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The secret around Shakespeare’s ‘Dark Lady’
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a. Motti
Es verrät einen außerordentlichen Mangel an kritischem Scharfsinn,
daß unter den Auslegern Shakespeares, die wir kennen, noch keiner
darauf gefallen ist, seine Sonette für seine Lebensbeschreibung zu
benutzen. Sie schildern ganz augenscheinlich wirkliche Lagen und Stimmungen
des Dichters, sie machen uns mit den Leidenschaften der Menschen bekannt,
ja sie enthalten auch sehr merkwürdige Geständnisse über
seine jugendlichen Verirrungen.
August Wilhelm Schlegel, Über dramatische Kunst und
Literatur (1808)
... die großen Ideen stecken eben in den übersehenen kleinen
Tatsachen der Kultur. Man muß sie nur geduldig herausholen ...
Aby M. Warburg an Wilhelm von Bode (1907) |
b. Inhalt
Danksagungen........
I. Zur Einführung........
1. Stand der Forschung......
2. Das neue Beweismaterial......
3. Der Maler des Bildes.......
4. Die Thesen........
II. Das anonyme Sonett (Subscriptio) und die authentischen Sonette und
Dramen Shakespeares........
1. Vorbemerkungen...........
2. Englischer Text und deutsche Übertragung.............
3. Die Besonderheiten der Shakespeareschen Sonette....
4. Linguistischer Vergleich.....
Lexik.......
Semantik.......
Syntax .......
5. Literaturwissenschaftlicher Vergleich......
Figurenkonstellation........
Die Entwicklung der Beziehungen in der 'Dark Lady'-Sequenz .......
Thematische Bezüge......
6. Resümee..........
III. Die Pictura : Identifizierung der dargestellten Unbekannten........
1. Vorbemerkungen..........
2. Das bildlich Dargestellte und seine Symbolik......
3. Das Erscheinungsbild der 'Persian Lady' und der 'Dark Lady' vor dem Hintergrund
des elisabethanischen Schönheitsideals.........
4. Die gesellschaftliche Stellung der 'Persian Lady' und der 'Dark Lady'
5. Die Identifizierung der 'Persian Lady' und der 'Dark Lady'......
Vorbemerkungen......
Bisherige Identifizierungsversuche der 'Persian Lady'......
Der historisch-biographische Hintergrund ......
Das Gemälde 'The Persian Lady' und ein authentisches Porträt der Gräfin
von Southampton............
Bildhinweise auf dem Porträt der Gräfin von Southampton......
Das Emblem des Daumenrings der 'Persian Lady'.......
6. Resümee.......
IV. Die Inschrift des Gemäldes (Inscriptio)........
1. Vorbemerkungen........
2. Lateinischer Text und deutsche Übertragung.......
3. Die bildlichen und sprachlichen Entsprechungen........
4. Shakespeare als Verfasser der Inscriptio ......
5. Funktion und Deutung der Inschrift......
6. Resümee.......
V. Der Vater des Kindes.......
1. Vorbemerkungen.......
2. Die Hauptaussage des neuen Sonetts......
3. Versteckter Bildhinweis......
4. Zweifel an der Vaterschaft des Grafen von Southampton......
Vorbemerkung.......
Die Anspielungen des Höflings Ambrose Willoughby......
Die Glaubwürdigkeit der Gräfin von Southampton.......
Die Betonung der hellen grauen Augen des Kindes.......
Southamptons Verhalten gegenüber Penelope......
Die Rolle der Lady Rich........
5. Das Porträt der 'Lady Penelope Spencer, geb. Wriothesley' von Anthonis
van Dyck .....
6. Resümee......
VI. Erkenntnisse und Schlußfolgerungen......
1. Vorbemerkungen......
2. Datierung......
3. Titel und Auftraggeber.....
4. Herkunft......
5. Anordnung und Präsentation eines Shakespeare-Sonetts.........
6. Deutung bisher unbekannter historisch-biographischer Zusammenhänge...
7. Neuinterpretation einzelner Textstellen des Shakespeareschen Werks.....
Anmerkungen........
Bibliographie........
Verzeichnis der Abbildungen........
c. Thesen
ie Ergebnisse der in dem Buch Das Geheimnis um Shakespeares
'Dark Lady': Dokumentation einer Enthüllung 1vorgelegten
Untersuchungen zu dem Gemälde 'The Persian Lady' (1) lassen sich
in sechs Thesen zusammenfassen:
Erstens: Der Verfasser des anonymen
Sonetts, (2) das als Subscriptio des Gemäldes 'The Persian Lady'
fungiert, ist William Shakespeare. (3)
Zweitens: Das Sonett gehört in
die Reihe der 'Dark Lady'-Sonette; die in ihm beschriebene Geliebte ist
identisch mit der 'Dark Lady'; es stellt das eigentliche Abschluß-Sonett
dieser Sequenz dar. (4)
Drittens: Der Verfasser der lateinischen
Inschrift des Gemäldes (Inscriptio) ist William Shakespeare. (5)
Viertens: Die auf dem Gemälde (Pictura)
in schwangerem Zustand dargestellte Dame ist die 'Dark Lady'. (6)
Fünftens: Die Porträtierte,
hinter der sich eine reale historische Figur verbirgt, ist identisch mit
Elizabeth Vernon, (7) der Hofdame Königin Elisabeths I., die rund
zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope (8) - den Grafen von
Southampton heiratete.
Sechstens: Der Vater des Kindes Penelope
ist William Shakespeare. (9)
Diese Thesen werden in den einzelnen Kapiteln des Buches durch linguistische,
literaturwissenschaftliche, geschichts- und kulturwissenschaftliche, botanische,
medizinische und kriminaltechnische Untersuchungen und Fachgutachten belegt.
Anmerkungen:
1 Es handelt sich um ein großformatiges Bild eines
der bedeutendsten elisabethanischen Maler, das eine festlich geschmückte,
namentlich nicht bekannte Schwangere zeigt und in der letzten Dekade des
16. Jahrhunderts entstand, also in dem Jahrzehnt, in dem Shakespeares
Sonette geschrieben wurden. Es enthält links oben eine lateinische
Inschrift und rechts unten ein englischsprachiges Sonett. Text und Bild
sind wechselseitig aufeinander bezogen. Die Inschrift faßt die Bildaussage
sentenzartig zusammen. Die Bildkonzeption (Inscriptio, Pictura und Subscriptio)
hat emblematischen Charakter.
2 Die Kernaussage dieses Sonetts besteht darin, daß
das dichterische Ich über den Verlust der Frucht seines Liebesbaums
(d.h. seines eigenen leiblichen, noch ungeborenen Kindes) klagt, die nun
anderen zufällt. Dem entspricht die bildliche Darstellung der schwangeren
Unbekannten und des weinenden Hirsches ("weeping Stagg"), dessen
Kopf mit Perlen bekränzt ist, die sich aus der Hand der Schwangeren
ergießen.
3 Dies wird in Teil I des Buches durch einen minuziösen
linguistischen Vergleich mit Shakespeares Sonetten und Dramen (lexikalisch,
semantisch und syntaktisch) sowie durch einen literaturwissenschaftlichen
Vergleich (Figurenkonstellation, Entwicklung der Beziehungen und thematische
Bezüge) nachgewiesen.
4 Einen überzeugenden Abschluß der Dark Lady-Sequenz
gab es bisher nicht. Der überlieferte Abschluß der Sequenz
in Form zweier Cupido-Sonette stammt nach allgemeiner Ansicht nicht von
Shakespeare selber. Er wurde offensichtlich - weil man dies verständlicherweise
für erforderlich hielt - von anderer Hand hinzugefügt.
5 Bei dem vorliegenden Kunstwerk haben Maler und Dichter
aufs engste zusammengearbeitet. Aufgrund des in Renaissance und Barock
üblichen arbeitsteiligen Vorgehens war der Dichter für die Texte
verantwortlich. Weder der Maler noch seine Gehilfen dürften in der
Lage gewesen sein, die abstrahierte Aussage der emblematischen Darstellung
in ein in lateinischer Sprache abgefaßtes Motto zu kleiden. Daher
kann als Urheber der Inschrift nur der Autor des Sonetts, also Shakespeare,
in Frage kommen.
6 Dies ergibt sich aus dem Nachweis, daß Shakespeare
der Autor des neuen anonymen Sonetts ist, daß dieses neue Sonett
in die Reihe der Dark Lady-Sonette gehört und sie beschließt.
Folglich muß die Geliebte des neuen Sonetts mit der Dark Lady identisch
sein.
7 Die Identität konnte unter anderem durch einen
Gesichtsvergleich mit einem authentischen Porträt der Gräfin
von Southampton nachgewiesen werden, den der Sachverständige des
Bundeskriminalamts durchgeführt hat.
8 Die Beurteilung des Stadiums der Schwangerschaft der
abgebildeten Schwangeren erfolgte durch den Chefarzt einer gynäkologischen
Klinik. Diese deckt sich zeitlich mit dem Stadium der Schwangerschaft,
in dem sich die Gräfin von Southampton tatsächlich befand, als
sie den Grafen von Southampton heiratete.
9 Dies ist der Hauptaussage von Text und Bild, nämlich
der Klage des dichterischen Ichs über den Verlust der Frucht seiner
Liebe, zu entnehmen. Dies wird jedoch auch durch die Ergebnisse der Gesichtsvergleiche
untermauert, die der Sachverständige des Bundeskriminalamts auf der
Grundlage der beiden authentischen Shakespeare-Porträts (Chandos
und Flower), zweier authentischer Bildnisse des Grafen von Southampton
und eines authentischen Porträts des Kindes Penelope vorgenommen
hat, das im Erwachsenenalter und als verheiratete Lady Penelope Spencer,
geb. Wriothesley, von Anthonis van Dyck gemalt wurde. Die Eheschließung
mit Lord William Spencer erfolgte Ende 1615. Der heutige neunte Graf Spencer
und seine Schwestern, darunter die 1997 tödlich verunglückte
Diana, Prinzessin von Wales, sind in direkter Linie Nachfahren von Lord
Henry Spencer (geb. 1620), dem einzigen Sohn von Lady Penelope (geb. 1598)
und Lord William Spencer. Daß eine intime Beziehung zwischen Shakespeare
und der Gräfin von Southampton bestanden hat, wird auch durch einen
gezielten und absichtlich an die Nachwelt weitergegebenen Bildhinweis
des Malers belegt, der auf ihrem authentischen Porträt - am rechten
Ärmel versteckt - Shakespeares Gesicht abgebildet hat. Die Identifizierung
der Gesichtszüge des Dramatikers wurde von dem Sachverständigen
des Bundeskriminalamts voll bestätigt.
d. Rezensionen und Stellungnahmen
Hildegard Hammerschmidt-Hummels Buch „Das Geheimnis um Shakespeares Dark Lady“: Wer war die Geliebte des britischen Dramatikers, Vorfahr von Prince William?
Was wäre das Leben ohne Liebe und Leidenschaft? Auch William Shakespeares Sonette lassen keine Zweifel an der Antwort aufkommen...
William Shakespeares „Dark Lady“-Sonette
Die mysteriöse, anziehende, reizvolle Gestalt, die als „Dark Lady“ bekannt wurde und im Zentrum unzähliger Shakespeare-Sonette steht, gibt seit Jahrhunderten Rätsel auf. Der Leser erfährt: Sie stürzte den englischen Dichterfürsten erst in einen erotischen Taumel, dann in Abhängigkeit und später ob ihrer „Zweit-Liaison“ mit einem seiner engen Vertrauten in tiefe Verzweiflung.
Wer war die mysteriöse Geliebte, die William Shakespeare beschrieb?
Doch wer war diese Frau, der William Shakespeare … ein Denkmal setzte und der er ganz offensichtlich mit Haut und Haaren verfallen war – selbst als er als Teil des fatalen Dreiecksverhältnisses rasant auf den emotionalen und physischen Abgrund zusteuerte?
Mit geradezu kriminalistischem Gespür ist es der Shakespeare-Expertin und Anglistik-Professorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel gelungen, das Mysterium (immerhin eines der größten der Literaturgeschichte) um die niemals namentlich genannte Geliebte aufzudecken. Sie ist die Verfasserin des Buches „Das Geheimnis um Shakespeares ‚Dark Lady‘“.
Hildegard Hammerschmidt-Hummel lüftet das Geheimnis um Shakespeares „Dark Lady“
Bei ihrem Vortrag im Rahmen der Karlsruher Schlosskonzerte (Gartensaal Schloss Karlsruhe, 21.05.2010) gibt Hildegard Hammerschmidt-Hummel einen spannenden Einblick in ihre interdisziplinäre Forschung, deren Dreh- und Angelpunkt nicht allein das Werk des britischen Dramatikers und Dichters bildet. Auch mehrere Gemälde halfen dabei, Licht ins liebestolle Dunkel zu bringen.
Maßgeblich ausgehend vom Bild „The Persian Lady“, auf dem der Renaissance-Maler Marcus Gheerarts der Jüngere eine später als hochschwangere Elizabeth Vernon identifizierte Dame hohen Ranges sowie ein bis dato unbekanntes Shakespeare-Sonett abbildete, weist Hammerschmidt-Hummel nach, dass die Geliebte niemand Geringeres als die spätere Gräfin von Southampton war. William Shakespeare begegnete ihr am Hof von Königin Elisabeth I. und verliebte sich Hals über Kopf in sie. Die Queen war übrigens „not amused“.
Pikantes Detail am Rande: Shakespeare war zu dieser Zeit verheiratet, hatte Frau und drei Kinder, was ihn nicht von der leidenschaftlichen Affäre abhielt.
Versteckte Botschaften im Bild „The Persian Lady“
Indem Hildegard Hammerschmidt-Hummel „fachfremde“ Hilfe zu Rate zieht – im Team befinden sich Kulturwissenschaftler, Linguisten, Botaniker, Mediziner und sogar Gesichtsexperten des Bundeskriminalamts – um die unzähligen Fäden zu entwirren, macht sie einen hochexplosiven Fund: Die auf dem Bild „The Persian Lady“ dargestellte Frucht des Leibes stammt von niemand Geringerem als Shakespeare, obwohl dessen „Dark Lady“ seinen adligen Nebenbuhler heiratete!
Aufschluss darüber gibt nicht zuletzt das Bild selbst: Gemälde dieser Epoche enthalten immer zahlreiche Andeutungen – auch dieses hier. So passen unter anderem die Blätter des dargestellten Baumes nicht zur Pflanze, der britische Dichter und Dramatiker sprach von seiner Geliebten wiederum als „Liebesbaum“.
Das neu entdeckte Shakespeare-Sonett, das ebenfalls zu sehen ist, birgt in Verbindung mit diesem Wissen sogar noch deutlichere Worte: „ … but all in vaine, for now to[o] late I see the shales be mine, the kernels others are. My Musique may be plaintes, my physique teares if this be all the fruite my love gtree beares.“ (dt [von HHH]: “Doch alles war vergeblich, den jetzt, zu spät, ich seh’: Die Früchte ernten andre, die Schalen nur sind mein. Musik sei meine Klage, ihr Tränen Medizin, Wenn dies die ganze Frucht ist, die mein Liebesbaum trägt.“)
Prince William, ein Nachkomme von William Shakespeare?
Interessanter „Nebeneffekt“ der Entdeckung: Zur Ahnenreihe von William Shakespeare gehören entsprechend der Argumentationskette von Hildegard Hammerschmidt-Hummel Generationen später auch Lady Di und ihre Söhne, Prince William und Prince Harry!
Kein trockener Diskurs: „Shakespeare in Love“, basierend auf Fakten
Was ein trockener literaturwissenschaftlicher und kunsthistorischer Diskurs hätte werden können, entwickelt in Hildegard Hammerschmidt-Hummels Vortrag und Buch „Das Geheimnis um Shakespeares ‚Dark Lady‘“ schnell die Qualitäten eines ungemein spannenden Hollywood-Blockbusters. Anders als der Film „Shakespeare in Love“ bringt dieser allerdings Fakten sowie authentische Begebenheiten ans Licht.
Das Theaterstück „Shakespeares Geliebte. Die wahre Geschichte“
Es liegt nahe, das Potential der brisanten Dreiecksgeschichte zwischen dem Dichter William Shakespeare, Elizabeth Vernon und Henry Wriothesley, dritter Graf von Southampton, auch für andere Künste aufzubereiten und so verfasste Hildegard Hammerschmidt-Hummel ein kurzweiliges Theaterstück.
„Shakespeares Geliebte. Die wahre Geschichte“ feierte unter der Regie von Thorsten Morawietz am 23. April 2010 an der Dramatischen Bühne Frankfurt Premiere. Es handelte sich bei der weltweiten Uraufführung um eine Koproduktion mit dem Shakespeare-Theater, die … nun in abgeänderter Form auch bei den Karlsruher Schlosskonzerten zu sehen war.
Quellen und weiterführende Informationen
- Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Das Geheimnis um Shakespeares „Dark Lady“. [Wissenschaftliche Buchgesellschaft und] Primus Verlag, Darmstadt (1999), 192 Seiten. ISBN: 3896781413
- Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Die verborgene Existenz des William Shakespeare. Herder, Freiburg (2001), 287 Seiten. ISBN: 3451274175
- Hildegard Hammerschmidt-Hummel: William Shakespeare. Seine Zeit – Sein Leben – Sein Werk. Philipp von Zabern Verlag, Mainz (2003), 408 Seiten. ISBN: 380532958X
- Interview mit Hildegard Hammerschmidt-Hummel, „‘Ich glaubte es selbst kaum‘ – Interview mit der Entdeckerin der ‚Dark Lady‘“ und Shakespeare-Special „Lady Di und der Dichter“ im Focus 36/99
Auszug aus: Austrian National Library - ARIADNE
2000 / Österreichiche Nationalbibliothek, last update: 29. Juli 2003
- NewsLetter 44: Sprache & Literatur
“Wissenschaftlich fundiert und auch anerkannt lüftet
die Anglistin und Kulturwissenschaftlerin das Geheimnis der vielbesungenen
‘Dark Lady’ und der Autorenschaft des Sonetts ‘Subscriptio’.
Aufgrund linguistischer, literaturwissenschaftlicher und kunstgeschichtlicher
Vergleiche stellt sie folgende Thesen auf: Der Autor von ‘Subscriptio’
ist William Shakespeare; das Sonett gehört in die Reihe der ‘Dark-Lady-Sonette’
als eigentliches Abschluß-Sonett. Beschrieben wird in diesem Sonett
‘The Persian Lady’, nach dem berühmten Gemälde des
englischen Porträtmalers Marcus Gheeraerts (1553-1635); die Inschrift
auf dem Gemälde wurde von William Shakespeare geschrieben - dargestellt
wird seine schwangere Geliebte Elizabeth Vernon, Hofdame Elizabeth I,
die Ende August 1598 - zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope
- Shakespeares Patron, Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton,
heiratete.”
***
Auszug aus der Internet-Rezension
von W. Dörge-Heller, “Shakespeare und die Dark Lady”,
aktualisiert am 5. April 2003 (www.lebensraeume-var.de/darklady):
“Der Beitrag befaßt sich mit den
Thesen von Hildegard Hammerschmidt-Hummel zur Identität der ‘Dark
Lady’ aus Shakespeares Sonett-Zyklus. Das Werk ‘Das Geheimnis
um Shakespeares ‘Dark Lady’, Dokumentation einer Enthülllung’
ist 1999 bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschienen.
Die Identität der ‘Dark Lady’
Nach den Thesen von Frau Hammerschmidt-Hummel
Zunächst stellt H. eingehend und nachvollziehbar
dar, daß Gemälde der Renaissancezeit anders zu interpretieren
sind als heutige Werke der Bildenden Kunst. Sie enthalten Chiffren, Anspielungen,
emblematische Rätsel und ihre Lösungen; sie wollen ‘gelesen’
werden. Dazu paßt, daß das fragliche Gemälde sowohl eine
Art Überschrift in drei Teilen, wie auch ein vollständiges Sonett
am Bildrand enthält. Das bedeutet, daß bereits von der Intention
des Malers her ein Übergang vom Betrachten zum Lesen nahe gelegt
wird. Es ist bekannt, daß viele Kunstwerke der Renaissance einen
derart verschlüsselten Zugang zum Inhalt haben, man denke nur an
die Werke von Giorgione. Wir verdanken den scharfsinnigen Analysen von
Hartlaub, Saxl und Panofsky einen Einblick in den hohen geistigen Hintergrund
jener Epoche. Nun zur Gemälde-Interpretation von H.:
1. Die dargestellte ‘Persische Dame’ ist
Elisabeth Vernon, eine hochgestellte Dame am Hofe Elisabeths, welche vom
Rang her wohl in unmittelbarer Nähe zur Regentin selbst stand. Sie
ist schwanger, trotz dieser wohl freudigen Erwartung aber von Symbolen
der Melancholie und Trauer umgeben.
2. Elisabeth Vernon ist jene bisher unbekannte Dark Lady,
welche in den Sonetten Shkaespeares auf verschiedenste Weie (flehend,
zärtlich, aber auch zornig und verurteilend) ansgesprochen wird.
3. Die Folgerung ist, dass es sich bei dem ‘Dritten
im Bunde’, dem Freund, welchen der Dichter in seinen Sonetten nennt,
um den Geliebten und späteren Ehemann der ‘Dark Lady’
handeln muss: [...] Henry Wriothesley, [...] Graf von Southampton, der
einst Freund und Mäzen Shakespeare gewesen war.
4. Dieses Verhältnis bzw. die Folgen der Verbindung,
ein Kind, wurde in den zwei vorliegenden Bildnissen ‘geoutet’,
wobei in dem einen Fall der Maler aus Sympathie mit dem Dichter dessen
Vorgaben gefolgt zu sein scheint.
5. Die Folgen dieser schwierigen Konstellation für
alle Beteiligten. Sprechen wir zunächst von den beiden Kontrahenten;
ihrer beider Verlust wiegt tiefer, ihre Freundschaft war offenbar für
alle Zeit zerbrochen. Shakespeare selbst hat die Trennung von der ‘Dark
Lady’ nie ganz verwunden. Er hatte sich evtl. von einer andauernden
Verbindung weiteren Nachwuchs erhofft - sein Sohn Hamnet war noch zu seinen
Lebzeiten verstorben, seine Frau konnte keiner Kinder mehr bekommen. Dafür,
dass der Dichter die Situation nie ganz innerlich bewältigt hat,
spricht auch, dass er [zu] einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens den
Gedichtband veröffentlicht. Diese Ausbreitung der persönlichen,
ja intimen Verhältnisse in den Sonetten muß für die beiden
anderen Beteiligten ein schwerer Schlag gewesen ein. Shakespeare selbst
hat damit möglicherweise seinem Rivalen einen gezielten und nachhaltigen
Schlag versetzt.
Es nimmt kaum Wunder, daß der Earl of [...] Southampton
bei allen späteren politischen Erfolgen immer sehr unzufrieden erschien.
Dies könnte aber auch in seinem Wesen gelegen haben. [...]
Würdigung und Kritik
Zu den Thesen und zur Beweisführung
Die Heransgehensweise von H. an die Fragestellung ist
ebenso scharfsinnig wie unorthodox. Frappierend die Detailanalysen der
Bilder, besonders dort, wo die Gräfin von Southampton in ihrem Schlafgemach
den Betrachtern des Gemäldes unfreiwillig ihre außereheliche
Beziehung verrät. Bis in die Details hinein dürfte auch H.’s
Deutung der Inscriptio und des Sonettes, der beste Teil des Buches, zutreffen.
Feinfühlig untersucht Frau H. darauf die verschiedensten Auswirkungen
der nun durch die neue Sachlage erhellten Situation auf das künstlerische
Schaffen und die späteren Lebensumstände des Dichters. Es verrät
weiterhin eine beachtliche ‘poetische Intelligenz’, wie sie
das neue Sonett in die Entwicklung bzw. Beendigung der Dreier-Beziehung
einfügt und damit den gesamten Handlungsablauf der Sonette neu interpretiert.
Insofern scheint mir die Argumentation von Frau H. in
allen wichtigen Punkten schlüssig. Angesichts der Bedeutung dieses
Beitrages für die Literatur- und Kunstgeschichte kann man von einem
großen Wurf sprechen, für den Frau H. großer Dank gebührt.
[...]
Die Autorin schenkt ihren Lesern nichts. Es gehört
schon eine ziemlich robuste Begeisterung für Shakespeare und etwas
Leidensbereitschaft dazu, sich durch alle Anmerkungen und Indizes hindurchzuschlagen.
Die Bibliographie übergeht man am besten ganz - voll Grausen sieht
der Laie, was er alles nicht weiß, was er noch nie gehört,
geschweige denn gelesen hat.”
***
Auszug aus der Seite: “Bücher
des Jahres - Lesetipps und Lesefavoriten aus den Ressorts des ‘Kölner
Stadt-Anzeigers’” - und kein Hinweis ist länger
als ein Satz”, Kölner Stadt-Anzeiger (10. Dezember
2002):
“Hildegard Hammerschmidt-Hummel: ‘Das Geheimnis
um Shakespeares ‘Dark Lady’ [...]. Das Rätsel um die
Herzdame [...], die William Shakespeare in seinen Sonetten besingt, löst
Hildegard Hammerschmidt-Hummel mit einem originellen kriminalistischen
Ansatz und einer spannenden Indizien-Suche in Sonetten und Gemälden,
und ganz nebenbei stellt sie fest, dass auch die ‘Königin der
Herzen’, Prinzessin Diana, in enger Beziehung zu dem Dichterfürsten
stand.
Peter Seidel, Politik”
”Books of the year –
reading hints and reading favourites from the departments of the Kölner
Stadtanzeiger (10 December 2002):
”Hildegard Hammerschmidt-Hummel: The secret around
Shakespeare’s ‘Dark Lady’ .... The mystery about the
lady of his heart …, whom William Shakespeare praises in his sonnets
is solved by Hildegard Hammerschmidt-Hummel through an original criminological
approach and an exciting search for circumstantial evidence in sonnets
and paintings – and, quite incidentally, she states that the ‘queen
of hearts’, Princess Diana, was also closely connected to the prince
of the poets. Peter Seidel, Politics”
***
Auszug aus der Rezension der amerikanischen
Journalistin und Anglistin Muriel Mirak-Weißbach, in: Neue Solidarität 29. Jg. Nr. 10 (6. März 2002) [Übersetzung: Geri Oliver].
“Shakespeares Sonette gehören zweifellos zu
den größten Werken der Dichtung. Sie vermitteln durch ihre
Schönheit dem Leser Einsichten, Freude und Erbauung, sie waren aber
auch jahrhundertelang hilfloses Opfer verschiedener akademischer Übungen,
angefangen mit der symbolischen Interpretation bis hin zur Psychoanalyse,
zur Textkritik etc.
Eine der immer wiederkehrenden Fragen, die Literaturkritiker quälte,
war die der Identität in den Sonetten auftretender Personen. Wenn
sich hinter dem ‘Ich’ der Sonette Shakespeare verbirgt, und
der junge Mann, der Freund, Shakespeares Freund und Gönner, der Earl
of Southampton ist, dem das Werk (indirekt) gewidmet ist, wer ist dann
die mysteriöse Dark Lady? [...]
Eine faszinierende Antwort auf diese Frage wurde nun von Prof. Hildegard
Hammerschmidt-Hummel von der Universität Mainz in ihrem Buch Das
Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer
Enthüllung gegeben. Obwohl die Identifikation der Dark Lady
selbst wichtig ist, da sie Aspekte von Shakespeares Leben beleuchtet,
die bisher noch nicht erforscht worden waren, ist doch das Interessanteste
an diesem Buch die von der Autorin angewandte Vorgehensweise, die sich
erfreulicherweise von der gängigen akademischen Methodik abhebt,
bei der das Werk wie ein totes Insekt psychoanalytisch, textlich, symbolisch
oder sonstwie seziert wird.
Der von der Autorin eingeschlagene Weg basiert auf Hypothesen, die mit
Hilfe von Dokumentationsmaterial sowohl aus literarischen als auch aus
bildlichen biographischen Quellen von vielen Seiten geprüft werden.
Zu dem dabei zum ersten Mal vorgestellten Material gehört ein Gemälde
von Marcus Gheeraerts (1553-1635), einem führenden Porträtisten
im Umkreis des Hofes von Königin Elisabeth. Das Gemälde zeigt
eine erlesen gekleidete schwangere Frau, in ihrer ganzen Größe,
deren Hand auf dem Kopf eines weinenden Hirschen ruht; das ganze unter
einem Baum mit Blättern und Früchten. [...] Die Autorin stellt
folgende Hypothesen auf:
Das Sonett im Bild stammt von Shakespeares und stellt
das letzte in der Dark-Lady-Serie dar.
Die dargestellte Frau ist die Dark Lady, und ihre wahre
Ideantität ist die der Elizabeth Vernon, die den Earl of Southampton
im August 1598 zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope heiratete.
Shakespeare ist der [...] Vater des Kindes
Um Shakespeare als Verfasser des Sonetts zu identifizieren,
greift die Autorin zur naheliegenden Vergleichsanalyse, die ergibt, daß
für Shakespare typische Merkmale an Stil, Diktion, Metapher und Syntax
darin vorhanden sind. Zusätzlich zu diesen formalen Aspekten - die
einen überzeugenden Beleg liefern - konzentriert sich die Autorin
auf jene Sonette der Serie 133-152, welche die Dark Lady zum Inhalt haben.
[...]
Die Sonette beschreiben, daß der Freund des Dichters [...] (Southampton)
die Dark Lady liebt, die auch der Dichter liebt. Die dadurch hervorgerufene
Krise führt zu großem Leid des Dichters, der erkennt, daß
seine Geliebte im Begriff ist, den anderen zu wählen. Im letzten
Sonett (für die Autorin 152) wird die Frau moralisch scharf verurteilt,
weil sie den Dichter belogen habe.
Hammerschmidt-Hummel zeigt nun auf, daß das Sonett auf dem Porträtgemälde
den Zyklus thematisch vervollständigt, und behauptet, daß es
eigentlich das letzte Sonett der Serie ist.
Wenn das Sonett in dem Gemälde von Shakespeare stammt und das letzte
der Dark-Lady-Gedichte ist, wer ist dann die porträtierte Dame? Die
Autorin interpretiert das Porträt gemäß der zu dieser
Zeit üblichen Ikonographie und betrachtet die Bildfiguren und das
Sonett (und die lateinische Inschrift) als einander ergänzend. Um
nur wenige der vielen untersuchten Details zu nennen: Der weinende Hirsch
drückt den Abschiedsschmerz aus, wobei seine Tränen sich in
den tränenähnlichen Perlen der Dame widerspiegeln. Der Baum,
der wie eine Verlängerung des Geweihs des Hirschen erscheint, drückt
das Prinzip der Fruchtbarkeit aus, ebenso die schwangere Frau. Es ist
ein ‘Liebesbaum’, wie das Sonett sagt, dessen Früchte
jedoch nicht dem Dichter, sondern einem anderen zufallen werden. [...]
Laut dem von Hammerschmidt-Hummel eingeholten medizinischen Gutachten
steht die Dame 8-12 Wochen vor der Geburt. Sie trägt [...] an einer
Kette zwei [...] Ringe - Eheringe. Einer, der große, für den
Ehemann bestimmte Ring, hat die gleiche Farbe wie die Augen des Hirschen,
was implizieren mag, daß der Hirsch allegorisch den Vater des ungeborenen
Kindes darstellt.
[...]
Des Rätsels Lösung
Um die Frau in dem Gemälde zu identifizieren, müssen
folgende Kriterien stimmen, erklärt die Autorin: Das Porträt
muß zu der Zeit gemalt worden sein, als die Sonette geschrieben
wurden (1593-99); Shakespeare muß zu dieser Zeit eine solche Liebesbeziehung
gehabt haben, die dadurch endete, daß er zugunsten des anderen zurückgewiesen
wurde; die Frau muß die äußeren Merkmale der Dark Lady
gehabt haben, darunter luxuriöse Kleider und Juwelen; und nicht zuletzt
muß sie schwanger gewesen sein.
Die Autorin hat nach Überprüfung von biographischen Unterlagen
eine Frau gefunden, auf die all dies zutrifft. Der Earl of Southampton
hatte ab 1595 eine Beziehung mit Elizabeth Vernon, einer Dame am Hof der
Königin, ohne sie zu heiraten. 1598 wurde Southampton zu einem Auslandsaufenthalt
beordert, und als seine Geliebte im Sommer offensichtlich schwanger war,
rief das einen Skandal hervor. Nachdem er sich mit Essex (Vernons Cousin)
beraten hatte, heiratete Southampton sie überstürzt, um anschließend
abzureisen. Elizabeth Vernon kam ins Gefängnis - ihre Tochter Penelope
wurde im November 1598 geboren -, bis sie durch die Intervention von Essex
wieder freigelassen wurde. Wenn das Porträt wirklich Vernon darstellt,
so hätte es - als Hochzeitsporträt gedacht - in der Zeit zwischen
Southamptons Entscheidung, sie zu heiraten (dem 25. August), und ihrer
Inhaftierung (dem 7. September) gemalt werden müssen. Das würde
mit dem oben Beschriebenen übereinstimmen.
Um die ‘persische Dame’ endgültig als Elizabeth Vernon
zu identifizieren, vergleicht die Autorin sie mit einem authentischen
Porträt der letzteren [...]. Der äußerst detaillierte
Vergleich der Züge ergibt nicht nur eine definitive Ähnlichkeit,
sondern fördert auch einen versteckten Hinweis in dem Gemälde
selbst zutage, der den Fall klärt: Auf Vernons rechtem Ärmel
befindet sich ein winziges Porträt Shakespeares. Eine Unmenge von
weiteren Details bestätigen die Identifizierung.
Zu guter Letzt beschreibt die Autorin, was über das Verhältnis
von Vernon, jetzt Gräfin von Southampton, zu ihrer Tochter und das
Verhältnis Southamptons zu dem Kind bekannt ist. [...] Dies ist nach
Einschätzung der Autorin ein weiterer Beweis dafür, daß
Shakespeare der eigentliche Vater war. Ein Vergleich von Shakespeares
Porträt mit Penelopes Porträt als junge Frau bestärkt weiter
diese Aussage.
Ohne das von der Autorin gesammelte Beweismaterial in allen Einzelheiten
darzulegen, kann gesagt werden, daß sehr überzeugende Argumente
vorliegen, um alle anfangs dargelegten Hypothesen zu bestätigen.
[...]
Die Geschichte der ‘Dark Lady’ bekräftigt u.a., wie nahe
Shakespeare dem Hof stand, und sie erklärt den Wandel der Beziehung
zwischen Southampton und dem Dichter von einer intimen Freundschaft in
eine kühle, ja sogar feindliche Beziehung - ganz besonders nachdem
Shakespeare die Sonette im Jahr 1609 veröffentlichte. Übrigens
ist auch die Identität Penelopes insofern wichtig, als sie später
Lord William Spencer, den Vorfahren der verstorbenen Prinzessin Diana
von Wales, heiratete. Schließlich erhalten die Sonette durch die
Identifikation Elizabeth Vernons eine weitere Dimension - ihre Wurzel
in tatsächlichen historischen Ereignissen -, ohne dabei jedoch von
ihrem höheren, dichterischen Wahrheitsgehalt abzulenken.”
[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Neue Solidarität. Internet-Adresse: www.solidaritaet.com]
***
Auszug aus dem Artikel des Shakespeare-Forschers
Prof. Dr. Wolfgang Riehle, Graz: “Zur aktuellen Frage nach der Identität
der ‘Persian Lady’”, in: Anglistik (März
2002), S. 139-151.
“Hildegard Hammerschmidt-Hummels Buch Das Geheimnis
um Shakespeares ‘Dark Lady’. Dokumentation einer Enthüllung hat der Diskussion um die biographischen Hintergründe von Shakespeares
Sonetten neue Impulse gegeben. Ihr Engagement und der große wissenschaftliche
Aufwand, verbunden mit der Herbeiziehung von Gutachtern aus verschiedenen
wissenschaftlichen Disziplinen und sogar des BKA verdienen Anerkennung,
machen aber auch gleichzeitig eine Überprüfung ihres Anspruchs
auf eine endgültige Klärung der Identität der Dark Lady
erforderlich. Hammerschmidt-Hummel geht aus vom Versuch einer Deutung
des Porträts einer unbekannten Frau von Marcus Gheeraert[s] d.J.
Mit Hilfe eines medizinischen Gutachtens hat Hammerschmidt-Hummel eindeutig
nachgewiesen, daß die Porträtierte eine Schwangere ist, die
ca. 8-12 Wochen vor der Entbindung steht. Sie argumentiert weiter überzeugend,
daß sie aus vornehmen Kreisen stammt und sogar zum Hof der Königin
Elisabeth gehört haben muß. Auch daß hier ein Dreiecksverhältnis
angedeutet ist, hat Hammerschmidt-Hummel wahrscheinlich gemacht. Doch
die Deutung des Porträts der Unbekannten ist schwierig, weil es sich
offenbar an Eingeweihte, an einen kleinen Kreis von unmittelbar Betroffenen
wendet und eine reale Situation widerspiegelt, sich dabei aber einer allegorisch-emblematischen
Methode bedient. Hammerschmidt-Hummel glaubt, die Porträtierte als
Elizabeth Vernon identifizieren zu können. Im folgenden wird zu zeigen
versucht, daß die Spur in eine etwas andere Richtung weist”
(S. 139).
Siehe dazu die Replik der Autorin in:
Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark
Lady'
e. Repliken
Clemens Rech, “Das Geheimnis um Shakespeares
‘Dark Lady’ im Spiegel von Medien und Fachwelt”, Anglistik
(September 2000), S. 161-170:
“Der vorliegende Bericht möchte die Reaktionen
auf Hildegard Hammerschmidt-Hummels Buch Das Geheimnis um Shakespeares
'Dark Lady': Dokumentation einer Enthüllung (1999) in den Medien
zusammenfassen. Schon die schiere Masse der Veröffentlichungen macht
eine gezielte Auswahl unumgänglich. Daher werden nur die größeren,
namentlich gekennzeichneten Beiträge berücksichtigt. Dokumentiert
wird ferner die bereits begonnene Diskussion in der Fachwelt.
Am Nachmittag des 9.9.1999 stellte die Autorin im vollbesetzten
Magistratssaal der Stadt Darmstadt ihr neues Buch vor. In seiner Eröffnungsrede
erinnerte Oberbürgermeister Peter Benz an die von
der Mainzer Shakespeare-Forscherin 1995 erbrachten Echtheitsnachweise
für die Shakespeares Totenmaske, die nun zu den wertvollstsen Kulturgütern
der Stadt gehört, und stellte fest, Darmstadt habe Einzug gehalten
in den kleinen, illustren Kreis der Shakespeare-Städte.
Durch Indiskretion waren Hammerschmidt-Hummels Ergebnisse bereits Wochen
zuvor an die englische Presse gelangt. So erhielten Millionen von Briten
schon am 22.8.1999 durch die spektakuläre Schlagzeile
"William finds a dark lady in his life" auf der Titelseite der Sunday Times Kenntnis von den Entdeckungen der
Mainzer Shakespeare-Expertin, wobei allerdings ein Nebenergebnis fokussiert
wurde: "Literary detectives have found evidence that Shakespeare
was Prince William's ancestor". Dann Schlag auf Schlag die Details:
An inquiry into the identity of the 'Dark Lady', with
whom Shakespeare is said to have had an affair, has led researchers to
the link. They will name the Dark Lady as Elizabeth Wriothesley, who had
Shakespeare's illegitimate daughter, Penelope, in 1598. The girl married
the second Baron Spencer, from whom Princess Diana was directly descended.
The claims, by the Shakespearean scholar Hildegard Hammerschmidt-Hummel,
of Mainz University in Germany, rest on her belief that two portraits
of an unnamed woman [...] depict the Dark Lady. One, known as The Persian
Lady [...], bears a sonnet, claimed to be by Shakespeare. Another [...]
is said to carry a miniature image of the playwright's face. Hammerschmidt-Hummel
[...] will publish her claims next month in The Secrets of Shakespeare's
Dark Lady.
Der ausführliche Artikel "Is William descended
from Will?" von Caroline Gascoigne und Nicholas
Hellen basiert auf minutiösen Detailkenntnissen und ist
angereichert mit Zitaten aus dem (damals noch unveröffentlichten)
Buch sowie zugkräftigen Bildern von Prince William, Elizabeth Vernon
und Filmauschnitten aus 'Shakespeare in Love'. Das bisher vergebliche
und frustrierende Rätselraten um die Identität der 'Dark Lady'
("some scholars have abandoned the search") dürfte, so
Gascoigne und Hellen, nun gelöst sein: "In reality, the answer
may be staring us in the face. According to Hildegard Hammerschmidt-Hummel
[...] a portrait of the Dark Lady is on show in Hampton Court". Die
Spontanreaktionen (nicht oder nur bruchstückhaft informierter) britischer
Fachwissenschaftler lauteten: 'lunacy' (Anne Barton,
Cambridge) und "There will be great interest if, on examination,
her evidence is strong" (Sir Frank Kermode, Cambridge).
Daß bei sorgfältiger Recherche jedoch kein Zweifel an den Thesen
des Buches aufkommen will, zeigt der fundierte und mit viel Sprachwitz
verfaßte Beitrag "Lady Di und der Dichter" von Claudia
Gottschling in Focus ('Forschung und
Technik', 6.9.1999), bei dem es sich um eine exklusive
(authorisierte) Vorveröffentlichung handelte. Der Leser erfährt,
daß - obwohl "Wissenschaftler aller Epochen" nach jener
"realen Person" forschten, der "Shakespeares Schmachten
in seinen berühmten Liebessonetten galt" - die Mainzer Forscherin
nun "Williams heimliche Geliebte" wohl definitiv entlarvt habe
und dabei sogar noch auf eine Verbindung gestoßen sei, "wie
sie sich ein Klatschreporter kaum hätte ausdenken können: Shakespeare
[...] der Ururur...großvater von Lady Di." Das geschickte Layout
der Bilder (vgl. S. 176) bringt das Dreigespann Shakespeare-Vernon-Southampton
- sowie Sprößling Penelope - in direkten bildlichen Zusammenhang
mit Lady Diana und ihren Söhnen William und Henry.
"Hammerschmidt-Hummel", so hebt Gottschling positiv hervor,
"ging neue Wege und kombinierte Literaturwissenschaft mit Kunsthistorik".
Sie habe "akribisch" und "mit ausgefeilten Analysemethoden
neue Indizien über Leben, Liebe und Werk des Dichters" recherchiert.
"Kulturwissenschaftler, Linguisten, Botaniker, Mediziner und das
Bundeskriminalamt in Wiesbaden halfen ihr bei der Spurensuche." Die
Auseinandersetzung der Redakteurin mit den Thesen des Buches ist gründlich.
Mit allen Gutachtern der Autorin hatte sie direkten Kontakt, konsultierte
ihrerseits weitere Experten zur kritischen Evaluation und führte
Interviews mit der Autorin. Die gestochen scharfen Farbreproduktionen
(so das Toiletten-Bild der Gräfin von Southampton, auf dem Hammerschmidt-Hummel
- wie Gottschling es ausdrückte - "ein Miniporträt von
Ex-Lover Shakespeare" entdeckte) untermauern die Argumente der Forscherin
überzeugend. Das Sonett auf dem Bild 'The Persian Lady' sei, wie
sich bei einem Sprachvergleich unter Mitwirkung des Linguisten Klaus
Faiß ergeben habe, als genuines Werk Shakespeares anzusehen.
Auch für den Hamburger Shakespeare-Forscher und Schriftsteller Dietrich
Schwanitz stehe fest, das neue Sonett sei "very Shakespearian".
Martina Röschs Hörfunk-Sendung zur Buchvorstellung
war bereits am Nachmittag des 9.9.1999 in HR
4 zu hören. Sachlich und neutral stellt sie den auf linguistischen
Untersuchungen fußenden Nachweis der Autorschaft Shakespeares an
dem bisher anonymen Sonett vor - und die daraus resultierenden Folgerungen
bezüglich der Identität der 'Dark Lady'. Hinsichtlich der Beziehung
Shakespeares zum britischen Thronfolger ließ sie Hildegard Hammerschmidt-Hummel
selber zu Wort kommen. Die Sendung endete mit einem Quiz, bei dem nach
dem Beruf John Shakespeares gefragt wurde und zwei Exemplare des vorgestellten
Buchs gewonnen werden konnten.
Stephan Ueberbachs "Radiotreff", gesendet am 9.9.1999 in SWR 4 gleichfalls nachmittags,
beginnt mit dem Hinweis, "der Stammbaum von Lady Diana" müsse
anscheinend neu geschrieben werden. Dies sei eine Schlußfolgerung
aus den Forschungsergebnissen der Mainzer Professorin Hammerschmidt-Hummel,
die anschließend exakt referiert werden.
Schon die Anmoderation des TV-Beitrags von Helmut Herkenroth für die "Hessenschau" (HR, 9.9.1999) ließ
aufhorchen: "Wenn's stimmt, dann hat die Vermählung von Lady
Diana und Prinz Charles damals dem englischen Königshaus noch mehr
Glanz beschert, als bisher bekannt war [...]". Die Mainzer Shakespeare-Forscherin
Hammerschmidt-Hummel habe in Darmstadt "das große Geheimnis
um des Dichters unbekannte Tochter" verraten und "Oberbürgermeister
Benz ließ es sich zur Ehre gereichen, dem historischen Enthüllungstermin
beizuwohnen". Das auf dem Gemälde 'The Persian Lady' befindliche
Sonett stamme von Shakespeare und "beklage den Verlust einer Geliebten".
Das auffallendste Merkmal der abgebildeten Unbekannten sei, so die Autorin
unter Berufung auf das Fachgutachten des Gynäkologen Peter Berle,
"daß sie acht bis zwölf Wochen vor der Geburt ihres Kindes"
stehe. Penelope, das Kind des Dichters und seiner Geliebten Vernon, habe
später einen Spencer geehelicht. "Da haben wir die Linie, die
sich [...] mit den Windsors verbindet", so Herkenroths Kommentar
zu den eingespielten Fernsehbildern der Hochzeit von Lady Diana Spencer
und Prinz Charles.
"Zwei Liebhaber und eine Frau: Von einem wird sie schwanger und den
zweiten heiratet sie. Bei dem verschmähten leiblichen Vater handelt
es sich um einen der größten Dichter und Dramatiker der Weltliteratur."
So schildert Werner Breunig, der der Pressekonferenz
beiwohnte, in der 'Rhein-Main-Zeitung' der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung vom 10.9.1999 die brisante Situation
des Jahres 1598 und bescheinigt der Autorin "eines der wichtigsten
Rätsel um William Shakespeare" entschlüsselt zu haben.
"Nach ausführlichem Quellenstudium", so der ebenfalls anwesende Jörg Feuck in der Frankfurter Rundschau vom 10.9.1999, stellte die Autorin "mit flammender
Rede" ihr neues Werk und des Rätsels Lösung vor, "wer
die 'Dark Lady' in Shakespeares schmachtenden Sonetten war". Unter
Hinzuziehung linguistischer, botanischer, medizinischer und kriminologischer
Experten habe sie eine angeblich "'in sich geschlossene und widerspruchsfreie'
Kette aus Indizien und Beweisen geflochten" und trumpfe nun "mit
einer Fülle 'verblüffender Übereinstimmungen' und 'erstaunlich
stimmiger Bezüge' auf." Ein neues Sonett Shakespeares auf einem
elisabethanischen Gemälde sei ihr "gewichtigster Schatz"
und gehöre in die 'Dark Lady'-Reihe. Ob der Enthüllung, "Lady
Di sei eine Nachfahrin William Shakespeares", zeige sich die "Welt
der Wissenschaft" entweder "gespalten", "tief beeindruckt"
oder "entsetzt".
Der groß aufgemachte und mit Abbildungen der 'Persian Lady', der
Shakespeare-Totenmaske und Prinzessin Dianas geschmückte Beitrag
"Shakespeares 'Dark Lady' identifiziert?" des gleichfalls anwesenden
Feuilleton-Chefs des Darmstädter Echo, Jürgen Diesner, vom 10.9.1999 ist
betont sachlich. Er geht sowohl auf die entscheidenden Bestandteile der
Beweiskette der Autorin als auch auf die gutachterlichen Stellungnahmen
der Experten ein. Kritisch wird angemerkt, nicht alle Shakespeare-Forscher
teilten die Sicht der Anglistin, Shakespeares Sonette ließen eine
autobiographische Deutung zu. Aber, so Diesner, man kenne ja das Buch
noch nicht.
"Die 'Dark Lady', die den Dichter in den Sonetten zur Verzweiflung
treibt, soll wirklich gelebt haben." Mit diesem Satz beginnt Oliver
Groß, der der Buchvorstellung beiwohnte, seinen ebenso
spannend wie sachkundig geschriebenen Artikel in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung vom 22.9.1999, dem
er die hintergründige Überschrift "Shakespeares verbotene
Früchte" gab. Die Mainzer Shakespeare-Expertin Hammerschmidt-Hummel
habe "Renaissancegemälde und historische Quellen erforscht"
und sei überzeugt, "den Schlüssel zur Biographie Shakespeares
in Händen zu halten". Sie stütze sich auf Fachgutachten
von Wissenschaftlern anderer Disziplinen und auf Untersuchungen zur Identitätsfeststellung
der 'Persian Lady' durch Experten des Bundeskriminalamts. Das von ihr
entdeckte Gesicht auf dem Bildnis der Gräfin von Southampton (den
Ergebnissen der Autorin zufolge identisch mit der bisher unbekannten 'Persian
Lady') sehe kaum aus "wie Ehemann Graf von Southampton, wohl aber
wie William Shakespeare". Auch Penelope, das Kind der 'Dark Lady'
(bzw. 'Persian Lady'), die später in die Spencer-Familie einheiratete,
trage - wie der BKA-Vergleich bestätigte - die Gesichtszüge
William Shakespeares.
Während der Shakespeare-Experte Wilhelm Hortmann dem Rezensenten zu Protokoll gab, er halte das neue Sonett auf dem Gemälde
'The Persian Lady' "für eine echte Trouvaille" (Shakespeares),
erklärte Dieter Mehl, Präsident der Deutschen
Shakespeare-Gesellschaft, Groß in einem Interview, er halte "den
biographischen Ansatz" der Mainzer Shakespeare-Forscherin "für
nicht sehr fruchtbar", freue sich aber, daß das Publikum nun
wieder "stärker auf Shakespeare aufmerksam" werde. Daß
die britische Sunday Times über Hammeschmidt-Hummels Forschungen
groß berichtete, beeindruckte ihn. "In den vergangenen 50 Jahren"
habe diese Zeitung "keinen deutschen Shakespeare-Forscher mehr interviewt".
Dabei übersah Mehl allerdings den ausführlichen Artikel über
die Echtheitsnachweise der Mainzer Shakespeare-Expertin für Shakespeares
Totenmaske und zwei seiner Porträts ("Germans put a face to
Shakespeare"), den Science Correspondent Steve Connor am 15.3.1998
in der Sunday Times mit Auszügen aus seinen Interviews mit
der deutschen Forscherin publizierte.
Am 23.9.1999 präsentierte Nina Ruge im ZDF ("Leute heute") einen in London produzierten
Filmbeitrag über Hammerschmidt-Hummels 'Dark Lady'-Buch. Von der
Mainzer Dozentin "aus dem Dunkel der Geschichte" hervorgeholt,
werde dort die "geheimnisvolle Geliebte des Dichters", die 'Dark
Lady', vorgestellt. Trotz reißerischer Anmoderation zeugen doch
Text und Bildmaterial des Films von sorgfältiger journalistischer
Arbeit. Die Autorin erhielt Gelegenheit, sich zu ihrem zentralen, in seiner
Bedeutung bisher übersehenen Bilddokument zu äußern. Der
Kommentator resümiert: "Alte Gemälde, geheimnisvolle Verse,
Hinweise aus dem Werk des Meisters selbst und die Mitarbeit vieler Fachleute,
sogar des Bundeskriminalamtes, ermöglichten der Professorin, die
Geliebte des Dichters zu identifizieren." Die von Shakespeare schwangere
Geliebte habe jedoch einen anderen geheiratet und "die Frucht seiner
Liebe heiratete später den Grafen Spencer und ist somit Urahne Prinzessin
Dianas".
Der unter dem Motto "Meet Shakespeare's Dark Lady" am 2.10.1999 im Londoner Daily Telegraph publizierte Leserbrief Hildegard Hammerschmidt-Hummels faßt die entscheidenden
Ergebnisse ihres Buches um Shakespeares 'Dark Lady' für
die englischsprachige Leserschaft zusammen.
Informativ hat Maren Brüggemann in ihrem effektvoll
bebilderten Beitrag in der Neuen Revue vom 14.10.1999 darüber berichtet, daß es der Forscherin Hammerschmidt-Hummel
gelungen sei, die Identität der Frau zu bestimmen, die Shakespeare
ausweislich seiner 'Dark Lady'-Sonette - unglücklich liebte. Auch
habe die Wissenschaftlerin bewiesen, daß "der Dichter der Herzen"
mit "Diana, der Königin der Herzen, verwandt" sei.
Inka Bohl, Herausgeberin der Monatsschrift Der
Literat und bei der Darmstädter Buchvorstellung zugegen,
veröffentlichte ihren Bericht über Hammerschmidt-Hummels Enthüllungen
im Oktober 1999 als Titelgeschichte. Die Autorin, so
Bohl, sei "inzwischen bekannt für ihre grenzüberschreitende,
interdisziplinäre Vorgehensweise". Die verblüffenden Übereinstimmungen
der Gesichtsmerkmale des Dichters mit denen Penelopes, der erstgeborenen
Tochter der Gräfin von Southampton, habe sie sich "vom Bundeskriminalamt"
bestätigen lassen. Durch die Aussage des BKA-Experten "Das Ergebnis
der Auswertung fällt eindeutig zu Gunsten von Shakespeare aus"
scheide Southampton als Vater Penelopes "aus dem Rennen" aus.
Bohl schildert abschließend: "Als Hammerschmidt-Hummel [...]
in Darmstadt ihre These erläuterte [...], staunten wir alle nicht
schlecht, wie sie es angestellt hat, 'mit der Verifizierung dieser Thesen
jahrhundertealte literarhistorische und biographische Probleme (zu) lösen
und Wissenslücken (zu) schließen'". Mit diesem Anspruch
werde sie weitermachen.
Esther Knorr-Anders zeigt sich in ihrem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 10.11.1999 literarisch bestens informiert, erklärt aber, sie könne nur
"des Rätsels Lösung" wiedergeben, nicht aber die "verwickelte
Spurensuche" der Mainzer Wissenschaftlerin, die nun nach "mühevoller
Recherchearbeit" das Ergebnis ihrer Forschungen vorgelegt habe. "Der
Verfasser (des Kartuschen-Sonetts)", so Knorr-Anders, "galt
als unbekannt - bis nun Hammerschmidt-Hummel ihn als Shakespeare identifizierte."
Auch die Identität der von Marcus Gheeraerts gemalten unbekannten
'Persian Lady' sei unter Hinzuziehung "authentischen Gemäldes
der Elizabeth Southampton" geklärt. In dieses Bildnis "komponierte
der anonyme Maler das Miniaturbildnis Shakespeares" hinein. Die Vaterschaft
Shakespeares an dem noch ungeborenen Kind der Gräfin werde anhand
eines weiteren Gemäldes verdeutlicht: "Tatsächlich",
so die Rezensentin, "weisen Gesichtskontur, Augenform und -ausdruck
sowie die körperliche Rundlichkeit verblüffende Ähnlichkeit
auf." Des Dichters verschlüsseltes Vaterschaftsbekenntnis finde
sich im dritten Quartett des neuen Sonetts. Wolle man aus der Studie "den
vollen inhaltlichen und argumentativen Genuss" gewinnen, seien allerdings
umfangreiche Englischkenntnisse erforderlich.
In seinem 'Kultur-Tip' für WDR 3 vom 23.11.1999 stellte Hans-Jörg Modlmayr, Spezialist für
englische Kulturgeschichte und Renaissancemalerei, die "international
Aufsehen erregende Publikation" der Mainzer Anglistin vor, die für
das "seit Generationen faszinierende Rätsel" um Shakespeares
'Dark Lady' "eine überzeugende Lösung" biete. Modlmayr
geht auf "die Einbeziehung bisher nicht beachteter zeitgenössischer
Bilddokumente" ein, die "in bewährter Renaissancemanier
mit bedeutungsgeladenen Emblem-Codes gespickt" seien und "geradezu
darauf gewartet haben, aus ihrer Rätselhaftigkeit wissenschaftlich
wachgeküsst zu werden". Durch "die bestechende Logik ihrer
interdisziplinären Analyse" sei es "der nach allen Seiten
hin offenen Forscherin" gelungen, die Fachwelt aufzurütteln.
Die von ihr als 'Dark Lady' identifizierte Elizabeth Vernon, "deren
erstes Kind nach BKA-Bildanalysen [...] von Shakespeare stammt",
werde in Zukunft (höchstwahrscheinlich) "als des Generationen-Rätsels
Lösung" akzeptiert.
In der Radio-Kultursendung "MOSAIK" des WDR vom 23.11.1999 diskutierte Redakteur David Eisermann mit Hans-Jörg Modlmayr über Hammerschmidt-Hummels
'Dark Lady'-Buch. Eisermann hob hervor, das Bild 'The Persian Lady' enthalte
ein ganzes Programm - und ein Sonett, das "wir bisher nicht gekannt
haben". Er trug dieses neue Sonett persönlich im Original vor.
Modlmayr äußerte sich ausgesprochen positiv über den neuen
interdisziplinären Forschungsansatz der Autorin, über ihr Studium
der Zeitgeschichte und vor allem ihre Nutzung bildlicher Quellen. Auf
die Präzision der Renaissancemaler, die für Porträts nicht
selten "Sitzungen von bis zu 22 Stunden" anberaumt hätten,
sei Verlaß. Die von Hammerschmidt-Hummel befragten "Bildzeugnisse"
seien daher in der Tat "historische Dokumente" und "von
der Literaturwissenschaft einfach aus Unkenntnis nicht beachtet"
worden. Im übrigen kämen in dem neuen Sonett auf Gheeraerts'
Gemälde Wörter vor, die außer Shakespeare eigentlich niemand
verwendet habe und die somit die Rolle von Schlüsselwörtern
hätten. Gedicht und Bild seien - "für die Renaissancemalerei
typisch" - verschlüsselt und aufeinander abgestimmt. Man habe
Bilder damals nicht "angeschaut", sondern "gelesen"
und "dekodiert". Doch nur Eingeweihte hätten sie "entschlüsseln"
können. Dichter und Porträtmaler müßten sich "genauestens
gekannt haben". Wie Eisermann ist auch Modlmayr von der Richtigkeit
der Beweisführung der Autorin überzeugt: "Die Argumentation
ist einfach verblüffend konkludent." Eisermann erkennt und thematisiert
das Problem, daß in der heutigen Literaturwissenschaft und -kritik
"Fakten, Falsifizierbarkeit und die Verbindlichkeit von Wirklichkeit"
im allgemeinen "gern ganz tief gehängt" werden. Daher seine
Frage: "Wie geht die Forscherin Hammerschmidt-Hummel mit ihren Kritikern
um?" Modlmayr, der - wie er in der Sendung sagte - mit der Shakespeare-Expertin
ein mehrstündiges Gespräch führte, erklärt, die Autorin
sei "sehr souverän", stehe auf dem Standpunkt, sie habe
mit Expertenhilfe "alles genau erforscht", und warte nun auf
Gegenargumente.
Anna Marohn beklagt in ihrem in der Rubrik 'Forschung
made in Mainz' der Mainzer Rhein-Zeitung vom 24.11.1999 erschienenen Beitrag die einseitige Rezeption des Buchs. Im Licht der
zahlreichen anderen Ergebnisse der Autorin, die sie dem Leser sachkundig
vermittelt, trete "die prominente Verwandtschaft" (Shakespeares
mit Lady Dianas) in den Hintergrund.
Nach gründlichen und sorgfältigen Recherchen präsentierte
die promovierte Anglistin Ursula Sautter die deutsche
Entdeckung in Time Magazine vom 6.12.1999 - sprachlich bisweilen locker, in der Sache jedoch kompetent und zuverlässig.
Die 'Dark Lady' der Sonette sei nach Renaissancemaßstäben nicht
gerade "much of a looker", doch stellten Gelehrte und "Shakespeare
aficionados" seit Jahrhunderten die Frage nach ihrer Identität
oder gar Existenz. Mit Expertenhilfe aus unterschiedlichsten Disziplinen
glaube nun eine deutsche Professorin, das Rätsel gelöst zu haben,
und behaupte, Shakespeares 'Dark 'Lady' sei Elizabeth Vernon und eine
Vorfahrin Prinzessin Dianas. "The main evidence for Hammerschmidt's
bold claims is two contemporary portraits. One, 'Portrait of a Woman'
['The Persian Lady'] [...] shows a festively dressed, pregnant woman with
dark hair and eyes." Auf diesem Gemälde befinde sich ein Sonett,
"which [...] fits in to cycle of poems about the Dark Lady".
Auf einem Porträt der Gräfin von Southampton habe Hammerschmidt-Hummel
Ähnlichkeiten mit der 'Persian Lady' erkannt, die BKA-Experte Altmann
bestätigte : "the similarities between the two women are too
great to be coincidental". Auf diesem Bild deute die Gräfin
auf das Gesicht eines Mannes an ihrem rechten Ärmel, das eine erstaunliche
Ähnlichkeit ("an amazing likeness") mit Shakespeare offenbare.
"Striking resemblance" habe Hammerschmidt-Hummel auch zwischen
Penelope, der erstgeborenen Tochter der Gräfin, und Shakespeare ausgemacht
und dies gleichfalls durch den BKA-Experten überprüfen lassen,
der zu dem Ergebnis gelangte: "the result of the analysis is clearly
in favor of Shakespeare".
Die Gegenargumente der von Sautter interviewten Shakespeare-Forscher haben
angesichts solcher Indizien, die sich zudem gegenseitig bestätigen,
kein Gewicht. Katherine Duncan-Jones (Oxford) wandte ein: "The sonett
is too consciously pretty, too conventional in style and too courtly and
elegant to be Shakespearean." Und Dr. Russell Jackson vom Stratforder
Shakespeare Institute versuchte gar, die Ähnlichkeit zwischen dem
Gesicht am Ärmel und dem Gesicht Shakespeares wegzudiskutieren: "the
resemblance between the face peeping out from Vernon's sleeve and the
Bard is so vague as to be almost nonexistent". Damit setzte er sich
über das positive Ergebnis des BKA-Sachverständigen hinweg,
der seit Jahrzehnten - und insbesondere in schwierigen Fällen - die
erprobten BKA-Testverfahren zur Identitätsfeststellung bildlich erfaßter
Personen erfolgreich anwendet. Am Schluß ihres Artikels führt
Sautter die Diskussion mit Shakespeareschem Humor auf die Ebene zurück,
die den wissenschaftlichen Gepflogenheiten entspricht: "Until conclusive
counter-evidence has been produced, readers might do as Prospero suggests:
"'Do not infest your mind with beating on/ The strangeness of this
business/ [...] be cheerful/ And think of each thing well.'"
In seinem Beitrag in der Allgemeinen Zeitung (Mainz) vom 5.1.2000 teilt Lars Hennemann mit, erneut habe die Shakespeare-Forscherin Hammerschmidt-Hummel "die
Grenzen ihrer eigenen Disziplin" überschritten und die von Gheerarts
gemalte unbekannte 'Persian Lady' unter Hinzuziehung von Experten und
"über eine Kette von Schlussfolgerungen als Elizabeth Vernon"
identifiziert. Ihre These, Shakespeare sei der Vater von Vernons Kind,
werde durch "historische Betrachtungen" und mittels eines Gemäldes
untermauert, das "diesen Skandal ersten Ranges" verschlüsselt
wiedergebe.
In ihrer am 12.1.2000 ins Internet gestellten Rezension nutzen Studierende der Universität
Göttingen das neue Medium, um ihre begeisterte Resonanz auf die Lüftung
des Geheimnisses um Shakespeares 'Dark Lady' sowie die Identifizierung
Shakespeares als Autor eines neuen Sonetts durch die Mainzer Shakespeare-Forscherin
zu dokumentieren. Mit diesem Buch eröffne sich dem Leser "ein
faszinierender Einblick in die Elizabethanische Welt!"
In seiner fachwissenschaftlichen Stellungnahme vom 31.1.2000 würdigte der emeritierte Anglist und Shakespeare-Forscher Kurt
Otten zunächst die bisherigen Arbeiten Hammerschmidt-Hummels
"zur Biographie Shakespeares": Sie seien "nahezu das einzige
Gebiet der deutschen literaturwissenschaftlichen Anglistik, das in weiten
Teilen des Auslands auf ungewöhnliches Interesse stößt".
In ihrer 'Dark Lady'-Monographie baue sie "in eingehenden Recherchen
wohldokumentierte Indizienketten auf für Shakespeares Lebenslauf
im Blick auf verifizierbare Einzelheiten in seinen literarischen Schriften".
Sie versuche, ihre Indizien mit den strengen naturwissenschaftlichen Methoden
der Kriminalistik zu bewerten, wobei sie sich "der modernen hochspezialisierten
Hilfen des Bundeskriminalamtes, aber auch anderer Wissenschaften, z.B.
der Gynäkologie, der Dermatologie, der Botanik, der Photogrammetrie,
der Textilgeschichte, der Kunstgeschichte" bediene. "Ihre Indizienketten",
so der Emeritus, "sind klug und exakt beschrieben, die Trefferquoten
und die Wahrscheinlichkeit der Zusammenhänge oft frappant, und in
dieser Kombination der Methoden erreicht sie einen hohen Grad an faktischer
Überzeugung." Den Argumenten Raimund Borgmeiers in der Neuen Zürcher Zeitung vom 22.1.2000 kann Otten nicht
folgen. Borgmeier bewerte "eher sein eigenes literarisches Wissen
als die exakten Indizienketten und die Methodik der Verfasserin".
Sein zusammenfassendes Urteil über das vorerst jüngste Buch
der Shakespeare-Forscherin Hammerschmidt-Hummel lautet: "Ein wichtiger
Bereich unserer Wissenschaft wird hier methodisch auf eine neue Faktengrundlage
gestellt, und zweifellos hat H.H-H. auch in der Nachprüfbarkeit und
Erweiterung unseres Wissens neue und hohe Ansprüche gestellt. Sie
schränkt die Souveränität des subjektiven Urteils ein,
und das ist ein wichtiger und notwendiger Schritt."
Unter der Überschrift "Spannend, fundiert, wegweisend, informativ"
veröffentlichte der anglistische Sprachwissenschaftler Klaus
Faiß am 25.2.2000 seine fachwissenschaftliche
Besprechung der 'Dark Lady'-Monographie der Mainzer Shakespeare-Expertin
im Internet. Dieses Buch werde "der Shakespeare-Forschung
mit Sicherheit einen deutlichen Erkenntnisfortschritt" bringen. Er
bescheinigt der "transdisziplinär" angelegten Untersuchung
Hammerschmidt-Hummels, sie besteche "durch dichte Argumentation"
und überzeuge "durch bis ins Detail ausgefeilte Analysemethoden".
Die Forschungsergebnisse der Autorin, so der Linguist, würden durch
medizinische, botanische und kriminologische Fachgutachten erhärtet.
Nun sei eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der "fundierten
Studie" durch die "Shakespeare Community" vonnöten,
und zwar "unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Deutung von Bildern".
In Raimund Borgmeiers Besprechung (NZZ, 22.1.2000) sei
dies allerdings zu vermissen. Auf weitere Reaktionen (nicht nur der Shakespeare-Forschung,
sondern auch anderer Disziplinen) dürfe man gespannt sein.
Die im Shakespeare-Jahrbuch (2000) erschienene
Rezension des Shakespeare-Forschers Wilhelm Hortmann bildet den Auftakt der wissenschaftlichen Diskussion in den Fachorganen.
Hammerschmidt-Hummels Ergebnisse hält er für schlüssig
und überzeugend. Intelligent und stilistisch elegant führt Hortmann
seinen Lesern die Aufgabe vor Augen, an die sich die Verfasserin heranwagte:
"first, to integrate into the Shakespearean corpus a known but anonymous
sonnet; furthermore to locate and identify a definite historical personage
as the object of a famous painting and this person as, in fact, the mysterious
Dark Lady herself [...]; and finally, to integrate her findings into the
corpus of Shakespearean biographical scholarship on the subject, by bringing
forward and explicating a set of hitherto misinterpreted, disregarded,
overlooked or not connected items - literary, factual, documentary and
pictorial - as pieces of evidence in a gradually unfolding argument that
gains in conclusiveness from one step to the next" (S. 298).
Wenn Shakespeare als der wahrscheinlichste Autor des neuen Sonetts akzeptiert
werde, worauf die zahlreichen linguistischen Ähnlichkeiten zwischen
diesem Text und den 'Dark Lady'-Sonetten hindeuteten, müsse man sich
fragen, wie das Sonett auf das Gemälde 'The Persian Lady' gelangte,
wer diese Dame sei und welche Beziehungen zwischen ihr und ihm (Shakespeare)
bestanden hätten (vgl. S. 299). Gerade auf diesem Gebiet, so Hortmann,
habe Hammerschmidt-Hummel ihre fundierten (kunst-)historischen Kenntnisse
und langjährigen Erfahrungen voll entfaltet, und urteilt: "the
case is as clear as - under the circumstances, i.e. of a chain of argument
depending on the interlocking circumstantial evidence - it can be [...]"
(S. 299). Die unbekannte 'Persian Lady' [= 'Dark Lady'] sei identisch
mit Elizabeth Vernon, die hoch schwanger den Grafen von Southampton, Shakespeares
Patron, geheiratet habe (vgl. S. 299). Doch die 'Dark Lady', so Hortmann,
"played her highborn fiancé false" und "the man
in question", William Shakespeare, dem das Kind Penelope so sehr
ähnele, habe vermutlich auch noch während Vernons Ehe ein Verhältnis
mit ihr gehabt (vgl. S. 300). "How else should one interpret that
face on the sleeve in the painting of 'Elizabeth Vernon, Countess of Southampton',
[...] a minute detail overlooked by Sir Roy [Strong] but perfectly visible
to the naked eye once it has been pointed out [...]: the right half of
Shakespeare's face, in strong likeness to the Chandos and Flower portraits"
(S. 300).
Stil und Methode der Autorin werden mit einem nicht selbstverständlichen
Kompliment bedacht. Das Buch - und insbesondere das Kapitel über
van Dycks Porträt der Lady Penelope Spencer -, so der Rezenzent,
"makes fascinating reading. The reader is by now hot on the trail.
He has long thrown caution to the wind and presses for a summary solution.
Not so the author. She takes her time and all it takes to build up proof
beyond reasonable doubt [...] Hildegard Hammerschmidt-Hummel is nothing
if not thorough. Her painstaking progress pays dividends. Her circumspect
marshalling of the great mass of circumstantial evidence forms the solid
basis for the far-reaching conclusions (pp. 96-123). (S. 300)" Natürlich
sieht auch der Rezensent die Gefahr der Verdunkelung der eigentlichen
Ergebnisse der Forscherin durch den Medienrummel um ein Nebenergebnis
des Buches: "Penelope's husband, Lord William Spencer, [...] fathered
a line which [...] runs vigorously through the ages and shows up in the
most prominent places" (S. 300). Mit dem Gewicht seiner Stimme als
einer der 'Senior German Shakespeare scholars' stellt Hortmann daher bereits
vorsorglich klar: "It is with the foregoing proofs rather than the
[stunning genealogical] conclusions, that future criticism will have to
concern itself" (S. 298).”
[...]
[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers
der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für
Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.:
0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]
***
Auszug aus der Rezension des Shakespeare-Forschers
Prof. em. Dr. Wilhelm Hortmann, Duisburg: “Look here upon this picture
and on this” - Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Das Geheimnis um
Shakespeares ‘Dark Lady’. Dokumentation einer Enthüllung”,
in: Shakespeare-Jahrbuch 136 (2000), S. 298-301.
“Anyone engaging upon Shakespearean biography knows
about the traps and dangers awaiting the intrepid quester. Hildegard Hammerschmidt-Hummel
is no novice in the field. The wider German and international public learnt
of her studies only recently, when, in 1996, she presented the case for
the authenticity of Shakespeare’s death mask, a treasured possession
of the Hessische Landes- und Hochschulbibliothek in the city of Darmstadt.
To the scholarly community she has been known for much longer. Her study Die Importgüter der Handelsstadt London als Sprach- und Bildbereich
des elisabethanischen Dramas (Heidelberg, 1979) made fascinating
reading [...]. And in the matter of Shakespeare illustrations and representations
of the Bard and his work in the fine arts attention has been focussed
for years on a nationally sponsored research project [...].
In the present volume Hildegard Hammerschmidt-Hummel has undertaken a
similarly daunting task: first, to integrate into the Shakespearean corpus
a known but anonymous sonnet; furthermore to locate and identify a definite
historical personage as the object of a famous painting and this person
as, in fact, the mysterious Dark Lady herself [...]; and finally, to integrate
her findings into the corpus of Shakespearean biographical scholarship
on the subject, by bringing forward and explicating a set of hitherto
misinterpreted, disregarded, overlooked or not connected items - literary,
factual, documentary and pictorial - as pieces of evidence in a gradually
unfolding argument that gains in conclusiveness from one step to the next.
The stunning genealogical conclusions at the end of the book are certainly
the most spectacular but were probably the least laboursome (though hardly
unwelcome results) of the author’s quest. It is with the foregoing
proofs rather than the conclusions, that future criticism will have to
concern itself. [...]
The factual basis upon which Professor Hammerschmidt-Hummel’s argument
rests above all are two paintings. The first one is known as ‘The
Persian Lady’ [...]. It shows an elegant lady, her right hand resting
lightly on the head of a weeping stag, by her left foot [...] the following
sonnet:
The restles swallow fits my restles minde,
In still revivinge still renewinge wronges;
her Just complaintes of cruelty vnkinde,
are all the Musique, that my life prolonges.
With pensive thoughtes my weepinge Stagg I crowne
whose Melancholy teares my cares Expresse;
hes Teares in sylence, and my sighes vnknowne
are all the physicke that my harmes redresse.
My onely hope was in this goodly tree,
which I did plant in love bringe vp in care;
but all in vaine, for now to[o] late I see
the shales be mine, the kernels others are.
My Musique may be plaintes, my physique teares
If this be all the fruite my love tree beares.
Now, if this fine sonnet is admitted to bear a remarkable likeness
to the wording and tone of several in the Dark Lady sequence (and the
study uncovers many lexical, semantic and syntactical similarities, as
well as correspondences of a thematic kind relating to the unhappy progress
of the three-cornered relationship) [...], it becomes of course imperative
to find out how Shakespeare (’s sonnet) got into the painting, who
the ‘Persian Lady’ is and what connections there were between
the two.
And it is in this field of enquiry that the author unfolds her specific
knowledge of the history of painting and all the critical and combinative
acumen of her long years of experience. At the end of this chapter the
case is as clear as - under the circumstances, i.e. of a chain of argument
depending on interlocking circumstantial evidence - it can be, with room,
perhaps, for disbelief but not very much for doubt: The lady in the painting
is established to be identical with Elizabeth Vernon, lady-in-waiting
to Queen Elizabeth, who married Henry Wriothesley, Shakespeare’s
patron and third Earl of Southampton at the end of August 1598. [...]
on 8 November, their daughter Penelope was born.
Theirs? That is the question. [...]
Mater certa, pater semper incertus. [...] The Dark Lady, so we
are forced to assume, played her highborn fiancé false, and the
man in question, William Shakespeare, was not only jealously iin love
with her but the relationship [...] dragged on into Elizabeth’s
married life. How else should one interpret that face on the sleeve in
the painting of ‘Elizabeth Vernon, Countess of Southampton, by an
unknown artist, c. 1600’? Sir Roy Strong has scrutinised this fine
painting of the lady at her toilet with his great expertise, and his dating
and detailed interpretation (p. 64) helped the author to tighten her argument
which - to the lay observer - is incontrovertibly clinched by a minute
detail overlooked by Sir Roy but perfectly visible to the naked eye once
it has been pointed out amongst the folds of the puffed material of the
lady’s right sleeve: the right half of Shakespeare’s face,
in strong likeness to the Chandos and Flower portraits (p. 70). [...]
[...] why that face on the dress of a woman already two, if not more years
married? And above all, why does the daughter Penelope (in the painting
‘Lady Penelope Spencer, née Wriothesley’ by Anthonis
van Dyck, court painter to Charles I) look so uncannily unlike her reputed
father Southampton and so uncannily like her putative father William Shakespeare?
This chapter (pp. 90-95), as in fact all the others, makes fascinating
reading. The reader is by now hot on the trail. He has long thrown caution
to the wind and presses for a summary solution. Not so the auther. She
takes her time and all it takes to build upon proof beyond reasonable
doubt, even if this means setting criminological experts from the Bundeskriminalamt
to work comparing facial particulars of the several paintings in the best
manner of identity-kit wizards in police movies. Hildegard Hammerschmidt-Hummel
is nothing if not thorough. But her painstaking progress pays dividends.
Her circumspect marshalling of the great mass of circumstantial evidence
forms the solid basis for the far-reaching conclusions (pp. 96-123). These
relate to the paintings themselves as well as to Shakespeare’s works.
[...] Shakespeare scholars, especially those with a penchant for the biographical,
will now have a new incentive to re-study the many love-and-jealousy passages
in Shakespeare’s works [in] the light of the author’s findings
[...]. And finally, genealogists, and the reading public in general, will
be fascinated to learn that Penelope’s husband, Lord William Spencer,
[...] fathered a line which [...] runs vigorously through the ages and
shows up in the most prominent places.
[...] obviously there ought to be an English translation of the book soon
since it is a matter that concerns the Anglo-Saxon community generally
and in more respects than one.”
***
Auszug aus der Rezension der Journalistin
und Anglistin Ursula Sautter, “Darkness Visible. A new book purports
to reveal the long-hidden identity of the Dark Lady of Shakespeare’s
sonnets”, Time Magazine ( 6. Dezember 1999):
“By Renaissance standards, the ‘Dark Lady’
of Shakespeare's sonnets was not much of a looker. With hair like ‘black
wires,’ ‘dun’ (meaning dark) breasts and eyes that are
‘nothing like the sun,’ she contradicted the contemporary
ideal of beauty. Yet for the persona in the poems, the woman who jilts
him for his friend is ‘the fairest and most precious jewel.’
For centuries, scholars and Shakespeare aficionados have wondered whether
there ever was a Dark Lady and, if so, who she might have been. After
recruiting the help of art historians, linguists and even criminologists,
a German professor of English literature now believes she has solved the
riddle: Shakespeare's Dark Lady was a 16th century ancestor of the late
Princess Diana.
The professor, Hildegard Hammerschmidt-Hummel from Mainz
University, contends that the dark muse who inspired the poet to such
passionate verse was Elizabeth Vernon, a high-born lady-in-waiting to
Elizabeth I. In a new book, The Secret of Shakespeare's Dark Lady (Primus;
180 pages), Hammerschmidt says Vernon was Shakespeare's mistress before
she wed his patron, Henry Wriothesley--often identified as the rival lover
in the sonnets--in August 1598. The German professor believes Vernon bore
the Bard a daughter in November of the same year and that this child,
Penelope, married the 2nd Baron of Spencer in 1615, linking the poet’s
bloodline with that of the Princess of Wales.
The main evidence for Hammerschmidt's bold claims is
two contemporary portraits. One, Portrait of a Woman, now displayed in
Hampton Court Palace, shows a festively dressed, pregnant woman with dark
hair and eyes. The painting also includes a sonnet which thematically,
semantically and stylistically fits into the cycle of poems about the
Dark Lady. ‘[The poem] laments the betrayal which cheated him out
of the fruits of his love,’ says Hammerschmidt. Another, later portrait,
held at Boughton House in Northamptonshire, depicts Elizabeth Wriothesley,
née Vernon, at her toilet. The countess appears so similar to the
Portrait of a Woman that Reinhardt Altmann, a forensic expert for the
federal criminal police office (BKA), declared that the similarities between
the two women are too great to be coincidental. In addition, the countess
points toward the face of a man that is stitched on her right sleeve.
‘The shape of the head and the features,’ Hammerschmidt says,
‘bear an amazing
likeness to Shakespeare.’
The German scholar also maintains that there is a striking
resemblance between Penelope Spencer and her alleged natural father, Shakespeare,
but none with Elizabeth's husband, Wriothesley. The BKA's Altmann compared
a portrait of Penelope by Van Dyck with the two known likenesses of the
Bard, and concluded ‘that the result of the analysis is clearly
in favor
of Shakespeare.’”
***
Auszug aus der Rezension der Journalistin
Anna Marohn, “Warum der britische Prinz die Gene Shakespeares trägt.
Resultat einer Dreiecksbeziehung des ausgehenden 16. Jahrhunderts”, Mainzer Rhein-Zeitung (24. November 1999) [Forschung Made in
Mainz]:
“Für Hildegard Hammerschmidt-Hummel war es
lediglich ein Nebenergebnis ihrer Forschungsarbeit. Für den Rest
der Welt war es eine Sensation. Die Mainzer Professorin will herausgefunden
haben, dass der britische Prinz William vom großen Dichter William
Shakespeare abstammt. Bereits 1995 hatte sie mit ihrem Beweis für
die Echtheit der Totenmaske Shakespeares und zweier Shakespeare-Porträts
Aufsehen in der Fachwelt erregt.
Die britische ‘Sunday Times’ bekam bereits Ende August Wind
von der neuen Geschichte - bevor Hammerschmidt-Hummel ihre Ergebnisse
vorgestellt hatte - und machte flugs eine Titelstory aus dem Stoff. Der
Forscherin kam das gar nicht zupass: ‘Das war keine autorisierte
Version, gegenüber dem Königshaus und der Familie Spencer eine
peinliche Angelegenheit.’
Weiß man um die zahlreichen anderen Ergebnisse, rückt die prominente
Verwandtschaft, die dadurch ans Tageslicht kam, in den Hintergrund. Begonnen
hat die Aufdeckungsserie mit dem Gemälde, das als ‘The Persian
Lady’ bekannt ist. Abgebildet ist eine schwangere Frau höheren
Rangs in festlichem Gewand. Schwanger mit dem Kind des englsichen Dichters,
sagt Hammerschmidt-Hummel. Sie identifizierte die Unbekannte als ‘Dark
Lady’, die zentrale Figur der berühmten Shakespeare-Sonette,
und zugleich als Elizabeth Vernon, spätere Gräfin von Southampton.
Die Anglistin fasst ihre Behauptungen in sechs Thesen zusammen - dargelegt
in ihrem Buch ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’.
These eins stützt sich auf die Subscriptio, ein Sonett, in der rechten
unteren Ecke des Bildes. Von Inhalt und Wortwahl her sprechen viele Indizien
für Shakespeare. Der Dichter des Sonetts klagt: ‘Doch alles
war vergeblich, denn jetzt zu spät, ich seh’: Die Früchte
ernten and’re, die Schalen nur sind mein.’
‘Shakespeare sieht sich als Verlierer in der Dreiecksbeziehung mit
Vernon und dem Grafen von Southampton’, erläutert Hammerschmidt-Hummel.
‘Er beklagt den Verlust seines Kindes, die Frucht der Liebe.’
Denn Vernon entschied sich für eine halbwegs sichere Verbindung und
heiratete Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton. Zwischen
den historisch-biographischen Fakten und ihren Ergebnissen hat Hammerschmidt-Hummel
Übereinstimmung festgestellt. Marcus Gheeraerts malte das Bild der
Hochschwangeren zwischen 1590 und 1600 - Elizabeth Vernon war 1598 schwanger
und heiratete Wriothesley heimlich noch vor der Niederkunft.
Elizabeth I. hatte ihre Hofdame wegen der unehelichen Schwangerschaft
vom Hof gejagt. Da sie auch ohne Erlaubnis geheiratet hatte, schickte
die Königin Vernon ins Gefängnis. Dort wurde vermutlich das
Bild angefertigt; Dort gebar sie auch im November ihre Tochter Penelope.
Dank ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zum einflussreichen Grafen
Essex erlangte sie Ende November wieder die Freiheit.
Für einen Vaterschaftsnachweis im Fall Penelopes ist es nun zu spät.
Aber Hammerschmidt-Hummel bediente sich modernster Kriminaltechnologie.
Ergebnis: ‘Das Bundeskriminalamt stellte beim Vergleich der Gesichtszüge
Penelopes mit denen Shakespeares zahlreiche Übereinstimmungen fest.’
Auf Wriothesley traf das nicht zu. 1615 heiratete Penelope Lord William
Spencer. Der ist wiederum ein Urahn von Lady Di und ihren Söhnen
William und Harry.
Nicht nur die Medien profitieren von Hammerschmidt-Hummels Forschungen.
Auch bei den Mainzer Studenten kommt die Historie gut an: ‘Ich habe
immer ein volles Haus.’ Liebe ist eben ein zeitloses Thema.”
[Unterschrift unter der Abbildung des Gemälde ‘The
Persian Lady’] : “Für ihre Forschungen bemüht
Hammerschmidt-Hummel Spezialisten aus allen Bereichen. Der Mainzer Botaniker
Ulrich Hecker fand heraus, dass der Baum, vor dem die schwangere ‘Persian
Lady’ steht, Oliven trägt, sein, sein Laub jedoch dem des Lorbeerbaums
ähnelt. Die Lösung der Symbolik: Der Baum und die Frau tragen
die falsche Frucht.”
***
Auszug aus dem Gespräch über
das Buch Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’ zwischen dem WDR-Redakteur David Eisermann und dem Journalisten und Literaturwissenschaftler
Hans-Jörg Modlmayr, in: “Mosaik”, Westdeutscher Rundfunk
[WDR] (23. November 1999):
Eisermann: Im Studio ist jetzt Hans-Jörg
Modlmayr. Herr Modlmayr die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft ist ein
wissenschaftlicher Traditionsverein mit langer Geschichte. Gerade hat
hier in Bochum ihr letztes Treffen stattgefunden. Dort ist den Forschern
eine wissenschaftliche Entdeckung präsentiert worden?
Modlmayr: [...] Das war die kleine, die Millenium-Shakespeare-Tagung.
Und die Frau Hammerschmidt-Hummel [Professorin für Anglistik in Mainz]
ist auch dagewesen. Und viele Leute habe sich sehr intensiv mit ihr beschäftigt.
[...]
Eisermann: Und sie haben mit ihr gesprochen.
Modlmayr: Ja, ich habe ein langes Gespräch
mit ihr geführt. Ich habe zuerst ihr Buch gelesen, und sehr genau
gelesen, und auch die englische Kritik und die deutsche Kritik, die bis
jetzt erschienen ist. Sie arbeitet sehr präzise, und zwar interdisziplinär.
Eisermann: Was hat sie entdeckt?
Modlmayr: Sie hat entdeckt ein Bild mit einem
Sonett in der Royal Collection in Hampton Court - [mit]ein[em] Sonett,
das nach Shakespeare klingt, und nach niemand anderem [...]. Bild und
Text (das Sonett) stehen in einem merkwürdig engen, verrätselten
Zusammenhang. Und dann hat sie noch ein zweites Bild gefunden, setzt das
zusammen und arbeitet mit dem BKA engsten zusammen, weil sie ja keine
Spezialistin ist für Gesichtsvergleiche usw. und sie arbeiten eben
interdisziplinär.
Eisermann: Das Gedicht haben Sie mitgebracht.
[...]
‘The restless swallow fits my restless minde /
...’
[Vortrag des gesamten neuen Sonetts in englischer Sprache]
Das hat diesen Shakespeare-Swing. Aber erklären
Sie mal, worum geht’s eigentlich in diesem Gedicht?
Modlmayr: In dem Gedicht geht es darum, daß
der Sprecher enttäuscht ist, daß seine Liebe, d.h. die Frucht
seiner Liebe, das Kind, das da im Entstehen ist, von jemand anderem -
praktisch ‘geerntet’ wird.
Eisermann: Der Liebhaber spricht über eine
Frau,
Modlmayr: mit der er sehr eng zusammen war [...],
die auf dem Bild in Hampton Court zu sehen ist und die hoch schwanger
dargestellt ist. Und jetzt fängt [...] Frau Hammerschmidt-Hummel
an, die Zeitgeschichte zu studieren - und, was in Anglistenkreisen bis
jetzt einfach nicht der Fall war, [...] die Bilddokumente [...] genauestens
unter die Lupe [zu nehmen].
[...] Man muß bedenken, daß ein Porträt dieser Zeit Sitzungen
bis zu 22 Stunden voraussetzt, d.h., wenn ein Maler 22 Stunden irgendeinem
Bösewicht oder einem Nicht-Bösewicht ins Gesicht schaut, bleibt
ihm nichts verborgen. [...] Diese Bildzeugnisse sind historische Dokumente,
die bis jetzt von der Literaturwissenschaft einfach aus Unkenntnis nicht
beachtet wurden.
Eisermann: Jetzt noch einmal zum Mitschreiben,
Herr Modlmayr. Shakespeare hat ja nicht nur unsterbliche Dramen, sondern
auch unsterbliche Gedichte geschrieben. Und in einer ganzen Reihe dieser
Sonette hat er eine Frau angesprochen. Wer war das? Und was hat sie mit
Shakespeare gemacht?
Modlmayr: Also es geht um zwei Personen. Es geht
um die Beziehung zu einem jungen Mann. Das ist jetzt ziemlich klar. Das
war der [...] [Graf] von Southampton. Und wenn man ein Bild von ihm sieht,
[...] kann man verstehen, warum Shakespeare in den verliebt war. Auf jeden
Fall war es zumindest eine geistige homoerotische Beziehung. - Ein wunderbares
Gesicht, ein poetischer Jüngling, viel jünger als Shakespeare
- der auch sein Förderer war und später diese ‘Dark Lady’
- so die Argumentation - geheiratet hat. Er [...] hat sie heimlich geheiratet,
als sie hochschwanger war. Dann wurde sie ins Gefängnis gesteckt.
Elisabeth [I.] mochte nicht gerne, wenn andere Leute ohne ihre Genehmigung
heirateten. [...] Dann wurde er ins Gefängnis gesteckt. Und dann
war er in dem Komplott gegen Elisabeth und war zum Tode verurteilt, dann
begnadigt und saß dann nur im Tower. Und erst mit dem Tod der Elisabeth
ist er aus dem Tower rausgekommen. In dieser Zwischenzeit - von 1598 an-
spielt sich dieses Drama sozusagen in der heißen Phase ab. Sie bekommt
ein Kind. Und jetzt kommt [...] ein Gesichtsvergleich. Es gibt ja Porträts.
Es gibt diese Bildzeugnisse. Und der [angebliche] Vater dieses Kindes
hat mit dem Kind absolut keine Gesichtsähnlichkeit. [...] Da kann
man natürlich sagen, das gibt’s manchmal. Es ist auf jeden
Fall eine Argumentationskette - oder mehrere Ketten. Sie checked das von
verschiedenen Seiten durch. Und es ist [...] ganz erstaunlich, auch der
Sprachvergleich in diesem Sonett, das Sie gerade vorgelesen haben - eine
deutsche Premiere war das - kommen Wörter vor, die sonst eigentlich
niemand verwendet, Schlüsselwörter. Der andere kriegt den Kern
und er [der Dichter] kriegt nur die Schale.
Eisermann: Mit anderen Worten: Die Sache ist so
ausgegangen, daß sie Shakespeare als Liebhaber ablegt ...
Modlmayr: Ja
Eisermann: Und mit Shakespeare Freund verheiratet
ist.
Modlmayer: Natürlich jetzt standesgemäß,
das geht ja auch in die Sonette rein. Er [Shakespeare] ist eben als Autor,
als Dichter, natürlich ein Mensch dritter Klasse, obwohl er den Leuten
[...] haushoch überlegen war. Sie heiratet [...] den Mann von Stand,
den Förderer von Shakespeare. Das ist eine sehr intensive Geschichte.
Und wenn man die Sonette öfters liest, merkt man: Das sind keine
konventionellen, petrarkistischen oder anti-petrarkistischen Fingerübungen
...
Eisermann: Die Sonette sind berühmt ...
Modlmayr: Die sind einfach aus Herzblut heraus
[geschrieben]. Das sind existentiell ergreifende Gedichte und
das [neue Sonett] paßt hier genau rein. Wer soll es denn geschrieben
haben? Das kann nicht irgendein Schreiberling, der [...] schnell etwas
in ein Bild reinkritzelt. Das Bild ist so verschlüsselt genau und
das Gedicht auch und die sind aufeinander abgestimmt, d.h. der Autor [Shakespeare]
und der Maler, Gheeraerts, der der größte Porträtmaler
der Zeit war, [...] müssen [...] sich genauestens gekannt haben.
Das kann nicht einfach so schnell als Dekorations-Nebeneffekt zustandegekommen
sein. Die Argumentation ist einfach verblüffend konkludent.
Eisermann: Das Gemälde enthält
ein ganzes Programm.
Modlmayr: Ein ganzes Programm, was ja
für die Renaissance-Malerei typisch ist [...] und nur die Eingeweihten
können es, wenigstens zum Teil, entschüsseln. Das war ja auch
ein Spiel. Man hat Bilder nicht angeschaut, man hat sie ‘gelesen’,
dekodiert. [Fettdruck von der Verfasserin]
Eisermann: Aber ich muß sie das trotzdem
fragen: Ist es nicht merkwürdig, daß Shakespeare hier unbedingt
mit dem Hoch- und Schweradel in Verbindung gebracht wird. In der
‘Sunday Times’ wird er [Shakespeare] ja schon als Urahn des
Thronfolgers Prince William gehandelt.
Modlmayr: Das wäre die Konsequenz,
wobei das ja jetzt unerheblich ist. Das Entscheidende ist, daß hier
ein Gedicht gefunden wurde und daß Bilder benutzt werden zur Erklärung
von intimsten Beziehungen. Wer Shakespeares Werk liest, weiß: Der
Mann kannte die oberste Schicht und ihren Schattenseiten - aus erster
[...] [Hand]. Das war nicht jemand, der das aus der zweiten Hand [...]
hat. Er muß die Leute alle gekannt haben. Das über ihn so wenig
bekannt ist, hängt vielleicht sogar damit zusammen, daß er
dieses ‘low profile’ fahren mußte, weil er so involviert
war durch Beziehungen, die natürlich die Konventionen etwas gesprengt
haben.
Eisermann: Eine romantische Vorstellung. Aber
Frage zum Schluß, Herr Modlmayr: Mit solchen Entdeckungen gibt es
in der Literaturwissenschaft traditionell ja ein großes Problem.
Die Frage: Na und? Fakten, Falsifizierbarkeit und die Verbindlichkeit
von Wirklichkeit ganz allgemein. Das alles wird ja in der Kritik, wie
sie heute modern ist, gern ganz tief gehängt. Wie geht die Forscherin
Hammerschmidt-Hummel denn mit ihren Kritikern um?
Modlmayr: Sie ist sehr souverän. Sie hofft,
daß Argumente kommen. Sie sagt ja nicht: Ich hab’ ne Vision
gehabt und so ist es. Sie gründet ja keine neue Schule. Sie sagt:
Ich hab das jetzt alles genau erforscht [...]. Das macht sie durch Zuhilfenahme
von verschiedensten Disziplinen und jetzt wartet sie auf Gegenargumente.
[...] es muß die Sachdiskussion einsetzen. Und von England ausgesehend
[ist man], und auch einige deutsche Anglisten [...] sind durchaus interessiert,
sich damit auseinanderzusetzen. Sie [Hammerschmidt-Hummel] hat praktisch
der männlichen Shakespeare-Forschung den Fehdehandschuh hingeworfen
und sagt: Jetzt macht mal und strengt euch mal ein bißchen an.
Eisermann: Hans-Jörg Modlmayr mit einem Bericht
über die Shakespeare-Forscherin Hildegard Hammerschmidt-Hummel und
ihre Aufsehen erregende Theorie, nach der Shakespeare eine unglückliche
Liebesaffäre mit einer Hofdame Königin Elisabeths I. gehabt
haben soll. Elizabeth Vernon war die ‘Dark Lady’ seiner Sonette
und die Mutter einer gemeinsamen Tochter: Penelope [Spencer, geb. Wriothesley].”
***
Auszug aus der Rezension der Journalistin
und Buchautorin Esther Knorr-Anders, “Die Früchte ernten andere,
die Schalen nur sind mein. Shakespeares Vaterschaften, in Kunst und Leben,
sind immer noch zu entschleiern - zum Beispiel das Geheimnis der ‘Dark
Lady’”, Süddeutsche Zeitung (10. November 1999):
“Das Buch liest sich wie eine Kriminalstory. Es
geht um die Identifizierung einer Dame, die anno 1598 vom englischen Porträtmaler
Marcus Gheeraerts d. J. auf die Leinwand gebannt wurde und unter dem Gemäldetitel The Persian Lady oder Lady in Fancy Dress Jahrhunderte
lang für Rätsel sorgte. Es geht aber auch um den Verfasser eines
Sonetts (‘Subscriptio’), das innerhalb einer Kartusche ebenfalls
das Bildwerk schmückt. Nach mühevoller Recherchearbeit legt
Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin
an der Universität Mainz, nun das Ergebnis ihrer Forschungen vor.
Es kann hier nur des Rätsels Lösung wiedergegeben werden, nicht
die verwickelte Spurensuche, welche zu ihr führte. Möglichst
umfassende Englischkenntnisse sind erforderlich, um den vollen inhaltlichen
und argumentativen Genuss zu gewinnen - die Shakespeareschen Sonette sollten
in deutscher Übersetzung griffbereit sein.
Der Bildtitel The Persian Lady war wohl auf die überaus
phantastische Kleidung der Dame, den kostbaren Schmuck zurückzuführen.
[...] Elizabeth Wriothesley, Countess of Southampton [...] - sie soll
die geheimnisvolle Lady auf Gheeraerts Gemälde sein. Man sieht eine
Hochschwangere vor einem herbstfarbigen Baum, deren beringte Hand den
mit Blüten und Perlen geschmückten Kopf eines ‘weinenden
Hirsches’ berührt. Liebes- und Abschiedsschmerz soll symbolisch
ausgedrückt werden auch durch den Verfasser des ‘anonymen’
Kartuschen-Sonetts, neben den Füßen der Dame. Seine
Schlusszeile lautet: ‘Musik, sei meine Klage, ihr Tränen Medizin
/ Wenn dies die ganze Frucht ist die mein Liebesbaum trägt.’
Der Verfasser galt als unbekannt - bis nun Hammerschmidt-Hummel ihn als
Shakespeare identifizierte. Der publizierte 154 Sonette und stellte darin
seine ‘Dark Lady’, eine unglückliche Liebe, in den Vordergrund.
Die ‘dunkle Dame’ erregte nicht nur der Zeitgenosssen Neugier.
Ihre Identifizierung gelang Hammerschmidt-Hummel an Hand der lyrischen
Sprache Shakespeares und eines zweiten, authentischen Gemäldes der
Elizabeth Southampton, das sie - nach der Geburt ihrer Tochter Penelope
- bei der Toilette zeigt.Schwarzrötliche Haarflut umrieselt die Schultern.
In das Blütengewirr des Spitzenärmels, in Ellbogenhöhe,
komponierte der anonyme Maler das Miniaturbildnis Shakespeares hinein.
Solch ein Hinweis auf eine versteckte Beziehung war nur mit Einverständnis
der Porträtierten möglich.
Ein Blick auf die Biografie: Elizabeth Vernon, 1573 geboren, wurde nach
dem Tod des Vaters durch Vermittlung ihres Vetters und Vormundes, des
Earl of Essex, Hofdame der Königin Elizabeth I. Zum Ärger der
Monarchin hatten ihre ‘Ladies of Honour’ häufig Liebesverhältnisse,
aus denen Kinder hervorgingen. Henry Wriothesley, Graf von Southampton,
machtet der jungen Vernon den Hof - und sie wurde schwanger. Die 1598
heimlich geschlossene Ehe kam auf Rat von Essex zustande. Die Königin
schäumte [...]. Sie ließ die nunmehrige Gräfin ins Fleet-Gefängnis
stecken, desgleichen den aus Paris zurückbeordeten Ehemann. Wieder
griff Essex ein, und die Ehegatten mit Kind wurden freigelassen.
Southampton zweifelt
Erhebliche Umstimmigkeiten zwischen Elizabeth und Southampton
hatte es schon vor der Heirat gegeben. Vage Bemerkungen des Höflings
Ambrose Willoughby, dass es im Leben der Vernon noch einen andaeren Galan
gebe, kursierten. ‘Es ist nicht auszuschließen, dass Southampton
schon zu diesem frühen Zeitpunkt Zweifel an seiner Vaterschaft gekommen
sind.’ Wer aber käme dann als Vater in Frage? Der Dichter der
Sonette! Drei Figuren sind die Hauptakteure in seinem Reigen: der Dichter,
desssen Freund (Southampton) und die ‘Dark Lady’ (Elizabeth),
deren Lügenhaftigkeit und Täuschungskunst für Shakespeare
nie in Zweifel standen. [...]
Hammerschmidt-Hummel zieht zum Beweis der Vaterschaft
Shakespeares seine Porträts und ein von Antonis van Dyck geschaffenes
Gemälde er erwachsenen Tochter Penelope, verheiratete Lady Spencer
heran. Tatsächlich weisen Gesichtskontur, Augenform und -ausdruck
sowie die körperliche Rundlichkeit verblüffende Ähnlichkeit
auf. Der schmalgesichtige, hagere Southampton ist ein gänzlich anderer
Typus. Dass Shakespeare sich verschlüsselt zur leiblichen Vaterschaft
bekannte, entnimmt Hammerschmidt-Hummel dem dritten Vers des Kartuschen-Sonetts:
‘Der Baum gepflanzt in Liebe / Umhegt mit großer Müh,
er war mein einzig Hoffen / Doch alles war vergeblich, denn jetzt, zu
spät, ich seh’ / Die Früchte ernten andre, die Schalen
nur sind mein.’”
***
Auszug aus der Rezension des Journalisten
und Anglisten Oliver Groß, “Shakespeares verbotene Früchte.
Mainzer Literaturwissenschaftlerin auf den Spuren einer Affäre”, Frankfurter Allgemeine Zeitung (22. September 1999):
“Die Geschichte klingt märchenhaft und ihre
Entdeckung liest sich wie ein Detektivroman. ‘Shakespeare in love’:
Die ‘Dark Lady’, die den Dichter in den Sonetten zur Verzweiflung
treibt, soll wirklich gelebt haben. Die Mainzer Anglistik-Professorin
Hildegard Hammerschmidt-Hummel hat Renaissancegemälde und historische
Quellen erforscht und ist überzeugt, den Schlüssel zur Biographie
Shakespeares in Händen zu halten. Was ihre Entdeckung zu einer kleinen
Pressesensation werden ließ, war ein eher zufälliger Fund:
Wenn es die Dichter-Liaison wirklich gab und daraus ein Kind hervorging,
dann führt die genealogische Linie direkt zur englischen Adelsfamilie
Spencer - und damit zu Lady Diana und Thronfolger Prinz William.
[...] Mit ihrem gerade erschienenen Buch lüftet sie [die Wissenschaftlerin]
laut Titel ‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’’
(Wissenschaftliche Buchgesellschaft und Primus Verlag Darmstadt, 1999).
Angefangen hat die Spurensuche Hammerschmidt-Hummels mit dem Gemälde
deds Renaissancemalers Marcus Gheeraerts d. J., ‘The Persian Lady’.
Das Bild zeigt eine hochschwangere Dame im teuren persischen Wickelkleid.
Das Sonett zu Fjüßen der Porträtierten erkannte die Mainzer
Professorin als ein Werk Sakespeares. Zu ihrem Textvergleich mit den Versen
des Dichters zog sie einen Sprachwissenschaftler aus der Anglistik zu
Rate, der zum gleichen Ergebnis kam.
Hilfe des Bundeskriminalamtes
Am Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden [wurde ihr] bestätigt
[...]: Die Gesichtszüge der ‘Persian Lady’ stimmen mit
dem Porträt Elizabeth Vernons, Gräfin von Southampton und frühere
Hofdame Königin Elizabeaths I., überein. Der Clou des zweiten
Gemäldes: Mit spielerischer Geste deutet die Gräfin auf ein
an ihrem Ärmel verborgenes Gesicht, das kaum aussieht wie Ehemann
Graf von Southampton, wohl aber wie William Shakespeare. Historische Quellen
belegen, dass die Köngin ihre schwangere Hofdame 1598 ins Gefängnis
werfen ließ, kurz nachdem diese heimlich und ohne königliche
Erlaubnis geheiratet hatte. Zur selben Zeit, zwischen 1593 und 1598, entstanden
Shakespeares Sonette. Als der in ihnen besungene ‘Freund’
gilt der Graf von Southampton, Shakespeares Patron und Gönner. Hammerschmidt-Hummel
schlußfolgert: Der Hofskandal ‘ist die Dreiecksbeziehung von
‘Dark Lady’, Dichter und Edelmann, so wie die Sonette sie
beschreiben’.
‘Ich habe einen geschärften Blick für bildliche Details’,
meint die Forscherin, die seit den achtziger Jahren am Shakespeare-Bildarchiv
der Mainzer Universität und der Akademie der Wissenschaften tätig
ist. Dort hat sie Tausende von Illustrationen zu Shakespeares Dramen gesammelt.
Schon 1995 ließ sie mit Aufsehen erregenden Untersuchungsmethoden
des Bundeskriminalamtes (BKA) die Echtheit der Darmstädter Shakespeare-Totenmaske
und zweier Shakespeare-Porträts nachweisen.
Bilderrätsel
Für ihre neue Enthüllung hat sie Gutachten
von Medizinern, darunter einem Gynäkologen, von BKA-Experten und
Botanikern bemüht. Der Direktor des Instituts für Spezielle
Botanik an der Universität Mainz, Ulrich Hecker, half der Literaturwissenschaftlerin
bei dem Nachweis, dass der Baum auf dem Bild der ‘Persian Lady’
falsche Früchte trägt. Oliven statt Lorbeer - ein Bilderrätsel
- ein Bilderrätsel, das auf die uneheliche Herkunft des Kindes verweisen
könnte.
Noch gibt es unter den deutschen Professoren für Anglistik wenige,
die sich über die Erkenntnisse Hammerschmidt-Hummels äußern
wollen. Der Bonner Anglist Professor Dieter Mehl, Präsident der Deutschen
Shakespeare-Gesellschaft , hält den biographischen Ansatz für
nicht sehr fruchtbar. ‘Shakespeares Werke interessieren mich mehr
als detektivische Recherchen’, sagt Mehl. Schön findet er immerhin,
dass nun das Publikum stärker auf Shakespeare aufmerksam wird. ‘Wenn
man sonst ein Sonett abdruckt, liest es keiner.’ Auch die britische
‘Sunday Times’, die kürzlich einen Bericht über
Hammerschmidt-Hummels Forschungen brachte, habe in den vergangenen 50
Jahren keinen deutschen Shakespeare-Forscher mehr interviewt. Professor
Wilhelm Hortmann, Anglist an der Universität Duisburg, hält
das neue Soneatt für eine echte Trouvaille: ‘Shakespeare hätte
sich nicht schämen müssen das geschrieben zu haben.’ Wenn
man die Sonette als Bekenntnislyrik lesen wolle, führt Hortmann aus,
‘dann hat die Autroin die Lösung ausgearbeitet, für die
sehr viel spricht’.
Ihre Indizien- und Beweiskette hält Hammerschmidt-Hummel für
hieb- und stichfest. Auch an der Identifizierung des Sonetts sei nicht
zu rütteln [...]. Die Kritik ihrer Fachkollegen schreckt sie nicht:
‘Dass alles gründlich überprüft wird, ist ganz in
meinem Sinne’, sagt die Professorin. [...]
Fortsetzung vorhanden
Sogar eine Fortsetzung zum Shakespeare-Krimi gibt es
schon: Das Kind der ‘Dark Lady’, Penelope Wriothesley, habe
in die Spencer-Familie eingeheiratet, so die Forscherin. Ihr rundlich-ovales
Gesicht und eine Reihe weiterer Merkmale gleichen, wiederum laut BKA-Vergleich,
den Gesichtszügen William Shakespeares. Der Graf von Southampton
hat das Nachsehen, dafür wird Prinzessin Diana posthum als Nachfahrin
Shakespeares geadelt. Einen Kommentar des britischen Königshauses
hat Hammerschmidt-Hummel dazu allerdings bisher nicht erhalten. Im kommenden
Wintersemester hält sie an der Universität Mainz eine Vorlesung
über das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’.
Jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr will sie in Hörsaal P 110 ihren
Mainzer Studenten die (kultur-)historischen Zusammenhänge erläutern.
‘Dabei kommen auch die Sonette wieder stärker zum Zug’,
verspricht die Professorin. Die Mainzer Campus-Buchhandlung dekoriert
schon vorsorglich ein Fenster mit Shakespeare.”
***
Auszug aus der Rezension des Leiters
des Feuilletons Jürgen Diesner, “Shakespeares ‘Dark Lady’
identifiziert? Mainzer Anglistin Hammerschmidt-Hummel stellt ihr Buch
in Darmstadt vor”, Darmstädter Echo (10. September
1999):
“Wer war die ‘Dark Lady’, die dunkle
Dame, deren Treulosigkeit Shakespeare in seinen Sonetten beklagt? Die
Nachwelt hat darüber schon immer gerätselt: [...] Letztes Jahr
erschien ein ‘Roman um Shakespeares große Liebe’, in
dem diese als Emilia Bassano porträtiert wurde [...].
Dieses Jahr erscheint die ‘Dokumentation einer Enthüllung’:
Die Autorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel, eine Mainzer Anglistin, glaubt,
‘Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’, so der Titel,
endgültig geklärt zu haben. Es handele sich um Elizabeth Wriothesley,
geborene Vernon, Hofdame Königin Elisabeths I.
Da das Buch im Primus-Verlag erscheint, der zur Wissenschaftlichen
Buchgesellschaft gehört, die in Darmstadt beheimatet ist, Darmstadt
außerdem Shakespeares Totenmaske besitzt, deren Echtheit die Mainzer
Anglistin vor vier Jahren glaubhaft gemacht hat, stellte die Autorin das
Buch gestern im Darmstädter Rathaus der Presse vor. Sie wiederholte
dabei ihre Thesen und ihre Beweisführung, wie sie im Nachrichtenmagazin
‘Focus’ schon am Montag dargestellt wurden.
Sie bezieht sich vor allem auf ein Portarät von
Marcus Gheeraerts dem Jüngeren, ‘The Persian Lady’ betitelt,
das emblematisch gemeint sei und das sie enträtselt zu haben glaubt.
Das anonyme Sonett, mit dem das Porträt unterschrieben sei, stamme
dem Stil nach von Shakespeare und gehöre in die Reihe der bekannten
‘Dark Lady’-Sonette. In dem Sonett klagt das dichterische
Ich, um die Frucht seiner Liebe betrogen worden zu sein. Das Bild sei
das Porträt einer Schwangeren, wie Gynäkologen begutachtet hätten.
Die Porträtierte sei eben jene Elizabeth Vernon, die Ende August
1598 - zehn Wochen vor der Geburt ihrer Tochter Penelope - Shakespeares
Gönner, Henry Wriothesley, den dritten Grafen von Southampton, heiratete.
Der Vater des Kindes Penelope sei jedoch Shakespeare, wie Hammerschmidt-Hummel
herausgefunden haben will. Shakespeares bewusste Sonette handeln von einer
Dreiecksbeziehung des Dichters, seiner treulosen Geliebten und seines
Freundes.
Auf den späteren Porträts Penelopes, so sollen
Sachverständige des Bundeskriminalamtes begutachtet haben, sei keinerlei
Ähnlichkeit mit Southampton , wohl aber mit Shakespeare festzustellen.
Da Penelope später in die englische Adelsfamilie der Spencers einheiratete,
seien - so die Folgerung der Autorin - ‘Lady Di’, die tödlich
verunglückte Prinzessin, und der englische Thronfolger Prinz William
späte Nachfahren von William Shakespeare.”
***
Auszug aus der Rezension der Redakteurin
Claudia Gottschling [Forschung und Technik], “Lady Di und der Dichter.
Shakespeare in love: Eine Mainzer Professorin will seine wahre Geliebte
entlarvt haben und glaubt, Diana sei seine Ururur ... enkelin”, Focus (6. September 1999):

“Wer war die ‘Dark Lady’? Wissenschaftler
aller Epochen forschten nach der realen Person, der Shakespeares Schmachten
in seinen berühmten Liebessonetten galt. Die Mainzer Professorin
für englische Literatur, Hildegard Hammerschmidt-Hummel, präsentiert
nun in ihrem Buch eine dramatische Love-Story: Sie entlarvt Williams heimliche
Geliebte und stößt dabei auf eine Verbindung, wie sie sich
ein Klatschreporter kaum hätte ausdenken können: Shakespeare
sei der Ururur ... großvater von Lady Di.
[...]
Bild der Geliebten? Zentrales Beweissstück
ist ein geheimnisvolles Gemälde aus der Renaissance: die ‘Persian
Lady’, das Porträt einer Dame in teurem persischem Kostüm.
Ihr Name ist unbekannt, so wie der Urheber des aufgemalten Sonetts. Doch
Bild und Text stecken voller Anspielungen. ‘In der Renaissance war
es üblich, Gemälde wie ein Bilderrätsel zu malen’,
erklärt die Kunsthistorikerin Gudrun Raatschen von der Bayerischen
Staatsgemäldesammlung in München.
Der Schlüssel zzum Rätsel der ‘Dark Lady’
war das Sonett, gesteht Hammerschmidt-Hummel. Sie vergleicht u.a. Wortwahl,
Metaphern und Satzbau mit dem, wie viele glauben, persönlichsten
Werk des Dichters, seinen 154 Liebessonetten. Ihr Fazit: Die Verse auf
dem Bild stammen aus Shakespeares Feder und bilden das Finale der ‘Dark
Lady’-Sonette. Der Autor beklagt darin den Verlust seiner Geliebten.
[...]
Ein Mosaikstein zur Identifikation der
‘Dark Lady’ war für Hammerschmidt-Hummel der Leib der
Porträtierten: ‘Sie ist schwanger.’ Zwei Mediziner studierten
sorgfältig die Rundungen der Frau, die Position des Bauchs, ihre
Brüste, die glänzenden Augen. ‘Sie steht acht bis zwölf
Wochen vor der Geburt’, urteilt Gynäkologe Peter Berle aus
Wiesbaden. Sein Gutachten brachte Hammerschmidt-Hummel einen Schritt weiter.
Das Stadium der Schwangerschaft und die Entstehungszeit der Sonette engen
den Kreis der Verdächtigen weiter ein. Edle, ausgefallene Kleidung
und der Schnmuck der Frau sind ein Hinweis, dass sie am Hof von Königin
Elizabeth I. lebte. Für die Literatur-Detektivin deutet alles auf
eine Person: Elizabeth Vernon, eine Hofdame der Königin.
Ein Kriminologe des BKA, Reinhardt Altmann, bestätigt die Anglistin
in ihrer Hypothese. Ein Bildvergleich [...] zeigt deutliche Ähnlichkeiten
der unbekannten Schwangeren mit einem späteren Porträt der Vernon
[...]. ‘Meine Befunde fügen sich schlüssig in die geschichtlichen
Abläufe des Jahres 1598 ein’, sagt Hammerschmidt-Hummel.
Das Leben des Edelfräuleins gleicht in diesem Jahr einem Drama -
belegen historische Dokumente. Auf Grund einer unehelichen Schwangerschaft
wird sie vom Hof verbannt. In einer heimlichen Blitzhochzeit heiratet
sie hochschwanger Hednry Wriothesley, Graf von Southampton. Er ist Shakespeares
Förderer [...], sein Freund, und viele halten ihn auch für seinen
Nebenbuhler aus den Sonetten. Die Königin ist verärgert über
die unerlaubte Heirat und wirft die Frischvermählte ins Gefängnis.
Dort bringt die Gräfin im November ihre Tochter Penelope zur Welt.
Wer war ihr Vater? Glaubt man den Indizien von Hammerschmidt-Hummel,
beklagt Shakespeare nicht nur den Verlust seiner Geliebten an den Rivalen,
sondern auch den seines Kindes. Zahlreiche Anspielungen im Sonett, die
Symbolik der Bilder [...] und die Briefe der Gräfin deuten darauf
hin, so Hammerschmidt-Hummel, dass die Dame auf dem Gemälde das Kind
des Dichters unter dem Herzen trägt. Zudem ergab der Bildvergleich
beim BKA, dass Penelope Shakespeare ‘wie aus dem Gesicht geschnitten
ist’, freut sich die Forscherin. Penelope heiratete später
Lord William Spencer - einen direkten Vorfahren der Prinzessin von Wales.
[...]
Geheimnisvolle Bilderrätsel [Bildunterschriften]
Renaissancemaler fordern den Betrachter heraus. Ihre
Gemälde soll man ‘lesen’ und nicht nur anschauen.
1 Das Sonett - Schlüssel zum Rätsel der
‘Dark Lady’
Die Forscherin glaubt, Shakespeare sei der Autor des Sonetts. Sie zeigt,
dass er darin den Verlust seiner Geliebten und seines Kindes beklagt.
2 Teure persische Robe als Umstandskleid
Die ‘Persian Lady’ ist schwanger. Ein Gynäkologe: ‘Die
Bauchwölbung ist typisch für den siebten oder achten Monat.’
Porträts werdender Mütter sind in der Renaissance nicht selten.
Die Ringe an der Halskette deuten auf die bevorstehende Heirat hin.
3 Der Baum gepflanzt in Liebe ...
... er war mein einzig Hoffen’, heißt es im Sonett, ‘doch
... die Früchte ernten andere’. Der Maler greift die Symbolik
von Baum und Fruchtbarkeit auf und versteckt darin eine Anspielung auf
das uneheliche Kind: Der Lorbeerbaum trägt falsche Früchte (Oliven),
entdeckte der Botaniker Ulrich Hecker.
4 ‘Den weinenden Hirsch bekränz ich ...’,
klagt der Unglückliche im Sonett, ‘... die Tränen meiner
Trauer sind Ausdruck meiner Sorg’. Der Hirsch symbolisiert den Liebesschmerz
des Autors. Die Perlen sind seine Tränen.
5 Vergleich der Ladys
Eine Analyse des BKA ergab Übereinstimmungen bei Stirn, Augen, Mund
und Nase sowie dem schwarzen Haar. Fazit der Anglistin: Die Bilder zeigen
beide Elizabeth Vernon. Nach der Entbindung sei sie am Kinn etwas fülliger
geworden.
6 Versteckte Sensation?
Am Ärmel Elizabeth Vernons entdeckte die Forscherin ein Miniporträt
von Ex-Lover Shakespeare.”
***
“Is Prince William Descended From
Shakespeare?” - Nachrichtenagentur Reuters ( 22. August 1999)
LONDON (Reuters) - Is Britain's Prince William descended
from Shakespeare? A German academic claims to have found clues to a blood
link between the bard and Britain's royal family, the Sunday Times reported.
A new book points to evidence hidden in paintings to
argue that Shakespeare had an illegitimate daughter Penelope who grew
up to marry the second Baron Spencer -- from whom William's mother the
late Princess Diana was directly descended.
The book by Hildegard Hammerschmidt-Hummel of Mainz University
will be published next month as ``The Secrets of Shakespeare's Dark Lady,''
the Sunday Times said.
It said the book names the woman with whom Shakespeare
had the affair as Elizabeth Vernon, a lady-in-waiting to Queen Elizabeth
I.
A portrait of her known as The Persian Lady in Hampton
Court Palace bears a sonnet claimed to be by Shakespeare, the paper said.
A portrait in another collection is said to carry a miniature image of
the playwright's face.
As for whether Shakespeare's genes could reassert themselves
in 17-year-old Prince William, the son of Diana and Prince Charles, the
Times noted that so far William has excelled as a sportsman but is also
thought to be a good English student.”
***
Auszug aus: Nicholas Hellen and
Caroline Gascoigne, “William finds a dark lady in his life”,
The Sunday Times (22 August 1999):
Literary detectives have
found evidence that Shakespeare was Prince William’s ancestor, write
Nicholas Hellen and Caroline Gascoigne.
An inquiry into the identity of the ‘Dark Lady’, with whom
Shakespeare is said to have had an affair, has led researchers to the
link. They will name the Dark Lady as Elilzabeth Wriothesley, who had
Shakespeare’s illegitimate daughter, Penelope, in 1598. The girl
married the second Baron Spencer, from whom Princess Diana was directly
descended.
The claims, by the Shakespearean scholar Hildegard Hammerschmidt-Hummel,
of Mainz University in Germany, rest on her belief that two portraits
of an unnamed woman, now in British galleries, depict the Dark Lady.
One, known as The Persian Lady, on display at Hampton Court Palace, bears
a sonnet, claimed to be by Shakespeare. Another, part of the Duke of Buccleuch’s
collection, is said to carry a miniature image of the playwright’s
face.
Hammerschmidt-Hummel, who attracted worldwide attention when she used
Shakespeare’s death mask to produce a detailed likeness, will publish
her claims next month in The Secrets of Shakespeare’s Dark Lady.
[...]
A detective hunt, intended to solve the enduring riddle
of the ‘Dark Lady’ of Shakespeare’s sonnets, has thrown
up evidence that the Bard’s bloodline is linked to the youngest
generaton of the royal family.
The bold claim is supported by clues hidden in paintings
of a previously unidentified noblewoman, to be named by a German academic
team as Shakespeare’s dark-haired lover. They were assisted by forensic
experts from the German Police [Bundeskriminalamt - BKA = CID].
According to The Secret of Shakespeare’s ‘Dark
Lady’, to be published next month, the woman, Elilzabeth, 3rd Countess
of Southampton, bore him a daughter, Penelope, in the autumn of 1598.
The girl grew up to marry William, 2nd Baron Spencer,
in 1617 and their descendant, the 9th Earl Spencer, was the father of
Diana, Princess of Wales and grandfather of Prince William.
Attempts to piece together details of Shakespeare’s
life have always been frustrated by a lack of first-hand evidence. His
sonnets, probably written between 1592 and 1598, are the only words of
his that seem to be autobiographical. [...]
But who was the Dark Lady? So many rival theories have been advanced [...]
that some scholars have abandoned the search.
[...]
In reality, the answer may be staring us in the face.
According to Hildegard Hammerschmidt-Hummel, [...] author of the new book,
a portrait of the Dark Lady is on show in Hampton Court, where it is known
as the Persian Lady.
In the book she claims: ‘The pregnant woman portrayed
in the Persian Lady is identical to Elizabeth Vernon ... a lady-in-waitiing
to Queen Elizabeth I who, at the end of August 1598, about 10 weeks before
the birth of her daughter Penelope, married Shakespeare’s patron,
Henry Wriothesley.’
The painting bears a sonnet which Hammerschmidt-Hummel
says belongs to the cycle of poems about the Dark Lady. ‘It laments
the betrayal which cheated him out of the fruits of his love,’ she
writes.
She also argues that another painting, Elizabeth Wriothesley
[née Vernon] at her Toilet, held at Boughton House in Northamptonshire,
provides further evidence of an illicit affair with Shakespeare.
[...] Sir Frank Kermode, former professor of English
literature at Cambridge, said: ‘There will be great interest if,
on examination, her evidence is strong.’”
***
Auszug aus der gutachterlichen
Stellungnahme vom 09.02.1998 des Anglisten und Sprachwissenschaftlers
Prof. Dr. Klaus Faiß, Experte für die Geschichte der englischen
Sprache:
“Für mich jedenfalls steht fest, daß
ein deutlicher Erkenntnisfortschritt erzielt wurde, der die Biographie
und damit die Sonette des großen Dichters in einem neuen Licht erscheinen
läßt. Damit wird sich die Forschung auseinandersetzen müssen.
Es dürfte allerdings schwierig sein, die durch ausgiebiges Quellenmaterial
und wissenschaftliche Gutachten aus anderen Fachgebieten gestützten
Ausführungen und die daraus resultierenden Ergebnisse zu widerlegen.
Ich kann die Veröffentlichung dieser faszinierenden und bestens dokumentierten
Untersuchung nur nachdrücklich empfehlen. Sie wird der Shakespeare-Forschung
mit Sicherheit neue Impulse geben, gelingt es ihr doch, mit neuen Untersuchungs-
und Analysemethoden im Zusammenhang mit dem von der Verfasserin so genannten
‘neuen’ Sonett’ ein Problem zu lösen, das in der
Forschung zwar erkannt, aber bislang nicht bewältigt wurde.”
‘For me, at all events, it is quite certain that
an indisputable advance in knowledge has been achieved which will cause
the great bard’s biography and thus also his sonnets to appear in
a new light. Scholarship will have to deal with this. It will, however,
be very difficult to refute the comments and the resultant findings based
on extensive source material and expert opinions from other specialist
disciplines.
I can only expressly recommend the publication of this fascinating and
extremely well documented study. It will quite certainly give new impulses
to Shakespearian research, since the author - with new methods of study
and analysis in connection with the problem which was known to scholarship,
but which has not been resolved up to now.’
***
Auszug aus der gutachterlichen
Stellungnahme vom 27.01.1998 des Germanisten, Klassischen Philologen,
Kulturwissenschaftlers und Renaissance-Forschers Prof. em. Dr. Dieter
Wuttke, ehemals Mitglied des Institute for Advanced Study in Princeton
und Fellow am Center for Advanced Study in the Visual Arts an der National
Gallery of Art in Washington, D. C.:
“Ich habe lange nicht ein wissenschaftliches Manuskript
mit solcher Neugierde, Spannung, Begeisterung, Zustimmung und ungeteilten
Bewunderung gelesen, ja verschlungen, wie das vorliegende. Es ist sehr
geschickt gegliedert und in einer souverän-adäquaten Stillage
geschrieben. Die Nüchternheit und Präzision korrespondieren
genau mit der Wirkungsabsicht der Autorin, von den Indizien her zu überzeugen.
Es ist gut, daß sie jeder Versuchung widerstanden hat, ihre Funde
und Schlüsse mit stilistischem Theaterdonner zu begleiten und zu
untermalen. Das Werk überzeugt mich in jedem Detail, in sämtlichen
Schlüssen. Es bedeutet einen Triumpf kulturwissenschaftlich gelenkter
Philologie, das auch die begeisterte Zustimmung eines Aby M. Warburg oder
Erwin Panofsky gefunden hätte.” (Klappentext)
‘It is a long time since I have read, no devoured
a scholarly manuscript with such curiosity, suspense, enthusiasm, approval
and undivided admiration as in this present case. It is very skilfully
constructed and written in a brilliantly adequate style. The matter-of-factness
and precision correspond exactly with the author’s intention of
convincing by means of the circumstantial evidence. It is good that she
has withstood every temptation to accompany and substantiate her findings
and conclusions by stylistic theatrical thunder. The work convinces me
in every detail, in all its conclusions. It represents a triumph of cultural-historically
guided philology which would also have found the enthusiastic support
of Aby M. Warburg or Erwin Panofsky.’
e. Repliken
Replik auf Wolfgang Riehles Artikel “Zur
aktuellen Frage nach der Identität der ‘Persian Lady’”, Anglistik 13.1 (März 2002), S. 139-151,
in: Anglistik 13.2 (September 2002), S. 227-230.
Der Grazer Anglist und Clemen-Schüler Wolfgang Riehle
hat sich der Mühe unterzogen, die in meinem Buch Das Geheimnis um
Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer Enthüllung
(Darmstadt: WBG und Primus, 1999) vorgenommene Identifizierung der ‘Persian
Lady’ auf dem gleichnamigem Bild des bedeutendsten elisabethanischen
Porträtmalers der 90er Jahre - Marcus Gheeraerts d. J. - zu überprüfen.
Ich habe seine Ausführungen, die ausgesprochen wissenswerte kulturgeschichtliche
Details über Sir Henry Lee und seine Geliebte Anne Vavasour enthalten,
mit großem Interessse gelesen. Riehle gelangt zu anderen Schlußfolgerungen
als ich. Seine Hauptargumente möchte ich nun kritisch erörtern.
Der Rezensent beschäftigt sich zunächst mit dem neuen Sonett
auf Gheeraerts Gemälde und äußert dezidiert: “Wegen
seiner stilistischen Qualität kann dieses Gedicht jedoch u. E. kaum
etwas mit Shakespeare zu tun haben” (S. 140). Zudem fehle ihm der
Bezug auf “ein Du”. Die zahlreichen Possessivpronomina ‘my’,
‘her’ und ‘hes’ [‘his’] lassen sich
nach meiner Meinung jedoch als Beleg dafür anführen, daß
auch in dem neuen Sonett ein solches Gegenüber nicht fehlt. Für
das Textverständnis erscheint es wichtig, daß sich im zweiten
Quartett offenbar ein Wechsel der Perspektive vollzieht, so daß
im Zentrum des Textes - ähnlich wie im Zentrum des Bildes - die Geliebte
steht und zu Wort kommt. Wenn man sich an den genauen Wortlaut von Zeile
eins hält - “The restles swallow fits my restles minde”
-, scheint es sich nicht um eine Anspielung auf den überaus grausamen,
mit Tod und Sterben assoziierten und daher hier eher kontraproduktiv wirkenden
Philomele- bzw. Prokne-Mythos zu handeln, so wie er unter anderem bei
Ovid überliefert ist, sondern wohl ausschließlich um einen
jener Naturvergleiche, die Shakespeare auch andernorts verwendet, um innere
Befindlichkeiten seiner Figuren, aber auch ihre Wunschvorstellungen zu
externalisieren.
Riehles eigentliches Anliegen aber ist es, für Gheeraerts’
‘Persian Lady’ den älteren Identifizierungsvorschlag
der Kostümkundlerin Janet Arnold aus dem Jahre 1977 wieder aufzugreifen
und durch neue Argumente zu stützen. Diesem Vorschlag ist schon der
englische Kunsthistoriker Sir Roy Strong mit großer Skepsis begegnet.
Die ‘Persian Lady’ könne - so Riehle - die Hofdame Anne
Vavasour darstellen, die langjährige Geliebte von Sir Henry Lee.
Auch in ihrem Leben fände sich eine Dreiecksbeziehung (Anne, ihr
Liebhaber Lee und ihr Ehemann). Mehr noch: Auch sie habe eine Affäre
mit einem Grafen gehabt, die nicht folgenlos blieb. Auch sie habe den
Zorn der Königin erregt.Vavasour wurde, so Riehle, vom Earl of Oxford
verführt, der aber verschwand, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr.
Die Monarchin ließ ihn aufspüren und für zwei Jahre ins
Gefängnis werfen. Parallelitäten zu Vernon und Southampton sind
zweifelsohne vorhanden. Die Geschichte klingt verlockend, hat aber ein
paar Haken: Denn sie spielt bereits im Jahre 1580. Einige der sich daraus
ergebenden Probleme spricht Riehle offen an und versucht, sie zu bewältigen.
Da ist zunächst (1) das frühe Schwangerschaftsdatum 1580, (2)
der erst in den 90er Jahren erfolgte Aufstieg des Marcus Gheeraerts zum
wichtigsten englischen Porträtmaler und (3) die späte Entstehungszeit
des Gemäldes. Wegen der auf dem Bild wiedergegebenen neuen Persienmode
ist sie erst (mit einer Toleranz von wenigen Jahren) um 1600 anzusetzen.
Es sei durchaus denkbar, so argumentiert Riehle, “daß das
als ‘Persian Lady’ bekannte Porträt erst einige Zeit
post factum entstand, als sich das Ansehen Gheeraerts voll etabliert hatte”
(S. 146). Damit aber wären wir bereits weit in den 90er Jahren. Das
Problem der Persienmode, die den Abstand zwischen dem Ereignis von 1580
und der Datierung der ‘Persian Lady’ (um 1600) noch größer
werden läßt (ca. 20 Jahre), versucht Riehle auszuräumen,
indem er kurzerhand, und zwar in einer Fußnote, erklärt, es
dürfe “kein zu großes Gewicht auf die Anspielung auf
Persien gelegt werden”. Und: “Strongs detaillierte Argumentation,
mit der er einen Zusammenhang mit der um die Jahrhundertwende aktuellen
Persienmode herzustellen sucht, vermag nicht eigentlich zu überzeugen,
weil sie sich nicht besonders gut mit dem emblematisch-allegorischen Bildprogramm
des Porträts vereinen läßt” (S. 148). In meinem
‘Dark Lady’-Buch habe ich dagegen die Übereinstimmungen
herauszuarbeiten versucht.
Ein weiteres Problem schneidet Riehle nicht an: Würde Liebhaber Lee
- bei aller Verliebtheit - seiner Geliebten wegen einer rund zwei Jahrzehnte
zurückliegenden und eher schäbigen Affäre mit dem Earl
of Oxford, die in eine Schwangerschaft einmündete, ein so aufwendiges
und kostspieliges bildkünstlerisches Denkmal setzen, wie es das emblematisch
angelegte Gemälde von Marcus Gheeraerts d. J. mit seinen zahlreichen,
vielschichtigen und bedeutungsträchtigen Bildsymbolen darstellt (vgl.
Kap. “Das bildlich Dargestellte und seine Symbolik”, S. 38ff.)?
Nach meiner Überzeugung ist die Bildsymbolik des Gheeraertsschen
Gemäldes - bis auf die Perlen-Tränen-Metaphorik, die beim weinenden
Hirsch begegnet - positiv besetzt und kündet von Glück, Fruchtbarkeit
und freudiger Erwartung, wie insbesondere auch der goldene ‘Wasserstrahl’
offenbart, der - die Geburt antizipierend und mythisch überhöhend
- aus dem Kopf der Schwangeren austritt und dabei an die Geburt der Athene
aus dem Haupt des Zeus erinnert. In das wertvolle Gewand der ‘Persian
Lady’ sind farbenfrohe “Blätter, Blüten, Früchte
und Vögel” hineingewoben, die “ein Sinnbild lebenspendender
Kraft” sind und sich “als symbolisch-allegorische Zeichen
der Erneuerung” deuten lassen. Der Botaniker Ulrich Hecker glaubt,
“Blüten des Granatapfelbaumes” erkennen zu können,
die in der tradierten Symbolik für ‘Unsterblichkeit, ‘unvergängliche
Fruchtbarkeit’ und ‘unerschöpfliche Fülle’
stehen. Der Gesichtsausdruck der Porträtierten zeugt nicht von Depression,
sondern wirkt in der realistischen Darstellung, wie der Gynäkologe
Peter Berle feststellte, lediglich “etwas gestreßt”.
Aus der präzisen und veristischen Wiedergabe der jungen Frau (‘Persian
Lady’), die eine medizinische Begutachtung dieses Bildnisses überhaupt
erst ermöglicht, dürfte sich für Riehle und seine These,
daß hier “Anne Vavasours Schwangerschaftserlebnis von 1580
[...] in Form eines Porträts wieder vergegenwärtigt wurde”
(S. 147), das vielleicht größte Problem ergeben. Denn Gheeraerts
malte streng naturgetreu eine schwangere junge Frau, die 8 bis 12 Wochen
vor der Niederkunft stand. Vavasour aber war, soweit bekannt, in dieser
Zeit nicht schwanger. Sollte sie selber Modell gestanden haben, wovon
Riehle ausgeht, hätte der Maler ihre Schwangerschaft und deren genaues
Stadium exakt und veristisch konstruieren müssen, was gar nicht möglich
gewesen wäre. Hätte eine andere - schwangere - junge Frau Modell
gestanden, wäre der von Riehle vorgenommene Bildvergleich ohne Sinn.
Vor diesem Hintergrund sind die Argumente, die für die Annahme sprechen,
es könne sich um Anne Vavasour handeln, äußerst schwach.
Es bleibt die Überprüfung des Bildvergleichs, den Riehle zwischen
der ‘Persian Lady’ und einem authentischen Porträt der
Anne Vavasour vorgenommen hat. Während er zunächst “mangelnde
Ähnlichkeit” feststellt, gelangt er später zu dem Schluß:
“Sieht man genauer zu, dann zeigt sich, daß der Schein trügt,
denn man findet durchaus überaschende Übereinstimmungen”
(S. 146). Leider handelt es sich dabei um nicht sonderlich verläßliche
Größen: Körpergröße, Augenfarbe, Haarfarbe
und Kinn, wobei letzteres allerdings dem der ‘Persian Lady’
bei genauem Hinsehen nicht ähnelt. Vergleicht man auch die aussagefähigeren
Körper- und Gesichtsmerkmale - wie beispielsweise Hals, Haaransatz,
Nase und Nasenspitze sowie die Kinnspitzenpartie, so ergeben sich - wie
schon im Falle des Kinns - deutliche Unterschiede, so daß die Personenidentität
unwahrscheinlich ist und Riehles erster Eindruck wohl doch nicht getrogen
hat.
Bildvergleiche zur Feststellung einer Personenidentität sind eine
Aufgabe, die großes spezielles Fachwissen voraussetzt. Deswegen
führe ich meine Bildvergleiche nur mit den Methoden und nach Möglichkeit
mit Hilfe der zuständigen Spezialisten des Bundeskriminalamts durch,
die ich auch im Zusammenhang mit der Identifizierung der ‘Persian
Lady’ als Elizabeth Wriothesley, geb. Vernon, Gräfin von Southampton,
konsultieren konnte.
Nach sorgfältiger Lektüre des facettenreichen Riehleschen Aufsatzes
und nach gründlicher Prüfung seines Identifizierungsvorschlags
muß ich dem Autor leider widersprechen. Nach Abwägung aller
angeführten Argumente sprechen die Indizien und historischen Fakten
gegen die These, Anne Vavasour sei identisch mit der ‘Persian Lady’.
Deswegen halte ich alle Thesen meines Buches Das Geheimnis um Shakespeares
‘Dark Lady’. Dokumentation einer Enthüllung aufrecht
und sehe - ganz im Sinne Karl Poppers - weiteren kritischen Überprüfungen
durch Fachkollegen mit Interesse entgegen.
[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers
der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, Institut für
Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg, Tel.:
0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]
***
Replik auf Raimund Borgmeiers Besprechung
(Anglistik 11.2 - September 2000 und Neue Zürcher Zeitung - 22. Januar 2000) in: Anglistik
11.2 (September 2000), S. 140-154.
"Der Film Shakespeare in Love hat es wieder allgemein
in Erinnerung gebracht, dass auch bei dem großen britischen Dichter
sehr konkrete Verbindungen zwischen Leben und Werk vorhanden sind."
Bei diesem fulminanten Eröffnungszug des Rezensenten müßte
sich der Leser eigentlich erstaunt die Augen reiben. Denn, wörtlich
genommen, heißt dies, daß "sehr konkrete Verbindungen"
zwischen der Biographie und dem Werk des Dichters bestehen und schon immer
bekannt gewesen, aber lediglich in Vergessenheit geraten und schließlich
erst durch den Film wieder in unser Bewußtsein gelangt seien. Das
aber entspricht wohl so nicht ganz den Tatsachen. Daß es in Shakespeares
Dichtungen - und vor allem in den Sonetten - "untrügliche Anzeichen"
dafür gibt, "dass hier jemand schreibt, der menschliche Extremerfahrungen
aus eigenem Erleben eingehend kennt" (Borgmeier), ist schon von den
Vertretern der Romantik so gesehen worden. Die Verfasserin stellte daher
ihrem Buch ein Zitat August Wilhelm Schlegels als Motto voran: "Es
verrät einen außerordentlichen Mangel an kritischem Scharfsinn,
daß unter den Auslegern Shakespeares, die wir kennen, noch keiner
darauf gefallen ist, seine Sonette für seine Lebensbeschreibung zu
benutzen. Sie schildern ganz augenscheinlich wirkliche Lagen und Stimmungen
des Dichters." Die Shakespeare-Forschung des 20. Jahrhunderts hat
sich mit dem biographischen Ansatz der Erschließung der Werke Shakespeares
schwergetan. Es ist daher höchst erfreulich, wenn der Rezensent,
ein Spezialist für die Sonette, auf die ins Auge springenden Bezüge
zwischen der Vita des Dichters und seinem Werk nun besonders abhebt. Leider
schränkt er dies später wieder ein, wenn er - Shakespeare einbeziehend
- ausführt: "Elisabethanische Lyrik ist nicht so stark durch
eine individuelle Handschrift bestimmt wie nachromantische Dichtung."
An dieser Stelle schließt die entscheidende Behauptung Borgmeiers
an, mit der er These eins der Verfasserin ("Der Verfasser des anonymen
Sonetts, das als Subscriptio des Gemäldes 'The Persian Lady' fungiert
..., ist William Shakespeare") widerlegen zu können glaubt,
für die er jedoch - so viel sei schon vorweggenommen - den Nachweis
schuldig bleibt. "So lassen sich", so Borgmeier, "alle
Merkmale, die angeblich auf Shakespeare als Dichter [des neuen Sonetts]
deuten, auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen finden." Hier ist
einzuwenden, daß nicht pauschal alle Zeitgenossen Shakespeares,
sondern nur diejenigen herangezogen werden dürfen, die nach 1590
(der unteren Marke der Entstehungszeit des Gemäldes 'The Persian
Lady', auf dem sich das neue Sonett befindet) gelebt und sich nachweislich
dichterisch betätigt haben.
Borgmeier geht davon aus, "das gesamte Argumentationsgebäude
der Enthüllung" stehe auf dem Fundament des Sonetts, was sachlich
unzutreffend ist. Denn spätere Thesen, insbesondere These fünf
und These sechs, sind von These eins völlig unabhängig und werden
durch unabhängiges Beweismaterial aus der Shakespearezeit belegt.
Die Annahme des Rezensenten, mit der Widerlegung von These eins könne
das gesamte Gebäude zum Einsturz gebracht werden, ist daher gleichfalls
unzutreffend.
Leider übernimmt Borgmeier - kritiklos - Teile eines
Zitats von Donald W. Foster ("Master W.H., R.I.P.", PMLA, 1987),
das aus einer Aneinanderreihung wenig reflektierter, teilweise unrichtiger
und in sich widersprüchlicher Behauptungen besteht. Laut Foster wissen
wir über Shakespeares Sonette praktisch rein gar nichts: "We
still have no plausible candidates for the role of the dark lady (or ladies),
or of the rival poet (or poets), or of the speaker's young friend (or
friends). We do not know whether all the sonnets are to be taken as spoken
by a single speaker or whether the speaker in each poem is Shakespeare,
a fictional lover, or a man. We do not know that the 'sugred Sonnets'
mentioned by Francis Meres in 1598 are those published in the Quarto,
whether they are all by Shakespeare, whether they are arranged as Shakespeare
wished, or when any one of them was written. We do not even know that
William Shakespeare wrote a single one of these poems, however likely
that surmise may be. ... They [the sonnets] exist now as a symbolic structure
in search of a thing signified." Daß der bedeutende englische
Historiker A. L. Rowse, einer der besten Kenner des elisabethanischen
Geschichte und Kultur, den Grafen von Southampton schon in den 60er Jahren
überzeugend als den jungen adeligen 'Freund' identifizieren und einige
konkrete historische Situationen und Ereignisse benennen konnte, auf die
Shakespeares Sonette Bezug nehmen, wußte der Autor nicht oder ignorierte
es. Borgmeier zitiert den ersten Satz Fosters und stellt fest, daß
dieser "den gesicherten Wissensstand über die Sonette am Ende
der 80er Jahre" beschreibe - und auch heute noch gelte. Dieses Credo
stellt er seiner Rezension voran und scheint sich daher den neuen Argumenten
der Verfasserin von vornherein zu verschließen. Wichtige Teile der
Beweisführung werden bedauerlicherweise nur unvollständig oder
gar nicht wiedergegeben.
Offensichtlich ist dem rein literaturwissenschaftlich
orientierten Rezensenten nicht klar, daß es sich bei dem von der
Verfasserin vorgelegten bildlichen Beweismaterial um authentische historische
Quellen ersten Ranges handelt. Das Hauptzeugnis entstand zwischen 1590
und 1600, also in genau dem Jahrzehnt, in dem Shakespeares Sonette geschrieben
wurden. Es handelt sich um das Gemälde 'The Persian Lady' von Marcus
Gheeraerts dem Jüngeren, des bedeutendsten Porträtisten der
späten Elisabethzeit. Dem Rezensenten scheint auch nicht bekannt
zu sein, daß gerade Renaissance-Gemälde in der Medizin, speziell
in der Dermatologie, schon rund vier Jahrzehnte lang als wertvolles Anschauungsmaterial
zur Diagnostizierung von Krankheitssymptomen herangezogen wurden (vgl.
dazu das Zwischenkapitel "Darstellungen pathologischer Symptome in
der Porträtmalerei der Renaissance: Dermatologische Untersuchungen
und Befunde" des Artikels der Verfasserin in Anglistik, Sept. 1996).
Doch auch Historiker und Kulturwissenschaftler bedienen sich seit längerem
dieser 'bildlichen Geschichtsquellen' mit großem Gewinn. Borgmeier
aber spielt nicht nur die Bedeutung dieses Quellenmaterials herunter,
sondern bezweifelt sogar, daß es methodisch legitim sei, "ein
elisabethanisches Gemälde lebenswirklich ... zu behandeln, so dass
Mediziner auf dieser Grundlage die genaue Schwangerschaftswoche bestimmen
können". Zur sachlichen Richtigstellung sei gleich hinzugefügt,
daß sich natürlich keiner der medizinischen Gutachter auf "die
genaue Schwangerschaftswoche" festgelegt hat. Auf der Grundlage zahlreicher,
klar erkennbarer äußerer Anzeichen urteilt der Gynäkologe,
die schwangere 'Persian Lady' stehe rund 8 bis 12 Wochen vor der Geburt
ihres Kindes. In seinem (nachfolgend abgedruckten) Interview vom 17. Oktober
1999 auf der Frankfurter Buchmesse konnte er anhand einer großformatigen
Reproduktion des Gemäldes noch ein weiteres Merkmal anführen,
das diesen Befund bestätigt. Im übrigen sollte die Frage, ob
sich die im allgemeinen höchst veristisch gemalten Bildnisse des
16. Jahrhunderts für die Bestimmung von Krankheiten und/oder Schwangerschaften
eignen, von den zuständigen Fachmedizinern und nicht von einem Literaturwissenschaftler
beantwortet werden.
Die Thesen
Die Thesen der Verfasserin werden von Borgmeier auf den Seiten drei bis
vier ungekürzt wiedergegeben. Über ihre wissenschaftliche Begründung,
die im Buch Zug um Zug mit einer Vielzahl von stichhaltigen Beweismitteln
und unter Heranziehung von Fachgutachten von Wissenschaftlern unterschiedlichster
Disziplinen erfolgt und die seinen eigentlichen Gegenstand ausmacht, erfährt
der Leser - die Verfasserschaftsthese ausgenommen - allerdings praktisch
nichts. Der Satz "Das gedankliche Netz, das die Verfasserin bei ihrer
Beweisführung im einzelnen knüpft, besticht durch seine feinen
Maschen" ist nichtssagend. Ähnliches gilt auch für die
Formulierungen: "Mediziner ... äußern sich zur Frage der
Schwangerschaft der auf dem Bild dargestellten Dame" - "ein
Botaniker klärt die besondere Spezies des gemalten Baumes und seiner
Früchte ..." - "Kriminologen gutachten über Ähnlichkeitsmerkmale
zwischen unterschiedlichen Porträtdarstellungen". Was mit Hilfe
dieser Fachgutachten in dem Buch tatsächlich bewiesen wird und wie
dies geschieht, bleibt in Borgmeiers Rezension im Dunkeln.
Borgmeier unterstellt der Verfasserin fälschlicherweise
die Absicht, auf dem Weg der Erweiterung des Shakespeare-Kanons dezidiert
zu versuchen, eine zentrale Lücke zwischen Leben und Werk zu schließen.
Er verkennt, daß es zufällige Funde und Entdeckungen waren,
die die Verfasserin unter Hinzuziehung von Fachwissenschaftern ausgewertet
hat und daß sich alle Ergebnisse nach und nach - mosaikartig - zu
einem in sich stimmigen Gesamtbild zusammenfügten.
Das neue Sonett auf dem Gemälde 'The Persian Lady'
(Subscriptio)
Wie schon hervorgehoben, geht Borgmeier davon aus, "das gesamte Argumentationsgebäude
der Enthüllung" stehe auf dem Fundament des Sonetts. Dabei verkennt
er, daß das neue Sonett nur einer von mehreren möglichen Ansatzpunkten
ist für die Präsentation der aus zahlreichen autonomen Gliedern
zusammengefügten Indizien- und Beweiskette, die sich zudem wechselseitig
bestätigen: Die verblüffende Ähnlichkeit Penelopes, der
erstgeborenen Tochter der Gräfin von Southampton, mit Shakespeare
- das Gesicht Shakespeares am Ärmel der Gräfin (das nun einmal
für jenjenigen, der wirklich hinschaut, sicht- und identifizierbar
vorhanden ist, vgl. dazu auch das bereits erwähnte Interview mit
Prof. Berle am 17. Oktober 1999) - die Übereinstimmung der Gesichtszüge
der unbekannten 'Persian Lady' mit denen der Gräfin von Southampton
- und/oder die Übereinstimmung zwischen dem Emblem des Daumenrings
der 'Persian Lady', den Emblemen auf den Porträts des Grafen von
Southampton und dem Emblem am Dekolleté der Penelope - alle diese
Befunde hätten ebensogut als Einstieg dienen können. Das gilt
auch für die verblüffenden Übereinstimmungen der Ergebnisse
der Bildanalyse mit den belegten historisch-biographischen Fakten des
Jahres 1598, etwa der Tatsache, daß die Hofdame Elizabeth Vernon
zum Zeitpunkt ihrer heimlichen Hochzeit mit dem Grafen von Southampton
rund 10 Wochen und die vornehme, bisher namenlose 'Persian Lady' (in einem
festlichen Wickelkleid aus weißer Seide mit Blumen, Blüten
und Früchten) - gemäß gynäkologischem Gutachten -
8 bis 12 Wochen vor der Geburt ihres Kindes stand. Alles dies wären
Optionen für den Einstieg in die Beweiskette gewesen. Hätte
die Verfasserin eine der anderen möglichen Optionen gewählt
und den linguistischen Vergleich ans Ende gestellt, hätte sich schon
vor dem Sprachvergleich herauskristallisiert, daß in den 90er Jahren
als Autor von Sonett und Inschrift des Gemäldes praktisch nur Shakespeare
in Frage kommen konnte.
Natürlich ist es "für den zu führenden
Verfasserschaftsnachweis von besonderer Signifikanz" (S. 10 des Buches),
daß die Form des neuen Sonetts dem sogenannten 'Shakespeare-Sonett'
entspricht und nicht dem von diesem abweichenden 'Petrarka-Vorbild'. Die
Tatsache, daß der "Sonett-Pionier Surrey" - wie Borgmeier
geltend macht - sie "fast ein halbes Jahrhundert früher"
entwickelt hat, ist in diesem Zusammenhang belanglos. Nicht die Verfasserin
verschweigt etwas, sondern Borgmeier, und zwar das Zwischenresümee
am Ende des Absatzes: "Das auf dem Gheeraertsschen Gemälde wiedergegebene
anonyme Sonett in englischer Sprache entspricht voll dieser für Shakespeare
typischen Form. Dies ist die erste (grundlegende) Übereinstimmung
zwischen dem neuen Sonett und den Sonetten Shakespeares und zugleich die
Prämisse für alle nachfolgenden Schritte der Beweisführung"
[in Teil II des Buches] (S. 10).
Der linguistische Vergleich
Daß Borgmeier seine Behauptung, daß sich "alle Merkmale,
die angeblich auf Shakespeare als den Dichter deuten, auch in den Gedichten
seiner Zeitgenossen finden" lassen, nicht belegen kann, wurde eingangs
bereits erwähnt und wird nun aufgezeigt.
Der Rezensent listet auf, ob und wie häufig Wörter
des neuen Sonetts auch von dem elisabethanischen Dichter Edmund Spenser
verwendet werden. Er wird fündig und nennt (mit Häufigkeitsangaben)
'restless', 'wrongs', 'cruelty', 'music', 'thoughts', 'tears' 'melancholy'
'physick', 'harms' und 'redress'. Diese Wörter werden von der Verfasserin
in Teil II, Kap. "4. Linguistischer Vergleich", Unterkapitel
"Lexik", Rubrik "Allgemeiner Wortschatz" behandelt.
Der dort geführte Nachweis, daß das "anonyme Sonett ...
einen Wortschatz auf[weist], den auch Shakespeare benutzt hat", erscheint
zwar simpel, ist jedoch notwendig, um zu zeigen, daß damit "aus
linguistischer Sicht bereits eine wichtige Grundvoraussetzung erfüllt"
ist (S. 11). Es ist jedoch keineswegs erstaunlich, daß diese geläufigen
Wörter auch von anderen Dichtern oft verwendet werden. Auffällig
und zugleich signifikant ist indessen, daß eines der besonders wichtigen
Wörter des neuen Sonetts, das dort sogar zweimal in unterschiedlicher
Schreibung vorkommt, nämlich 'physicke' und 'physique', und zudem
noch in Latein ('medicina') in der sentenzartigen Inschrift (Inscriptio)
des Gemäldes, laut Borgmeier bei Spenser nur einmal begegnet ('physick').
Bei Shakespeare aber ist 'physic' insgesamt neununddreißigmal anzutreffen.
Die Verfasserschaftsthese kann durch Borgmeiers Hinweis, daß die
oben genannten und von Shakespeare häufig verwendeten Wörter
des neuen Sonetts - bis auf 'physic' - auch bei Spencer zahlreich begegnen,
nicht in Zweifel gezogen werden. Sie wird aber dadurch, daß das
Wort 'physic' bei Shakespeare so häufig benutzt wird und bei Spencer
dagegen nur einmal, zwangsläufig noch weiter untermauert.
Borgmeier fand des weiteren heraus, daß Spenser
auch die Wendung 'goodly tree' benutzt, die im dritten Quartett des neuen
Sonetts und bei Shakespeare vorkommt. In 3Henry VI konfrontiert King Henry
unmittelbar vor seiner Ermordung Gloucester, den späteren Richard
III, mit der verletzenden Wahrheit: "Thy mother felt more than a
mother's pain, / And yet brought forth less than a mother's hope, / To
wit, an indigest deformed lump, / Not like the fruit of such a goodly
tree. (V,6,49-52)" (S. 42). Da sich beide Dichter, Shakespeare und
Spenser, dieses Bildes bedienen, bleibt die Richtigkeit der Verfasserschaftsthese
davon unberührt. Borgmeier übersieht aber, daß Spenser
in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts gar nicht in London, sondern seit
Ende der 80er Jahre in Irland lebte, wo er sich als exponierter englischer
Patriot den Haß der Bevölkerung zuzog. Während des irischen
Aufstandes im Jahre 1598 zündete man ihm das Haus an, so daß
er mit seiner Familie überstürzt nach England fliehen mußte.
Er starb im Januar 1599 vor Gram über sein Schicksal. Angesichts
dieser Lebensumstände in dem entscheidenden Jahr 1598 und angesichts
der Tatsache, daß er - im Unterschied zu Shakespeare - 1594 die
in seinen Sonetten besungene Geliebte heiraten konnte, muß Spenser
als potentieller Urheber des neuen Sonetts ausscheiden.
Borgmeier macht ferner darauf aufmerksam, daß die
Tränensymbolik in Sidneys Sonett 87 ganz ähnlich begegnet. Auch
das hat als Einwand gegen die Verfasserschaft Shakespeares keinen Bestand.
Denn Sir Philip Sidney, der wohl berühmteste Sonettdichter der Elisabethzeit,
der 1586 starb und daher als Verfasser des neuen Sonetts gleichfalls nicht
in Frage kommt, war bekanntlich das große Vorbild für die englischen
sonneteers der 90er Jahre - insbesondere auch für Shakespeare.
Der berühmte Topos 'weinender Hirsch' ('weepinge
Stagg') in Shakespeares Komödie As You Like It, Gegenstand zahlreicher
Artikel der Sekundärliteratur, kommt - und das ist in der Tat signifikant
und zugleich bezeichnend - auch in dem neuen Sonett vor. Mehr noch: Der
Maler Marcus Gheeraerts hat ihn adäquat verbildlicht. Borgmeier,
der kein einziges Beispiel der literarischen Verwendung dieses Gemeinplatzes
bei anderen elisabethanischen Dichtern anführen kann, will diesen
Hinweis auf die Verfasserschaft Shakespeares deshalb nicht anerkennen,
weil der 'weinende Hirsch' des Sonetts - wie die Verfasserin ausführte
- Liebesschmerz meint und der 'weinende Hirsch' in As You Like It in der
neueren Forschung als 'Jagdkritik' gedeutet und von der Verfasserin so
akzeptiert wurde. Daß beidemale ein und dasselbe Sinnbild eines
- wie auch immer gearteten - Schmerzes gewählt wurde, läßt
sich durch nichts hinwegdiskutieren, auch nicht dadurch, daß der
Rezensent, die Verfasserin zitierend, darauf verweist, daß der Topos
als solcher "in der Emblematik der Renaissance sehr geläufig
war" (S. 20). Shakespeare hat mit der Verwendung des Topos 'weinender
Hirsch' nachweislich den notwendigen Schritt von der Emblematik zur dramatischen
Literatur vollzogen - und offensichtlich auch zur Sonettkunst. Für
keinen anderen englischen Dichter der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts
konnte Borgmeier dies nachweisen. Die Schlußfolgerung der Verfasserin,
im Gebrauch dieses Gemeinplatzes im neuen Sonett und in As You Like It
"ein deutliches Zeichen dafür [zu sehen], daß beide Texte
aus derselben Feder stammen" (S. 21), ist daher selbstverständlich
korrekt.
Natürlich beweist die Tatsache, daß 'shales'
und 'kernel(s)' von elisabethanischen Autoren selten verwendet werden,
daß - wie die Verfasserin ausführt - "der Kreis derjenigen,
die als Verfasser des anonymen Sonetts in Frage kommen, ausgesprochen
klein sein muß" (S. 18). Entgegen seiner Behauptung, "alle
Merkmale, die angeblich auf Shakespeare als den Dichter [des neuen Sonetts]
deuten, auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen" aufzeigen zu können,
kann Borgmeier 'shales' und 'kernel(s)' bei anderen elisabethanischen
Dichtern nicht nachweisen. Statt dessen führt er eine für 1584
belegte allgemeine Redewendung an ('a kearnell within the schale') und
meint, diese könnte "prinzipiell von allen zeitgenössischen
Autoren" verwendet worden sein. Shakespeare aber verwendet beide
Substantiva, 'shales' einmal und 'kernel(s) sogar sechsmal. Wenn diese
Schlüsselwörter der Hauptaussage des neuen Sonetts ausschließlich
für Shakespeare und für keinen anderen elisabethanischen Dichter
der letzten Dekade des 16. Jahrhunderts nachgewiesen werden können,
ist dies in der Tat ein höchst signifikantes Indiz dafür, daß
nur er der Verfasser des neuen Sonetts sein kann. Der Vollständigkeit
halber seien hier - über die im Buch erbrachten Belege hinaus, die
wegen ihrer großen Bedeutung noch einmal angeführt werden -
auch die weiteren Belege für 'kernel(s)' in Shakespeares Dramen in
ihrem Satz- und Sinnzusammenhang erwähnt. In Henry V, einer Historie,
die offenbar 1599 entstand und damit sehr nahe an die nun ermittelte Entstehungszeit
des Gemäldes (ab Ende August 1598) und des auf ihm befindlichen Sonetts
heranreicht, feuert der französische Constable vor der Entscheidungsschlacht
seine den Engländern zahlenmäßig überlegenen Truppen
mit den Worten an: "To horse, you gallant Princes! straight to horse!
/ Do but behold yon poor and starved band, / And your fair show shall
suck away their souls, / Leaving them but the shales and husks of men"
(IV,2,15-18). In The Winter's Tale ist der rasend eifersüchtige König
Leontes von dem Gedanken besessen, sein Jugendfreund könne der Vater
des ungeborenen Kindes der Königin sein. Mißtrauisch beäugt
er deshalb auch seinen kleinen Sohn Mamilius, muß jedoch feststellen,
daß sich in den Gesichtszügen des Jungen tatsächlich sein
eigenes Abbild abzeichnet: "Looking on the lines / Of my boyes face,
me thoughts I did recoil / Twenty-three years; and saw myself unbreech'd,
/ In my green velvet coat; ... / How like, methought, I then was to this
kernel, / This squash, this gentleman" (I,2,153ff.). In The Tempest
heißt es: "And, sowing the kernels of it [the island] in the
sea, bring forth more islands" (II,1,92); in The Taming of the Shrew:
"As brown in hue / As hazel nuts and sweeter than the kernels"
(II,1,257); in All's Well That Ends Well: "You were beaten in Italy
for picking a kernel out of a pomegranate" (II,3,276) und "There
can be no kernel in this light nut. The soul of this man is in his clothes"
(II,5,47); in Troilus and Cressida: "Were as good crack a fusty nut
with no kernel" (II,1,112).
Ergänzend sei auch auf den wichtigen, von Borgmeier
nicht erwähnten Sachverhalt hingewiesen, daß auch 'Frucht'
('fruit') in Verbindung mit 'Liebe' ('love') - so wie es in der Schlußzeile
des neuen Sonetts begegnet ('If this be all the fruite my love tree bears')
- oder auch in Verbindung mit 'Lust' ('lust') bei Shakespeare belegt ist,
wenn auch der Ausdruck 'Liebesbaum' ('love tree') nicht vorkommt. In 3Henry
VI erscheint zweimal 'fruits of love': "Tis the fruits of love I
mean" (III,2,58 und 59). In Titus Andronicus heißt es: "here's
the base fruit of his burning lust" (V,1,43). Zu 'fruit(e)' in kausaler
Verbindung mit 'love' und/oder 'lust' bei Spenser oder anderen Dichtern
der Elizabethzeit äußert sich der Rezensent anscheinend deshalb
nicht, weil er nicht fündig wurde. Wäre es nicht sportlich fair
gewesen, dies auch schriftlich zu registrieren?
Auch die von der Verfasserin angeführten syntaktischen
Übereinstimmungen des neuen Sonetts mit Beispielen aus Shakespeares
Dramen (z.B. "The pain be mine", Sonett 38, und "The shales
be mine", neues Sonett) werden von Borgmeier ignoriert. Statt dessen
versucht er aufzuzeigen, daß die syntaktische Besonderheit des nicht
betonten periphrastischen 'do' in der positiven Aussage, die noch heute
in liturgischen Formeln erhalten ist ("till death do us part")
und die nicht nur im neuen Sonett vorkommt ('this goodly tree / which
I did plant in love'), sondern von Shakespeare in seinen Sonetten überaus
häufig verwendet wird, gar keine Besonderheit des Dichters darstelle.
Dieses syntaktische Kriterium, so Borgmeier, habe er in sechs aufeinander
folgenden Sonetten Sidneys (Nr. 87-92) gefunden. Hier gilt das bereits
Gesagte: Sidneys Sonette hatten für die englischen Sonettdichter
der 90er Jahre Vorbildcharakter. Auch Shakespeare wurde bekanntlich von
ihnen beeinflußt. Dort konnte er studieren, daß sich mittels
der oben beschriebenen sprachlichen Besonderheit eine metrisch benötigte
zusätzliche Silbe gewinnen ließ und das Reimen dadurch erleichtert
wurde. Da Sidney selber als Autor ausscheidet (denn er war - wie erwähnt
- zu Beginn des Entstehungszeitraums des Gemäldes ja schon vier Jahre
tot), ist der Einwand des Rezensenten gegenstandslos.
Als vorläufiges Resultat ist festzuhalten, daß
alle von Borgmeier vorgebrachten Einwände, die die Verfasserschaft
Shakespeares an dem neuen Sonett in Frage stellen sollten, vollständig
zurückgewiesen bzw. entkräftet werden konnten. Widerlegt werden
konnte damit auch die Behauptung des Rezensenten, "alle Merkmale,
die angeblich auf Shakespeare als Dichter [des neuen Sonetts] deuten,
[lassen sich] auch in den Gedichten seiner Zeitgenossen finden".
Wenn Borgmeier die von elisabethanischen Autoren selten verwendeten Wörter
des neuen Sonetts, 'shales' und 'kernel(s), für keinen der anderen
elisabethanischen Dichter des letzten Jahrzehnts nachweisen kann und diese
Wörter in derselben und in ähnlicher Bedeutung ausschließlich
bei Shakespeare begegnen, wird die These der Verfasserin, der Schöpfer
des anspruchsvollen neuen Sonetts sei William Shakespeare, nicht etwa
widerlegt, sondern - ganz im Gegenteil - weiter erhärtet und bestätigt.
Literaturwissenschaftlicher Vergleich
Der Rezensent bezweifelt, daß sich das neue Sonett, vor allem das
dritte Quartett, das die Hauptaussage enthält, zusammen mit den Schlußversen,
die das Resümee ziehen, als das Ende einer Dreiecksbeziehung deuten
läßt. Dabei weist er mit keinem Wort auf den 13 Seiten langen
"Literaturwissenschaftlichen Vergleich" der Verfasserin (S.
23-35) hin, in dem die realistisch, freizügig und schonungslos beschriebene,
von heftigen Emotionen bewegte und für das dichterische Ich unglücklich
verlaufene Dreierbeziehung in allen ihren Phasen (Entstehung, Entwicklung
und drohendes Ende unter Ausgrenzung des Dichters) sorgfältig anhand
zahlreicher Beispiele belegt wird. Da Borgmeier alles dies verschweigt,
verschweigt er auch die Tatsache, daß Shakespeares 'Dark Lady'-Sequenz,
da die beiden naiven Cupido-Sonette am Ende nicht von ihm stammen können,
offen ist. Die Verfasserin führt dazu aus: "... die Sequenz
[endet] mit Sonett 152, dessen Tonlage ungewöhnlich schroff und verletzend
ist. Es kommt zu heftigen und beleidigenden Vorwürfen und Beschuldigungen,
die in eine pauschale moralische Verurteilung der Geliebten einmünden
und zeigen, daß die Beziehung am Ende ist und vermutlich abgebrochen
wird. Sätze wie "And all my honest faith in thee is lost"
und "For I have sworn thee fair - more perjur'd I, / To swear against
the truth so foul a lie!" geben Anlaß zu der Annahme, daß
sich die 'Dark Lady' eines schwerwiegenden Vergehens schuldig gemacht
hat. Aber der Dichter läßt offen, worum es sich dabei handelt.
- Was tatsächlich geschehen ist, erfahren wir in der Subscriptio
der emblematischen Darstellung. Denn betrachtet man das anonyme Sonett
im Licht dieser Geschehnisse und ihres ausgesprochen dramatischen Verlaufs,
so stellt sich heraus, daß der Text der Subscriptio des Gemäldes
'The Persian Lady' unmittelbar an den sehr bewegten 'Handlungsablauf'
der 'Dark Lady'-Sequenz anschließt" (S. 27). Weiter heißt
es: "Das neue Sonett enthält somit, wenn auch kodiert, die Erklärung,
die uns der Dichter am Ende der 'Dark Lady'-Sequenz vorenthalten hat:
Dargestellt wird das (zuvor immer wieder befürchtete) Ende der Dreiecksbeziehung.
Doch ist der Dichter nicht nur ausgegrenzt und isoliert, sondern er sieht
sich am Ende auch um die Frucht seiner Liebe betrogen" (S. 28). Diese
Aussage stützt sich auf das dritte Quartett des neuen Sonetts: "My
onely hope was in this goodly tree, / which I did plant in love bringe
vp in care; / but all in vaine, for now to[o] late I see / the shales
be mine, the kernels others are." Sie stützt sich ferner auf
die dem Text entsprechende bildliche Darstellung der hoch schwangeren
'Persian Lady'. Die (weit fortgeschrittene) Schwangerschaft ist ein zentrales
Thema von Bild und Text. Ihre veristische Wiedergabe besetzt das Bildzentrum.
Sie wird zum Gegenstand der Hauptaussage im dritten Quartett des neuen
Sonetts und klingt auch in den Schlußversen noch einmal an. Das
Thema Schwangerschaft wird in der Pictura in kunstvoll ausgeführten
Fruchtbarkeitsmotiven (in Form von Wasser, Blumen, Blüten und Früchten)
variiert. Wenn Borgmeier die von der Verfasserin minutiös und unter
Mitwirkung von medizinischen und botanischen Fachwissenschaftlern dargelegten
Zusammenhänge schlichtweg leugnet und statt dessen meint, "Zeile
12, 'the shales be mine, the kernels others are', hat einen viel allgemeineren
Sinn", so stellt er den sehr konkreten (von ihm selber auf S. 3 bestätigten)
engen und wechselseitigen Bezug zwischen Bild und Text wieder in Frage:
den Bezug zwischen der schon weitgehend ausgereiften Frucht im Leib der
Schwangeren (der von der Verfasserin konsultierte Gynäkologe, Prof.
Dr. med. Peter Berle, schätzt den Stand der Schwangerschaft - wie
erwähnt - auf 8 bis 12 Wochen vor der Geburt) sowie den reifen, an
Oliven erinnernden Früchten, die vom Baum fallen, und den im neuen
Sonett genannten 'Kernen' bzw. 'Früchten' ('kernels'), die 'anderen'
('others') zufallen werden, so daß dem dichterischen Ich nur die
'Schalen' ('shales') bleiben. In der Schlußzeile schließlich
wird die enttäuschende Schlußfolgerung formuliert: 'My Musique
may be plaintes, my physique teares / If this be all the fruite my love
tree beares.'
Ein grundlegender Irrtum des Rezensenten besteht darin,
daß er - wenngleich unausgesprochen - davon ausgeht, die 'Persian
Lady' sei gar nicht schwanger. Da er sich nicht offen gegen das einhellige
Urteil von vier Medizinern stellen möchte, beschreitet er einen Umweg,
indem er, die medizinischen Expertengutachten ignorierend, die Realistik
und Veristik elisabethanischer Porträts grundsätzlich in Frage
stellt. Er fragt sich, wie Mediziner auf der Grundlage von Renaissance-Porträts
ihre Diagnosen stellen können, anstatt dies - wie schon eingangs
betont - den medizinischen Experten zu überlassen. Dem Rezensenten
scheint entfallen zu sein, daß es medizinische (und kriminologische)
Begutachtungen und Testverfahren waren, die bei den 1995 von der Verfasserin
erbrachten Echtheitsnachweisen für Shakespeares Totenmaske und seine
Porträts 'Chandos' und 'Flower' eine ganz entscheidende Rolle gespielt
haben. Da er die Schwangerschaft der 'Persian Lady' (indirekt) bezweifelt
(und damit die Diagnose des langjährigen Chefarztes der Frauenklinik
und Hebammenschule am Klinikum der Landeshauptstadt Wiesbaden in Zweifel
zieht), ist es ihm möglich zu argumentieren, es erscheine "naheliegend,
die abgebildete Frau in der Sprecherrolle zu vermuten". Diese Annahme
aber ist, wenn sie sich auf das gesamte Sonett bezieht, unhaltbar, wie
noch gezeigt wird. Borgmeier begründet seine Vermutung mit dem Hinweis
auf die erste Zeile des zweiten Quartetts: 'my weepinge Stagg I crown',
die mit der bildlichen Darstellung korrespondiere. Auch die Verfasserin
stellt nicht in Abrede, daß diese Zeile (wie offensichtlich auch
die drei weiteren) tatsächlich von der 'Persian Lady' gesprochen
werden. Sie ist im Unterschied zu Borgmeier jedoch der Überzeugung,
daß hier lediglich ein (vorübergehender) Wechsel der Perspektive
vorliegt, daß die im Zentrum der Pictura dargestellte Geliebte auch
im Zentrum des Sonetts, d.h. im mittleren der drei Quartette, zu Wort
kommt. Alle anderen Zeilen müssen, wenn die Hauptaussage und die
Schlußfolgerung des neuen Sonetts Sinn ergeben soll, von einer männlichen
Person (dem Dichter) gesprochen werden. Daß in dem neuen Sonett
zwei Personen, und zwar unterschiedlichen Geschlechts, zu Wort kommen,
zeigt sich beispielsweise an der Charakterisierung ihres unterschiedlichen
Seelen- bzw. Gemütszustands: Die Person im ersten Quartett befindet
sich in einem qualvollen Zustand permanenter innerer Rastlosigkeit, denn
sie spricht von 'my restles minde'. Was dies in elisabethanischer Zeit
und auch bei Shakespeare bedeutet, wird auf den Seiten 12, 19-20 und 28-29
des Buches ausführlich und mit Beispielen erläutert. Die Verfasserin
verwies u.a. auf einen Brief, den die verzweifelte Gräfin von Southampton
an Robert Cecil richtete, nachdem ihr Mann als engster Verbündeter
des Grafen von Essex - wie dieser - nach dem Scheitern der Rebellion (1601)
zum Tode verurteilt worden war: "Oh! let me, I beseech you, in this
my great distress move you to have this compassion. ... I restlessly remain
the most unhappy and miserable Elizabeth Southampton" (S. 12). Die
Person im zweiten Quartett des neuen Sonetts aber spricht von ihren 'pensive
thoughts, also von ihrem 'nachdenklichen Sinn', wie die Verfasserin überträgt,
oder von ihren 'sinnenden Gedanken', wie Borgmeier übersetzt. Diese
klare Schilderung zweier deutlich voneinander verschiedener Gemütszustände
können sich somit nicht auf ein und dieselbe Person beziehen. Daß
sowohl ein Mann als auch (vorübergehend im zweiten Quartett) eine
Frau sprechen, ergibt sich ferner aus den deutlichen Differenzierungen
'my restles minde' und 'her Just complaintes' im ersten und 'hes [his]
Teares' und 'my sighes' im zweiten Quartett. Die Person des ersten und
dritten Quartetts sowie der beiden Schlußverse muß daher männlich
sein. Sie ist identisch mit dem klagenden Dichter. Die Person des zweiten
Quartetts (bildlich als 'Persian Lady' dargestellt) muß weiblich
sein. Sie ist die Geliebte des Dichters. Dies wird im übrigen auch
durch die bildliche Darstellung bestätigt. Denn links neben der Schwangeren
im Bildzentrum sehen wir den weinenden Hirsch, der ganz offensichtlich
eine Personifikation des (männlichen) Dichters darstellt und - wegen
der schon mehrfach betonten Entsprechung von Bild und Text - notwendigerweise
auch im neuen Sonett, der Subscriptio des Gemäldes, vorkommen muß.
Plazierung und Inhalt der dreiteiligen lateinischen Inschrift (Inscriptio)
des Gemäldes - "Iniusti Iusta querela / Mea sic mihi / Dolor
est medicina et lori" ("Wie des Ungerechten gerechte Klage /
so ist mir sogar der Schmerz der Rute Medizin") offenbaren gleichfalls,
daß aus der Perspektive des weinenden Hirschen (bzw. des klagenden
Dichters) berichtet wird. Die dritte und letzte Zeile mit den Schlüsselwörtern
'Dolor', 'medicina' und 'lori' endet bezeichnenderweise auf der Höhe
seines gesenkten Kopfes, genau dort, wo sich die Perlen der Geliebten
wie Tränen über ihn ergießen. Diese unmißverständlichen
Aussagen von Bild und Text zeigen, daß Borgmeiers Annahme, das gesamte
Sonett sei aus der Perspektive einer Frau geschrieben, nicht stimmen kann.
Sie kann darüber hinaus auch deshalb nicht stimmen, weil es überhaupt
keinen Sinn machte, einer hoch schwangeren, kostbar gekleideten und festlich
geschmückten Dame aus höchsten Gesellschaftskreisen, die der
nahenden Geburt ihres Kindes ganz offensichtlich mit Freude entgegensieht,
die Zeilen des dritten Quartetts in den Mund zu legen und sie klagen zu
lassen, daß die Frucht ihrer Liebe anderen gehört.
Abschließend sollte nicht unerwähnt bleiben,
daß das neue Sonett von hoher literarischer Qualität ist und
somit von einem hochrangigen elisabethanischen Sonettdichter stammen muß.
In der Forschung ist man sich einig, daß es unter Elisabeth I. letztlich
nur drei wirklich herausragende Sonettdichter gegeben hat: Sir Philip
Sidney, Edmund Spenser und William Shakespeare. Sie alle haben in ihren
Sonettzyklen Autobiographisches verarbeitet. Nur sie dürften als
Autoren dieses anspruchsvollen sprachlichen Kunstwerks in Frage kommen.
Nur mit einem von ihnen dürfte Marcus Gheeraerts d. J., der bedeutendste
Porträtmaler in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts, zusammengearbeitet
haben. Sidney scheidet - wie schon erwähnt - definitiv aus. Denn
er starb 1586, rund sieben Jahre vor der der unteren Grenze der Entstehungszeit
der Shakespeareschen Sonette (ca. 1593-99) und rund vier Jahre vor Beginn
der Dekade, aus der das Gemälde 'The Persian Lady' (1590-1600) stammt.
Aber auch Spenser scheidet aus den bereits dargelegten Gründen aus.
Somit bleibt nur Shakespeare, der in seinen 'Dark Lady'-Sonetten die Tragödie
seiner unglücklichen Liebe und die quälende Dreiecksbeziehung
realistisch beschreibt, in die er eingebunden war.
Die historisch-biographischen Bezüge
Borgmeiers Warnung, "wie vorsichtig man bei einer realbiographischen
Auslegung elisabethanischer Lyrik sein sollte", kann die Verfasserin
zwar grundsätzlich unterstreichen, sie aber angesichts der von ihr
äußerst sorgfältig geprüften - und für stimmig
befundenen - historisch-biographischen Details nicht auf sich beziehen.
Davon dürfte schon ein Blick auf die chronologisch dargestellten
Ereignisse des Jahres 1598 (S. 62-63), auf die der Rezensent die Leser
im übrigen nicht hinweist, überzeugen. Sie ruft aber auch das
Eröffnungsstatement des Rezensenten in Erinnerung, in dem von den
vorhandenen "sehr konkrete[n] Verbindungen zwischen Leben und Werk"
William Shakespeares die Rede ist.
Der Rezensent sieht einen gewissen Widerspruch darin,
daß "es [das neue Sonett] zugleich ein emblematisches Gedicht
und das Schlussgedicht der 'Dark Lady'-Sequenz sein soll". Dieser
Widerspruch existiert nicht. Es handelt sich nicht um ein "emblematisches
Gedicht", sondern um ein Sonett, das als Subscriptio in ein emblematisch
konzipiertes Gemälde einbezogen ist, das des weiteren eine Inscriptio
und eine Pictura besitzt. Die Tatsache, daß für die Subscriptio
ein Sonett und nicht - wie in der Emblematik im allgemeinen bevorzugt
- ein Epigramm gewählt wurde, ist ungewöhnlich, zeigt aber,
daß der anonyme Dichter der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts nicht
- wie beispielsweise Ben Jonson - auf dem Gebiet des Epigramms zuhause
war, sondern auf dem des Sonetts.
Die Verfasserin behauptet an keiner Stelle, wie Borgmeier
unterstellt, "dass es [das neue Sonett] zugleich als ein verloren
gegangenes Schluss-Sonett in Shakespeares Sammlung intendiert war".
Sie behauptet und begründet, daß der Text der Subscriptio -
wegen seiner zahlreichen linguistischen und gerade auch verblüffenden
thematischen Übereinstimmungen mit den Sonetten (und Dramen) Shakespeares
und vor allem deswegen, weil er eine äußerst plausible Erklärung
dafür bietet, warum der Dichter am Ende der 'Dark Lady'-Sequenz in
der letzten, tatsächlich von ihm stammenden Zeile von 'so foul a
lie' spricht und moralisch entrüstet ist. Wenn er in dem neuen Sonett
klagt, 'the shales are mine, the kernels others are' und 'My Musique may
be plaintes, my physique teares / If this be all the fruite my love tree
beares', kann dies nur auf eine Dreierbeziehung gemünzt sein, bei
der der Dichter des neuen Sonetts - so wie das dichterische Ich in Shakespeares
'Dark Lady'-Sonetten - ausgegrenzt wurde. Der Autor des neuen Sonetts
wurde darüber hinaus auch um die Frucht seiner Liebe betrogen. Alles
spricht dafür, daß Shakespeare mit der Formulierung 'so foul
a lie' auf eben diesen Betrug abhebt. Angesichts der verblüffenden
Übereinstimmung der Thematik des neuen Sonetts mit der der Shakespeareschen
'Dark Lady'-Sonette und angesichts der Plausibilität, die die Aussage
'so foul a lie' in diesem Kontext hat, ist es schlüssig und legitim
zu folgern, "daß das neue Sonett in die Reihe der 'Dark Lady'-Sonette
gehört, daß die in ihm beschriebene Geliebte mit der 'Dark
Lady' identisch ist und daß das neue Sonett das eigentliche Abschluß-Sonett
dieser Sequenz darstellt" (S. 35). Mit seinem unspezifischen Hinweis,
"Zeile 12, 'the shales be mine, the kernels others are', hat einen
viel allgemeineren Sinn", kann der Rezensent die These der Verfasserin
nicht widerlegen.
Da sich - wie gezeigt werden konnte - die von Borgmeier
gegen These zwei der Verfasserin vorgebrachten Argumente als nicht stichhaltig
erwiesen haben, bleibt auch diese These unangefochten. Es gilt: "Das
[neue] Sonett gehört in die Reihe der 'Dark Lady'-Sonette; die in
ihm beschriebene Geliebte ist identisch mit der 'Dark Lady'; es stellt
das eigentliche Abschluß-Sonett dieser Sequenz dar" (S. 5 des
Buches).
An dieser Stelle sei ferner darauf hingewiesen, daß
natürlich auch alle weiteren Indizien und Belege (Identifizierung
der 'Persian Lady' als Elizabeth Vernon, das Gesicht Shakespeares am Ärmel
der Gräfin von Southampton und die Übereinstimmung der Züge
ihrer 1598 geborenen Tochter Penelope mit denen William Shakespeares und
vor allem auch alle bekannten Ereignisse und Fakten des historisch-biographischen
Hintergrunds des Jahres 1598) diese These zusätzlich bestätigen.
Die Pictura
Der Rezensent macht es sich sehr einfach, wenn er auf die entscheidenden
Bestandstücke der Beweisführung nicht oder nur sehr flüchtig
eingeht. So verschweigt er mit Bezug auf den kriminaltechnischen Bildvergleich
zwischen der 'Persian Lady' und der Gräfin von Southampton die vielen
übereinstimmenden Gesichtsmerkmale und verweist lediglich auf zwei
von dem BKA-Experten festgestellte Abweichungen, wobei er erneut verschweigt,
daß diese nicht nur schlüssig und plausibel erklärt werden
konnten, sondern auch von dem BKA-Experten geprüft und für richtig
befunden wurden. Da die Abweichung im Augenbereich schwangerschaftsbedingt
ist - wie ein detailliertes medizinisches Fachgutachten bestätigt
-, hat sie eine natürliche Ursache und scheidet somit als Kriterium,
das gegen die Identität sprechen könnte, aus. Für die leicht
abweichende Gesichtsumrißform - es handelt sich bei genauerer Betrachtung
um vermehrtes Fettgewebe im Gesicht Vernons (speziell im Wangenbereich),
das sich nach ihrer Heirat und Entbindung gebildet haben muß - existiert
gleichfalls eine plausible Erklärung. Denn Vernon führte nach
den ungewöhnlichen und großen Strapazen und widrigen Umständen
ihrer Schwangerschaft im Jahre 1598 (vgl. dazu S. 62-63) als Gräfin
von Southampton ein Leben in Reichtum und Luxus, so daß die leichte
Fettansammlung in ihrem Gesicht sich aus ihren grundlegend veränderten
Lebensumständen erklärt. Alles dies - und auch die Tatsache,
daß die Gräfin ein besonderes Erkennungsmerkmal, nämlich
eine markante Kinnspitzenpartie, besitzt, verschweigt Borgmeier. Statt
dessen urteilt er rasch - und unbegründet: "Um die Identität
der als 'Persian Lady' dargestellten Dame zu beweisen, zieht die Verfasserin
ein authentisches Porträt der Gräfin von Southampton heran und
bemüht sich - nicht ganz überzeugend - die von dem Kriminologen
festgestellten Abweichungen ... zu erklären" (S. 10). Mit diesem
flüchtigen Einwand, dem jegliche Begründung fehlt, kann der
Rezensent das positive Ergebnis des Gesichtsvergleichs keineswegs in Frage
stellen.
Die Art und Weise, wie Borgmeier mit dem - durch nichts
wegzudiskutierenden - Tatbestand umgeht, daß sich auf dem untersuchten
authentischen Porträt der Gräfin von Southampton - wie der Sachverständige
des BKA schriftlich bestätigte - ein Gesicht befindet, das die Züge
William Shakespeares trägt, zeigt, daß ihm nicht klar zu sein
scheint, daß es sich hier um einen absichtlichen und sehr konkreten
Bildhinweis des Malers für die Nachwelt handelt, der - wie das Gemälde
selber - eine genuine historische Quelle ist. Da das Bild des Dichters
am Ärmel Elizabeth Vernons faktisch vorhanden ist, stellt das um
1600 entstandene Porträt, auf dem die Gräfin von Southampton
noch nicht frisiert und vollständig angekleidet ist, in der Tat ein
starkes Indiz für eine intime Beziehung zwischen ihr und Shakespeare
dar. An dieser Tatsache vermögen die Überlegungen des Rezensenten,
ob ein solcher Sachverhalt überhaupt vorstellbar sei, nichts zu ändern.
Borgmeiers Kommentar, "Glücklicherweise vermochte vier Jahrhunderte
lang niemand die Geheimbotschaft zu entschlüsseln", läßt
vermuten, daß er es wohl vorgezogen hätte, wenn diese Botschaft
des Malers nicht entdeckt worden wäre.
Vernons 1598 geborene Tochter, Lady Penelope Spencer,
geb. Wriothesley, ist - wie ein van Dyck-Porträt von ihr offenbart,
Shakespeare gleichsam wie aus dem Gesicht geschnitten. Der BKA-Experte,
der einen Gesichtsvergleich zwischen Penelope und dem Grafen von Southampton
einerseits und Penelope und Shakespeare andererseits vorgenommen hatte,
gelangte zu dem Schluß: "Das Ergebnis der Auswertung fällt
eindeutig zugunsten von 'S[hakespeare]' aus." Auch dieses wichtige
Ergebnis verschweigt der Rezensent.
Angesichts der Tatsache, daß die Verfasserin die
historisch-biographischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge
besonders sorgfältig und gründlich erforscht hat und sich alle
ihre Ergebnisse hier stimmig einfügen ließen, erstaunt es,
daß der Rezensent meint, "der zeitgenössische Kontext
[werde] zu wenig berücksichtigt". Daß Shakespeare mit
dem Gedanken gespielt haben könnte, "mit der Geliebten zusammenzuleben
und mit ihr Kinder zu zeugen" - so wie es die Cousine Elizabeth Vernons,
Lady Rich, mit ihrem Liebhaber Lord Mountjoy in aller Öffentlichkeit
vorlebte -, weist Borgmeier mit dem Hinweis zurück, daß zwischen
"einem Mitglied des Hochadels und einem besitzbürgerlichen Theaterunternehmer
wie Shakespeare ... damals Welten [klafften]". Dabei übersieht
er, daß Elizabeth Vernon, obwohl sie eine Cousine des Grafen Essex
war, nicht dem Hochadel entstammte, sondern ihm erst später durch
Eheschließung angehörte. Sie war die Tochter des kleinen Landedelmannes
Sir John Vernon, der 1591 starb und seinen Kindern kaum das Nötigste
zum Leben hinterließ. Elizabeth Vernon wurde das Mündel ihres
Vetters Essex, der ihr die Stellung bei Hofe verschaffte und sie jährlich
mit 50 Pfund unterstützte. Daß die Welten zwischen niederem
Adel und Bürgertum keineswegs sehr groß waren, zeigt u.a. das
Beispiel der Eltern Shakespeares. Seine Mutter, die relativ reiche Erbin
Mary Arden, entstammte dem niederen Adel und heiratete den Handwerker
John Shakespeare. Vermutlich war sie es, die - zusammen mit ihrem Sohn
William - dafür gesorgt hat, daß ihrem Mann, dem ehemaligen
Bürgermeister von Stratford, ein Wappen zuerkannt wurde und daß
er den erblichen Titel 'Gentleman' erhielt. Die sozialen Schranken zwischen
Shakespeare und Vernon dürften somit kein wirkliches Hindernis für
ein Zusammenleben gewesen sein - ebensowenig wie die Tatsache, daß
Shakespeare im fernen Stratford Frau und Kinder hatte. In elisabethanischer
Zeit herrschte de facto eine erstaunlich große sexuelle Freizügigkeit.
Wichtig war, daß Nachkommen gezeugt wurden - ganz gleich, ob legitim
oder illegitim. In den zeitgenössischen Testamenten, die Honigmann
zu Hunderten untersucht hat, wimmelt es von 'bastard sons' und 'bastard
daughters', die stolz erwähnt und testamentarisch bedacht werden.
Wie seine Zeitgenossen war auch Shakespeare von der Idee besessen, in
seinen Kindern weiterzuleben. Die Fortpflanzung galt in elisabethanischer
Zeit als eine von drei Möglichkeiten, das Verlangen nach Unsterblichkeit
zu stillen. Als sein einziger Sohn, Hamnet, der 1585 als Zwillingsbruder
von Judith geboren wurde, am 11. August 1596 in Stratford beigesetzt wurde,
bedeutete dies für den Dichter das Ende großer Hoffnungen.
Von seiner um 8 Jahre älteren Frau konnte er wohl keine Kinder mehr
erhoffen. Im Kontext des oben Gesagten muß auch Hauptaussage des
neuen Sonetts gesehen werden: die Erkenntnis und Klage des dichterischen
Ichs, daß ihm die Früchte seiner Liebe genommen werden und
anderen zufallen.
Konsequenzen und Schlußfolgerungen
An keiner Stelle des Buches wird - wie der Rezensent unterstellt - von
der Verfasserin behauptet, Elizabeth Vernon habe ihr Kind Penelope "lieblos
vernachlässigt". Gestützt auf authentische historische
Quellen, wird dargelegt, daß die Kindesmutter ihr Kind im Babyalter
den Augen Southamptons entzogen hat, aber in Briefen stets ihre gleichgroße
Liebe zu ihrem Mann und ihrem Kind betonte. Dargelegt wird auch, daß
Lady Rich, Vernons Cousine, in dieser Zeit besser über das Aussehen
und die Entwicklung der kleinen Penelope unterrichtet war als die Kindesmutter
und daß sie Southampton gegenüber, dessen strahlend helle Augen
bekannt waren, in auffälliger Weise die hellen grauen Augen Penelopes
betonte. Dieses merkwürdige Verhalten wurde von der Verfasserin im
Zusammenhang mit den zahlreichen anderen Zweifeln an der Vaterschaft Southamptons
abgehandelt (vgl. S. 84ff.).
Der von der Verfasserin erstellte Bezug zwischen den
Ereignissen des Jahres 1598 und Shakespeares The Winter's Tale ist - auch
bei erneuter Überprüfung - ausgesprochen plausibel. Shakespeare
bringt Themen wie (unterstellte) Dreiecksbeziehung, Vaterschaftszweifel,
Gefängnisaufenthalt der schwangeren Königin und Geburt der Tochter
im Gefängnis in einer bis dahin nicht dagewesenen Weise auf die Bühne.
Angesichts des Tatbestands, daß Vernons Tochter Penelope nicht -
wie wir nun wissen - Southampton ähnelte, sondern die Gesichtszüge
Shakespeares trug, liegt die Vermutung allerdings sehr nahe, daß
auch die Szene, in der der König, krank vor Eifersucht und Mißtrauen
gegenüber seinem Jugendfreund, die Gesichtszüge seines kleinen
Sohnes prüft, als versteckter Hinweis des Dramatikers an die Adresse
Southamptons gerichtet war. Natürlich ist es legitim, hier autobiographische
Zusammenhänge zu vermuten. Man wundert sich allerdings, daß
der Rezensent, der eingangs die vorhandenen "konkreten Verbindungen
zwischen Leben und Werk" Shakespeares so stark betonte, obwohl er
dafür keine konkreten Belege vorlegen konnte, dies ausgerechnet bei
einem Beispiel kritisiert, dessen (auto)biographischer Bezug ins Auge
springt.
Die "zum Teil gravierenden Schwächen",
die der Rezensent abschließend - fälschlicherweise - der Verfasserin
unterstellt, lassen sich - wie ihre Replik gezeigt hat - nicht für
ihr Buch, wohl aber für die von Borgmeier vorgelegte Besprechung
nachweisen. Sie erklären sich jedoch nicht daraus, daß manche
Aussagen Borgmeiers für sich genommen unzutreffend sind, sondern
daraus, daß seine Einwände angesichts der gegebenen historischen,
kulturgeschichtlichen, biographischen, medizinischen, botanischen und
kriminologischen Fakten und Zusammenhänge keinen Bestand haben.
Erläuterungen zu den Bildzitaten (Abb. 1-5) aus H. Hammerschmidt-Hummel,
Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’: Dokumentation einer
Enthüllung.
Abb.1 Ausschnitt des emblematisch angelegten elisabethanischen
Gemäldes ‘The Persian Lady’ von Marcus Gheeraerts d.J.
(1553-1635), bei dem es sich um das zentrale Bilddokument der oben genannten
Monographie handelt. Die hier bildlich dargestellte, bisher nicht identifizierte,
hoch schwangere und festlich gekleidete Elisabethanerin mit schwarzem
Haar und dunklen Augen steht - wie der Gynäkologe Prof. Peter Berle
in seinem Fachgutachten vom 25. Februar 1997 feststellt - 8 bis 12 Wochen
vor dem Geburtstermin. Sie ist Elizabeth Vernon, Hofdame Königin
Elisabeths I. und durch Heirat Gräfin von Southampton. Diese Personenidentität
ergab sich durch Vergleich mit einem authentischen Bildnis der Gräfin
von Southampton, bei der der BKA-Sachverständige Reinhardt Altmann
sowie der Chirurg und Internist Prof. Wolfgang Hach mitgewirkt haben.
Auch Vernon war hoch schwanger und stand ca. 10 Wochen vor der Geburt
ihrer Tochter Penelope am 8. November 1598, als sie Ende August 1598 den
dritten Grafen von Southampton heiratete, Shakespeares Patron, Freund
(und Nebenbuhler).
Abb. 2 Ausschnitt aus ‘The Persian Lady’.
In der Barockkartusche ist ein Sonett wiedergegeben, das sich auf das
bildlich Dargestellte bezieht. Das dichterische Ich dieses Sonetts, auf
dem Gemälde als weinender Hirsch abgebildet, klagt, die Frucht seiner
Liebe gehöre ‘anderen’. Ein linguistischer Vergleich
mit den Sonetten, Versepen und Dramen Shakespeares, den der anglistische
Sprachwissenschaftler Prof. Klaus Faiß geprüft und für
richtig befunden hat, ergab, das der Text des neuen Sonetts von der Hand
Shakespeares stammen muß. Dies ist auch das Ergebnis des durchgeführten
literaturwissenschaftlichen Vergleichs.
Abb. 3-5 Henry Wriothesley, dritter Graf von Southampton
- Penelope Spencer, geb. Wriothesley - und William Shakespeare im Jahr
der Publikation seiner Sonette (1609). Das ‘neue Sonett’ auf
Gheeraerts’ Gemälde beschließt die bislang offene ‘Dark
Lady’-Sequenz der Shakespeareschen Sonette. Ein von dem BKA-Sachverständigen
Altmann vorgenommener kriminaltechnischer Bildvergleich hat gezeigt, daß
es zwischen den Gesichtszügen Penelopes (auf dem Gemälde von
Anthonis van Dyck) und Shakespeares (auf dem Chandos- und dem Flower-Porträt)
zahlreiche verblüffende Übereinstimmungen gibt, während
Penelopes Züge von denen des Grafen von Southampton, ihres angeblichen
Vaters, stark abweichen. “Das Ergebnis der Auswertung”, so
Altmann, “fällt eindeutig zugunsten von ‘S[hakespeare]’
aus” (27. August 1997).
[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung
des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens,
Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg,
Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]
f. Leserbriefe
Leserbrief der Autorin an den Daily Telegraph (London) auf Wunsch von David Tristram Davies, Letters Editor (2. Oktober
1999):
Meet Shakespeare’s Dark Lady ...
„SIR - A. L. Rowse was right in identifying the
Earl of Southampton as Shakespeare’s young friend and patron in
the sonnets (article, Sept. 21) but wrong in saying that the Dark Lady
was Emilia Lanier Bassano.
Early in 1997, I came to realise that M a r c u s G h e e r a e r t s
’ s The Persian Lady, which was painted between 1590 and
1600 and is at Hampton Court Palace, contains decisive evidence about
the Dark Lady. The picture shows an unknown, heavily pregnant lady of
high rank who is festively dressed.
In the upper lefthand corner, a Latin inscription proclaims that‘As
the just complaint of the unjust even the pain of the rod is as medicine
to me’, and in the lower righthand corner there is an outstanding
and hitherto unidentified sonnet which complains that ‘others’
have taken away the fruit of the author’s love.
With the help of experts in linguistics, medicine, botany and criminology,
I have identified its author as Shakespeare and the elegant enceinte stranger as Elizabeth Vernon, who married Southampton in late August 1598.
A senior gynaecologist states that, in his opinion, the pregnant woman
in the painting is about eight to 12 weeks before childbirth. Vernon’s
daughter Penelope was born on Nov. 8, 1598 - about 10 weeks later.
In a later portrait showing the countess at her toilet at Boughton House,
Northants, I discovered a hitherto unnoticed hint. Vernon is p o i n t
i n g t o S h a k e s p e a r e ’ s f a c e, which is stitched on
her right sleeve. Since 16th century painitings are generally serious
historical sources, this is a c l e a r m e s s a g e t o p o s t e r
i t y. Love’s Labour’s Lost contains the lines, ‘This
gallant pins the wenches on his sleeve;/ Had he been Adam, he had tempted
Eve’.
In 1615, Penelope, Vernon’s beautiful first born daughter whom her
contemporaries regarded as the embodiment of all femaled virtues, married
Lord Spencer. A German CID scientist has confirmed from examining Van
Dyk’s portrait of her that there is striking resemblance to Shakespeare
but none whatsoever to Southampton.
My book T h e S e c r e t o f S h a k e s p e a r e ’ s ‘D
a r k L a d y’: Revelations Based on Documentary Evidence has r e c e n t l y b e e n p u b l i s h e d in Darmstadt.
It is interesting to note that Rowse emphasised in 1964 the sonnet’s
autobiographical character, remarking: ‘How modern, how recognisable
it all is!’
Prof Hildegard Hammerschmidt-Hummel Mainz University, Germany“
g. Interviews
“Interview mit Prof. Dr.
med. Peter Berle am 17. Oktober 1999”, Anglistik. Mitteilungen
des Deutschen Anglistenverbandes (September 2000), S. 155 - 158.
Mit 1 Abb. (Frankfurter Buchmesse, Interviewer: H. Hammerschmidt-Hummel).
H.H.H.: Herr Professor Berle, ich möchte Ihnen zunächst
sehr herzlich danken, daß Sie zum Stand des Primus Verlags auf der
Frankfurter Buchmesse gekommen sind. Wir befinden uns hier vor einer großformatigen
Reproduktion des Gemäldes ‘The Persian Lady’ von Marcus
Gheeraerts d. J., das zwischen 1590 und 1600 entstand, also genau in der
Dekade, in der auch Shakespeares Sonette geschrieben wurden. Es handelt
sich um eine festlich gekleidete, bisher nicht identifizierte Dame, die
ein ganz auffälliges Merkmal aufweist. Sie ist schwanger. Dazu haben
Sie, Herr Professor Berle, sich in Ihrer Eigenschaft als Chefarzt einer
Frauenklinik und Hebammenschule 1997 gutachterlich geäußert.
Ihr Befund: Die schwangere Unbekannte stehe rund 8 bis 12 Wochen vor dem
Geburtstermin.
Ich möchte Ihnen vorab eine ganz hypothetische Frage
stellen, um Sie dann anschließend zu bitten, noch einmal auf die
Schwangerschaftsmerkmale der Porträtierten einzugehen und sie zu
erläutern. Angenommen, ein Literaturwissenschaftler würde behaupten,
die ‘Persian Lady’ sei gar nicht schwanger, was würden
Sie ihm entgegnen?
Prof. Berle: Ich würde ihm entgegnen, daß
die von Marcus Gheeraerts d. J. naturgetreu wiedergegebene vornehme Dame
dann zumindest einen Ovarial-Tumor im Bauchraum haben müßte.
Denn eine derartige Figur ist nicht vorstellbar, ohne daß ein medizinisches
Symptom vorliegt.
H.H.H. Könnten Sie uns nun bitte anhand der großformatigen
Reproduktion des Bildes die äußeren Merkmale, auf die sich
Ihr Befund stützt, zeigen und erläutern?
Prof. Berle: Ich hatte bereits schriftlich dargelegt,
daß sich die ‘Persian Lady’ nach meiner Meinung etwa
in der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche befindet. Davon ging ich deswegen
aus, weil ich den Nabel dieser Dame sozusagen virtuell lokalisieren konnte.
Wenn ich mir das Bild heute ansehe, kommt übrigens noch ein zusätzliches
Merkmal hinzu, mit dem man den Nabel tatsächlich noch etwas besser
positionieren kann. Die ‘Persian Lady’ stützt sich mit
der linken Hand auf den Beckenkamm. Und der Nabel liegt praktisch genau
in Höhe des Beckenkammes, zumindest richten wir uns danach, wenn
wir zum Beispiel Bauchdeckenplastiken oder dergleichen anfertigen. Der
Nabel wird in Höhe des Beckenkammes positioniert und so ist es auch
hier. Der Nabel der ‘Persian Lady’ liegt etwas unterhalb des
über dem Bauch hängenden Ringes. Wenn man nun davon ausgeht,
daß in dieser Höhe in der 24. Woche der höchste Stand
der Gebärmutter ist und sich unterhalb dieses Nabels dann die Schwangerschaft
vorwölbt wie eine Kugel, müßte die Vorwölbung deutlich
weiter unten sein. Das Kleid würde dann aber völlig anders fallen.
Die größte Vorwölbung liegt in diesem Fall aber tatsächlich
etwas höher, nämlich zwei bis vier Querfinger oberhalb des Nabels.
Der Fundus der Gebärmutter steht in der 28.-32. Woche etwa zwei bis
drei oder vier Querfinger oberhalb des Nabels, aber noch nicht in Höhe
des Rippenbogens, was auf die 36. Woche hindeuten würde. Ich meine
daher, daß wir diese Schwangerschaft in die 28.-32. Woche legen
können.
H.H.H.: Herr Prof. Berle, ich danke Ihnen sehr herzlich
für diese ausführliche Stellungnahme, in der Sie Ihren gutachterlichen
Befund durch die Entdeckung eines zusätzlichen Merkmals noch weiter
erhärten konnten.
Ich möchte Sie, wenn Sie erlauben, noch auf einen
anderen Punkt Ihres Gutachtens ansprechen. Sie führen aus, daß
bei der ‘Persian Lady’ Wassereinlagerungen noch nicht feststellbar
sind und konnten auch aufgrund dieser Tatsache den von Ihnen ermittelten
Schwangerschaftsstand bestätigen. Könnten Sie bitte auf diesen
Punkt noch einmal kurz eingehen? Und wäre es Ihnen möglich,
dabei auch das Gesicht auf dem authentischen Porträt der Gräfin
von Southampton zu berücksichtigen, dessen fotomechanische Reproduktion
(Maße 75x44 cm) ich mitgebracht habe?
Prof. Berle: Wie groß ist der Zeitunterschied zwischen
diesen beiden Bildern?
H.H.H.: Der Zeitunterschied zwischen den beiden Gemälden
dürfte ca. 1-2 Jahre, eventuell bis zu 5 Jahren betragen. Auf dem
authentischen Porträt muß Elizabeth Vernon bereits Gräfin
von Southampton sein. Denn der hermelinbesetzte Samtmantel am rechten
Bildrand zeigt ihren hohen sozialen Status an. Und: Sie ist auf diesem
Bildnis nicht schwanger, so daß das Porträt nach der Entbindung
am 8. November 1598 und nach der Entlassung aus dem Fleet-Gefängnis
entstanden sein muß, in das die Königin sie Anfang September
1598 hatte werfen lassen. Als Entstehungszeit muß daher 1599-1600
oder 1601-1603 angenommen werden. Im Februar 1601 wurde der Graf von Southampton
wegen seiner Beteiligung an der Essex-Rebellion zum Tode verurteilt. Das
Urteil wurde jedoch in lebenslange Haft im Tower umgewandelt. Erst Jakob
I., Elisabeths Nachfolger, begnadigte Southampton und setzte ihn wieder
in seine alten Rechte ein.
Prof. Berle: Sie haben es völlig richtig gesagt.
Man sieht, daß die Gräfin von Southampton (bei der Toilette)
nicht schwanger, die ‘Persian Lady’ jedoch hoch schwanger
ist.
H.H.H.: Das Gesicht der Gräfin von Southampton zeigt
gegenüber dem Bild der ‘Persian Lady’ einiges Fettgewebe,
das die Gesichtsumrißform leicht verändert. Die markant geformte
Kinnspitze, ein ganz entscheidendes Erkennungsmerkmal der Gräfin,
ist jedoch bei genauem Hinschauen deutlich erkennbar. Diese leichten äußerlichen
Veränderungen erklären sich aus den veränderten Lebensumständen
der Gräfin.
Im Jahre 1598 war Elizabeth Vernon, Hofdame Elisabeths
I., einer Art Dauerstreß ausgesetzt: der Streit des Grafen von Southampton
mit dem Höfling Willoughby (Ende Januar), der angedeutet hatte, bei
Vernon sei noch ein anderer Mann im Spiel - die daraufhin geplatzte Heirat
- Southamptons Antritt einer 2jährigen Reise nach Kontinentaleuropa
am 10. Februar - Vernons Schwangerschaft, die im Sommer nicht mehr zu
verbergen war - ihre Verbannung vom Hof - ihre heimliche Eheschließung
mit dem Grafen von Southampton ohne königliche Erlaubnis - ihre (begründete)
Furcht vor dem Zorn und der Strafe der Königin - alles das waren
erhebliche psychische Belastungen, die auch äußerlich Spuren
hinterlassen haben müssen. Es kann daher nicht verwundern, daß
das Gesicht der schwangeren ‘Persian Lady’, bei der es sich
laut BKA-Vergleich (und gemäß schlüssiger Erklärung
der beiden festgestellten Abweichungen) um die Gräfin von Southampton
handelt, angestrengt, schmal und bläßlich und das Gesicht der
Gräfin bei der Toilette demgegenüber entspannt, etwas fülliger
und gerundeter erscheint. Denn nach der Entbindung (im Gefängnis)
und nach den extremen Belastungen und Strafen des Jahres 1598 (einschließlich
einer fast dreimonaten Inhaftierung) konnte die Gräfin nun ein sorgenfreies
Wohlleben in Luxus führen.
Prof. Berle: Das Gesicht der Schwangeren ist schon etwas
gestreßt, wenn man das so modern ausdrücken möchte. Man
sieht es auch an den Augen. Aber was sie mit Sicherheit nicht hat: Sie
hat keine Wasseransammlungen, also keine schwangerschaftsbedingten vermehrten
Einlagerungen von Wasser, was wir häufig im letzten Drittel, also
ab der 32.-34. Woche erwarten. Dies deutet eigentlich schon darauf hin,
daß die ‘Persian Lady’ noch nicht in den letzten 6 Wochen
vor dem errechneten Entbindungstermin steht. Zudem zeigt auch der Ring
am Daumen an, was ich in meinem Gutachten bereits dargelegt habe, daß
die Schwangere noch keine Gestose (schwangerschaftsbedingte Wassereinlagerungen)
hat. Denn dann könnte sie diesen Ring nicht mehr tragen. Schwangere
Frauen mit Wassereinlagerungen ziehen ihre Ringe ab, weil sie sie abends
oder zum Waschen sonst nicht mehr abbekommen oder nur noch mit Hilfsmitteln
wie etwa Seife.
Das Kinn ist natürlich auch sehr schmal. Auch das
spricht eigentlich eher dafür, daß die ‘Persian Lady’
noch nicht im letzten Drittel der Schwangerschaft steht. Ich meine, daß
die genannten schwangerschaftsbedingten Erkrankungen, die vorwiegend im
letzten Drittel der Schwangerschaft auftreten, auf dem Bild der ‘Persian
Lady’ nicht zu erkennen sind. Bei dem gerundeteren Kinn auf dem
Porträt der Gräfin von Southampton bei der Toilette, das wohl
aus einer leicht veränderten Perspektive gemalt wurde, ist jedoch
die Kinnspitze [wie bei der ‘Persian Lady’] vorhanden.
HHH.: Wenn ich noch eine letzte Frage anschließen
darf. Ist Ihnen auf dem authentischen Porträt der Gräfin von
Southampton eine Besonderheit aufgefallen - etwa ein Bildhinweis des Malers?
----- Ich sehe, daß dies nicht der Fall ist, und darf sogleich hinzufügen,
daß bisher keine der von mir befragten Personen auf diese Frage
eine Antwort geben konnte. Auch ich selber habe diese Botschaft des Malers
keineswegs sogleich bemerkt. Erst nach wiederholter intensiver Beschäftigung
mit diesem Porträt entdeckte ich, daß sich am rechten äußeren
Ärmel der Gräfin in der Höhe ihres Ellenbogens ein Gesicht
befindet.
Könnten Sie sich als Mediziner zu der Frage äußern,
ob es sich auch nach Ihrer Meinung um ein menschliches Gesicht und nicht
nur um ein Stück Stoff mit einem Muster handelt, in das man ein Gesicht
hineindeuten kann?
Prof. Berle: Nein, nein, ich bin schon fasziniert, daß
Sie das erkannt haben. Es handelt sich eindeutig um ein Gesicht. Daneben
könnte man fast eine Maske sehen. Doch das geht wiederum zu weit.
Aber das Gesicht ist eindeutig zu erkennen.
H.H.H.: Diese Meinung vertrat auch der von mir konsultierte
BKA-Sachverständige. Er bestätigte ferner, daß dieses
Gesicht die Züge William Shakespeares trage.
Es gibt im Englischen die Redensart ‘to wear one’s
heart upon one’s sleeve’, auf die sich der Maler beziehen
dürfte. Auch im Werk Shakespeares gibt es dafür einen Beleg.
In Love’s Labour’s Lost wird von einem Galan gesagt, er hefte
sich seine weiblichen Eroberungen an den Ärmel: “This gallant
pins the wenches on his sleeve / Had he been Adam he had tempted Eve”.
Prof. Berle: Ob man das tatsächlich als Erfolgstrophäe
interpretieren sollte, sei dahingestellt, obwohl man ja auch heute sehr
großzügig mit seinen Partnerschaften umgeht. Auf jeden Fall
entspricht die Positionierung des Gesichts am Ärmel der Gräfin
von Southampton der Redensart und dem genannten Shakespeare-Zitat.
H.H.H.: Herr Prof. Berle, ich danke Ihnen sehr herzlich
für dieses Interview.
Abbildung: Ausschnitt des Gemäldes “Elizabeth
Wriothesley, geb. Vernon ...”. Stark vergrößerte Wiedergabe
der Gesichtszüge Shakespeares am rechten Arm der Gräfin in Ellbogenhöhe.
Bildzitat aus dem Band Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’.
Das von dem Befragten auf sachliche Richtigkeit
überprüfte Interview wurde geführt von Hildegard Hammerschmidt-Hummel,
Autorin des Buches Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’:
Dokumentation einer Enthüllung (Darmstadt: Primus Verlag, 1999).
[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung
des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens,
Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg,
Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]
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“Interview mit Prof. Dr.
med. Wolfgang Hach am 17. Oktober 1999”, Anglistik. Mitteilungen
des Deutschen Anglistenverbandes (September 2000), S. 159 - 160 (Frankfurter
Buchmesse - Interviewer: H. Hammerschmidt-Hummel).
H.H.H.: Herr Professor Hach, ich freue mich, daß auch Sie heute
zum Stand des Primus Verlags auf der Frankfurter Buchmesse gekommen sind.
Wir befinden uns hier vor der großformatigen Reproduktion des Gemäldes
“The Persian Lady”, die ein auffälliges Merkmal aufweist.
Sie ist schwanger. Sie, Herr Professor Hach, haben sich 1997 gutachterlich
zu einer Reihe von Schwangerschaftsmerkmalen auf dem Gemälde ‘The
Persian Lady’ geäußert, das Sie Bild B nannten. Zum Vergleich
hat Ihnen auch das Bildnis der Gräfin von Southampton bei der Toilette
vorgelegen. Sie nannten es Bild A. Sie verwiesen auf den starken Leibesumfang
der ‘Persian Lady’, die Vergrößerung ihrer Brüste,
ihre Schulterregion, ihren Halsumfang, ihre leichten Glanzaugen, ihre
auffallend blasse Haut, ihren allgemeinen Ausdruck und ihre Kleiderfalten.
Ihre Erklärung für die leichten Glanzaugen der ‘Persian
Lady’ lautete, daß während der Schwangerschaft eine erhöhte
Absonderung von Schilddrüsenhormonen erfolgt und daß die leichte
Überfunktion der Schilddrüse eine Schwellung der Fettkörper
hinter dem Auge bewirkt und die Augen dadurch auffallend groß erscheinen.
Könnten Sie uns dieses Erscheinungsmerkmal anhand der hier ausgestellten
Reproduktion des Gheeraertsschen Gemäldes bitte noch einmal aufzeigen
und kommentieren.
Prof. Hach: Zunächst zur Schilddrüse selber.
Man sieht auf Bild A, daß die Dame eine Kette trägt, die den
Hals eng umschließt. Auf Bild B trägt sie eine solche Kette
nicht. Das mag damit zusammenhängen, daß der Halsumfang während
der Schwangerschaft zugenommen hat. Bei den Germanen, die eng anliegende
Halsketten trugen, gab es den Ausdruck ‘die Halskette wird zu eng’.
Angespielt wurde damit auf die Schwangerschaft einer Frau.
Die Vergrößerung der Schilddrüse bewirkt
in der Schwangerschaft eine etwas erhöhte Hormonausschüttung.
Dadurch kommt es - wie in meinem Gutachten dargestellt - zu einer Schwellung
des Fettkörpers hinter den Augen. Die Augen treten ein kleines bißchen
stärker hervor. Man spricht deshalb von einem Glanzauge. Ein großes
Auge wird als schön empfunden und deswegen gilt eine Frau am Ende
ihrer Schwangerschaft als besonders schön. Dies gilt auch für
die ersten Monate nach der Entbindung.
Auf Bild A sieht man, daß die Augenlider die Iris
halb umgreifen, auf Bild B reichen die Augenlider nur bis zum oberen Rand
der Iris, das heißt, daß die Augen dieser Dame (der ‘Persian
Lady’) insgesamt größer sind. Wenn man - wie im Fall
der ‘Persian Lady’ - sogar das Augenweiß am unteren
Augenrand erkennen kann, spricht man von dem sogenannten Bell’schen
Phänomen. Das ist der Ausdruck des Glanzauges. Nach der Schwangerschaft
bilden sich diese Veränderungen wieder vollkommen zurück.
H.H.H.: Herr Prof. Hach, ich danke Ihnen sehr herzlich
für dieses Interview und darf abschließend noch einmal zusammenfassen:
Die großen, glänzenden und hervortretenden Augen der “Persian
Lady” erklären sich nach Ihrer Meinung durch die erhöhte
Hormonansammlung hinter den Augen, die während der Schwangerschaft
eintritt. Sie sind eine vorübergehende schwangerschaftsbedingte Erscheinung
(Glanzauge bzw. Bell’sches Phänomen), die sich nach der Entbindung
zurückbildet. Auf dem Porträt der nicht schwangeren Gräfin
von Southampton ist dieses Symptom nicht mehr vorhanden. Dies ist die
medizinische Erklärung für den unterschiedlichen Augenausdruck
auf den beiden Porträts.
Das von dem Befragten auf sachliche Richtigkeit
überprüfte Interview wurde geführt von Hildegard Hammerschmidt-Hummel,
Autorin des Buches Das Geheimnis um Shakespeares ‘Dark Lady’:
Dokumentation einer Enthüllung (Darmstadt: Primus Verlag, 1999).
[Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung
des Herausgebers der Anglistik: Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens,
Institut für Anglistik und Amerikanistik, Am Hubland, D-97074 Würzburg,
Tel.: 0931-888-5408, Fax: 0931-888-5413, E-mail: ruediger.ahrens@mail.uni-wuerzburg.de]
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“‘Ich glaubte es selbst
kaum’ - Interview mit der Entdeckerin der ‘Dark Lady’”, Focus (6. September 1999), S. 178: |
Focus: Shakespeare verwandt mit Lady Di. Ist
das nicht ein bisschen zu verrückt für seriöse Wissenschaft?
Hammerschmidt-Hummel: Mit einem solchen Nebenergebnis
hatte ich nicht gerechnet, ich konnte es selbst kaum glauben. Ich habe sogar
mit dem Gedanken gespielt, es nach dem Unfalltod der Prinzessin zu verschweigen.
Ich wollte nicht zu den Sensationsautoren gezählt werden.
Focus: Erkennen Sie im Film ‘Shakespeare
in Love’ Parallelen?
Hammerschmidt-Hummel: Die wunderbare Story
des Films ist völlig frei erfunden. Mein Buch dagegen enthält die
wahre Geschichte, ‘Shakespeare’s True Love’, die noch atemberaubender
ist als die Fiktion. Als der Film 1998 herauskam, war mein Manuskript schon
lang beim Notar hinterlegt.
Focus: Muss man sich nun vom Dichter ein anderes
Bild machen? Ein höfischer Casanova etwa?
Hammerschmidt-Hummel: Casanova, nein. Aber
wir kennen jetzt das Geheimnis seiner tiefen Liebe zu Elizabeth Vernon. Sie
heiratet seinen Nebenbuhler. Diese Dreiecksbeziehung beschreibt der Poet in
den Sonetten.
Focus: Könnte es nicht sein, dass die
Ereignisse ganz anders waren?
Hammerschmidt-Hummel: Dann müsste man
alle von mir gefundenen Indizien unterschlagen. Es scheint zudem nicht allgemein
bekannt zu sein, dass Gemälde aus der Renaissance eine wertvolle und verlässliche
historische Quelle sind.”
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