlichung handelte. Der Leser erfährt, daß - obwohl "Wissenschaftler aller Epochen" nach jener "realen Person" forschten, der "Shakespeares Schmachten in seinen berühmten Liebessonetten galt" - die Mainzer Forscherin nun "Williams heimliche Geliebte" wohl definitiv entlarvt habe und dabei sogar noch auf eine Verbindung gestoßen sei, "wie sie sich ein Klatschreporter kaum hätte ausdenken können: Shakespeare [...] der Ururur...großvater von Lady Di." Das geschickte Layout der Bilder (vgl. S. 176) bringt das Dreigespann Shakespeare-Vernon-Southampton - sowie Sprößling Penelope - in direkten bildlichen Zusammenhang mit Lady Diana und ihren Söhnen William und Henry.
"Hammerschmidt-Hummel", so hebt Gottschling positiv hervor, "ging neue Wege und kombinierte Literaturwissenschaft mit Kunsthistorik". Sie habe "akribisch" und "mit ausgefeilten Analysemethoden neue Indizien über Leben, Liebe und Werk des Dichters" recherchiert. "Kulturwissenschaftler, Linguisten, Botaniker, Mediziner und das Bundeskriminalamt in Wiesbaden halfen ihr bei der Spurensuche." Die Auseinandersetzung der Redakteurin mit den Thesen des Buches ist gründlich. Mit allen Gutachtern der Autorin hatte sie direkten Kontakt, konsultierte ihrerseits weitere Experten zur kritischen Evaluation und führte Interviews mit der Autorin. Die gestochen scharfen Farbreproduktionen (so das Toiletten-Bild der Gräfin von Southampton, auf dem Hammerschmidt-Hummel - wie Gottschling es ausdrückte - "ein Miniporträt von Ex-Lover Shakespeare" entdeckte) untermauern die Argumente der Forscherin überzeugend. Das Sonett auf dem Bild 'The Persian Lady' sei, wie sich bei einem Sprachvergleich unter Mitwirkung des Linguisten Klaus Faiß ergeben habe, als genuines Werk Shakespeares anzusehen. Auch für den Hamburger Shakespeare-Forscher und Schriftsteller Dietrich Schwanitz stehe fest, das neue Sonett sei "very Shakespearian".
Martina Röschs Hörfunk-Sendung zur Buchvorstellung war bereits am Nachmittag des 9.9.1999 in HR 4 zu hören. Sachlich und neutral stellt sie den auf linguistischen Untersuchungen fußenden Nachweis der Autorschaft Shakespeares an dem bisher anonymen Sonett vor - und die daraus resultierenden Folgerungen bezüglich der Identität der 'Dark Lady'. Hinsichtlich der Beziehung Shakespeares zum britischen Thronfolger ließ sie Hildegard Hammerschmidt-Hummel selber zu Wort kommen. Die Sendung endete mit einem Quiz, bei dem nach dem Beruf John Shakespeares gefragt wurde und zwei Exemplare des vorgestellten Buchs gewonnen werden konnten.
Stephan Ueberbachs "Radiotreff", gesendet am 9.9.1999 in SWR 4 gleichfalls nachmittags, beginnt mit dem Hinweis, "der Stammbaum von Lady Diana" müsse anscheinend neu geschrieben werden. Dies sei eine Schlußfolgerung aus den Forschungsergebnissen der Mainzer Professorin Hammerschmidt-Hummel, die anschließend exakt referiert werden.
Schon die Anmoderation des TV-Beitrags von Helmut Herkenroth für die "Hessenschau" (HR, 9.9.1999) ließ aufhorchen: "Wenn's stimmt, dann hat die Vermählung von Lady Diana und Prinz Charles damals dem englischen Königshaus noch mehr Glanz beschert, als bisher bekannt war [...]". Die Mainzer Shakespeare-Forscherin Hammerschmidt-Hummel habe in Darmstadt "das große Geheimnis um des Dichters unbekannte Tochter" verraten und "Oberbürgermeister Benz ließ es sich zur Ehre gereichen, dem historischen Enthüllungstermin beizuwohnen". Das auf dem Gemälde 'The Persian Lady' befindliche Sonett stamme von Shakespeare und "beklage den Verlust einer Geliebten". Das auffallendste Merkmal der abgebildeten Unbekannten sei, so die Autorin unter Berufung auf das Fachgutachten des Gynäkologen Peter Berle, "daß sie acht bis zwölf Wochen vor der Geburt ihres Kindes" stehe. Penelope, das Kind des Dichters und seiner Geliebten Vernon, habe später einen Spencer geehelicht. "Da haben wir die Linie, die sich [...] mit den Windsors verbindet", so Herkenroths Kommentar zu den eingespielten Fernsehbildern der Hochzeit von Lady Diana Spencer und Prinz Charles.
"Zwei Liebhaber und eine Frau: Von einem wird sie schwanger und den zweiten heiratet sie. Bei dem verschmähten leiblichen Vater handelt es sich um einen der größten Dichter und Dramatiker der Weltliteratur." So schildert Werner Breunig, der der Pressekonferenz beiwohnte, in der 'Rhein-Main-Zeitung' der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10.9.1999 die brisante Situation des Jahres 1598 und bescheinigt der Autorin "eines der wichtigsten Rätsel um William Shakespeare" entschlüsselt zu haben.
"Nach ausführlichem Quellenstudium", so der ebenfalls anwesende Jörg Feuck in der Frankfurter Rundschau vom 10.9.1999, stellte die Autorin "mit flammender Rede" ihr neues Werk und des Rätsels Lösung vor, "wer die 'Dark Lady' in Shakespeares schmachtenden Sonetten war". Unter Hinzuziehung linguistischer, botanischer, medizinischer und kriminologischer Experten habe sie eine angeblich "'in sich geschlossene und widerspruchsfreie' Kette aus Indizien und Beweisen geflochten" und trumpfe nun "mit einer Fülle 'verblüffender Übereinstimmungen' und 'erstaunlich stimmiger Bezüge' auf." Ein neues Sonett Shakespeares auf einem elisabethanischen Gemälde sei ihr "gewichtigster Schatz" und gehöre in die 'Dark Lady'-Reihe. Ob der Enthüllung, "Lady Di sei eine Nachfahrin William Shakespeares", zeige sich die "Welt der Wissenschaft" entweder "gespalten", "tief beeindruckt" oder "entsetzt".
Der groß aufgemachte und mit Abbildungen der 'Persian Lady', der Shakespeare-Totenmaske und Prinzessin Dianas geschmückte Beitrag "Shakespeares 'Dark Lady' identifiziert?" des gleichfalls anwesenden Feuilleton-Chefs des Darmstädter Echo, Jürgen Diesner, vom 10.9.1999 ist betont sachlich. Er geht sowohl auf die entscheidenden Bestandteile der Beweiskette der Autorin als auch auf die gutachterlichen Stellungnahmen der Experten ein. Kritisch wird angemerkt, nicht alle Shakespeare-Forscher teilten die Sicht der Anglistin, Shakespeares Sonette ließen eine autobiographische Deutung zu. Aber, so Diesner, man kenne ja das Buch noch nicht.
"Die 'Dark Lady', die den Dichter in den Sonetten zur Verzweiflung treibt, soll wirklich gelebt haben." Mit diesem Satz beginnt Oliver Groß, der der Buchvorstellung beiwohnte, seinen ebenso spannend wie sachkundig geschriebenen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22.9.1999, dem er die hintergründige Überschrift "Shakespeares verbotene Früchte" gab. Die Mainzer Shakespeare-Expertin Hammerschmidt-Hummel habe "Renaissancegemälde und historische Quellen erforscht" und sei überzeugt, "den Schlüssel zur Biographie Shakespeares in Händen zu halten". Sie stütze sich auf Fachgutachten von Wissenschaftlern anderer Disziplinen und auf Untersuchungen zur Identitätsfeststellung der 'Persian Lady' durch Experten des Bundeskriminalamts. Das von ihr entdeckte Gesicht auf dem Bildnis der Gräfin von Southampton (den Ergebnissen der Autorin zufolge identisch mit der bisher unbekannten 'Persian Lady') sehe kaum aus "wie Ehemann Graf von Southampton, wohl aber wie William Shakespeare". Auch Penelope, das Kind der 'Dark Lady' (bzw. 'Persian Lady'), die später in die Spencer-Familie einheiratete, trage - wie der BKA-Vergleich bestätigte - die Gesichtszüge William Shakespeares.
Während der Shakespeare-Experte Wilhelm Hortmann dem Rezensenten zu Protokoll gab, er halte das neue Sonett auf dem Gemälde 'The Persian Lady' "für eine echte Trouvaille" (Shakespeares), erklärte Dieter Mehl, Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, Groß in einem Interview, er halte "den biographischen Ansatz" der Mainzer Shakespeare-Forscherin "für nicht sehr fruchtbar", freue sich aber, daß das Publikum nun wieder "stärker auf Shakespeare aufmerksam" werde. Daß die britische Sunday Times über Hammeschmidt-Hummels Forschungen groß berichtete, beeindruckte ihn. "In den vergangenen 50 Jahren" habe diese Zeitung "keinen deutschen Shakespeare-Forscher mehr interviewt". Dabei übersah Mehl allerdings den ausführlichen Artikel über die Echtheitsnachweise der Mainzer Shakespeare-Expertin für Shakespeares Totenmaske und zwei seiner Porträts ("Germans put a face to Shakespeare"), den Science Correspondent Steve Connor am 15.3.1998 in der Sunday Times mit Auszügen aus seinen Interviews mit der deutschen Forscherin publizierte.
Am 23.9.1999 präsentierte Nina Ruge im ZDF ("Leute heute") einen in London produzierten Filmbeitrag über Hammerschmidt-Hummels 'Dark Lady'-Buch. Von der Mainzer Dozentin "aus dem Dunkel der Geschichte" hervorgeholt, werde dort die "geheimnisvolle Geliebte des Dichters", die 'Dark Lady', vorgestellt. Trotz reißerischer Anmoderation zeugen doch Text und Bildmaterial des Films von sorgfältiger journalistischer Arbeit. Die Autorin erhielt Gelegenheit, sich zu ihrem zentralen, in seiner Bedeutung bisher übersehenen Bilddokument zu äußern. Der Kommentator resümiert: "Alte Gemälde, geheimnisvolle Verse, Hinweise aus dem Werk des Meisters selbst und die Mitarbeit vieler Fachleute, sogar des Bundeskriminalamtes, ermöglichten der Professorin, die Geliebte des Dichters zu identifizieren." Die von Shakespeare schwangere Geliebte habe jedoch einen anderen geheiratet und "die Frucht seiner Liebe heiratete später den Grafen Spencer und ist somit Urahne Prinzessin Dianas".
Der unter dem Motto "Meet Shakespeare's Dark Lady" am 2.10.1999 im Londoner Daily Telegraph publizierte Leserbrief Hildegard Hammerschmidt-Hummels faßt die entscheidenden Ergebnisse ihres Buches um Shakespeares 'Dark Lady' für die englischsprachige Leserschaft zusammen.
Informativ hat Maren Brüggemann in ihrem effektvoll bebilderten Beitrag in der Neuen Revue vom 14.10.1999 darüber berichtet, daß es der Forscherin Hammerschmidt-Hummel gelungen sei, die Identität der Frau zu bestimmen, die Shakespeare ausweislich seiner 'Dark Lady'-Sonette - unglücklich liebte. Auch habe die Wissenschaftlerin bewiesen, daß "der Dichter der Herzen" mit "Diana, der Königin der Herzen, verwandt" sei.
Inka Bohl, Herausgeberin der Monatsschrift Der Literat und bei der Darmstädter Buchvorstellung zugegen, veröffentlichte ihren Bericht über Hammerschmidt-Hummels Enthüllungen im Oktober 1999 als Titelgeschichte. Die Autorin, so Bohl, sei "inzwischen bekannt für ihre grenzüberschreitende, interdisziplinäre Vorgehensweise". Die verblüffenden Übereinstimmungen der Gesichtsmerkmale des Dichters mit denen Penelopes, der erstgeborenen Tochter der Gräfin von Southampton, habe sie sich "vom Bundeskriminalamt" bestätigen lassen. Durch die Aussage des BKA-Experten "Das Ergebnis der Auswertung fällt eindeutig zu Gunsten von Shakespeare aus" scheide Southampton als Vater Penelopes "aus dem Rennen" aus. Bohl schildert abschließend: "Als Hammerschmidt-Hummel [...] in Darmstadt ihre These erläuterte [...], staunten wir alle nicht schlecht, wie sie es angestellt hat, 'mit der Verifizierung dieser Thesen jahrhundertealte literarhistorische und biographische Probleme (zu) lösen und Wissenslücken (zu) schließen'". Mit diesem Anspruch werde sie weitermachen.
Esther Knorr-Anders zeigt sich in ihrem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 10.11.1999 literarisch bestens informiert, erklärt aber, sie könne nur "des Rätsels Lösung" wiedergeben, nicht aber die "verwickelte Spurensuche" der Mainzer Wissenschaftlerin, die nun nach "mühevoller Recherchearbeit" das Ergebnis ihrer Forschungen vorgelegt habe. "Der Verfasser (des Kartuschen-Sonetts)", so Knorr-Anders, "galt als unbekannt - bis nun Hammerschmidt-Hummel ihn als Shakespeare identifizierte." Auch die Identität der von Marcus Gheeraerts gemalten unbekannten 'Persian Lady' sei unter Hinzuziehung "authentischen Gemäldes der Elizabeth Southampton" geklärt. In dieses Bildnis "komponierte der anonyme Maler das Miniaturbildnis Shakespeares" hinein. Die Vaterschaft Shakespeares an dem noch ungeborenen Kind der Gräfin werde anhand eines weiteren Gemäldes verdeutlicht: "Tatsächlich", so die Rezensentin, "weisen Gesichtskontur, Augenform und -ausdruck sowie die körperliche Rundlichkeit verblüffende Ähnlichkeit auf." Des Dichters verschlüsseltes Vaterschaftsbekenntnis finde sich im dritten Quartett des neuen Sonetts. Wolle man aus der Studie "den vollen inhaltlichen und argumentativen Genuss" gewinnen, seien allerdings umfangreiche Englischkenntnisse erforderlich.
In seinem 'Kultur-Tip' für WDR 3 vom 23.11.1999 stellte Hans-Jörg Modlmayr, Spezialist für englische Kulturgeschichte und Renaissancemalerei, die "international Aufsehen erregende Publikation" der Mainzer Anglistin vor, die für das "seit Generationen faszinierende Rätsel" um Shakespeares 'Dark Lady' "eine überzeugende Lösung" biete. Modlmayr geht auf "die Einbeziehung bisher nicht beachteter zeitgenössischer Bilddokumente" ein, die "in bewährter Renaissancemanier mit bedeutungsgeladenen Emblem-Codes gespickt" seien und "geradezu darauf gewartet haben, aus ihrer Rätselhaftigkeit wissenschaftlich wachgeküsst zu werden". Durch "die bestechende Logik ihrer interdisziplinären Analyse" sei es "der nach allen Seiten hin offenen Forscherin" gelungen, die Fachwelt aufzurütteln. Die von ihr als 'Dark Lady' identifizierte Elizabeth Vernon, "deren erstes Kind nach BKA-Bildanalysen [...] von Shakespeare stammt", werde in Zukunft (höchstwahrscheinlich) "als des Generationen-Rätsels Lösung" akzeptiert.
In der Radio-Kultursendung "MOSAIK" des WDR vom 23.11.1999 diskutierte Redakteur David Eisermann mit Hans-Jörg Modlmayr über Hammerschmidt-Hummels 'Dark Lady'-Buch. Eisermann hob hervor, das Bild 'The Persian Lady' enthalte ein ganzes Programm - und ein Sonett, das "wir bisher nicht gekannt haben". Er trug dieses neue Sonett persönlich im Original vor.
Modlmayr äußerte sich ausgesprochen positiv über den neuen interdisziplinären Forschungsansatz der Autorin, über ihr Studium der Zeitgeschichte und vor allem ihre Nutzung bildlicher Quellen. Auf die Präzision der Renaissancemaler, die für Porträts nicht selten "Sitzungen von bis zu 22 Stunden" anberaumt hätten, sei Verlaß. Die von Hammerschmidt-Hummel befragten "Bildzeugnisse" seien daher in der Tat "historische Dokumente" und "von der Literaturwissenschaft einfach aus Unkenntnis nicht beachtet" worden. Im übrigen kämen in dem neuen Sonett auf Gheeraerts' Gemälde Wörter vor, die außer Shakespeare eigentlich niemand verwendet habe und die somit die Rolle von Schlüsselwörtern hätten. Gedicht und Bild seien - "für die Renaissancemalerei typisch" - verschlüsselt und aufeinander abgestimmt. Man habe Bilder damals nicht "angeschaut", sondern "gelesen" und "dekodiert". Doch nur Eingeweihte hätten sie "entschlüsseln" können. Dichter und Porträtmaler müßten sich "genauestens gekannt haben". Wie Eisermann ist auch Modlmayr von der Richtigkeit der Beweisführung der Autorin überzeugt: "Die Argumentation ist einfach verblüffend konkludent." Eisermann erkennt und thematisiert das Problem, daß in der heutigen Literaturwissenschaft und -kritik "Fakten, Falsifizierbarkeit und die Verbindlichkeit von Wirklichkeit" im allgemeinen "gern ganz tief gehängt" werden. Daher seine Frage: "Wie geht die Forscherin Hammerschmidt-Hummel mit ihren Kritikern um?" Modlmayr, der - wie er in der Sendung sagte - mit der Shakespeare-Expertin ein mehrstündiges Gespräch führte, erklärt, die Autorin sei "sehr souverän", stehe auf dem Standpunkt, sie habe mit Expertenhilfe "alles genau erforscht", und warte nun auf Gegenargumente.
Anna Marohn beklagt in ihrem in der Rubrik 'Forschung made in Mainz' der Mainzer Rhein-Zeitung vom 24.11.1999 erschienenen Beitrag die einseitige Rezeption des Buchs. Im Licht der zahlreichen anderen Ergebnisse der Autorin, die sie dem Leser sachkundig vermittelt, trete "die prominente Verwandtschaft" (Shakespeares mit Lady Dianas) in den Hintergrund.
Nach gründlichen und sorgfältigen Recherchen präsentierte die promovierte Anglistin Ursula Sautter die deutsche Entdeckung in Time Magazine vom 6.12.1999 - sprachlich bisweilen locker, in der Sache jedoch kompetent und zuverlässig. Die 'Dark Lady' der Sonette sei nach Renaissancemaßstäben nicht gerade "much of a looker", doch stellten Gelehrte und "Shakespeare aficionados" seit Jahrhunderten die Frage nach ihrer Identität oder gar Existenz. Mit Expertenhilfe aus unterschiedlichsten Disziplinen glaube nun eine deutsche Professorin, das Rätsel gelöst zu haben, und behaupte, Shakespeares 'Dark 'Lady' sei Elizabeth Vernon und eine Vorfahrin Prinzessin Dianas. "The main evidence for Hammerschmidt's bold claims is two contemporary portraits. One, 'Portrait of a Woman' ['The Persian Lady'] [...] shows a festively dressed, pregnant woman with dark hair and eyes." Auf diesem Gemälde befinde sich ein Sonett, "which [...] fits in to cycle of poems about the Dark Lady". Auf einem Porträt der Gräfin von Southampton habe Hammerschmidt-Hummel Ähnlichkeiten mit der 'Persian Lady' erkannt, die BKA-Experte Altmann bestätigte : "the similarities between the two women are too great to be coincidental". Auf diesem Bild deute die Gräfin auf das Gesicht eines Mannes an ihrem rechten Ärmel, das eine erstaunliche Ähnlichkeit ("an amazing likeness") mit Shakespeare offenbare. "Striking resemblance" habe Hammerschmidt-Hummel auch zwischen Penelope, der erstgeborenen Tochter der Gräfin, und Shakespeare ausgemacht und dies gleichfalls durch den BKA-Experten überprüfen lassen, der zu dem Ergebnis gelangte: "the result of the analysis is clearly in favor of Shakespeare".
Die Gegenargumente der von Sautter interviewten Shakespeare-Forscher haben angesichts solcher Indizien, die sich zudem gegenseitig bestätigen, kein Gewicht. Katherine Duncan-Jones (Oxford) wandte ein: "The sonett is too consciously pretty, too conventional in style and too courtly and elegant to be Shakespearean." Und Dr. Russell Jackson vom Stratforder Shakespeare Institute versuchte gar, die Ähnlichkeit zwischen dem Gesicht am Ärmel und dem Gesicht Shakespeares wegzudiskutieren: "the resemblance between the face peeping out from Vernon's sleeve and the Bard is so vague as to be almost nonexistent". Damit setzte er sich über das positive Ergebnis des BKA-Sachverständigen hinweg, der seit Jahrzehnten - und insbesondere in schwierigen Fällen - die erprobten BKA-Testverfahren zur Identitätsfeststellung bildlich erfaßter Personen erfolgreich anwendet. Am Schluß ihres Artikels führt Sautter die Diskussion mit Shakespeareschem Humor auf die Ebene zurück, die den wissenschaftlichen Gepflogenheiten entspricht: "Until conclusive counter-evidence has been produced, readers might do as Prospero suggests: "'Do not infest your mind with beating on/ The strangeness of this business/ [...] be cheerful/ And think of each thing well.'"
In seinem Beitrag in der Allgemeinen Zeitung (Mainz) vom 5.1.2000 teilt Lars Hennemann mit, erneut habe die Shakespeare-Forscherin Hammerschmidt-Hummel "die Grenzen ihrer eigenen Disziplin" überschritten und die von Gheerarts gemalte unbekannte 'Persian Lady' unter Hinzuziehung von Experten und "über eine Kette von Schlussfolgerungen als Elizabeth Vernon" identifiziert. Ihre These, Shakespeare sei der Vater von Vernons Kind, werde durch "historische Betrachtungen" und mittels eines Gemäldes untermauert, das "diesen Skandal ersten Ranges" verschlüsselt wiedergebe.
In ihrer am 12.1.2000 ins Internet gestellten Rezension nutzen Studierende der Universität Göttingen das neue Medium, um ihre begeisterte Resonanz auf die Lüftung des Geheimnisses um Shakespeares 'Dark Lady' sowie die Identifizierung Shakespeares als Autor eines neuen Sonetts durch die Mainzer Shakespeare-Forscherin zu dokumentieren. Mit diesem Buch eröffne sich dem Leser "ein faszinierender Einblick in die Elizabethanische Welt!"
In seiner fachwissenschaftlichen Stellungnahme vom 31.1.2000 würdigte der emeritierte Anglist und Shakespeare-Forscher Kurt Otten zunächst die bisherigen Arbeiten Hammerschmidt-Hummels "zur Biographie Shakespeares": Sie seien "nahezu das einzige Gebiet der deutschen literaturwissenschaftlichen Anglistik, das in weiten Teilen des Auslands auf ungewöhnliches Interesse stößt". In ihrer 'Dark Lady'-Monographie baue sie "in eingehenden Recherchen wohldokumentierte Indizienketten auf für Shakespeares Lebenslauf im Blick auf verifizierbare Einzelheiten in seinen literarischen Schriften". Sie versuche, ihre Indizien mit den strengen naturwissenschaftlichen Methoden der Kriminalistik zu bewerten, wobei sie sich "der modernen hochspezialisierten Hilfen des Bundeskriminalamtes, aber auch anderer Wissenschaften, z.B. der Gynäkologie, der Dermatologie, der Botanik, der Photogrammetrie, der Textilgeschichte, der Kunstgeschichte" bediene. "Ihre Indizienketten", so der Emeritus, "sind klug und exakt beschrieben, die Trefferquoten und die Wahrscheinlichkeit der Zusammenhänge oft frappant, und in dieser Kombination der Methoden erreicht sie einen hohen Grad an faktischer Überzeugung." Den Argumenten Raimund Borgmeiers in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22.1.2000 kann Otten nicht folgen. Borgmeier bewerte "eher sein eigenes literarisches Wissen als die exakten Indizienketten und die Methodik der Verfasserin". Sein zusammenfassendes Urteil über das vorerst jüngste Buch der Shakespeare-Forscherin Hammerschmidt-Hummel lautet: "Ein wichtiger Bereich unserer Wissenschaft wird hier methodisch auf eine neue Faktengrundlage gestellt, und zweifellos hat H.H-H. auch in der Nachprüfbarkeit und Erweiterung unseres Wissens neue und hohe Ansprüche gestellt. Sie schränkt die Souveränität des subjektiven Urteils ein, und das ist ein wichtiger und notwendiger Schritt."
Unter der Überschrift "Spannend, fundiert, wegweisend, informativ" veröffentlichte der anglistische Sprachwissenschaftler Klaus Faiß am 25.2.2000 seine fachwissenschaftliche Besprechung der 'Dark Lady'-Monographie der Mainzer Shakespeare-Expertin im Internet. Dieses Buch werde "der Shakespeare-Forschung mit Sicherheit einen deutlichen Erkenntnisfortschritt" bringen. Er bescheinigt der "transdisziplinär" angelegten Untersuchung Hammerschmidt-Hummels, sie besteche "durch dichte Argumentation" und überzeuge "durch bis ins Detail ausgefeilte Analysemethoden". Die Forschungsergebnisse der Autorin, so der Linguist, würden durch medizinische, botanische und kriminologische Fachgutachten erhärtet. Nun sei eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der "fundierten Studie" durch die "Shakespeare Community" vonnöten, und zwar "unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Deutung von Bildern". In Raimund Borgmeiers Besprechung (NZZ, 22.1.2000) sei dies allerdings zu vermissen. Auf weitere Reaktionen (nicht nur der Shakespeare-Forschung, sondern auch anderer Disziplinen) dürfe man gespannt sein.
Die im Shakespeare-Jahrbuch (2000) erschienene Rezension des Shakespeare-Forschers Wilhelm Hortmann bildet den Auftakt der wissenschaftlichen Diskussion in den Fachorganen. Hammerschmidt-Hummels Ergebnisse hält er für schlüssig und überzeugend. Intelligent und stilistisch elegant führt Hortmann seinen Lesern die Aufgabe vor Augen, an die sich die Verfasserin heranwagte: "first, to integrate into the Shakespearean corpus a known but anonymous sonnet; furthermore to locate and identify a definite historical personage as the object of a famous painting and this person as, in fact, the mysterious Dark Lady herself [...]; and finally, to integrate her findings into the corpus of Shakespearean biographical scholarship on the subject, by bringing forward and explicating a set of hitherto misinterpreted, disregarded, overlooked or not connected items - literary, factual, documentary and pictorial - as pieces of evidence in a gradually unfolding argument that gains in conclusiveness from one step to the next" (S. 298).
Wenn Shakespeare als der wahrscheinlichste Autor des neuen Sonetts akzeptiert werde, worauf die zahlreichen linguistischen Ähnlichkeiten zwischen diesem Text und den 'Dark Lady'-Sonetten hindeuteten, müsse man sich fragen, wie das Sonett auf das Gemälde 'The Persian Lady' gelangte, wer diese Dame sei und welche Beziehungen zwischen ihr und ihm (Shakespeare) bestanden hätten (vgl. S. 299). Gerade auf diesem Gebiet, so Hortmann, habe Hammerschmidt-Hummel ihre fundierten (kunst-)historischen Kenntnisse und langjährigen Erfahrungen voll entfaltet, und urteilt: "the case is as clear as - under the circumstances, i.e. of a chain of argument depending on the interlocking circumstantial evidence - it can be [...]" (S. 299). Die unbekannte 'Persian Lady' [= 'Dark Lady'] sei identisch mit Elizabeth Vernon, die hoch schwanger den Grafen von Southampton, Shakespeares Patron, geheiratet habe (vgl. S. 299). Doch die 'Dark Lady', so Hortmann, "played her highborn fiancé false" und "the man in question", William Shakespeare, dem das Kind Penelope so sehr ähnele, habe vermutlich auch noch während Vernons Ehe ein Verhältnis mit ihr gehabt (vgl. S. 300). "How else should one interpret that face on the sleeve in the painting of 'Elizabeth Vernon, Countess of Southampton', [...] a minute detail overlooked by Sir Roy [Strong] but perfectly visible to the naked eye once it has been pointed out [...]: the right half of Shakespeare's face, in strong likeness to the Chandos and Flower portraits" (S. 300).
Stil und Methode der Autorin werden mit einem nicht selbstverständlichen Kompliment bedacht. Das Buch - und insbesondere das Kapitel über van Dycks Porträt der Lady Penelope Spencer -, so der Rezenzent, "makes fascinating reading. The reader is by now hot on the trail. He has long thrown caution to the wind and presses for a summary solution. Not so the author. She takes her time and all it takes to build up proof beyond reasonable doubt [...] Hildegard Hammerschmidt-Hummel is nothing if not thorough. Her painstaking progress pays dividends. Her circumspect marshalling of the great mass of circumstantial evidence forms the solid basis for the far-reaching conclusions (pp. 96-123). (S. 300)" Natürlich sieht auch der Rezensent die Gefahr der Verdunkelung der eigentlichen Ergebnisse der Forscherin durch den Medienrummel um ein Nebenergebnis des Buches: "Penelope's husband, Lord William Spencer, [...] fathered a line which [...] runs vigorously through the ages and shows up in the most prominent places" (S. 300). Mit dem Gewicht seiner Stimme als einer der 'Senior German Shakespeare scholars' stellt Hortmann daher bereits vorsorglich klar: "It is with the foregoing proofs rather than the [stunning genealogical] conclusions, that future criticism will have to concern itself" (S. 298).”

[...]

[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]

***

Auszug aus der Rezension des Shakespeare-Forschers Prof. em. Dr. Wilhelm Hortmann, Duisburg: “Look here upon this picture and on this” - Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’. Dokumentation einer Enthüllung”, in: Shakespeare-Jahrbuch 136 (2000), S. 298-301.

“Anyone engaging upon Shakespearean biography knows about the traps and dangers awaiting the intrepid quester. Hildegard Hammerschmidt-Hummel is no novice in the field. The wider German and international public learnt of her studies only recently, when, in 1996, she presented the case for the authenticity of Shakespeare’s death mask, a treasured possession of the Hessische Landes- und Hochschulbibliothek in the city of Darmstadt. To the scholarly community she has been known for much longer. Her study Die Importgüter der Handelsstadt London als Sprach- und Bildbereich des elisabethanischen Dramas (Heidelberg, 1979) made fascinating reading [...]. And in the matter of Shakespeare illustrations and representations of the Bard and his work in the fine arts attention has been focussed for years on a nationally sponsored research project [...].
In the present volume Hildegard Hammerschmidt-Hummel has undertaken a similarly daunting task: first, to integrate into the Shakespearean corpus a known but anonymous sonnet; furthermore to locate and identify a definite historical personage as the object of a famous painting and this person as, in fact, the mysterious Dark Lady herself [...]; and finally, to integrate her findings into the corpus of Shakespearean biographical scholarship on the subject, by bringing forward and explicating a set of hitherto misinterpreted, disregarded, overlooked or not connected items - literary, factual, documentary and pictorial - as pieces of evidence in a gradually unfolding argument that gains in conclusiveness from one step to the next. The stunning genealogical conclusions at the end of the book are certainly the most spectacular but were probably the least laboursome (though hardly unwelcome results) of the author’s quest. It is with the foregoing proofs rather than the conclusions, that future criticism will have to concern itself. [...]
The factual basis upon which Professor Hammerschmidt-Hummel’s argument rests above all are two paintings. The first one is known as ‘The Persian Lady’ [...]. It shows an elegant lady, her right hand resting lightly on the head of a weeping stag, by her left foot [...] the following sonnet:

The restles swallow fits my restles minde,
In still revivinge still renewinge wronges;
her Just complaintes of cruelty vnkinde,
are all the Musique, that my life prolonges.

With pensive thoughtes my weepinge Stagg I crowne
whose Melancholy teares my cares Expresse;
hes Teares in sylence, and my sighes vnknowne
are all the physicke that my harmes redresse.

My onely hope was in this goodly tree,
which I did plant in love bringe vp in care;
but all in vaine, for now to[o] late I see
the shales be mine, the kernels others are.

My Musique may be plaintes, my physique teares
If this be all the fruite my love tree beares.


Now, if this fine sonnet is admitted to bear a remarkable likeness to the wording and tone of several in the Dark Lady sequence (and the study uncovers many lexical, semantic and syntactical similarities, as well as correspondences of a thematic kind relating to the unhappy progress of the three-cornered relationship) [...], it becomes of course imperative to find out how Shakespeare (’s sonnet) got into the painting, who the ‘Persian Lady’ is and what connections there were between the two.
And it is in this field of enquiry that the author unfolds her specific knowledge of the history of painting and all the critical and combinative acumen of her long years of experience. At the end of this chapter the case is as clear as - under the circumstances, i.e. of a chain of argument depending on interlocking circumstantial evidence - it can be, with room, perhaps, for disbelief but not very much for doubt: The lady in the painting is established to be identical with Elizabeth Vernon, lady-in-waiting to Queen Elizabeth, who married Henry Wriothesley, Shakespeare’s patron and third Earl of Southampton at the end of August 1598. [...] on 8 November, their daughter Penelope was born.
Theirs? That is the question. [...]
Mater certa, pater semper incertus. [...] The Dark Lady, so we are forced to assume, played her highborn fiancé false, and the man in question, William Shakespeare, was not only jealously iin love with her but the relationship [...] dragged on into Elizabeth’s married life. How else should one interpret that face on the sleeve in the painting of ‘Elizabeth Vernon, Countess of Southampton, by an unknown artist, c. 1600’? Sir Roy Strong has scrutinised this fine painting of the lady at her toilet with his great expertise, and his dating and detailed interpretation (p. 64) helped the author to tighten her argument which - to the lay observer - is incontrovertibly clinched by a minute detail overlooked by Sir Roy but perfectly visible to the naked eye once it has been pointed out amongst the folds of the puffed material of the lady’s right sleeve: the right half of Shakespeare’s face, in strong likeness to the Chandos and Flower portraits (p. 70). [...]
[...] why that face on the dress of a woman already two, if not more years married? And above all, why does the daughter Penelope (in the painting ‘Lady Penelope Spencer, née Wriothesley’ by Anthonis van Dyck, court painter to Charles I) look so uncannily unlike her reputed father Southampton and so uncannily like her putative father William Shakespeare? This chapter (pp. 90-95), as in fact all the others, makes fascinating reading. The reader is by now hot on the trail. He has long thrown caution to the wind and presses for a summary solution. Not so the auther. She takes her time and all it takes to build upon proof beyond reasonable doubt, even if this means setting criminological experts from the Bundeskriminalamt to work comparing facial particulars of the several paintings in the best manner of identity-kit wizards in police movies. Hildegard Hammerschmidt-Hummel is nothing if not thorough. But her painstaking progress pays dividends. Her circumspect marshalling of the great mass of circumstantial evidence forms the solid basis for the far-reaching conclusions (pp. 96-123). These relate to the paintings themselves as well as to Shakespeare’s works. [...] Shakespeare scholars, especially those with a penchant for the biographical, will now have a new incentive to re-study the many love-and-jealousy passages in Shakespeare’s works [in] the light of the author’s findings [...]. And finally, genealogists, and the reading public in general, will be fascinated to learn that Penelope’s husband, Lord William Spencer, [...] fathered a line which [...] runs vigorously through the ages and shows up in the most prominent places.
[...] obviously there ought to be an English translation of the book soon since it is a matter that concerns the Anglo-Saxon community generally and in more respects than one.”

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Auszug aus der Rezension der Journalistin und Anglistin Ursula Sautter, “Darkness Visible. A new book purports to reveal the long-hidden identity of the Dark Lady of Shakespeare’s sonnets”, Time Magazine ( 6. Dezember 1999):

“By Renaissance standards, the ‘Dark Lady’ of Shakespeare's sonnets was not much of a looker. With hair like ‘black wires,’ ‘dun’ (meaning dark) breasts and eyes that are ‘nothing like the sun,’ she contradicted the contemporary ideal of beauty. Yet for the persona in the poems, the woman who jilts him for his friend is ‘the fairest and most precious jewel.’ For centuries, scholars and Shakespeare aficionados have wondered whether there ever was a Dark Lady and, if so, who she might have been. After recruiting the help of art historians, linguists and even criminologists, a German professor of English literature now believes she has solved the riddle: Shakespeare's Dark Lady was a 16th century ancestor of the late Princess Diana.

The professor, Hildegard Hammerschmidt-Hummel from Mainz University, contends that the dark muse who inspired the poet to such passionate verse was Elizabeth Vernon, a high-born lady-in-waiting to Elizabeth I. In a new book, The Secret of Shakespeare's Dark Lady (Primus; 180 pages), Hammerschmidt says Vernon was Shakespeare's mistress before she wed his patron, Henry Wriothesley--often identified as the rival lover in the sonnets--in August 1598. The German professor believes Vernon bore the Bard a daughter in November of the same year and that this child, Penelope, married the 2nd Baron of Spencer in 1615, linking the poet’s bloodline with that of the Princess of Wales.

The main evidence for Hammerschmidt's bold claims is two contemporary portraits. One, Portrait of a Woman, now displayed in Hampton Court Palace, shows a festively dressed, pregnant woman with dark hair and eyes. The painting also includes a sonnet which thematically, semantically and stylistically fits into the cycle of poems about the Dark Lady. ‘[The poem] laments the betrayal which cheated him out of the fruits of his love,’ says Hammerschmidt. Another, later portrait, held at Boughton House in Northamptonshire, depicts Elizabeth Wriothesley, née Vernon, at her toilet. The countess appears so similar to the Portrait of a Woman that Reinhardt Altmann, a forensic expert for the federal criminal police office (BKA), declared that the similarities between the two women are too great to be coincidental. In addition, the countess points toward the face of a man that is stitched on her right sleeve. ‘The shape of the head and the features,’ Hammerschmidt says, ‘bear an amazing
likeness to Shakespeare.’

The German scholar also maintains that there is a striking resemblance between Penelope Spencer and her alleged natural father, Shakespeare, but none with Elizabeth's husband, Wriothesley. The BKA's Altmann compared a portrait of Penelope by Van Dyck with the two known likenesses of the Bard, and concluded ‘that the result of the analysis is clearly in favor
of Shakespeare.’”

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Auszug aus der Rezension der Journalistin Anna Marohn, “Warum der britische Prinz die Gene Shakespeares trägt. Resultat einer Dreiecksbeziehung des ausgehenden 16. Jahrhunderts”, Mainzer Rhein-Zeitung (24. November 1999) [Forschung Made in Mainz]:

“Für Hildegard Hammerschmidt-Hummel war es lediglich ein Nebenergebnis ihrer Forschungsarbeit. Für den Rest der Welt war es eine Sensation. Die Mainzer Professorin will herausgefunden haben, dass der britische Prinz William vom großen Dichter William Shakespeare abstammt. Bereits 1995 hatte sie mit ihrem Beweis für die Echtheit der Totenmaske Shakespeares und zweier Shakespeare-Porträts Aufsehen in der Fachwelt erregt.
Die britische ‘Sunday Times’ bekam bereits Ende August Wind von der neuen Geschichte - bevor Hammerschmidt-Hummel ihre Ergebnisse vorgestellt hatte - und machte flugs eine Titelstory aus dem Stoff. Der Forscherin kam das gar nicht zupass: ‘Das war keine autorisierte Version, gegenüber dem Königshaus und der Familie Spencer eine peinliche Angelegenheit.’
Weiß man um die zahlreichen anderen Ergebnisse, rückt die prominente Verwandtschaft, die dadurch ans Tageslicht kam, in den Hintergrund. Begonnen hat die Aufdeckungsserie mit dem Gemälde, das als ‘The Persian Lady’ bekannt ist. Abgebildet ist eine schwangere Frau höheren Rangs in festlichem Gewand. Schwanger mit dem Kind des englsichen Dichters, sagt Hammerschmidt-Hummel. Sie identifizierte die Unbekannte als ‘Dark Lady’, die zentrale Figur der berühmten Shakespeare-Sonette, und zugleich als Elizabeth Vernon, spätere Gräfin von Southampton.
Die Anglistin fasst ihre Behauptungen in sechs Thesen zusammen - dargelegt in ihrem Buch ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’. These eins stützt sich auf die Subscriptio, ein Sonett, in der rechten unteren Ecke des Bildes. Von Inhalt und Wortwahl her sprechen viele Indizien für Shakespeare. Der Dichter des Sonetts klagt: ‘Doch alles war vergeblich, denn jetzt zu spät, ich seh’: Die Früchte ernten and’re, die Schalen nur sind mein.’
‘Shakespeare sieht sich als Verlierer in der Dreiecksbeziehung mit Vernon und dem Grafen von Southampton’, erläutert Hammerschmidt-Hummel. ‘Er beklagt den Verlust seines Kindes, die Frucht der Liebe.’
Denn Vernon entschied sich für eine halbwegs sichere Verbindung und heiratete Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton. Zwischen den historisch-biographischen Fakten und ihren Ergebnissen hat Hammerschmidt-Hummel Übereinstimmung festgestellt. Marcus Gheeraerts malte das Bild der Hochschwangeren zwischen 1590 und 1600 - Elizabeth Vernon war 1598 schwanger und heiratete Wriothesley heimlich noch vor der Niederkunft.
Elizabeth I. hatte ihre Hofdame wegen der unehelichen Schwangerschaft vom Hof gejagt. Da sie auch ohne Erlaubnis geheiratet hatte, schickte die Königin Vernon ins Gefängnis. Dort wurde vermutlich das Bild angefertigt; Dort gebar sie auch im November ihre Tochter Penelope. Dank ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zum einflussreichen Grafen Essex erlangte sie Ende November wieder die Freiheit.
Für einen Vaterschaftsnachweis im Fall Penelopes ist es nun zu spät. Aber Hammerschmidt-Hummel bediente sich modernster Kriminaltechnologie. Ergebnis: ‘Das Bundeskriminalamt stellte beim Vergleich der Gesichtszüge Penelopes mit denen Shakespeares zahlreiche Übereinstimmungen fest.’ Auf Wriothesley traf das nicht zu. 1615 heiratete Penelope Lord William Spencer. Der ist wiederum ein Urahn von Lady Di und ihren Söhnen William und Harry.
Nicht nur die Medien profitieren von Hammerschmidt-Hummels Forschungen. Auch bei den Mainzer Studenten kommt die Historie gut an: ‘Ich habe immer ein volles Haus.’ Liebe ist eben ein zeitloses Thema.”

[Unterschrift unter der Abbildung des Gemälde ‘The Persian Lady’] : “Für ihre Forschungen bemüht Hammerschmidt-Hummel Spezialisten aus allen Bereichen. Der Mainzer Botaniker Ulrich Hecker fand heraus, dass der Baum, vor dem die schwangere ‘Persian Lady’ steht, Oliven trägt, sein, sein Laub jedoch dem des Lorbeerbaums ähnelt. Die Lösung der Symbolik: Der Baum und die Frau tragen die falsche Frucht.”

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Auszug aus dem Gespräch über das Buch Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’ zwischen dem WDR-Redakteur David Eisermann und dem Journalisten und Literaturwissenschaftler Hans-Jörg Modlmayr, in: “Mosaik”, Westdeutscher Rundfunk [WDR] (23. November 1999):

Eisermann: Im Studio ist jetzt Hans-Jörg Modlmayr. Herr Modlmayr die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft ist ein wissenschaftlicher Traditionsverein mit langer Geschichte. Gerade hat hier in Bochum ihr letztes Treffen stattgefunden. Dort ist den Forschern eine wissenschaftliche Entdeckung präsentiert worden?

Modlmayr: [...] Das war die kleine, die Millenium-Shakespeare-Tagung. Und die Frau Hammerschmidt-Hummel [Professorin für Anglistik in Mainz] ist auch dagewesen. Und viele Leute habe sich sehr intensiv mit ihr beschäftigt. [...]

Eisermann: Und sie haben mit ihr gesprochen.

Modlmayr: Ja, ich habe ein langes Gespräch mit ihr geführt. Ich habe zuerst ihr Buch gelesen, und sehr genau gelesen, und auch die englische Kritik und die deutsche Kritik, die bis jetzt erschienen ist. Sie arbeitet sehr präzise, und zwar interdisziplinär.

Eisermann: Was hat sie entdeckt?

Modlmayr: Sie hat entdeckt ein Bild mit einem Sonett in der Royal Collection in Hampton Court - [mit]ein[em] Sonett, das nach Shakespeare klingt, und nach niemand anderem [...]. Bild und Text (das Sonett) stehen in einem merkwürdig engen, verrätselten Zusammenhang. Und dann hat sie noch ein zweites Bild gefunden, setzt das zusammen und arbeitet mit dem BKA engsten zusammen, weil sie ja keine Spezialistin ist für Gesichtsvergleiche usw. und sie arbeiten eben interdisziplinär.

Eisermann: Das Gedicht haben Sie mitgebracht. [...]

‘The restless swallow fits my restless minde / ...’

[Vortrag des gesamten neuen Sonetts in englischer Sprache]

Das hat diesen Shakespeare-Swing. Aber erklären Sie mal, worum geht’s eigentlich in diesem Gedicht?

Modlmayr: In dem Gedicht geht es darum, daß der Sprecher enttäuscht ist, daß seine Liebe, d.h. die Frucht seiner Liebe, das Kind, das da im Entstehen ist, von jemand anderem - praktisch ‘geerntet’ wird.

Eisermann: Der Liebhaber spricht über eine Frau,

Modlmayr: mit der er sehr eng zusammen war [...], die auf dem Bild in Hampton Court zu sehen ist und die hoch schwanger dargestellt ist. Und jetzt fängt [...] Frau Hammerschmidt-Hummel an, die Zeitgeschichte zu studieren - und, was in Anglistenkreisen bis jetzt einfach nicht der Fall war, [...] die Bilddokumente [...] genauestens unter die Lupe [zu nehmen].
[...] Man muß bedenken, daß ein Porträt dieser Zeit Sitzungen bis zu 22 Stunden voraussetzt, d.h., wenn ein Maler 22 Stunden irgendeinem Bösewicht oder einem Nicht-Bösewicht ins Gesicht schaut, bleibt ihm nichts verborgen. [...] Diese Bildzeugnisse sind historische Dokumente, die bis jetzt von der Literaturwissenschaft einfach aus Unkenntnis nicht beachtet wurden.

Eisermann: Jetzt noch einmal zum Mitschreiben, Herr Modlmayr. Shakespeare hat ja nicht nur unsterbliche Dramen, sondern auch unsterbliche Gedichte geschrieben. Und in einer ganzen Reihe dieser Sonette hat er eine Frau angesprochen. Wer war das? Und was hat sie mit Shakespeare gemacht?

Modlmayr: Also es geht um zwei Personen. Es geht um die Beziehung zu einem jungen Mann. Das ist jetzt ziemlich klar. Das war der [...] [Graf] von Southampton. Und wenn man ein Bild von ihm sieht, [...] kann man verstehen, warum Shakespeare in den verliebt war. Auf jeden Fall war es zumindest eine geistige homoerotische Beziehung. - Ein wunderbares Gesicht, ein poetischer Jüngling, viel jünger als Shakespeare - der auch sein Förderer war und später diese ‘Dark Lady’ - so die Argumentation - geheiratet hat. Er [...] hat sie heimlich geheiratet, als sie hochschwanger war. Dann wurde sie ins Gefängnis gesteckt. Elisabeth [I.] mochte nicht gerne, wenn andere Leute ohne ihre Genehmigung heirateten. [...] Dann wurde er ins Gefängnis gesteckt. Und dann war er in dem Komplott gegen Elisabeth und war zum Tode verurteilt, dann begnadigt und saß dann nur im Tower. Und erst mit dem Tod der Elisabeth ist er aus dem Tower rausgekommen. In dieser Zwischenzeit - von 1598 an- spielt sich dieses Drama sozusagen in der heißen Phase ab. Sie bekommt ein Kind. Und jetzt kommt [...] ein Gesichtsvergleich. Es gibt ja Porträts. Es gibt diese Bildzeugnisse. Und der [angebliche] Vater dieses Kindes hat mit dem Kind absolut keine Gesichtsähnlichkeit. [...] Da kann man natürlich sagen, das gibt’s manchmal. Es ist auf jeden Fall eine Argumentationskette - oder mehrere Ketten. Sie checked das von verschiedenen Seiten durch. Und es ist [...] ganz erstaunlich, auch der Sprachvergleich in diesem Sonett, das Sie gerade vorgelesen haben - eine deutsche Premiere war das - kommen Wörter vor, die sonst eigentlich niemand verwendet, Schlüsselwörter. Der andere kriegt den Kern und er [der Dichter] kriegt nur die Schale.

Eisermann: Mit anderen Worten: Die Sache ist so ausgegangen, daß sie Shakespeare als Liebhaber ablegt ...

Modlmayr: Ja

Eisermann: Und mit Shakespeare Freund verheiratet ist.

Modlmayer: Natürlich jetzt standesgemäß, das geht ja auch in die Sonette rein. Er [Shakespeare] ist eben als Autor, als Dichter, natürlich ein Mensch dritter Klasse, obwohl er den Leuten [...] haushoch überlegen war. Sie heiratet [...] den Mann von Stand, den Förderer von Shakespeare. Das ist eine sehr intensive Geschichte. Und wenn man die Sonette öfters liest, merkt man: Das sind keine konventionellen, petrarkistischen oder anti-petrarkistischen Fingerübungen ...

Eisermann: Die Sonette sind berühmt ...

Modlmayr: Die sind einfach aus Herzblut heraus [geschrieben]. Das sind existentiell ergreifende Gedichte und das [neue Sonett] paßt hier genau rein. Wer soll es denn geschrieben haben? Das kann nicht irgendein Schreiberling, der [...] schnell etwas in ein Bild reinkritzelt. Das Bild ist so verschlüsselt genau und das Gedicht auch und die sind aufeinander abgestimmt, d.h. der Autor [Shakespeare] und der Maler, Gheeraerts, der der größte Porträtmaler der Zeit war, [...] müssen [...] sich genauestens gekannt haben. Das kann nicht einfach so schnell als Dekorations-Nebeneffekt zustandegekommen sein. Die Argumentation ist einfach verblüffend konkludent.

Eisermann: Das Gemälde enthält ein ganzes Programm.

Modlmayr: Ein ganzes Programm, was ja für die Renaissance-Malerei typisch ist [...] und nur die Eingeweihten können es, wenigstens zum Teil, entschüsseln. Das war ja auch ein Spiel. Man hat Bilder nicht angeschaut, man hat sie ‘gelesen’, dekodiert. [Fettdruck von der Verfasserin]

Eisermann: Aber ich muß sie das trotzdem fragen: Ist es nicht merkwürdig, daß Shakespeare hier unbedingt mit dem Hoch- und Schweradel in Verbindung gebracht wird. In der ‘Sunday Times’ wird er [Shakespeare] ja schon als Urahn des Thronfolgers Prince William gehandelt.

Modlmayr: Das wäre die Konsequenz, wobei das ja jetzt unerheblich ist. Das Entscheidende ist, daß hier ein Gedicht gefunden wurde und daß Bilder benutzt werden zur Erklärung von intimsten Beziehungen. Wer Shakespeares Werk liest, weiß: Der Mann kannte die oberste Schicht und ihren Schattenseiten - aus erster [...] [Hand]. Das war nicht jemand, der das aus der zweiten Hand [...] hat. Er muß die Leute alle gekannt haben. Das über ihn so wenig bekannt ist, hängt vielleicht sogar damit zusammen, daß er dieses ‘low profile’ fahren mußte, weil er so involviert war durch Beziehungen, die natürlich die Konventionen etwas gesprengt haben.

Eisermann: Eine romantische Vorstellung. Aber Frage zum Schluß, Herr Modlmayr: Mit solchen Entdeckungen gibt es in der Literaturwissenschaft traditionell ja ein großes Problem. Die Frage: Na und? Fakten, Falsifizierbarkeit und die Verbindlichkeit von Wirklichkeit ganz allgemein. Das alles wird ja in der Kritik, wie sie heute modern ist, gern ganz tief gehängt. Wie geht die Forscherin Hammerschmidt-Hummel denn mit ihren Kritikern um?

Modlmayr: Sie ist sehr souverän. Sie hofft, daß Argumente kommen. Sie sagt ja nicht: Ich hab’ ne Vision gehabt und so ist es. Sie gründet ja keine neue Schule. Sie sagt: Ich hab das jetzt alles genau erforscht [...]. Das macht sie durch Zuhilfenahme von verschiedensten Disziplinen und jetzt wartet sie auf Gegenargumente. [...] es muß die Sachdiskussion einsetzen. Und von England ausgesehend [ist man], und auch einige deutsche Anglisten [...] sind durchaus interessiert, sich damit auseinanderzusetzen. Sie [Hammerschmidt-Hummel] hat praktisch der männlichen Shakespeare-Forschung den Fehdehandschuh hingeworfen und sagt: Jetzt macht mal und strengt euch mal ein bißchen an.

Eisermann: Hans-Jörg Modlmayr mit einem Bericht über die Shakespeare-Forscherin Hildegard Hammerschmidt-Hummel und ihre Aufsehen erregende Theorie, nach der Shakespeare eine unglückliche Liebesaffäre mit einer Hofdame Königin Elisabeths I. gehabt haben soll. Elizabeth Vernon war die ‘Dark Lady’ seiner Sonette und die Mutter einer gemeinsamen Tochter: Penelope [Spencer, geb. Wriothesley].”

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Auszug aus der Rezension der Journalistin und Buchautorin Esther Knorr-Anders, “Die Früchte ernten andere, die Schalen nur sind mein. Shakespeares Vaterschaften, in Kunst und Leben, sind immer noch zu entschleiern - zum Beispiel das Geheimnis der ‘Dark Lady’”, Süddeutsche Zeitung (10. November 1999):

“Das Buch liest sich wie eine Kriminalstory. Es geht um die Identifizierung einer Dame, die anno 1598 vom englischen Porträtmaler Marcus Gheeraerts d. J. auf die Leinwand gebannt wurde und unter dem Gemäldetitel The Persian Lady oder Lady in Fancy Dress Jahrhunderte lang für Rätsel sorgte. Es geht aber auch um den Verfasser eines Sonetts (‘Subscriptio’), das innerhalb einer Kartusche ebenfalls das Bildwerk schmückt. Nach mühevoller Recherchearbeit legt Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin an der Universität Mainz, nun das Ergebnis ihrer Forschungen vor. Es kann hier nur des Rätsels Lösung wiedergegeben werden, nicht die verwickelte Spurensuche, welche zu ihr führte. Möglichst umfassende Englischkenntnisse sind erforderlich, um den vollen inhaltlichen und argumentativen Genuss zu gewinnen - die Shakespeareschen Sonette sollten in deutscher Übersetzung griffbereit sein.
Der Bildtitel The Persian Lady war wohl auf die überaus phantastische Kleidung der Dame, den kostbaren Schmuck zurückzuführen. [...] Elizabeth Wriothesley, Countess of Southampton [...] - sie soll die geheimnisvolle Lady auf Gheeraerts Gemälde sein. Man sieht eine Hochschwangere vor einem herbstfarbigen Baum, deren beringte Hand den mit Blüten und Perlen geschmückten Kopf eines ‘weinenden Hirsches’ berührt. Liebes- und Abschiedsschmerz soll symbolisch ausgedrückt werden auch durch den Verfasser des ‘anonymen’ Kartuschen-Sonetts, neben den Füßen der Dame. Seine
Schlusszeile lautet: ‘Musik, sei meine Klage, ihr Tränen Medizin / Wenn dies die ganze Frucht ist die mein Liebesbaum trägt.’
Der Verfasser galt als unbekannt - bis nun Hammerschmidt-Hummel ihn als Shakespeare identifizierte. Der publizierte 154 Sonette und stellte darin seine ‘Dark Lady’, eine unglückliche Liebe, in den Vordergrund. Die ‘dunkle Dame’ erregte nicht nur der Zeitgenosssen Neugier. Ihre Identifizierung gelang Hammerschmidt-Hummel an Hand der lyrischen Sprache Shakespeares und eines zweiten, authentischen Gemäldes der Elizabeth Southampton, das sie - nach der Geburt ihrer Tochter Penelope - bei der Toilette zeigt.Schwarzrötliche Haarflut umrieselt die Schultern. In das Blütengewirr des Spitzenärmels, in Ellbogenhöhe, komponierte der anonyme Maler das Miniaturbildnis Shakespeares hinein. Solch ein Hinweis auf eine versteckte Beziehung war nur mit Einverständnis der Porträtierten möglich.
Ein Blick auf die Biografie: Elizabeth Vernon, 1573 geboren, wurde nach dem Tod des Vaters durch Vermittlung ihres Vetters und Vormundes, des Earl of Essex, Hofdame der Königin Elizabeth I. Zum Ärger der Monarchin hatten ihre ‘Ladies of Honour’ häufig Liebesverhältnisse, aus denen Kinder hervorgingen. Henry Wriothesley, Graf von Southampton, machtet der jungen Vernon den Hof - und sie wurde schwanger. Die 1598 heimlich geschlossene Ehe kam auf Rat von Essex zustande. Die Königin schäumte [...]. Sie ließ die nunmehrige Gräfin ins Fleet-Gefängnis stecken, desgleichen den aus Paris zurückbeordeten Ehemann. Wieder griff Essex ein, und die Ehegatten mit Kind wurden freigelassen.

Southampton zweifelt

Erhebliche Umstimmigkeiten zwischen Elizabeth und Southampton hatte es schon vor der Heirat gegeben. Vage Bemerkungen des Höflings Ambrose Willoughby, dass es im Leben der Vernon noch einen andaeren Galan gebe, kursierten. ‘Es ist nicht auszuschließen, dass Southampton schon zu diesem frühen Zeitpunkt Zweifel an seiner Vaterschaft gekommen sind.’ Wer aber käme dann als Vater in Frage? Der Dichter der Sonette! Drei Figuren sind die Hauptakteure in seinem Reigen: der Dichter, desssen Freund (Southampton) und die ‘Dark Lady’ (Elizabeth), deren Lügenhaftigkeit und Täuschungskunst für Shakespeare nie in Zweifel standen. [...]

Hammerschmidt-Hummel zieht zum Beweis der Vaterschaft Shakespeares seine Porträts und ein von Antonis van Dyck geschaffenes Gemälde er erwachsenen Tochter Penelope, verheiratete Lady Spencer heran. Tatsächlich weisen Gesichtskontur, Augenform und -ausdruck sowie die körperliche Rundlichkeit verblüffende Ähnlichkeit auf. Der schmalgesichtige, hagere Southampton ist ein gänzlich anderer Typus. Dass Shakespeare sich verschlüsselt zur leiblichen Vaterschaft bekannte, entnimmt Hammerschmidt-Hummel dem dritten Vers des Kartuschen-Sonetts: ‘Der Baum gepflanzt in Liebe / Umhegt mit großer Müh, er war mein einzig Hoffen / Doch alles war vergeblich, denn jetzt, zu spät, ich seh’ / Die Früchte ernten andre, die Schalen nur sind mein.’”

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Auszug aus der Rezension des Journalisten und Anglisten Oliver Groß, “Shakespeares verbotene Früchte. Mainzer Literaturwissenschaftlerin auf den Spuren einer Affäre”, Frankfurter Allgemeine Zeitung (22. September 1999):

“Die Geschichte klingt märchenhaft und ihre Entdeckung liest sich wie ein Detektivroman. ‘Shakespeare in love’: Die ‘Dark Lady’, die den Dichter in den Sonetten zur Verzweiflung treibt, soll wirklich gelebt haben. Die Mainzer Anglistik-Professorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel hat Renaissancegemälde und historische Quellen erforscht und ist überzeugt, den Schlüssel zur Biographie Shakespeares in Händen zu halten. Was ihre Entdeckung zu einer kleinen Pressesensation werden ließ, war ein eher zufälliger Fund: Wenn es die Dichter-Liaison wirklich gab und daraus ein Kind hervorging, dann führt die genealogische Linie direkt zur englischen Adelsfamilie Spencer - und damit zu Lady Diana und Thronfolger Prinz William.
[...] Mit ihrem gerade erschienenen Buch lüftet sie [die Wissenschaftlerin] laut Titel ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’’ (Wissenschaftliche Buchgesellschaft und Primus Verlag Darmstadt, 1999). Angefangen hat die Spurensuche Hammerschmidt-Hummels mit dem Gemälde deds Renaissancemalers Marcus Gheeraerts d. J., ‘The Persian Lady’. Das Bild zeigt eine hochschwangere Dame im teuren persischen Wickelkleid. Das Sonett zu Fjüßen der Porträtierten erkannte die Mainzer Professorin als ein Werk Sakespeares. Zu ihrem Textvergleich mit den Versen des Dichters zog sie einen Sprachwissenschaftler aus der Anglistik zu Rate, der zum gleichen Ergebnis kam.

Hilfe des Bundeskriminalamtes

Am Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden [wurde ihr] bestätigt [...]: Die Gesichtszüge der ‘Persian Lady’ stimmen mit dem Porträt Elizabeth Vernons, Gräfin von Southampton und frühere Hofdame Königin Elizabeaths I., überein. Der Clou des zweiten Gemäldes: Mit spielerischer Geste deutet die Gräfin auf ein an ihrem Ärmel verborgenes Gesicht, das kaum aussieht wie Ehemann Graf von Southampton, wohl aber wie William Shakespeare. Historische Quellen belegen, dass die Köngin ihre schwangere Hofdame 1598 ins Gefängnis werfen ließ, kurz nachdem diese heimlich und ohne königliche Erlaubnis geheiratet hatte. Zur selben Zeit, zwischen 1593 und 1598, entstanden Shakespeares Sonette. Als der in ihnen besungene ‘Freund’ gilt der Graf von Southampton, Shakespeares Patron und Gönner. Hammerschmidt-Hummel schlußfolgert: Der Hofskandal ‘ist die Dreiecksbeziehung von ‘Dark Lady’, Dichter und Edelmann, so wie die Sonette sie beschreiben’.
‘Ich habe einen geschärften Blick für bildliche Details’, meint die Forscherin, die seit den achtziger Jahren am Shakespeare-Bildarchiv der Mainzer Universität und der Akademie der Wissenschaften tätig ist. Dort hat sie Tausende von Illustrationen zu Shakespeares Dramen gesammelt. Schon 1995 ließ sie mit Aufsehen erregenden Untersuchungsmethoden des Bundeskriminalamtes (BKA) die Echtheit der Darmstädter Shakespeare-Totenmaske und zweier Shakespeare-Porträts nachweisen.

Bilderrätsel

Für ihre neue Enthüllung hat sie Gutachten von Medizinern, darunter einem Gynäkologen, von BKA-Experten und Botanikern bemüht. Der Direktor des Instituts für Spezielle Botanik an der Universität Mainz, Ulrich Hecker, half der Literaturwissenschaftlerin bei dem Nachweis, dass der Baum auf dem Bild der ‘Persian Lady’ falsche Früchte trägt. Oliven statt Lorbeer - ein Bilderrätsel - ein Bilderrätsel, das auf die uneheliche Herkunft des Kindes verweisen könnte.
Noch gibt es unter den deutschen Professoren für Anglistik wenige, die sich über die Erkenntnisse Hammerschmidt-Hummels äußern wollen. Der Bonner Anglist Professor Dieter Mehl, Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft , hält den biographischen Ansatz für nicht sehr fruchtbar. ‘Shakespeares Werke interessieren mich mehr als detektivische Recherchen’, sagt Mehl. Schön findet er immerhin, dass nun das Publikum stärker auf Shakespeare aufmerksam wird. ‘Wenn man sonst ein Sonett abdruckt, liest es keiner.’ Auch die britische ‘Sunday Times’, die kürzlich einen Bericht über Hammerschmidt-Hummels Forschungen brachte, habe in den vergangenen 50 Jahren keinen deutschen Shakespeare-Forscher mehr interviewt. Professor Wilhelm Hortmann, Anglist an der Universität Duisburg, hält das neue Soneatt für eine echte Trouvaille: ‘Shakespeare hätte sich nicht schämen müssen das geschrieben zu haben.’ Wenn man die Sonette als Bekenntnislyrik lesen wolle, führt Hortmann aus, ‘dann hat die Autroin die Lösung ausgearbeitet, für die sehr viel spricht’.
Ihre Indizien- und Beweiskette hält Hammerschmidt-Hummel für hieb- und stichfest. Auch an der Identifizierung des Sonetts sei nicht zu rütteln [...]. Die Kritik ihrer Fachkollegen schreckt sie nicht: ‘Dass alles gründlich überprüft wird, ist ganz in meinem Sinne’, sagt die Professorin. [...]

Fortsetzung vorhanden

Sogar eine Fortsetzung zum Shakespeare-Krimi gibt es schon: Das Kind der ‘Dark Lady’, Penelope Wriothesley, habe in die Spencer-Familie eingeheiratet, so die Forscherin. Ihr rundlich-ovales Gesicht und eine Reihe weiterer Merkmale gleichen, wiederum laut BKA-Vergleich, den Gesichtszügen William Shakespeares. Der Graf von Southampton hat das Nachsehen, dafür wird Prinzessin Diana posthum als Nachfahrin Shakespeares geadelt. Einen Kommentar des britischen Königshauses hat Hammerschmidt-Hummel dazu allerdings bisher nicht erhalten. Im kommenden Wintersemester hält sie an der Universität Mainz eine Vorlesung über das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’.
Jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr will sie in Hörsaal P 110 ihren Mainzer Studenten die (kultur-)historischen Zusammenhänge erläutern. ‘Dabei kommen auch die Sonette wieder stärker zum Zug’, verspricht die Professorin. Die Mainzer Campus-Buchhandlung dekoriert schon vorsorglich ein Fenster mit Shakespeare.”

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Auszug aus der Rezension des Leiters des Feuilletons Jürgen Diesner, “Shakespeares ‘Dark Lady’ identifiziert? Mainzer Anglistin Hammerschmidt-Hummel stellt ihr Buch in Darmstadt vor”, Darmstädter Echo (10. September 1999):

“Wer war die ‘Dark Lady’, die dunkle Dame, deren Treulosigkeit Shakespeare in seinen Sonetten beklagt? Die Nachwelt hat darüber schon immer gerätselt: [...] Letztes Jahr erschien ein ‘Roman um Shakespeares große Liebe’, in dem diese als Emilia Bassano porträtiert wurde [...].
Dieses Jahr erscheint die ‘Dokumentation einer Enthüllung’: Die Autorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel, eine Mainzer Anglistin, glaubt, ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’, so der Titel, endgültig geklärt zu haben. Es handele sich um Elizabeth Wriothesley, geborene Vernon, Hofdame Königin Elisabeths I.

Da das Buch im Primus-Verlag erscheint, der zur Wissenschaftlichen Buchgesellschaft gehört, die in Darmstadt beheimatet ist, Darmstadt außerdem Shakespeares Totenmaske besitzt, deren Echtheit die Mainzer Anglistin vor vier Jahren glaubhaft gemacht hat, stellte die Autorin das Buch gestern im Darmstädter Rathaus der Presse vor. Sie wiederholte dabei ihre Thesen und ihre Beweisführung, wie sie im Nachrichtenmagazin ‘Focus’ schon am Montag dargestellt wurden.

Sie bezieht sich vor allem auf ein Portarät von Marcus Gheeraerts dem Jüngeren, ‘The Persian Lady’ betitelt, das emblematisch gemeint sei und das sie enträtselt zu haben glaubt. Das anonyme Sonett, mit dem das Porträt unterschrieben sei, stamme dem Stil nach von Shakespeare und gehöre in die Reihe der bekannten ‘Dark Lady’-Sonette. In dem Sonett klagt das dichterische Ich, um die Frucht seiner Liebe betrogen worden zu sein. Das Bild sei das Porträt einer Schwangeren, wie Gynäkologen begutachtet hätten. Die Porträtierte sei eben jene Elizabeth Vernon, die Ende August 1598 - zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope - Shakespeares Gönner, Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton, heiratete. Der Vater des Kindes Penelope sei jedoch Shakespeare, wie Hammerschmidt-Hummel herausgefunden haben will. Shakespeares bewusste Sonette handeln von einer Dreiecksbeziehung des Dichters, seiner treulosen Geliebten und seines Freundes.

Auf den späteren Porträts Penelopes, so sollen Sachverständige des Bundeskriminalamtes begutachtet haben, sei keinerlei Ähnlichkeit mit Southampton , wohl aber mit Shakespeare festzustellen. Da Penelope später in die englische Adelsfamilie der Spencers einheiratete, seien - so die Folgerung der Autorin - ‘Lady Di’, die tödlich verunglückte Prinzessin, und der englische Thronfolger Prinz William späte Nachfahren von William Shakespeare.”

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Auszug aus der Rezension der Redakteurin Claudia Gottschling [Forschung und Technik], “Lady Di und der Dichter. Shakespeare in love: Eine Mainzer Professorin will seine wahre Geliebte entlarvt haben und glaubt, Diana sei seine Ururur ... enkelin”, Focus (6. September 1999):

“Wer war die ‘Dark Lady’? Wissenschaftler aller Epochen forschten nach der realen Person, der Shakespeares Schmachten in seinen berühmten Liebessonetten galt. Die Mainzer Professorin für englische Literatur, Hildegard Hammerschmidt-Hummel, präsentiert nun in ihrem Buch eine dramatische Love-Story: Sie entlarvt Williams heimliche Geliebte und stößt dabei auf eine Verbindung, wie sie sich ein Klatschreporter kaum hätte ausdenken können: Shakespeare sei der Ururur ... großvater von Lady Di.

[...]

Bild der Geliebten? Zentrales Beweissstück ist ein geheimnisvolles Gemälde aus der Renaissance: die ‘Persian Lady’, das Porträt einer Dame in teurem persischem Kostüm. Ihr Name ist unbekannt, so wie der Urheber des aufgemalten Sonetts. Doch Bild und Text stecken voller Anspielungen. ‘In der Renaissance war es üblich, Gemälde wie ein Bilderrätsel zu malen’, erklärt die Kunsthistorikerin Gudrun Raatschen von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München.

Der Schlüssel zzum Rätsel der ‘Dark Lady’ war das Sonett, gesteht Hammerschmidt-Hummel. Sie vergleicht u.a. Wortwahl, Metaphern und Satzbau mit dem, wie viele glauben, persönlichsten Werk des Dichters, seinen 154 Liebessonetten. Ihr Fazit: Die Verse auf dem Bild stammen aus Shakespeares Feder und bilden das Finale der ‘Dark Lady’-Sonette. Der Autor beklagt darin den Verlust seiner Geliebten.

[...]

Ein Mosaikstein zur Identifikation der ‘Dark Lady’ war für Hammerschmidt-Hummel der Leib der Porträtierten: ‘Sie ist schwanger.’ Zwei Mediziner studierten sorgfältig die Rundungen der Frau, die Position des Bauchs, ihre Brüste, die glänzenden Augen. ‘Sie steht acht bis zwölf Wochen vor der Geburt’, urteilt Gynäkologe Peter Berle aus Wiesbaden. Sein Gutachten brachte Hammerschmidt-Hummel einen Schritt weiter.
Das Stadium der Schwangerschaft und die Entstehungszeit der Sonette engen den Kreis der Verdächtigen weiter ein. Edle, ausgefallene Kleidung und der Schnmuck der Frau sind ein Hinweis, dass sie am Hof von Königin Elizabeth I. lebte. Für die Literatur-Detektivin deutet alles auf eine Person: Elizabeth Vernon, eine Hofdame der Königin.
Ein Kriminologe des BKA, Reinhardt Altmann, bestätigt die Anglistin in ihrer Hypothese. Ein Bildvergleich [...] zeigt deutliche Ähnlichkeiten der unbekannten Schwangeren mit einem späteren Porträt der Vernon [...]. ‘Meine Befunde fügen sich schlüssig in die geschichtlichen Abläufe des Jahres 1598 ein’, sagt Hammerschmidt-Hummel.
Das Leben des Edelfräuleins gleicht in diesem Jahr einem Drama - belegen historische Dokumente. Auf Grund einer unehelichen Schwangerschaft wird sie vom Hof verbannt. In einer heimlichen Blitzhochzeit heiratet sie hochschwanger Hednry Wriothesley, Graf von Southampton. Er ist Shakespeares Förderer [...], sein Freund, und viele halten ihn auch für seinen Nebenbuhler aus den Sonetten. Die Königin ist verärgert über die unerlaubte Heirat und wirft die Frischvermählte ins Gefängnis. Dort bringt die Gräfin im November ihre Tochter Penelope zur Welt.
Wer war ihr Vater? Glaubt man den Indizien von Hammerschmidt-Hummel, beklagt Shakespeare nicht nur den Verlust seiner Geliebten an den Rivalen, sondern auch den seines Kindes. Zahlreiche Anspielungen im Sonett, die Symbolik der Bilder [...] und die Briefe der Gräfin deuten darauf hin, so Hammerschmidt-Hummel, dass die Dame auf dem Gemälde das Kind des Dichters unter dem Herzen trägt. Zudem ergab der Bildvergleich beim BKA, dass Penelope Shakespeare ‘wie aus dem Gesicht geschnitten ist’, freut sich die Forscherin. Penelope heiratete später Lord William Spencer - einen direkten Vorfahren der Prinzessin von Wales.
[...]

Geheimnisvolle Bilderrätsel [Bildunterschriften]

Renaissancemaler fordern den Betrachter heraus. Ihre Gemälde soll man ‘lesen’ und nicht nur anschauen.

1 Das Sonett - Schlüssel zum Rätsel der ‘Dark Lady’
Die Forscherin glaubt, Shakespeare sei der Autor des Sonetts. Sie zeigt, dass er darin den Verlust seiner Geliebten und seines Kindes beklagt.

2 Teure persische Robe als Umstandskleid
Die ‘Persian Lady’ ist schwanger. Ein Gynäkologe: ‘Die Bauchwölbung ist typisch für den siebten oder achten Monat.’ Porträts werdender Mütter sind in der Renaissance nicht selten. Die Ringe an der Halskette deuten auf die bevorstehende Heirat hin.

3 Der Baum gepflanzt in Liebe ...
... er war mein einzig Hoffen’, heißt es im Sonett, ‘doch ... die Früchte ernten andere’. Der Maler greift die Symbolik von Baum und Fruchtbarkeit auf und versteckt darin eine Anspielung auf das uneheliche Kind: Der Lorbeerbaum trägt falsche Früchte (Oliven), entdeckte der Botaniker Ulrich Hecker.

4 ‘Den weinenden Hirsch bekränz ich ...’,
klagt der Unglückliche im Sonett, ‘... die Tränen meiner Trauer sind Ausdruck meiner Sorg’. Der Hirsch symbolisiert den Liebesschmerz des Autors. Die Perlen sind seine Tränen.

5 Vergleich der Ladys
Eine Analyse des BKA ergab Übereinstimmungen bei Stirn, Augen, Mund und Nase sowie dem schwarzen Haar. Fazit der Anglistin: Die Bilder zeigen beide Elizabeth Vernon. Nach der Entbindung sei sie am Kinn etwas fülliger geworden.

6 Versteckte Sensation?
Am Ärmel Elizabeth Vernons entdeckte die Forscherin ein Miniporträt von Ex-Lover Shakespeare.”

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“Is Prince William Descended From Shakespeare?” - Nachrichtenagentur Reuters ( 22. August 1999)

LONDON (Reuters) - Is Britain's Prince William descended from Shakespeare? A German academic claims to have found clues to a blood link between the bard and Britain's royal family, the Sunday Times reported.

A new book points to evidence hidden in paintings to argue that Shakespeare had an illegitimate daughter Penelope who grew up to marry the second Baron Spencer -- from whom William's mother the late Princess Diana was directly descended.

The book by Hildegard Hammerschmidt-Hummel of Mainz University will be published next month as ``The Secrets of Shakespeare's Dark Lady,'' the Sunday Times said.

It said the book names the woman with whom Shakespeare had the affair as Elizabeth Vernon, a lady-in-waiting to Queen Elizabeth I.

A portrait of her known as The Persian Lady in Hampton Court Palace bears a sonnet claimed to be by Shakespeare, the paper said. A portrait in another collection is said to carry a miniature image of the playwright's face.

As for whether Shakespeare's genes could reassert themselves in 17-year-old Prince William, the son of Diana and Prince Charles, the Times noted that so far William has excelled as a sportsman but is also thought to be a good English student.”

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Auszug aus: Nicholas Hellen and Caroline Gascoigne, “William finds a dark lady in his life”, The Sunday Times (22 August 1999):

Literary detectives have found evidence that Shakespeare was Prince William’s ancestor, write Nicholas Hellen and Caroline Gascoigne.
An inquiry into the identity of the ‘Dark Lady’, with whom Shakespeare is said to have had an affair, has led researchers to the link. They will name the Dark Lady as Elilzabeth Wriothesley, who had Shakespeare’s illegitimate daughter, Penelope, in 1598. The girl married the second Baron Spencer, from whom Princess Diana was directly descended.
The claims, by the Shakespearean scholar Hildegard Hammerschmidt-Hummel, of Mainz University in Germany, rest on her belief that two portraits of an unnamed woman, now in British galleries, depict the Dark Lady.
One, known as The Persian Lady, on display at Hampton Court Palace, bears a sonnet, claimed to be by Shakespeare. Another, part of the Duke of Buccleuch’s collection, is said to carry a miniature image of the playwright’s face.
Hammerschmidt-Hummel, who attracted worldwide attention when she used Shakespeare’s death mask to produce a detailed likeness, will publish her claims next month in The Secrets of Shakespeare’s Dark Lady.

[...]

A detective hunt, intended to solve the enduring riddle of the ‘Dark Lady’ of Shakespeare’s sonnets, has thrown up evidence that the Bard’s bloodline is linked to the youngest generaton of the royal family.

The bold claim is supported by clues hidden in paintings of a previously unidentified noblewoman, to be named by a German academic team as Shakespeare’s dark-haired lover. They were assisted by forensic experts from the German Police [Bundeskriminalamt - BKA = CID].

According to The Secret of Shakespeare’s ‘Dark Lady’, to be published next month, the woman, Elilzabeth, 3rd Countess of Southampton, bore him a daughter, Penelope, in the autumn of 1598.

The girl grew up to marry William, 2nd Baron Spencer, in 1617 and their descendant, the 9th Earl Spencer, was the father of Diana, Princess of Wales and grandfather of Prince William.

Attempts to piece together details of Shakespeare’s life have always been frustrated by a lack of first-hand evidence. His sonnets, probably written between 1592 and 1598, are the only words of his that seem to be autobiographical. [...]


But who was the Dark Lady? So many rival theories have been advanced [...] that some scholars have abandoned the search.

[...]

In reality, the answer may be staring us in the face. According to Hildegard Hammerschmidt-Hummel, [...] author of the new book, a portrait of the Dark Lady is on show in Hampton Court, where it is known as the Persian Lady.

In the book she claims: ‘The pregnant woman portrayed in the Persian Lady is identical to Elizabeth Vernon ... a lady-in-waitiing to Queen Elizabeth I who, at the end of August 1598, about 10 weeks before the birth of her daughter Penelope, married Shakespeare’s patron, Henry Wriothesley.’

The painting bears a sonnet which Hammerschmidt-Hummel says belongs to the cycle of poems about the Dark Lady. ‘It laments the betrayal which cheated him out of the fruits of his love,’ she writes.

She also argues that another painting, Elizabeth Wriothesley [née Vernon] at her Toilet, held at Boughton House in Northamptonshire, provides further evidence of an illicit affair with Shakespeare.

[...] Sir Frank Kermode, former professor of English literature at Cambridge, said: ‘There will be great interest if, on examination, her evidence is strong.’”

 

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Auszug aus der gutachterlichen Stellungnahme vom 09.02.1998 des Anglisten und Sprachwissenschaftlers Prof. Dr. Klaus Faiß, Experte für die Geschichte der englischen Sprache:

 

“Für mich jedenfalls steht fest, daß ein deutlicher Erkenntnisfortschritt erzielt wurde, der die Biographie und damit die Sonette des großen Dichters in einem neuen Licht erscheinen läßt. Damit wird sich die Forschung auseinandersetzen müssen. Es dürfte allerdings schwierig sein, die durch ausgiebiges Quellenmaterial und wissenschaftliche Gutachten aus anderen Fachgebieten gestützten Ausführungen und die daraus resultierenden Ergebnisse zu widerlegen.
Ich kann die Veröffentlichung dieser faszinierenden und bestens dokumentierten Untersuchung nur nachdrücklich empfehlen. Sie wird der Shakespeare-Forschung mit Sicherheit neue Impulse geben, gelingt es ihr doch, mit neuen Untersuchungs- und Analysemethoden im Zusammenhang mit dem von der Verfasserin so genannten ‘neuen’ Sonett’ ein Problem zu lösen, das in der Forschung zwar erkannt, aber bislang nicht bewältigt wurde.”

‘For me, at all events, it is quite certain that an indisputable advance in knowledge has been achieved which will cause the great bard’s biography and thus also his sonnets to appear in a new light. Scholarship will have to deal with this. It will, however, be very difficult to refute the comments and the resultant findings based on extensive source material and expert opinions from other specialist disciplines.
I can only expressly recommend the publication of this fascinating and extremely well documented study. It will quite certainly give new impulses to Shakespearian research, since the author - with new methods of study and analysis in connection with the problem which was known to scholarship, but which has not been resolved up to now.’

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Auszug aus der gutachterlichen Stellungnahme vom 27.01.1998 des Germanisten, Klassischen Philologen, Kulturwissenschaftlers und Renaissance-Forschers Prof. em. Dr. Dieter Wuttke, ehemals Mitglied des Institute for Advanced Study in Princeton und Fellow am Center for Advanced Study in the Visual Arts an der National Gallery of Art in Washington, D. C.:

“Ich habe lange nicht ein wissenschaftliches Manuskript mit solcher Neugierde, Spannung, Begeisterung, Zustimmung und ungeteilten Bewunderung gelesen, ja verschlungen, wie das vorliegende. Es ist sehr geschickt gegliedert und in einer souverän-adäquaten Stillage geschrieben. Die Nüchternheit und Präzision korrespondieren genau mit der Wirkungsabsicht der Autorin, von den Indizien her zu überzeugen. Es ist gut, daß sie jeder Versuchung widerstanden hat, ihre Funde und Schlüsse mit stilistischem Theaterdonner zu begleiten und zu untermalen. Das Werk überzeugt mich in jedem Detail, in sämtlichen Schlüssen. Es bedeutet einen Triumpf kulturwissenschaftlich gelenkter Philologie, das auch die begeisterte Zustimmung eines Aby M. Warburg oder Erwin Panofsky gefunden hätte.” (Klappentext)

‘It is a long time since I have read, no devoured a scholarly manuscript with such curiosity, suspense, enthusiasm, approval and undivided admiration as in this present case. It is very skilfully constructed and written in a brilliantly adequate style. The matter-of-factness and precision correspond exactly with the author’s intention of convincing by means of the circumstantial evidence. It is good that she has withstood every temptation to accompany and substantiate her findings and conclusions by stylistic theatrical thunder. The work convinces me in every detail, in all its conclusions. It represents a triumph of cultural-historically guided philology which would also have found the enthusiastic support of Aby M. Warburg or Erwin Panofsky.’

e. Repliken

Replik auf Wolfgang Riehles Artikel “Zur aktuellen Frage nach der Identität der ‘Persian Lady’”, Anglistik 13.1 (März 2002), S. 139-151, in: Anglistik 13.2 (September 2002), S. 227-230.

Der Grazer Anglist und Clemen-Schüler Wolfgang Riehle hat sich der Mühe unterzogen, die in meinem Buch Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer Enthüllung (Darmstadt: WBG und Primus, 1999) vorgenommene Identifizierung der ‘Persian Lady’ auf dem gleichnamigem Bild des bedeutendsten elisabethanischen Porträtmalers der 90er Jahre - Marcus Gheeraerts d. J. - zu überprüfen. Ich habe seine Ausführungen, die ausgesprochen wissenswerte kulturgeschichtliche Details über Sir Henry Lee und seine Geliebte Anne Vavasour enthalten, mit großem Interessse gelesen. Riehle gelangt zu anderen Schlußfolgerungen als ich. Seine Hauptargumente möchte ich nun kritisch erörtern.
Der Rezensent beschäftigt sich zunächst mit dem neuen Sonett auf Gheeraerts Gemälde und äußert dezidiert: “Wegen seiner stilistischen Qualität kann dieses Gedicht jedoch u. E. kaum etwas mit Shakespeare zu tun haben” (S. 140). Zudem fehle ihm der Bezug auf “ein Du”. Die zahlreichen Possessivpronomina ‘my’, ‘her’ und ‘hes’ [‘his’] lassen sich nach meiner Meinung jedoch als Beleg dafür anführen, daß auch in dem neuen Sonett ein solches Gegenüber nicht fehlt. Für das Textverständnis erscheint es wichtig, daß sich im zweiten Quartett offenbar ein Wechsel der Perspektive vollzieht, so daß im Zentrum des Textes - ähnlich wie im Zentrum des Bildes - die Geliebte steht und zu Wort kommt. Wenn man sich an den genauen Wortlaut von Zeile eins hält - “The restles swallow fits my restles minde” -, scheint es sich nicht um eine Anspielung auf den überaus grausamen, mit Tod und Sterben assoziierten und daher hier eher kontraproduktiv wirkenden Philomele- bzw. Prokne-Mythos zu handeln, so wie er unter anderem bei Ovid überliefert ist, sondern wohl ausschließlich um einen jener Naturvergleiche, die Shakespeare auch andernorts verwendet, um innere Befindlichkeiten seiner Figuren, aber auch ihre Wunschvorstellungen zu externalisieren.
Riehles eigentliches Anliegen aber ist es, für Gheeraerts’ ‘Persian Lady’ den älteren Identifizierungsvorschlag der Kostümkundlerin Janet Arnold aus dem Jahre 1977 wieder aufzugreifen und durch neue Argumente zu stützen. Diesem Vorschlag ist schon der englische Kunsthistoriker Sir Roy Strong mit großer Skepsis begegnet. Die ‘Persian Lady’ könne - so Riehle - die Hofdame Anne Vavasour darstellen, die langjährige Geliebte von Sir Henry Lee. Auch in ihrem Leben fände sich eine Dreiecksbeziehung (Anne, ihr Liebhaber Lee und ihr Ehemann). Mehr noch: Auch sie habe eine Affäre mit einem Grafen gehabt, die nicht folgenlos blieb. Auch sie habe den Zorn der Königin erregt.Vavasour wurde, so Riehle, vom Earl of Oxford verführt, der aber verschwand, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Die Monarchin ließ ihn aufspüren und für zwei Jahre ins Gefängnis werfen. Parallelitäten zu Vernon und Southampton sind zweifelsohne vorhanden. Die Geschichte klingt verlockend, hat aber ein paar Haken: Denn sie spielt bereits im Jahre 1580. Einige der sich daraus ergebenden Probleme spricht Riehle offen an und versucht, sie zu bewältigen. Da ist zunächst (1) das frühe Schwangerschaftsdatum 1580, (2) der erst in den 90er Jahren erfolgte Aufstieg des Marcus Gheeraerts zum wichtigsten englischen Porträtmaler und (3) die späte Entstehungszeit des Gemäldes. Wegen der auf dem Bild wiedergegebenen neuen Persienmode ist sie erst (mit einer Toleranz von wenigen Jahren) um 1600 anzusetzen. Es sei durchaus denkbar, so argumentiert Riehle, “daß das als ‘Persian Lady’ bekannte Porträt erst einige Zeit post factum entstand, als sich das Ansehen Gheeraerts voll etabliert hatte” (S. 146). Damit aber wären wir bereits weit in den 90er Jahren. Das Problem der Persienmode, die den Abstand zwischen dem Ereignis von 1580 und der Datierung der ‘Persian Lady’ (um 1600) noch größer werden läßt (ca. 20 Jahre), versucht Riehle auszuräumen, indem er kurzerhand, und zwar in einer Fußnote, erklärt, es dürfe “kein zu großes Gewicht auf die Anspielung auf Persien gelegt werden”. Und: “Strongs detaillierte Argumentation, mit der er einen Zusammenhang mit der um die Jahrhundertwende aktuellen Persienmode herzustellen sucht, vermag nicht eigentlich zu überzeugen, weil sie sich nicht besonders gut mit dem emblematisch-allegorischen Bildprogramm des Porträts vereinen läßt” (S. 148). In meinem ‘Dark Lady’-Buch habe ich dagegen die Übereinstimmungen herauszuarbeiten versucht.
Ein weiteres Problem schneidet Riehle nicht an: Würde Liebhaber Lee - bei aller Verliebtheit - seiner Geliebten wegen einer rund zwei Jahrzehnte zurückliegenden und eher schäbigen Affäre mit dem Earl of Oxford, die in eine Schwangerschaft einmündete, ein so aufwendiges und kostspieliges bildkünstlerisches Denkmal setzen, wie es das emblematisch angelegte Gemälde von Marcus Gheeraerts d. J. mit seinen zahlreichen, vielschichtigen und bedeutungsträchtigen Bildsymbolen darstellt (vgl. Kap. “Das bildlich Dargestellte und seine Symbolik”, S. 38ff.)? Nach meiner Überzeugung ist die Bildsymbolik des Gheeraertsschen Gemäldes - bis auf die Perlen-Tränen-Metaphorik, die beim weinenden Hirsch begegnet - positiv besetzt und kündet von Glück, Fruchtbarkeit und freudiger Erwartung, wie insbesondere auch der goldene ‘Wasserstrahl’ offenbart, der - die Geburt antizipierend und mythisch überhöhend - aus dem Kopf der Schwangeren austritt und dabei an die Geburt der Athene aus dem Haupt des Zeus erinnert. In das wertvolle Gewand der ‘Persian Lady’ sind farbenfrohe “Blätter, Blüten, Früchte und Vögel” hineingewoben, die “ein Sinnbild lebenspendender Kraft” sind und sich “als symbolisch-allegorische Zeichen der Erneuerung” deuten lassen. Der Botaniker Ulrich Hecker glaubt, “Blüten des Granatapfelbaumes” erkennen zu können, die in der tradierten Symbolik für ‘Unsterblichkeit, ‘unvergängliche Fruchtbarkeit’ und ‘unerschöpfliche Fülle’ stehen. Der Gesichtsausdruck der Porträtierten zeugt nicht von Depression, sondern wirkt in der realistischen Darstellung, wie der Gynäkologe Peter Berle feststellte, lediglich “etwas gestreßt”.
Aus der präzisen und veristischen Wiedergabe der jungen Frau (‘Persian Lady’), die eine medizinische Begutachtung dieses Bildnisses überhaupt erst ermöglicht, dürfte sich für Riehle und seine These, daß hier “Anne Vavasours Schwangerschaftserlebnis von 1580 [...] in Form eines Porträts wieder vergegenwärtigt wurde” (S. 147), das vielleicht größte Problem ergeben. Denn Gheeraerts malte streng naturgetreu eine schwangere junge Frau, die 8 bis 12 Wochen vor der Niederkunft stand. Vavasour aber war, soweit bekannt, in dieser Zeit nicht schwanger. Sollte sie selber Modell gestanden haben, wovon Riehle ausgeht, hätte der Maler ihre Schwangerschaft und deren genaues Stadium exakt und veristisch konstruieren müssen, was gar nicht möglich gewesen wäre. Hätte eine andere - schwangere - junge Frau Modell gestanden, wäre der von Riehle vorgenommene Bildvergleich ohne Sinn. Vor diesem Hintergrund sind die Argumente, die für die Annahme sprechen, es könne sich um Anne Vavasour handeln, äußerst schwach.
Es bleibt die Überprüfung des Bildvergleichs, den Riehle zwischen der ‘Persian Lady’ und einem authentischen Porträt der Anne Vavasour vorgenommen hat. Während er zunächst “mangelnde Ähnlichkeit” feststellt, gelangt er später zu dem Schluß: “Sieht man genauer zu, dann zeigt sich, daß der Schein trügt, denn man findet durchaus überaschende Übereinstimmungen” (S. 146). Leider handelt es sich dabei um nicht sonderlich verläßliche Größen: Körpergröße, Augenfarbe, Haarfarbe und Kinn, wobei letzteres allerdings dem der ‘Persian Lady’ bei genauem Hinsehen nicht ähnelt. Vergleicht man auch die aussagefähigeren Körper- und Gesichtsmerkmale - wie beispielsweise Hals, Haaransatz, Nase und Nasenspitze sowie die Kinnspitzenpartie, so ergeben sich - wie schon im Falle des Kinns - deutliche Unterschiede, so daß die Personenidentität unwahrscheinlich ist und Riehles erster Eindruck wohl doch nicht getrogen hat.
Bildvergleiche zur Feststellung einer Personenidentität sind eine Aufgabe, die großes spezielles Fachwissen voraussetzt. Deswegen führe ich meine Bildvergleiche nur mit den Methoden und nach Möglichkeit mit Hilfe der zuständigen Spezialisten des Bundeskriminalamts durch, die ich auch im Zusammenhang mit der Identifizierung der ‘Persian Lady’ als Elizabeth Wriothesley, geb. Vernon, Gräfin von Southampton, konsultieren konnte.
Nach sorgfältiger Lektüre des facettenreichen Riehleschen Aufsatzes und nach gründlicher Prüfung seines Identifizierungsvorschlags muß ich dem Autor leider widersprechen. Nach Abwägung aller angeführten Argumente sprechen die Indizien und historischen Fakten gegen die These, Anne Vavasour sei identisch mit der ‘Persian Lady’.
Deswegen halte ich alle Thesen meines Buches Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’. Dokumentation einer Enthüllung aufrecht und sehe - ganz im Sinne Karl Poppers - weiteren kritischen Überprüfungen durch Fachkollegen mit Interesse entgegen.

[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]

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Replik auf Raimund Borgmeiers Besprechung (Anglistik 11.2 - September 2000 und Neue Zürcher Zeitung - 22. Januar 2000) in: Anglistik 11.2 (September 2000), S. 140-154.

"Der Film Shakespeare in Love hat es wieder allgemein in Erinnerung gebracht, dass auch bei dem großen britischen Dichter sehr konkrete Verbindungen zwischen Leben und Werk vorhanden sind." Bei diesem fulminanten Eröffnungszug des Rezensenten müßte sich der Leser eigentlich erstaunt die Augen reiben. Denn, wörtlich genommen, heißt dies, daß "sehr konkrete Verbindungen" zwischen der Biographie und dem Werk des Dichters bestehen und schon immer bekannt gewesen, aber lediglich in Vergessenheit geraten und schließlich erst durch den Film wieder in unser Bewußtsein gelangt seien. Das aber entspricht wohl so nicht ganz den Tatsachen. Daß es in Shakespeares Dichtungen - und vor allem in den Sonetten - "untrügliche Anzeichen" dafür gibt, "dass hier jemand schreibt, der menschliche Extremerfahrungen aus eigenem Erleben eingehend kennt" (Borgmeier), ist schon von den Vertretern der Romantik so gesehen worden. Die Verfasserin stellte daher ihrem Buch ein Zitat August Wilhelm Schlegels als Motto voran: "Es verrät einen außerordentlichen Mangel an kritischem Scharfsinn, daß unter den Auslegern Shakespeares, die wir kennen, noch keiner darauf gefallen ist, seine Sonette für seine Lebensbeschreibung zu benutzen. Sie schildern ganz augenscheinlich wirkliche Lagen und Stimmungen des Dichters." Die Shakespeare-Forschung des 20. Jahrhunderts hat sich mit dem biographischen Ansatz der Erschließung der Werke Shakespeares schwergetan. Es ist daher höchst erfreulich, wenn der Rezensent, ein Spezialist für die Sonette, auf die ins Auge springenden Bezüge zwischen der Vita des Dichters und seinem Werk nun besonders abhebt. Leider schränkt er dies später wieder ein, wenn er - Shakespeare einbeziehend - ausführt: "Elisabethanische Lyrik ist nicht so stark durch eine individuelle Handschrift bestimmt wie nachromantische Dichtung." An dieser Stelle schließt die entscheidende Behauptung Borgmeiers an, mit der er These eins der Verfasserin ("Der Verfasser des anonymen Sonetts, das als Subscriptio des Gemäldes 'The Persian Lady' fungiert ..., ist William Shakespeare") widerlegen zu können glaubt, für die er jedoch - so viel sei schon vorweggenommen - den Nachweis schuldig bleibt. "So lassen sich", so Borgmeier, "alle Merkmale, die angeblich auf Shakespeare als Dichter [des neuen Sonetts] deuten, auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen finden." Hier ist einzuwenden, daß nicht pauschal alle Zeitgenossen Shakespeares, sondern nur diejenigen herangezogen werden dürfen, die nach 1590 (der unteren Marke der Entstehungszeit des Gemäldes 'The Persian Lady', auf dem sich das neue Sonett befindet) gelebt und sich nachweislich dichterisch betätigt haben.

Borgmeier geht davon aus, "das gesamte Argumentationsgebäude der Enthüllung" stehe auf dem Fundament des Sonetts, was sachlich unzutreffend ist. Denn spätere Thesen, insbesondere These fünf und These sechs, sind von These eins völlig unabhängig und werden durch unabhängiges Beweismaterial aus der Shakespearezeit belegt. Die Annahme des Rezensenten, mit der Widerlegung von These eins könne das gesamte Gebäude zum Einsturz gebracht werden, ist daher gleichfalls unzutreffend.

Leider übernimmt Borgmeier - kritiklos - Teile eines Zitats von Donald W. Foster ("Master W.H., R.I.P.", PMLA, 1987), das aus einer Aneinanderreihung wenig reflektierter, teilweise unrichtiger und in sich widersprüchlicher Behauptungen besteht. Laut Foster wissen wir über Shakespeares Sonette praktisch rein gar nichts: "We still have no plausible candidates for the role of the dark lady (or ladies), or of the rival poet (or poets), or of the speaker's young friend (or friends). We do not know whether all the sonnets are to be taken as spoken by a single speaker or whether the speaker in each poem is Shakespeare, a fictional lover, or a man. We do not know that the 'sugred Sonnets' mentioned by Francis Meres in 1598 are those published in the Quarto, whether they are all by Shakespeare, whether they are arranged as Shakespeare wished, or when any one of them was written. We do not even know that William Shakespeare wrote a single one of these poems, however likely that surmise may be. ... They [the sonnets] exist now as a symbolic structure in search of a thing signified." Daß der bedeutende englische Historiker A. L. Rowse, einer der besten Kenner des elisabethanischen Geschichte und Kultur, den Grafen von Southampton schon in den 60er Jahren überzeugend als den jungen adeligen 'Freund' identifizieren und einige konkrete historische Situationen und Ereignisse benennen konnte, auf die Shakespeares Sonette Bezug nehmen, wußte der Autor nicht oder ignorierte es. Borgmeier zitiert den ersten Satz Fosters und stellt fest, daß dieser "den gesicherten Wissensstand über die Sonette am Ende der 80er Jahre" beschreibe - und auch heute noch gelte. Dieses Credo stellt er seiner Rezension voran und scheint sich daher den neuen Argumenten der Verfasserin von vornherein zu verschließen. Wichtige Teile der Beweisführung werden bedauerlicherweise nur unvollständig oder gar nicht wiedergegeben.

Offensichtlich ist dem rein literaturwissenschaftlich orientierten Rezensenten nicht klar, daß es sich bei dem von der Verfasserin vorgelegten bildlichen Beweismaterial um authentische historische Quellen ersten Ranges handelt. Das Hauptzeugnis entstand zwischen 1590 und 1600, also in genau dem Jahrzehnt, in dem Shakespeares Sonette geschrieben wurden. Es handelt sich um das Gemälde 'The Persian Lady' von Marcus Gheeraerts dem Jüngeren, des bedeutendsten Porträtisten der späten Elisabethzeit. Dem Rezensenten scheint auch nicht bekannt zu sein, daß gerade Renaissance-Gemälde in der Medizin, speziell in der Dermatologie, schon rund vier Jahrzehnte lang als wertvolles Anschauungsmaterial zur Diagnostizierung von Krankheitssymptomen herangezogen wurden (vgl. dazu das Zwischenkapitel "Darstellungen pathologischer Symptome in der Porträtmalerei der Renaissance: Dermatologische Untersuchungen und Befunde" des Artikels der Verfasserin in Anglistik, Sept. 1996). Doch auch Historiker und Kulturwissenschaftler bedienen sich seit längerem dieser 'bildlichen Geschichtsquellen' mit großem Gewinn. Borgmeier aber spielt nicht nur die Bedeutung dieses Quellenmaterials herunter, sondern bezweifelt sogar, daß es methodisch legitim sei, "ein elisabethanisches Gemälde lebenswirklich ... zu behandeln, so dass Mediziner auf dieser Grundlage die genaue Schwangerschaftswoche bestimmen können". Zur sachlichen Richtigstellung sei gleich hinzugefügt, daß sich natürlich keiner der medizinischen Gutachter auf "die genaue Schwangerschaftswoche" festgelegt hat. Auf der Grundlage zahlreicher, klar erkennbarer äußerer Anzeichen urteilt der Gynäkologe, die schwangere 'Persian Lady' stehe rund 8 bis 12 Wochen vor der Geburt ihres Kindes. In seinem (nachfolgend abgedruckten) Interview vom 17. Oktober 1999 auf der Frankfurter Buchmesse konnte er anhand einer großformatigen Reproduktion des Gemäldes noch ein weiteres Merkmal anführen, das diesen Befund bestätigt. Im übrigen sollte die Frage, ob sich die im allgemeinen höchst veristisch gemalten Bildnisse des 16. Jahrhunderts für die Bestimmung von Krankheiten und/oder Schwangerschaften eignen, von den zuständigen Fachmedizinern und nicht von einem Literaturwissenschaftler beantwortet werden.

Die Thesen
Die Thesen der Verfasserin werden von Borgmeier auf den Seiten drei bis vier ungekürzt wiedergegeben. Über ihre wissenschaftliche Begründung, die im Buch Zug um Zug mit einer Vielzahl von stichhaltigen Beweismitteln und unter Heranziehung von Fachgutachten von Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen erfolgt und die seinen eigentlichen Gegenstand ausmacht, erfährt der Leser - die Verfasserschaftsthese ausgenommen - allerdings praktisch nichts. Der Satz "Das gedankliche Netz, das die Verfasserin bei ihrer Beweisführung im einzelnen knüpft, besticht durch seine feinen Maschen" ist nichtssagend. Ähnliches gilt auch für die Formulierungen: "Mediziner ... äußern sich zur Frage der Schwangerschaft der auf dem Bild dargestellten Dame" - "ein Botaniker klärt die besondere Spezies des gemalten Baumes und seiner Früchte ..." - "Kriminologen gutachten über Ähnlichkeitsmerkmale zwischen unterschiedlichen Porträtdarstellungen". Was mit Hilfe dieser Fachgutachten in dem Buch tatsächlich bewiesen wird und wie dies geschieht, bleibt in Borgmeiers Rezension im Dunkeln.

Borgmeier unterstellt der Verfasserin fälschlicherweise die Absicht, auf dem Weg der Erweiterung des Shakespeare-Kanons dezidiert zu versuchen, eine zentrale Lücke zwischen Leben und Werk zu schließen. Er verkennt, daß es zufällige Funde und Entdeckungen waren, die die Verfasserin unter Hinzuziehung von Fachwissenschaftern ausgewertet hat und daß sich alle Ergebnisse nach und nach - mosaikartig - zu einem in sich stimmigen Gesamtbild zusammenfügten.

Das neue Sonett auf dem Gemälde 'The Persian Lady' (Subscriptio)
Wie schon hervorgehoben, geht Borgmeier davon aus, "das gesamte Argumentationsgebäude der Enthüllung" stehe auf dem Fundament des Sonetts. Dabei verkennt er, daß das neue Sonett nur einer von mehreren möglichen Ansatzpunkten ist für die Präsentation der aus zahlreichen autonomen Gliedern zusammengefügten Indizien- und Beweiskette, die sich zudem wechselseitig bestätigen: Die verblüffende Ähnlichkeit Penelopes, der erstgeborenen Tochter der Gräfin von Southampton, mit Shakespeare - das Gesicht Shakespeares am Ärmel der Gräfin (das nun einmal für jenjenigen, der wirklich hinschaut, sicht- und identifizierbar vorhanden ist, vgl. dazu auch das bereits erwähnte Interview mit Prof. Berle am 17. Oktober 1999) - die Übereinstimmung der Gesichtszüge der unbekannten 'Persian Lady' mit denen der Gräfin von Southampton - und/oder die Übereinstimmung zwischen dem Emblem des Daumenrings der 'Persian Lady', den Emblemen auf den Porträts des Grafen von Southampton und dem Emblem am Dekolleté der Penelope - alle diese Befunde hätten ebensogut als Einstieg dienen können. Das gilt auch für die verblüffenden Übereinstimmungen der Ergebnisse der Bildanalyse mit den belegten historisch-biographischen Fakten des Jahres 1598, etwa der Tatsache, daß die Hofdame Elizabeth Vernon zum Zeitpunkt ihrer heimlichen Hochzeit mit dem Grafen von Southampton rund 10 Wochen und die vornehme, bisher namenlose 'Persian Lady' (in einem festlichen Wickelkleid aus weißer Seide mit Blumen, Blüten und Früchten) - gemäß gynäkologischem Gutachten - 8 bis 12 Wochen vor der Geburt ihres Kindes stand. Alles dies wären Optionen für den Einstieg in die Beweiskette gewesen. Hätte die Verfasserin eine der anderen möglichen Optionen gewählt und den linguistischen Vergleich ans Ende gestellt, hätte sich schon vor dem Sprachvergleich herauskristallisiert, daß in den 90er Jahren als Autor von Sonett und Inschrift des Gemäldes praktisch nur Shakespeare in Frage kommen konnte.

Natürlich ist es "für den zu führenden Verfasserschaftsnachweis von besonderer Signifikanz" (S. 10 des Buches), daß die Form des neuen Sonetts dem sogenannten 'Shakespeare-Sonett' entspricht und nicht dem von diesem abweichenden 'Petrarka-Vorbild'. Die Tatsache, daß der "Sonett-Pionier Surrey" - wie Borgmeier geltend macht - sie "fast ein halbes Jahrhundert früher" entwickelt hat, ist in diesem Zusammenhang belanglos. Nicht die Verfasserin verschweigt etwas, sondern Borgmeier, und zwar das Zwischenresümee am Ende des Absatzes: "Das auf dem Gheeraertsschen Gemälde wiedergegebene anonyme Sonett in englischer Sprache entspricht voll dieser für Shakespeare typischen Form. Dies ist die erste (grundlegende) Übereinstimmung zwischen dem neuen Sonett und den Sonetten Shakespeares und zugleich die Prämisse für alle nachfolgenden Schritte der Beweisführung" [in Teil II des Buches] (S. 10).

Der linguistische Vergleich
Daß Borgmeier seine Behauptung, daß sich "alle Merkmale, die angeblich auf Shakespeare als den Dichter deuten, auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen finden" lassen, nicht belegen kann, wurde eingangs bereits erwähnt und wird nun aufgezeigt.

Der Rezensent listet auf, ob und wie häufig Wörter des neuen Sonetts auch von dem elisabethanischen Dichter Edmund Spenser verwendet werden. Er wird fündig und nennt (mit Häufigkeitsangaben) 'restless', 'wrongs', 'cruelty', 'music', 'thoughts', 'tears' 'melancholy' 'physick', 'harms' und 'redress'. Diese Wörter werden von der Verfasserin in Teil II, Kap. "4. Linguistischer Vergleich", Unterkapitel "Lexik", Rubrik "Allgemeiner Wortschatz" behandelt. Der dort geführte Nachweis, daß das "anonyme Sonett ... einen Wortschatz auf[weist], den auch Shakespeare benutzt hat", erscheint zwar simpel, ist jedoch notwendig, um zu zeigen, daß damit "aus linguistischer Sicht bereits eine wichtige Grundvoraussetzung erfüllt" ist (S. 11). Es ist jedoch keineswegs erstaunlich, daß diese geläufigen Wörter auch von anderen Dichtern oft verwendet werden. Auffällig und zugleich signifikant ist indessen, daß eines der besonders wichtigen Wörter des neuen Sonetts, das dort sogar zweimal in unterschiedlicher Schreibung vorkommt, nämlich 'physicke' und 'physique', und zudem noch in Latein ('medicina') in der sentenzartigen Inschrift (Inscriptio) des Gemäldes, laut Borgmeier bei Spenser nur einmal begegnet ('physick'). Bei Shakespeare aber ist 'physic' insgesamt neununddreißigmal anzutreffen. Die Verfasserschaftsthese kann durch Borgmeiers Hinweis, daß die oben genannten und von Shakespeare häufig verwendeten Wörter des neuen Sonetts - bis auf 'physic' - auch bei Spencer zahlreich begegnen, nicht in Zweifel gezogen werden. Sie wird aber dadurch, daß das Wort 'physic' bei Shakespeare so häufig benutzt wird und bei Spencer dagegen nur einmal, zwangsläufig noch weiter untermauert.

Borgmeier fand des weiteren heraus, daß Spenser auch die Wendung 'goodly tree' benutzt, die im dritten Quartett des neuen Sonetts und bei Shakespeare vorkommt. In 3Henry VI konfrontiert King Henry unmittelbar vor seiner Ermordung Gloucester, den späteren Richard III, mit der verletzenden Wahrheit: "Thy mother felt more than a mother's pain, / And yet brought forth less than a mother's hope, / To wit, an indigest deformed lump, / Not like the fruit of such a goodly tree. (V,6,49-52)" (S. 42). Da sich beide Dichter, Shakespeare und Spenser, dieses Bildes bedienen, bleibt die Richtigkeit der Verfasserschaftsthese davon unberührt. Borgmeier übersieht aber, daß Spenser in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts gar nicht in London, sondern seit Ende der 80er Jahre in Irland lebte, wo er sich als exponierter englischer Patriot den Haß der Bevölkerung zuzog. Während des irischen Aufstandes im Jahre 1598 zündete man ihm das Haus an, so daß er mit seiner Familie überstürzt nach England fliehen mußte. Er starb im Januar 1599 vor Gram über sein Schicksal. Angesichts dieser Lebensumstände in dem entscheidenden Jahr 1598 und angesichts der Tatsache, daß er - im Unterschied zu Shakespeare - 1594 die in seinen Sonetten besungene Geliebte heiraten konnte, muß Spenser als potentieller Urheber des neuen Sonetts ausscheiden.

Borgmeier macht ferner darauf aufmerksam, daß die Tränensymbolik in Sidneys Sonett 87 ganz ähnlich begegnet. Auch das hat als Einwand gegen die Verfasserschaft Shakespeares keinen Bestand. Denn Sir Philip Sidney, der wohl berühmteste Sonettdichter der Elisabethzeit, der 1586 starb und daher als Verfasser des neuen Sonetts gleichfalls nicht in Frage kommt, war bekanntlich das große Vorbild für die englischen sonneteers der 90er Jahre - insbesondere auch für Shakespeare.

Der berühmte Topos 'weinender Hirsch' ('weepinge Stagg') in Shakespeares Komödie As You Like It, Gegenstand zahlreicher Artikel der Sekundärliteratur, kommt - und das ist in der Tat signifikant und zugleich bezeichnend - auch in dem neuen Sonett vor. Mehr noch: Der Maler Marcus Gheeraerts hat ihn adäquat verbildlicht. Borgmeier, der kein einziges Beispiel der literarischen Verwendung dieses Gemeinplatzes bei anderen elisabethanischen Dichtern anführen kann, will diesen Hinweis auf die Verfasserschaft Shakespeares deshalb nicht anerkennen, weil der 'weinende Hirsch' des Sonetts - wie die Verfasserin ausführte - Liebesschmerz meint und der 'weinende Hirsch' in As You Like It in der neueren Forschung als 'Jagdkritik' gedeutet und von der Verfasserin so akzeptiert wurde. Daß beidemale ein und dasselbe Sinnbild eines - wie auch immer gearteten - Schmerzes gewählt wurde, läßt sich durch nichts hinwegdiskutieren, auch nicht dadurch, daß der Rezensent, die Verfasserin zitierend, darauf verweist, daß der Topos als solcher "in der Emblematik der Renaissance sehr geläufig war" (S. 20). Shakespeare hat mit der Verwendung des Topos 'weinender Hirsch' nachweislich den notwendigen Schritt von der Emblematik zur dramatischen Literatur vollzogen - und offensichtlich auch zur Sonettkunst. Für keinen anderen englischen Dichter der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts konnte Borgmeier dies nachweisen. Die Schlußfolgerung der Verfasserin, im Gebrauch dieses Gemeinplatzes im neuen Sonett und in As You Like It "ein deutliches Zeichen dafür [zu sehen], daß beide Texte aus derselben Feder stammen" (S. 21), ist daher selbstverständlich korrekt.

Natürlich beweist die Tatsache, daß 'shales' und 'kernel(s)' von elisabethanischen Autoren selten verwendet werden, daß - wie die Verfasserin ausführt - "der Kreis derjenigen, die als Verfasser des anonymen Sonetts in Frage kommen, ausgesprochen klein sein muß" (S. 18). Entgegen seiner Behauptung, "alle Merkmale, die angeblich auf Shakespeare als den Dichter [des neuen Sonetts] deuten, auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen" aufzeigen zu können, kann Borgmeier 'shales' und 'kernel(s)' bei anderen elisabethanischen Dichtern nicht nachweisen. Statt dessen führt er eine für 1584 belegte allgemeine Redewendung an ('a kearnell within the schale') und meint, diese könnte "prinzipiell von allen zeitgenössischen Autoren" verwendet worden sein. Shakespeare aber verwendet beide Substantiva, 'shales' einmal und 'kernel(s) sogar sechsmal. Wenn diese Schlüsselwörter der Hauptaussage des neuen Sonetts ausschließlich für Shakespeare und für keinen anderen elisabethanischen Dichter der letzten Dekade des 16. Jahrhunderts nachgewiesen werden können, ist dies in der Tat ein höchst signifikantes Indiz dafür, daß nur er der Verfasser des neuen Sonetts sein kann. Der Vollständigkeit halber seien hier - über die im Buch erbrachten Belege hinaus, die wegen ihrer großen Bedeutung noch einmal angeführt werden - auch die weiteren Belege für 'kernel(s)' in Shakespeares Dramen in ihrem Satz- und Sinnzusammenhang erwähnt. In Henry V, einer Historie, die offenbar 1599 entstand und damit sehr nahe an die nun ermittelte Entstehungszeit des Gemäldes (ab Ende August 1598) und des auf ihm befindlichen Sonetts heranreicht, feuert der französische Constable vor der Entscheidungsschlacht seine den Engländern zahlenmäßig überlegenen Truppen mit den Worten an: "To horse, you gallant Princes! straight to horse! / Do but behold yon poor and starved band, / And your fair show shall suck away their souls, / Leaving them but the shales and husks of men" (IV,2,15-18). In The Winter's Tale ist der rasend eifersüchtige König Leontes von dem Gedanken besessen, sein Jugendfreund könne der Vater des ungeborenen Kindes der Königin sein. Mißtrauisch beäugt er deshalb auch seinen kleinen Sohn Mamilius, muß jedoch feststellen, daß sich in den Gesichtszügen des Jungen tatsächlich sein eigenes Abbild abzeichnet: "Looking on the lines / Of my boyes face, me thoughts I did recoil / Twenty-three years; and saw myself unbreech'd, / In my green velvet coat; ... / How like, methought, I then was to this kernel, / This squash, this gentleman" (I,2,153ff.). In The Tempest heißt es: "And, sowing the kernels of it [the island] in the sea, bring forth more islands" (II,1,92); in The Taming of the Shrew: "As brown in hue / As hazel nuts and sweeter than the kernels" (II,1,257); in All's Well That Ends Well: "You were beaten in Italy for picking a kernel out of a pomegranate" (II,3,276) und "There can be no kernel in this light nut. The soul of this man is in his clothes" (II,5,47); in Troilus and Cressida: "Were as good crack a fusty nut with no kernel" (II,1,112).

Ergänzend sei auch auf den wichtigen, von Borgmeier nicht erwähnten Sachverhalt hingewiesen, daß auch 'Frucht' ('fruit') in Verbindung mit 'Liebe' ('love') - so wie es in der Schlußzeile des neuen Sonetts begegnet ('If this be all the fruite my love tree bears') - oder auch in Verbindung mit 'Lust' ('lust') bei Shakespeare belegt ist, wenn auch der Ausdruck 'Liebesbaum' ('love tree') nicht vorkommt. In 3Henry VI erscheint zweimal 'fruits of love': "Tis the fruits of love I mean" (III,2,58 und 59). In Titus Andronicus heißt es: "here's the base fruit of his burning lust" (V,1,43). Zu 'fruit(e)' in kausaler Verbindung mit 'love' und/oder 'lust' bei Spenser oder anderen Dichtern der Elizabethzeit äußert sich der Rezensent anscheinend deshalb nicht, weil er nicht fündig wurde. Wäre es nicht sportlich fair gewesen, dies auch schriftlich zu registrieren?

Auch die von der Verfasserin angeführten syntaktischen Übereinstimmungen des neuen Sonetts mit Beispielen aus Shakespeares Dramen (z.B. "The pain be mine", Sonett 38, und "The shales be mine", neues Sonett) werden von Borgmeier ignoriert. Statt dessen versucht er aufzuzeigen, daß die syntaktische Besonderheit des nicht betonten periphrastischen 'do' in der positiven Aussage, die noch heute in liturgischen Formeln erhalten ist ("till death do us part") und die nicht nur im neuen Sonett vorkommt ('this goodly tree / which I did plant in love'), sondern von Shakespeare in seinen Sonetten überaus häufig verwendet wird, gar keine Besonderheit des Dichters darstelle. Dieses syntaktische Kriterium, so Borgmeier, habe er in sechs aufeinander folgenden Sonetten Sidneys (Nr. 87-92) gefunden. Hier gilt das bereits Gesagte: Sidneys Sonette hatten für die englischen Sonettdichter der 90er Jahre Vorbildcharakter. Auch Shakespeare wurde bekanntlich von ihnen beeinflußt. Dort konnte er studieren, daß sich mittels der oben beschriebenen sprachlichen Besonderheit eine metrisch benötigte zusätzliche Silbe gewinnen ließ und das Reimen dadurch erleichtert wurde. Da Sidney selber als Autor ausscheidet (denn er war - wie erwähnt - zu Beginn des Entstehungszeitraums des Gemäldes ja schon vier Jahre tot), ist der Einwand des Rezensenten gegenstandslos.

Als vorläufiges Resultat ist festzuhalten, daß alle von Borgmeier vorgebrachten Einwände, die die Verfasserschaft Shakespeares an dem neuen Sonett in Frage stellen sollten, vollständig zurückgewiesen bzw. entkräftet werden konnten. Widerlegt werden konnte damit auch die Behauptung des Rezensenten, "alle Merkmale, die angeblich auf Shakespeare als Dichter [des neuen Sonetts] deuten, [lassen sich] auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen finden". Wenn Borgmeier die von elisabethanischen Autoren selten verwendeten Wörter des neuen Sonetts, 'shales' und 'kernel(s), für keinen der anderen elisabethanischen Dichter des letzten Jahrzehnts nachweisen kann und diese Wörter in derselben und in ähnlicher Bedeutung ausschließlich bei Shakespeare begegnen, wird die These der Verfasserin, der Schöpfer des anspruchsvollen neuen Sonetts sei William Shakespeare, nicht etwa widerlegt, sondern - ganz im Gegenteil - weiter erhärtet und bestätigt.

Literaturwissenschaftlicher Vergleich
Der Rezensent bezweifelt, daß sich das neue Sonett, vor allem das dritte Quartett, das die Hauptaussage enthält, zusammen mit den Schlußversen, die das Resümee ziehen, als das Ende einer Dreiecksbeziehung deuten läßt. Dabei weist er mit keinem Wort auf den 13 Seiten langen "Literaturwissenschaftlichen Vergleich" der Verfasserin (S. 23-35) hin, in dem die realistisch, freizügig und schonungslos beschriebene, von heftigen Emotionen bewegte und für das dichterische Ich unglücklich verlaufene Dreierbeziehung in allen ihren Phasen (Entstehung, Entwicklung und drohendes Ende unter Ausgrenzung des Dichters) sorgfältig anhand zahlreicher Beispiele belegt wird. Da Borgmeier alles dies verschweigt, verschweigt er auch die Tatsache, daß Shakespeares 'Dark Lady'-Sequenz, da die beiden naiven Cupido-Sonette am Ende nicht von ihm stammen können, offen ist. Die Verfasserin führt dazu aus: "... die Sequenz [endet] mit Sonett 152, dessen Tonlage ungewöhnlich schroff und verletzend ist. Es kommt zu heftigen und beleidigenden Vorwürfen und Beschuldigungen, die in eine pauschale moralische Verurteilung der Geliebten einmünden und zeigen, daß die Beziehung am Ende ist und vermutlich abgebrochen wird. Sätze wie "And all my honest faith in thee is lost" und "For I have sworn thee fair - more perjur'd I, / To swear against the truth so foul a lie!" geben Anlaß zu der Annahme, daß sich die 'Dark Lady' eines schwerwiegenden Vergehens schuldig gemacht hat. Aber der Dichter läßt offen, worum es sich dabei handelt. - Was tatsächlich geschehen ist, erfahren wir in der Subscriptio der emblematischen Darstellung. Denn betrachtet man das anonyme Sonett im Licht dieser Geschehnisse und ihres ausgesprochen dramatischen Verlaufs, so stellt sich heraus, daß der Text der Subscriptio des Gemäldes 'The Persian Lady' unmittelbar an den sehr bewegten 'Handlungsablauf' der 'Dark Lady'-Sequenz anschließt" (S. 27). Weiter heißt es: "Das neue Sonett enthält somit, wenn auch kodiert, die Erklärung, die uns der Dichter am Ende der 'Dark Lady'-Sequenz vorenthalten hat: Dargestellt wird das (zuvor immer wieder befürchtete) Ende der Dreiecksbeziehung. Doch ist der Dichter nicht nur ausgegrenzt und isoliert, sondern er sieht sich am Ende auch um die Frucht seiner Liebe betrogen" (S. 28). Diese Aussage stützt sich auf das dritte Quartett des neuen Sonetts: "My onely hope was in this goodly tree, / which I did plant in love bringe vp in care; / but all in vaine, for now to[o] late I see / the shales be mine, the kernels others are." Sie stützt sich ferner auf die dem Text entsprechende bildliche Darstellung der hoch schwangeren 'Persian Lady'. Die (weit fortgeschrittene) Schwangerschaft ist ein zentrales Thema von Bild und Text. Ihre veristische Wiedergabe besetzt das Bildzentrum. Sie wird zum Gegenstand der Hauptaussage im dritten Quartett des neuen Sonetts und klingt auch in den Schlußversen noch einmal an. Das Thema Schwangerschaft wird in der Pictura in kunstvoll ausgeführten Fruchtbarkeitsmotiven (in Form von Wasser, Blumen, Blüten und Früchten) variiert. Wenn Borgmeier die von der Verfasserin minutiös und unter Mitwirkung von medizinischen und botanischen Fachwissenschaftlern dargelegten Zusammenhänge schlichtweg leugnet und statt dessen meint, "Zeile 12, 'the shales be mine, the kernels others are', hat einen viel allgemeineren Sinn", so stellt er den sehr konkreten (von ihm selber auf S. 3 bestätigten) engen und wechselseitigen Bezug zwischen Bild und Text wieder in Frage: den Bezug zwischen der schon weitgehend ausgereiften Frucht im Leib der Schwangeren (der von der Verfasserin konsultierte Gynäkologe, Prof. Dr. med. Peter Berle, schätzt den Stand der Schwangerschaft - wie erwähnt - auf 8 bis 12 Wochen vor der Geburt) sowie den reifen, an Oliven erinnernden Früchten, die vom Baum fallen, und den im neuen Sonett genannten 'Kernen' bzw. 'Früchten' ('kernels'), die 'anderen' ('others') zufallen werden, so daß dem dichterischen Ich nur die 'Schalen' ('shales') bleiben. In der Schlußzeile schließlich wird die enttäuschende Schlußfolgerung formuliert: 'My Musique may be plaintes, my physique teares / If this be all the fruite my love tree beares.'

Ein grundlegender Irrtum des Rezensenten besteht darin, daß er - wenngleich unausgesprochen - davon ausgeht, die 'Persian Lady' sei gar nicht schwanger. Da er sich nicht offen gegen das einhellige Urteil von vier Medizinern stellen möchte, beschreitet er einen Umweg, indem er, die medizinischen Expertengutachten ignorierend, die Realistik und Veristik elisabethanischer Porträts grundsätzlich in Frage stellt. Er fragt sich, wie Mediziner auf der Grundlage von Renaissance-Porträts ihre Diagnosen stellen können, anstatt dies - wie schon eingangs betont - den medizinischen Experten zu überlassen. Dem Rezensenten scheint entfallen zu sein, daß es medizinische (und kriminologische) Begutachtungen und Testverfahren waren, die bei den 1995 von der Verfasserin erbrachten Echtheitsnachweisen für Shakespeares Totenmaske und seine Porträts 'Chandos' und 'Flower' eine ganz entscheidende Rolle gespielt haben. Da er die Schwangerschaft der 'Persian Lady' (indirekt) bezweifelt (und damit die Diagnose des langjährigen Chefarztes der Frauenklinik und Hebammenschule am Klinikum der Landeshauptstadt Wiesbaden in Zweifel zieht), ist es ihm möglich zu argumentieren, es erscheine "naheliegend, die abgebildete Frau in der Sprecherrolle zu vermuten". Diese Annahme aber ist, wenn sie sich auf das gesamte Sonett bezieht, unhaltbar, wie noch gezeigt wird. Borgmeier begründet seine Vermutung mit dem Hinweis auf die erste Zeile des zweiten Quartetts: 'my weepinge Stagg I crown', die mit der bildlichen Darstellung korrespondiere. Auch die Verfasserin stellt nicht in Abrede, daß diese Zeile (wie offensichtlich auch die drei weiteren) tatsächlich von der 'Persian Lady' gesprochen werden. Sie ist im Unterschied zu Borgmeier jedoch der Überzeugung, daß hier lediglich ein (vorübergehender) Wechsel der Perspektive vorliegt, daß die im Zentrum der Pictura dargestellte Geliebte auch im Zentrum des Sonetts, d.h. im mittleren der drei Quartette, zu Wort kommt. Alle anderen Zeilen müssen, wenn die Hauptaussage und die Schlußfolgerung des neuen Sonetts Sinn ergeben soll, von einer männlichen Person (dem Dichter) gesprochen werden. Daß in dem neuen Sonett zwei Personen, und zwar unterschiedlichen Geschlechts, zu Wort kommen, zeigt sich beispielsweise an der Charakterisierung ihres unterschiedlichen Seelen- bzw. Gemütszustands: Die Person im ersten Quartett befindet sich in einem qualvollen Zustand permanenter innerer Rastlosigkeit, denn sie spricht von 'my restles minde'. Was dies in elisabethanischer Zeit und auch bei Shakespeare bedeutet, wird auf den Seiten 12, 19-20 und 28-29 des Buches ausführlich und mit Beispielen erläutert. Die Verfasserin verwies u.a. auf einen Brief, den die verzweifelte Gräfin von Southampton an Robert Cecil richtete, nachdem ihr Mann als engster Verbündeter des Grafen von Essex - wie dieser - nach dem Scheitern der Rebellion (1601) zum Tode verurteilt worden war: "Oh! let me, I beseech you, in this my great distress move you to have this compassion. ... I restlessly remain the most unhappy and miserable Elizabeth Southampton" (S. 12). Die Person im zweiten Quartett des neuen Sonetts aber spricht von ihren 'pensive thoughts, also von ihrem 'nachdenklichen Sinn', wie die Verfasserin überträgt, oder von ihren 'sinnenden Gedanken', wie Borgmeier übersetzt. Diese klare Schilderung zweier deutlich voneinander verschiedener Gemütszustände können sich somit nicht auf ein und dieselbe Person beziehen. Daß sowohl ein Mann als auch (vorübergehend im zweiten Quartett) eine Frau sprechen, ergibt sich ferner aus den deutlichen Differenzierungen 'my restles minde' und 'her Just complaintes' im ersten und 'hes [his] Teares' und 'my sighes' im zweiten Quartett. Die Person des ersten und dritten Quartetts sowie der beiden Schlußverse muß daher männlich sein. Sie ist identisch mit dem klagenden Dichter. Die Person des zweiten Quartetts (bildlich als 'Persian Lady' dargestellt) muß weiblich sein. Sie ist die Geliebte des Dichters. Dies wird im übrigen auch durch die bildliche Darstellung bestätigt. Denn links neben der Schwangeren im Bildzentrum sehen wir den weinenden Hirsch, der ganz offensichtlich eine Personifikation des (männlichen) Dichters darstellt und - wegen der schon mehrfach betonten Entsprechung von Bild und Text - notwendigerweise auch im neuen Sonett, der Subscriptio des Gemäldes, vorkommen muß. Plazierung und Inhalt der dreiteiligen lateinischen Inschrift (Inscriptio) des Gemäldes - "Iniusti Iusta querela / Mea sic mihi / Dolor est medicina et lori" ("Wie des Ungerechten gerechte Klage / so ist mir sogar der Schmerz der Rute Medizin") offenbaren gleichfalls, daß aus der Perspektive des weinenden Hirschen (bzw. des klagenden Dichters) berichtet wird. Die dritte und letzte Zeile mit den Schlüsselwörtern 'Dolor', 'medicina' und 'lori' endet bezeichnenderweise auf der Höhe seines gesenkten Kopfes, genau dort, wo sich die Perlen der Geliebten wie Tränen über ihn ergießen. Diese unmißverständlichen Aussagen von Bild und Text zeigen, daß Borgmeiers Annahme, das gesamte Sonett sei aus der Perspektive einer Frau geschrieben, nicht stimmen kann. Sie kann darüber hinaus auch deshalb nicht stimmen, weil es überhaupt keinen Sinn machte, einer hoch schwangeren, kostbar gekleideten und festlich geschmückten Dame aus höchsten Gesellschaftskreisen, die der nahenden Geburt ihres Kindes ganz offensichtlich mit Freude entgegensieht, die Zeilen des dritten Quartetts in den Mund zu legen und sie klagen zu lassen, daß die Frucht ihrer Liebe anderen gehört.

Abschließend sollte nicht unerwähnt bleiben, daß das neue Sonett von hoher literarischer Qualität ist und somit von einem hochrangigen elisabethanischen Sonettdichter stammen muß. In der Forschung ist man sich einig, daß es unter Elisabeth I. letztlich nur drei wirklich herausragende Sonettdichter gegeben hat: Sir Philip Sidney, Edmund Spenser und William Shakespeare. Sie alle haben in ihren Sonettzyklen Autobiographisches verarbeitet. Nur sie dürften als Autoren dieses anspruchsvollen sprachlichen Kunstwerks in Frage kommen. Nur mit einem von ihnen dürfte Marcus Gheeraerts d. J., der bedeutendste Porträtmaler in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts, zusammengearbeitet haben. Sidney scheidet - wie schon erwähnt - definitiv aus. Denn er starb 1586, rund sieben Jahre vor der der unteren Grenze der Entstehungszeit der Shakespeareschen Sonette (ca. 1593-99) und rund vier Jahre vor Beginn der Dekade, aus der das Gemälde 'The Persian Lady' (1590-1600) stammt. Aber auch Spenser scheidet aus den bereits dargelegten Gründen aus. Somit bleibt nur Shakespeare, der in seinen 'Dark Lady'-Sonetten die Tragödie seiner unglücklichen Liebe und die quälende Dreiecksbeziehung realistisch beschreibt, in die er eingebunden war.

Die historisch-biographischen Bezüge
Borgmeiers Warnung, "wie vorsichtig man bei einer realbiographischen Auslegung elisabethanischer Lyrik sein sollte", kann die Verfasserin zwar grundsätzlich unterstreichen, sie aber angesichts der von ihr äußerst sorgfältig geprüften - und für stimmig befundenen - historisch-biographischen Details nicht auf sich beziehen. Davon dürfte schon ein Blick auf die chronologisch dargestellten Ereignisse des Jahres 1598 (S. 62-63), auf die der Rezensent die Leser im übrigen nicht hinweist, überzeugen. Sie ruft aber auch das Eröffnungsstatement des Rezensenten in Erinnerung, in dem von den vorhandenen "sehr konkrete[n] Verbindungen zwischen Leben und Werk" William Shakespeares die Rede ist.

Der Rezensent sieht einen gewissen Widerspruch darin, daß "es [das neue Sonett] zugleich ein emblematisches Gedicht und das Schlussgedicht der 'Dark Lady'-Sequenz sein soll". Dieser Widerspruch existiert nicht. Es handelt sich nicht um ein "emblematisches Gedicht", sondern um ein Sonett, das als Subscriptio in ein emblematisch konzipiertes Gemälde einbezogen ist, das des weiteren eine Inscriptio und eine Pictura besitzt. Die Tatsache, daß für die Subscriptio ein Sonett und nicht - wie in der Emblematik im allgemeinen bevorzugt - ein Epigramm gewählt wurde, ist ungewöhnlich, zeigt aber, daß der anonyme Dichter der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts nicht - wie beispielsweise Ben Jonson - auf dem Gebiet des Epigramms zuhause war, sondern auf dem des Sonetts.

Die Verfasserin behauptet an keiner Stelle, wie Borgmeier unterstellt, "dass es [das neue Sonett] zugleich als ein verloren gegangenes Schluss-Sonett in Shakespeares Sammlung intendiert war". Sie behauptet und begründet, daß der Text der Subscriptio - wegen seiner zahlreichen linguistischen und gerade auch verblüffenden thematischen Übereinstimmungen mit den Sonetten (und Dramen) Shakespeares und vor allem deswegen, weil er eine äußerst plausible Erklärung dafür bietet, warum der Dichter am Ende der 'Dark Lady'-Sequenz in der letzten, tatsächlich von ihm stammenden Zeile von 'so foul a lie' spricht und moralisch entrüstet ist. Wenn er in dem neuen Sonett klagt, 'the shales are mine, the kernels others are' und 'My Musique may be plaintes, my physique teares / If this be all the fruite my love tree beares', kann dies nur auf eine Dreierbeziehung gemünzt sein, bei der der Dichter des neuen Sonetts - so wie das dichterische Ich in Shakespeares 'Dark Lady'-Sonetten - ausgegrenzt wurde. Der Autor des neuen Sonetts wurde darüber hinaus auch um die Frucht seiner Liebe betrogen. Alles spricht dafür, daß Shakespeare mit der Formulierung 'so foul a lie' auf eben diesen Betrug abhebt. Angesichts der verblüffenden Übereinstimmung der Thematik des neuen Sonetts mit der der Shakespeareschen 'Dark Lady'-Sonette und angesichts der Plausibilität, die die Aussage 'so foul a lie' in diesem Kontext hat, ist es schlüssig und legitim zu folgern, "daß das neue Sonett in die Reihe der 'Dark Lady'-Sonette gehört, daß die in ihm beschriebene Geliebte mit der 'Dark Lady' identisch ist und daß das neue Sonett das eigentliche Abschluß-Sonett dieser Sequenz darstellt" (S. 35). Mit seinem unspezifischen Hinweis, "Zeile 12, 'the shales be mine, the kernels others are', hat einen viel allgemeineren Sinn", kann der Rezensent die These der Verfasserin nicht widerlegen.

Da sich - wie gezeigt werden konnte - die von Borgmeier gegen These zwei der Verfasserin vorgebrachten Argumente als nicht stichhaltig erwiesen haben, bleibt auch diese These unangefochten. Es gilt: "Das [neue] Sonett gehört in die Reihe der 'Dark Lady'-Sonette; die in ihm beschriebene Geliebte ist identisch mit der 'Dark Lady'; es stellt das eigentliche Abschluß-Sonett dieser Sequenz dar" (S. 5 des Buches).

An dieser Stelle sei ferner darauf hingewiesen, daß natürlich auch alle weiteren Indizien und Belege (Identifizierung der 'Persian Lady' als Elizabeth Vernon, das Gesicht Shakespeares am Ärmel der Gräfin von Southampton und die Übereinstimmung der Züge ihrer 1598 geborenen Tochter Penelope mit denen William Shakespeares und vor allem auch alle bekannten Ereignisse und Fakten des historisch-biographischen Hintergrunds des Jahres 1598) diese These zusätzlich bestätigen.

Die Pictura
Der Rezensent macht es sich sehr einfach, wenn er auf die entscheidenden Bestandstücke der Beweisführung nicht oder nur sehr flüchtig eingeht. So verschweigt er mit Bezug auf den kriminaltechnischen Bildvergleich zwischen der 'Persian Lady' und der Gräfin von Southampton die vielen übereinstimmenden Gesichtsmerkmale und verweist lediglich auf zwei von dem BKA-Experten festgestellte Abweichungen, wobei er erneut verschweigt, daß diese nicht nur schlüssig und plausibel erklärt werden konnten, sondern auch von dem BKA-Experten geprüft und für richtig befunden wurden. Da die Abweichung im Augenbereich schwangerschaftsbedingt ist - wie ein detailliertes medizinisches Fachgutachten bestätigt -, hat sie eine natürliche Ursache und scheidet somit als Kriterium, das gegen die Identität sprechen könnte, aus. Für die leicht abweichende Gesichtsumrißform - es handelt sich bei genauerer Betrachtung um vermehrtes Fettgewebe im Gesicht Vernons (speziell im Wangenbereich), das sich nach ihrer Heirat und Entbindung gebildet haben muß - existiert gleichfalls eine plausible Erklärung. Denn Vernon führte nach den ungewöhnlichen und großen Strapazen und widrigen Umständen ihrer Schwangerschaft im Jahre 1598 (vgl. dazu S. 62-63) als Gräfin von Southampton ein Leben in Reichtum und Luxus, so daß die leichte Fettansammlung in ihrem Gesicht sich aus ihren grundlegend veränderten Lebensumständen erklärt. Alles dies - und auch die Tatsache, daß die Gräfin ein besonderes Erkennungsmerkmal, nämlich eine markante Kinnspitzenpartie, besitzt, verschweigt Borgmeier. Statt dessen urteilt er rasch - und unbegründet: "Um die Identität der als 'Persian Lady' dargestellten Dame zu beweisen, zieht die Verfasserin ein authentisches Porträt der Gräfin von Southampton heran und bemüht sich - nicht ganz überzeugend - die von dem Kriminologen festgestellten Abweichungen ... zu erklären" (S. 10). Mit diesem flüchtigen Einwand, dem jegliche Begründung fehlt, kann der Rezensent das positive Ergebnis des Gesichtsvergleichs keineswegs in Frage stellen.

Die Art und Weise, wie Borgmeier mit dem - durch nichts wegzudiskutierenden - Tatbestand umgeht, daß sich auf dem untersuchten authentischen Porträt der Gräfin von Southampton - wie der Sachverständige des BKA schriftlich bestätigte - ein Gesicht befindet, das die Züge William Shakespeares trägt, zeigt, daß ihm nicht klar zu sein scheint, daß es sich hier um einen absichtlichen und sehr konkreten Bildhinweis des Malers für die Nachwelt handelt, der - wie das Gemälde selber - eine genuine historische Quelle ist. Da das Bild des Dichters am Ärmel Elizabeth Vernons faktisch vorhanden ist, stellt das um 1600 entstandene Porträt, auf dem die Gräfin von Southampton noch nicht frisiert und vollständig angekleidet ist, in der Tat ein starkes Indiz für eine intime Beziehung zwischen ihr und Shakespeare dar. An dieser Tatsache vermögen die Überlegungen des Rezensenten, ob ein solcher Sachverhalt überhaupt vorstellbar sei, nichts zu ändern. Borgmeiers Kommentar, "Glücklicherweise vermochte vier Jahrhunderte lang niemand die Geheimbotschaft zu entschlüsseln", läßt vermuten, daß er es wohl vorgezogen hätte, wenn diese Botschaft des Malers nicht entdeckt worden wäre.

Vernons 1598 geborene Tochter, Lady Penelope Spencer, geb. Wriothesley, ist - wie ein van Dyck-Porträt von ihr offenbart, Shakespeare gleichsam wie aus dem Gesicht geschnitten. Der BKA-Experte, der einen Gesichtsvergleich zwischen Penelope und dem Grafen von Southampton einerseits und Penelope und Shakespeare andererseits vorgenommen hatte, gelangte zu dem Schluß: "Das Ergebnis der Auswertung fällt eindeutig zugunsten von 'S[hakespeare]' aus." Auch dieses wichtige Ergebnis verschweigt der Rezensent.

Angesichts der Tatsache, daß die Verfasserin die historisch-biographischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge besonders sorgfältig und gründlich erforscht hat und sich alle ihre Ergebnisse hier stimmig einfügen ließen, erstaunt es, daß der Rezensent meint, "der zeitgenössische Kontext [werde] zu wenig berücksichtigt". Daß Shakespeare mit dem Gedanken gespielt haben könnte, "mit der Geliebten zusammenzuleben und mit ihr Kinder zu zeugen" - so wie es die Cousine Elizabeth Vernons, Lady Rich, mit ihrem Liebhaber Lord Mountjoy in aller Öffentlichkeit vorlebte -, weist Borgmeier mit dem Hinweis zurück, daß zwischen "einem Mitglied des Hochadels und einem besitzbürgerlichen Theaterunternehmer wie Shakespeare ... damals Welten [klafften]". Dabei übersieht er, daß Elizabeth Vernon, obwohl sie eine Cousine des Grafen Essex war, nicht dem Hochadel entstammte, sondern ihm erst später durch Eheschließung angehörte. Sie war die Tochter des kleinen Landedelmannes Sir John Vernon, der 1591 starb und seinen Kindern kaum das Nötigste zum Leben hinterließ. Elizabeth Vernon wurde das Mündel ihres Vetters Essex, der ihr die Stellung bei Hofe verschaffte und sie jährlich mit 50 Pfund unterstützte. Daß die Welten zwischen niederem Adel und Bürgertum keineswegs sehr groß waren, zeigt u.a. das Beispiel der Eltern Shakespeares. Seine Mutter, die relativ reiche Erbin Mary Arden, entstammte dem niederen Adel und heiratete den Handwerker John Shakespeare. Vermutlich war sie es, die - zusammen mit ihrem Sohn William - dafür gesorgt hat, daß ihrem Mann, dem ehemaligen Bürgermeister von Stratford, ein Wappen zuerkannt wurde und daß er den erblichen Titel 'Gentleman' erhielt. Die sozialen Schranken zwischen Shakespeare und Vernon dürften somit kein wirkliches Hindernis für ein Zusammenleben gewesen sein - ebensowenig wie die Tatsache, daß Shakespeare im fernen Stratford Frau und Kinder hatte. In elisabethanischer Zeit herrschte de facto eine erstaunlich große sexuelle Freizügigkeit. Wichtig war, daß Nachkommen gezeugt wurden - ganz gleich, ob legitim oder illegitim. In den zeitgenössischen Testamenten, die Honigmann zu Hunderten untersucht hat, wimmelt es von 'bastard sons' und 'bastard daughters', die stolz erwähnt und testamentarisch bedacht werden. Wie seine Zeitgenossen war auch Shakespeare von der Idee besessen, in seinen Kindern weiterzuleben. Die Fortpflanzung galt in elisabethanischer Zeit als eine von drei Möglichkeiten, das Verlangen nach Unsterblichkeit zu stillen. Als sein einziger Sohn, Hamnet, der 1585 als Zwillingsbruder von Judith geboren wurde, am 11. August 1596 in Stratford beigesetzt wurde, bedeutete dies für den Dichter das Ende großer Hoffnungen. Von seiner um 8 Jahre älteren Frau konnte er wohl keine Kinder mehr erhoffen. Im Kontext des oben Gesagten muß auch Hauptaussage des neuen Sonetts gesehen werden: die Erkenntnis und Klage des dichterischen Ichs, daß ihm die Früchte seiner Liebe genommen werden und anderen zufallen.

Konsequenzen und Schlußfolgerungen
An keiner Stelle des Buches wird - wie der Rezensent unterstellt - von der Verfasserin behauptet, Elizabeth Vernon habe ihr Kind Penelope "lieblos vernachlässigt". Gestützt auf authentische historische Quellen, wird dargelegt, daß die Kindesmutter ihr Kind im Babyalter den Augen Southamptons entzogen hat, aber in Briefen stets ihre gleichgroße Liebe zu ihrem Mann und ihrem Kind betonte. Dargelegt wird auch, daß Lady Rich, Vernons Cousine, in dieser Zeit besser über das Aussehen und die Entwicklung der kleinen Penelope unterrichtet war als die Kindesmutter und daß sie Southampton gegenüber, dessen strahlend helle Augen bekannt waren, in auffälliger Weise die hellen grauen Augen Penelopes betonte. Dieses merkwürdige Verhalten wurde von der Verfasserin im Zusammenhang mit den zahlreichen anderen Zweifeln an der Vaterschaft Southamptons abgehandelt (vgl. S. 84ff.).

Der von der Verfasserin erstellte Bezug zwischen den Ereignissen des Jahres 1598 und Shakespeares The Winter's Tale ist - auch bei erneuter Überprüfung - ausgesprochen plausibel. Shakespeare bringt Themen wie (unterstellte) Dreiecksbeziehung, Vaterschaftszweifel, Gefängnisaufenthalt der schwangeren Königin und Geburt der Tochter im Gefängnis in einer bis dahin nicht dagewesenen Weise auf die Bühne. Angesichts des Tatbestands, daß Vernons Tochter Penelope nicht - wie wir nun wissen - Southampton ähnelte, sondern die Gesichtszüge Shakespeares trug, liegt die Vermutung allerdings sehr nahe, daß auch die Szene, in der der König, krank vor Eifersucht und Mißtrauen gegenüber seinem Jugendfreund, die Gesichtszüge seines kleinen Sohnes prüft, als versteckter Hinweis des Dramatikers an die Adresse Southamptons gerichtet war. Natürlich ist es legitim, hier autobiographische Zusammenhänge zu vermuten. Man wundert sich allerdings, daß der Rezensent, der eingangs die vorhandenen "konkreten Verbindungen zwischen Leben und Werk" Shakespeares so stark betonte, obwohl er dafür keine konkreten Belege vorlegen konnte, dies ausgerechnet bei einem Beispiel kritisiert, dessen (auto)biographischer Bezug ins Auge springt.

Die "zum Teil gravierenden Schwächen", die der Rezensent abschließend - fälschlicherweise - der Verfasserin unterstellt, lassen sich - wie ihre Replik gezeigt hat - nicht für ihr Buch, wohl aber für die von Borgmeier vorgelegte Besprechung nachweisen. Sie erklären sich jedoch nicht daraus, daß manche Aussagen Borgmeiers für sich genommen unzutreffend sind, sondern daraus, daß seine Einwände angesichts der gegebenen historischen, kulturgeschichtlichen, biographischen, medizinischen, botanischen und kriminologischen Fakten und Zusammenhänge keinen Bestand haben.


Erläuterungen zu den Bildzitaten (Abb. 1-5) aus H. Hammerschmidt-Hummel, Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer Enthüllung.

Abb.1 Ausschnitt des emblematisch angelegten elisabethanischen Gemäldes ‘The Persian Lady’ von Marcus Gheeraerts d.J. (1553-1635), bei dem es sich um das zentrale Bilddokument der oben genannten Monographie handelt. Die hier bildlich dargestellte, bisher nicht identifizierte, hoch schwangere und festlich gekleidete Elisabethanerin mit schwarzem Haar und dunklen Augen steht - wie der Gynäkologe Prof. Peter Berle in seinem Fachgutachten vom 25. Februar 1997 feststellt - 8 bis 12 Wochen vor dem Geburtstermin. Sie ist Elizabeth Vernon, Hofdame Königin Elisabeths I. und durch Heirat Gräfin von Southampton. Diese Personenidentität ergab sich durch Vergleich mit einem authentischen Bildnis der Gräfin von Southampton, bei der der BKA-Sachverständige Reinhardt Altmann sowie der Chirurg und Internist Prof. Wolfgang Hach mitgewirkt haben. Auch Vernon war hoch schwanger und stand ca. 10 Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope am 8. November 1598, als sie Ende August 1598 den dritten Grafen von Southampton heiratete, Shakespeares Patron, Freund (und Nebenbuhler).

Abb. 2 Ausschnitt aus ‘The Persian Lady’. In der Barockkartusche ist ein Sonett wiedergegeben, das sich auf das bildlich Dargestellte bezieht. Das dichterische Ich dieses Sonetts, auf dem Gemälde als weinender Hirsch abgebildet, klagt, die Frucht seiner Liebe gehöre ‘anderen’. Ein linguistischer Vergleich mit den Sonetten, Versepen und Dramen Shakespeares, den der anglistische Sprachwissenschaftler Prof. Klaus Faiß geprüft und für richtig befunden hat, ergab, das der Text des neuen Sonetts von der Hand Shakespeares stammen muß. Dies ist auch das Ergebnis des durchgeführten literaturwissenschaftlichen Vergleichs.

Abb. 3-5 Henry Wriothesley, dritter Graf von Southampton - Penelope Spencer, geb. Wriothesley - und William Shakespeare im Jahr der Publikation seiner Sonette (1609). Das ‘neue Sonett’ auf Gheeraerts’ Gemälde beschließt die bislang offene ‘Dark Lady’-Sequenz der Shakespeareschen Sonette. Ein von dem BKA-Sachverständigen Altmann vorgenommener kriminaltechnischer Bildvergleich hat gezeigt, daß es zwischen den Gesichtszügen Penelopes (auf dem Gemälde von Anthonis van Dyck) und Shakespeares (auf dem Chandos- und dem Flower-Porträt) zahlreiche verblüffende Übereinstimmungen gibt, während Penelopes Züge von denen des Grafen von Southampton, ihres angeblichen Vaters, stark abweichen. “Das Ergebnis der Auswertung”, so Altmann, “fällt eindeutig zugunsten von ‘S[hakespeare]’ aus” (27. August 1997).

[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]

f. Leserbriefe

Leserbrief der Autorin an den Daily Telegraph (London) auf Wunsch von David Tristram Davies, Letters Editor (2. Oktober 1999):

Meet Shakespeare’s Dark Lady ...

„SIR - A. L. Rowse was right in identifying the Earl of Southampton as Shakespeare’s young friend and patron in the sonnets (article, Sept. 21) but wrong in saying that the Dark Lady was Emilia Lanier Bassano.
Early in 1997, I came to realise that M a r c u s G h e e r a e r t s ’ s The Persian Lady, which was painted between 1590 and 1600 and is at Hampton Court Palace, contains decisive evidence about the Dark Lady. The picture shows an unknown, heavily pregnant lady of high rank who is festively dressed.
In the upper lefthand corner, a Latin inscription proclaims that‘As the just complaint of the unjust even the pain of the rod is as medicine to me’, and in the lower righthand corner there is an outstanding and hitherto unidentified sonnet which complains that ‘others’ have taken away the fruit of the author’s love.
With the help of experts in linguistics, medicine, botany and criminology, I have identified its author as Shakespeare and the elegant enceinte stranger as Elizabeth Vernon, who married Southampton in late August 1598. A senior gynaecologist states that, in his opinion, the pregnant woman in the painting is about eight to 12 weeks before childbirth. Vernon’s daughter Penelope was born on Nov. 8, 1598 - about 10 weeks later.
In a later portrait showing the countess at her toilet at Boughton House, Northants, I discovered a hitherto unnoticed hint. Vernon is p o i n t i n g t o S h a k e s p e a r e ’ s f a c e, which is stitched on her right sleeve. Since 16th century painitings are generally serious historical sources, this is a c l e a r m e s s a g e t o p o s t e r i t y. Love’s Labour’s Lost contains the lines, ‘This gallant pins the wenches on his sleeve;/ Had he been Adam, he had tempted Eve’.
In 1615, Penelope, Vernon’s beautiful first born daughter whom her contemporaries regarded as the embodiment of all femaled virtues, married Lord Spencer. A German CID scientist has confirmed from examining Van Dyk’s portrait of her that there is striking resemblance to Shakespeare but none whatsoever to Southampton.
My book T h e S e c r e t o f S h a k e s p e a r e ’ s ‘D a r k L a d y’: Revelations Based on Documentary Evidence has r e c e n t l y b e e n p u b l i s h e d in Darmstadt.
It is interesting to note that Rowse emphasised in 1964 the sonnet’s autobiographical character, remarking: ‘How modern, how recognisable it all is!’

Prof Hildegard Hammerschmidt-Hummel Mainz University, Germany“

g. Interviews

Siehe auch Inhalt

“Interview mit Prof. Dr. med. Peter Berle am 17. Oktober 1999”, Anglistik. Mitteilungen des Deutschen Anglistenverbandes (September 2000), S. 155 - 158. Mit 1 Abb. (Frankfurter Buchmesse, Interviewer: H. Hammerschmidt-Hummel).

H.H.H.: Herr Professor Berle, ich möchte Ihnen zunächst sehr herzlich danken, daß Sie zum Stand des Primus Verlags auf der Frankfurter Buchmesse gekommen sind. Wir befinden uns hier vor einer großformatigen Reproduktion des Gemäldes ‘The Persian Lady’ von Marcus Gheeraerts d. J., das zwischen 1590 und 1600 entstand, also genau in der Dekade, in der auch Shakespeares Sonette geschrieben wurden. Es handelt sich um eine festlich gekleidete, bisher nicht identifizierte Dame, die ein ganz auffälliges Merkmal aufweist. Sie ist schwanger. Dazu haben Sie, Herr Professor Berle, sich in Ihrer Eigenschaft als Chefarzt einer Frauenklinik und Hebammenschule 1997 gutachterlich geäußert. Ihr Befund: Die schwangere Unbekannte stehe rund 8 bis 12 Wochen vor dem Geburtstermin.

Ich möchte Ihnen vorab eine ganz hypothetische Frage stellen, um Sie dann anschließend zu bitten, noch einmal auf die Schwangerschaftsmerkmale der Porträtierten einzugehen und sie zu erläutern. Angenommen, ein Literaturwissenschaftler würde behaupten, die ‘Persian Lady’ sei gar nicht schwanger, was würden Sie ihm entgegnen?

Prof. Berle: Ich würde ihm entgegnen, daß die von Marcus Gheeraerts d. J. naturgetreu wiedergegebene vornehme Dame dann zumindest einen Ovarial-Tumor im Bauchraum haben müßte. Denn eine derartige Figur ist nicht vorstellbar, ohne daß ein medizinisches Symptom vorliegt.

H.H.H. Könnten Sie uns nun bitte anhand der großformatigen Reproduktion des Bildes die äußeren Merkmale, auf die sich Ihr Befund stützt, zeigen und erläutern?

Prof. Berle: Ich hatte bereits schriftlich dargelegt, daß sich die ‘Persian Lady’ nach meiner Meinung etwa in der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche befindet. Davon ging ich deswegen aus, weil ich den Nabel dieser Dame sozusagen virtuell lokalisieren konnte. Wenn ich mir das Bild heute ansehe, kommt übrigens noch ein zusätzliches Merkmal hinzu, mit dem man den Nabel tatsächlich noch etwas besser positionieren kann. Die ‘Persian Lady’ stützt sich mit der linken Hand auf den Beckenkamm. Und der Nabel liegt praktisch genau in Höhe des Beckenkammes, zumindest richten wir uns danach, wenn wir zum Beispiel Bauchdeckenplastiken oder dergleichen anfertigen. Der Nabel wird in Höhe des Beckenkammes positioniert und so ist es auch hier. Der Nabel der ‘Persian Lady’ liegt etwas unterhalb des über dem Bauch hängenden Ringes. Wenn man nun davon ausgeht, daß in dieser Höhe in der 24. Woche der höchste Stand der Gebärmutter ist und sich unterhalb dieses Nabels dann die Schwangerschaft vorwölbt wie eine Kugel, müßte die Vorwölbung deutlich weiter unten sein. Das Kleid würde dann aber völlig anders fallen. Die größte Vorwölbung liegt in diesem Fall aber tatsächlich etwas höher, nämlich zwei bis vier Querfinger oberhalb des Nabels. Der Fundus der Gebärmutter steht in der 28.-32. Woche etwa zwei bis drei oder vier Querfinger oberhalb des Nabels, aber noch nicht in Höhe des Rippenbogens, was auf die 36. Woche hindeuten würde. Ich meine daher, daß wir diese Schwangerschaft in die 28.-32. Woche legen können.

H.H.H.: Herr Prof. Berle, ich danke Ihnen sehr herzlich für diese ausführliche Stellungnahme, in der Sie Ihren gutachterlichen Befund durch die Entdeckung eines zusätzlichen Merkmals noch weiter erhärten konnten.

Ich möchte Sie, wenn Sie erlauben, noch auf einen anderen Punkt Ihres Gutachtens ansprechen. Sie führen aus, daß bei der ‘Persian Lady’ Wassereinlagerungen noch nicht feststellbar sind und konnten auch aufgrund dieser Tatsache den von Ihnen ermittelten Schwangerschaftsstand bestätigen. Könnten Sie bitte auf diesen Punkt noch einmal kurz eingehen? Und wäre es Ihnen möglich, dabei auch das Gesicht auf dem authentischen Porträt der Gräfin von Southampton zu berücksichtigen, dessen fotomechanische Reproduktion (Maße 75x44 cm) ich mitgebracht habe?

Prof. Berle: Wie groß ist der Zeitunterschied zwischen diesen beiden Bildern?

H.H.H.: Der Zeitunterschied zwischen den beiden Gemälden dürfte ca. 1-2 Jahre, eventuell bis zu 5 Jahren betragen. Auf dem authentischen Porträt muß Elizabeth Vernon bereits Gräfin von Southampton sein. Denn der hermelinbesetzte Samtmantel am rechten Bildrand zeigt ihren hohen sozialen Status an. Und: Sie ist auf diesem Bildnis nicht schwanger, so daß das Porträt nach der Entbindung am 8. November 1598 und nach der Entlassung aus dem Fleet-Gefängnis entstanden sein muß, in das die Königin sie Anfang September 1598 hatte werfen lassen. Als Entstehungszeit muß daher 1599-1600 oder 1601-1603 angenommen werden. Im Februar 1601 wurde der Graf von Southampton wegen seiner Beteiligung an der Essex-Rebellion zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde jedoch in lebenslange Haft im Tower umgewandelt. Erst Jakob I., Elisabeths Nachfolger, begnadigte Southampton und setzte ihn wieder in seine alten Rechte ein.

Prof. Berle: Sie haben es völlig richtig gesagt. Man sieht, daß die Gräfin von Southampton (bei der Toilette) nicht schwanger, die ‘Persian Lady’ jedoch hoch schwanger ist.

H.H.H.: Das Gesicht der Gräfin von Southampton zeigt gegenüber dem Bild der ‘Persian Lady’ einiges Fettgewebe, das die Gesichtsumrißform leicht verändert. Die markant geformte Kinnspitze, ein ganz entscheidendes Erkennungsmerkmal der Gräfin, ist jedoch bei genauem Hinschauen deutlich erkennbar. Diese leichten äußerlichen Veränderungen erklären sich aus den veränderten Lebensumständen der Gräfin.

Im Jahre 1598 war Elizabeth Vernon, Hofdame Elisabeths I., einer Art Dauerstreß ausgesetzt: der Streit des Grafen von Southampton mit dem Höfling Willoughby (Ende Januar), der angedeutet hatte, bei Vernon sei noch ein anderer Mann im Spiel - die daraufhin geplatzte Heirat - Southamptons Antritt einer 2jährigen Reise nach Kontinentaleuropa am 10. Februar - Vernons Schwangerschaft, die im Sommer nicht mehr zu verbergen war - ihre Verbannung vom Hof - ihre heimliche Eheschließung mit dem Grafen von Southampton ohne königliche Erlaubnis - ihre (begründete) Furcht vor dem Zorn und der Strafe der Königin - alles das waren erhebliche psychische Belastungen, die auch äußerlich Spuren hinterlassen haben müssen. Es kann daher nicht verwundern, daß das Gesicht der schwangeren ‘Persian Lady’, bei der es sich laut BKA-Vergleich (und gemäß schlüssiger Erklärung der beiden festgestellten Abweichungen) um die Gräfin von Southampton handelt, angestrengt, schmal und bläßlich und das Gesicht der Gräfin bei der Toilette demgegenüber entspannt, etwas fülliger und gerundeter erscheint. Denn nach der Entbindung (im Gefängnis) und nach den extremen Belastungen und Strafen des Jahres 1598 (einschließlich einer fast dreimonaten Inhaftierung) konnte die Gräfin nun ein sorgenfreies Wohlleben in Luxus führen.

Prof. Berle: Das Gesicht der Schwangeren ist schon etwas gestreßt, wenn man das so modern ausdrücken möchte. Man sieht es auch an den Augen. Aber was sie mit Sicherheit nicht hat: Sie hat keine Wasseransammlungen, also keine schwangerschaftsbedingten vermehrten Einlagerungen von Wasser, was wir häufig im letzten Drittel, also ab der 32.-34. Woche erwarten. Dies deutet eigentlich schon darauf hin, daß die ‘Persian Lady’ noch nicht in den letzten 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin steht. Zudem zeigt auch der Ring am Daumen an, was ich in meinem Gutachten bereits dargelegt habe, daß die Schwangere noch keine Gestose (schwangerschaftsbedingte Wassereinlagerungen) hat. Denn dann könnte sie diesen Ring nicht mehr tragen. Schwangere Frauen mit Wassereinlagerungen ziehen ihre Ringe ab, weil sie sie abends oder zum Waschen sonst nicht mehr abbekommen oder nur noch mit Hilfsmitteln wie etwa Seife.

Das Kinn ist natürlich auch sehr schmal. Auch das spricht eigentlich eher dafür, daß die ‘Persian Lady’ noch nicht im letzten Drittel der Schwangerschaft steht. Ich meine, daß die genannten schwangerschaftsbedingten Erkrankungen, die vorwiegend im letzten Drittel der Schwangerschaft auftreten, auf dem Bild der ‘Persian Lady’ nicht zu erkennen sind. Bei dem gerundeteren Kinn auf dem Porträt der Gräfin von Southampton bei der Toilette, das wohl aus einer leicht veränderten Perspektive gemalt wurde, ist jedoch die Kinnspitze [wie bei der ‘Persian Lady’] vorhanden.

HHH.: Wenn ich noch eine letzte Frage anschließen darf. Ist Ihnen auf dem authentischen Porträt der Gräfin von Southampton eine Besonderheit aufgefallen - etwa ein Bildhinweis des Malers? ----- Ich sehe, daß dies nicht der Fall ist, und darf sogleich hinzufügen, daß bisher keine der von mir befragten Personen auf diese Frage eine Antwort geben konnte. Auch ich selber habe diese Botschaft des Malers keineswegs sogleich bemerkt. Erst nach wiederholter intensiver Beschäftigung mit diesem Porträt entdeckte ich, daß sich am rechten äußeren Ärmel der Gräfin in der Höhe ihres Ellenbogens ein Gesicht befindet.

Könnten Sie sich als Mediziner zu der Frage äußern, ob es sich auch nach Ihrer Meinung um ein menschliches Gesicht und nicht nur um ein Stück Stoff mit einem Muster handelt, in das man ein Gesicht hineindeuten kann?

Prof. Berle: Nein, nein, ich bin schon fasziniert, daß Sie das erkannt haben. Es handelt sich eindeutig um ein Gesicht. Daneben könnte man fast eine Maske sehen. Doch das geht wiederum zu weit. Aber das Gesicht ist eindeutig zu erkennen.

H.H.H.: Diese Meinung vertrat auch der von mir konsultierte BKA-Sachverständige. Er bestätigte ferner, daß dieses Gesicht die Züge William Shakespeares trage.

Es gibt im Englischen die Redensart ‘to wear one’s heart upon one’s sleeve’, auf die sich der Maler beziehen dürfte. Auch im Werk Shakespeares gibt es dafür einen Beleg. In Love’s Labour’s Lost wird von einem Galan gesagt, er hefte sich seine weiblichen Eroberungen an den Ärmel: “This gallant pins the wenches on his sleeve / Had he been Adam he had tempted Eve”.

Prof. Berle: Ob man das tatsächlich als Erfolgstrophäe interpretieren sollte, sei dahingestellt, obwohl man ja auch heute sehr großzügig mit seinen Partnerschaften umgeht. Auf jeden Fall entspricht die Positionierung des Gesichts am Ärmel der Gräfin von Southampton der Redensart und dem genannten Shakespeare-Zitat.

H.H.H.: Herr Prof. Berle, ich danke Ihnen sehr herzlich für dieses Interview.


Abbildung: Ausschnitt des Gemäldes “Elizabeth Wriothesley, geb. Vernon ...”. Stark vergrößerte Wiedergabe der Gesichtszüge Shakespeares am rechten Arm der Gräfin in Ellbogenhöhe. Bildzitat aus dem Band Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’.

Das von dem Befragten auf sachliche Richtigkeit überprüfte Interview wurde geführt von Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Autorin des Buches Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer Enthüllung (Darmstadt: Primus Verlag, 1999).

[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]

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“Interview mit Prof. Dr. med. Wolfgang Hach am 17. Oktober 1999”, Anglistik. Mitteilungen des Deutschen Anglistenverbandes (September 2000), S. 159 - 160 (Frankfurter Buchmesse - Interviewer: H. Hammerschmidt-Hummel).


H.H.H.: Herr Professor Hach, ich freue mich, daß auch Sie heute zum Stand des Primus Verlags auf der Frankfurter Buchmesse gekommen sind. Wir befinden uns hier vor der großformatigen Reproduktion des Gemäldes “The Persian Lady”, die ein auffälliges Merkmal aufweist. Sie ist schwanger. Sie, Herr Professor Hach, haben sich 1997 gutachterlich zu einer Reihe von Schwangerschaftsmerkmalen auf dem Gemälde ‘The Persian Lady’ geäußert, das Sie Bild B nannten. Zum Vergleich hat Ihnen auch das Bildnis der Gräfin von Southampton bei der Toilette vorgelegen. Sie nannten es Bild A. Sie verwiesen auf den starken Leibesumfang der ‘Persian Lady’, die Vergrößerung ihrer Brüste, ihre Schulterregion, ihren Halsumfang, ihre leichten Glanzaugen, ihre auffallend blasse Haut, ihren allgemeinen Ausdruck und ihre Kleiderfalten. Ihre Erklärung für die leichten Glanzaugen der ‘Persian Lady’ lautete, daß während der Schwangerschaft eine erhöhte Absonderung von Schilddrüsenhormonen erfolgt und daß die leichte Überfunktion der Schilddrüse eine Schwellung der Fettkörper hinter dem Auge bewirkt und die Augen dadurch auffallend groß erscheinen. Könnten Sie uns dieses Erscheinungsmerkmal anhand der hier ausgestellten Reproduktion des Gheeraertsschen Gemäldes bitte noch einmal aufzeigen und kommentieren.

Prof. Hach: Zunächst zur Schilddrüse selber. Man sieht auf Bild A, daß die Dame eine Kette trägt, die den Hals eng umschließt. Auf Bild B trägt sie eine solche Kette nicht. Das mag damit zusammenhängen, daß der Halsumfang während der Schwangerschaft zugenommen hat. Bei den Germanen, die eng anliegende Halsketten trugen, gab es den Ausdruck ‘die Halskette wird zu eng’. Angespielt wurde damit auf die Schwangerschaft einer Frau.

Die Vergrößerung der Schilddrüse bewirkt in der Schwangerschaft eine etwas erhöhte Hormonausschüttung. Dadurch kommt es - wie in meinem Gutachten dargestellt - zu einer Schwellung des Fettkörpers hinter den Augen. Die Augen treten ein kleines bißchen stärker hervor. Man spricht deshalb von einem Glanzauge. Ein großes Auge wird als schön empfunden und deswegen gilt eine Frau am Ende ihrer Schwangerschaft als besonders schön. Dies gilt auch für die ersten Monate nach der Entbindung.

Auf Bild A sieht man, daß die Augenlider die Iris halb umgreifen, auf Bild B reichen die Augenlider nur bis zum oberen Rand der Iris, das heißt, daß die Augen dieser Dame (der ‘Persian Lady’) insgesamt größer sind. Wenn man - wie im Fall der ‘Persian Lady’ - sogar das Augenweiß am unteren Augenrand erkennen kann, spricht man von dem sogenannten Bell’schen Phänomen. Das ist der Ausdruck des Glanzauges. Nach der Schwangerschaft bilden sich diese Veränderungen wieder vollkommen zurück.

H.H.H.: Herr Prof. Hach, ich danke Ihnen sehr herzlich für dieses Interview und darf abschließend noch einmal zusammenfassen: Die großen, glänzenden und hervortretenden Augen der “Persian Lady” erklären sich nach Ihrer Meinung durch die erhöhte Hormonansammlung hinter den Augen, die während der Schwangerschaft eintritt. Sie sind eine vorübergehende schwangerschaftsbedingte Erscheinung (Glanzauge bzw. Bell’sches Phänomen), die sich nach der Entbindung zurückbildet. Auf dem Porträt der nicht schwangeren Gräfin von Southampton ist dieses Symptom nicht mehr vorhanden. Dies ist die medizinische Erklärung für den unterschiedlichen Augenausdruck auf den beiden Porträts.

Das von dem Befragten auf sachliche Richtigkeit überprüfte Interview wurde geführt von Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Autorin des Buches Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer Enthüllung (Darmstadt: Primus Verlag, 1999).

[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]

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“‘Ich glaubte es selbst kaum’ - Interview mit der Entdeckerin der ‘Dark Lady’”, Focus (6. September 1999), S. 178:

Focus: Shakespeare verwandt mit Lady Di. Ist das nicht ein bisschen zu verrückt für seriöse Wissenschaft?

Hammerschmidt-Hummel: Mit einem solchen Nebenergebnis hatte ich nicht gerechnet, ich konnte es selbst kaum glauben. Ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt, es nach dem Unfalltod der Prinzessin zu verschweigen. Ich wollte nicht zu den Sensationsautoren gezählt werden.

Focus: Erkennen Sie im Film ‘Shakespeare in Love’ Parallelen?

Hammerschmidt-Hummel: Die wunderbare Story des Films ist völlig frei erfunden. Mein Buch dagegen enthält die wahre Geschichte, ‘Shakespeare’s True Love’, die noch atemberaubender ist als die Fiktion. Als der Film 1998 herauskam, war mein Manuskript schon lang beim Notar hinterlegt.

Focus: Muss man sich nun vom Dichter ein anderes Bild machen? Ein höfischer Casanova etwa?

Hammerschmidt-Hummel: Casanova, nein. Aber wir kennen jetzt das Geheimnis seiner tiefen Liebe zu Elizabeth Vernon. Sie heiratet seinen Nebenbuhler. Diese Dreiecksbeziehung beschreibt der Poet in den Sonetten.

Focus: Könnte es nicht sein, dass die Ereignisse ganz anders waren?

Hammerschmidt-Hummel: Dann müsste man alle von mir gefundenen Indizien unterschlagen. Es scheint zudem nicht allgemein bekannt zu sein, dass Gemälde aus der Renaissance eine wertvolle und verlässliche historische Quelle sind.”

 

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